In den siebziger Jahren hätte der Mercedes E 300 BlueTEC Hybrid die Bezeichnung 210 D erhalten. Denn angetrieben wird das Modell von dem bekannten Vierzylinder-Dieselmotor mit 2,1 Litern Hubraum, 150 kW (204 PS) Leistung und 500 Newtonmetern Drehmoment. Doch dazu kommt noch die Kraft eines Elektromotors mit 20 kW (27 PS) und 250 Newtonmetern. Das ergibt zusammen einen Antriebsstrang auf dem Leistungsniveau des E 300 CDI, und das rechtfertigt nach Ansicht von Mercedes auch die Namensziffer des neuen Modells.

Die Verrenkungen bei der Nomenklatur lenken leicht von der immensen Bedeutung dieses Autos ab, das jetzt auf der Automesse in Detroit seine Weltpremiere feiert: Mit der Hybridisierung des Vierzylinder-Diesels gehören die Stuttgarter nach dem französischen Konzern PSA (Peugeot, Citroën) nicht nur zu den Ersten, die überhaupt eine Kombination aus E-Motor und Selbstzünder anbieten. Mercedes hat hier einen Antriebsstrang entwickelt, der im Verkauf massenrelevant werden kann wie kein anderer für die Marke.

Entscheidend ist der Verbrauch: Er verringert sich im Normzyklus gegenüber dem E 250 CDI um etwa 15 Prozent auf 4,2 Liter je 100 Kilometer, was 109 Gramm CO2 pro Kilometer entspricht. Mercedes verspricht, dass die Reduktion des Dieselkonsums "auch im realen Straßenverkehr" funktioniert. Die Hybridisierung verbessert aber nicht nur den Verbrauch und senkt die Emissionen. Auch der Komfort wird größer. Das Anfahren etwa kann vollelektrisch erfolgen. Nachdem der Motor an der roten Ampel verstummt ist, wird er sanft wieder angelassen – statt mit einem Rumpeln.

Außerdem bekommt der Begriff Rekuperation hier seine Berechtigung: Der E 300 BlueTEC Hybrid gewinnt tatsächlich Bremsenergie zurück und speichert sie in der Batterie zwischen, um sie beim Anfahren wieder zu verwenden. Zuvor und bei vielen Konkurrenten wurde und wird der Begriff Rekuperation lediglich für die bedarfsabhängige Steuerung der Nebenaggregate verwendet. Zugleich ist die Technik so im Wagen verbaut, dass weder im Innen- noch im Kofferraum das Raumangebot vermindert wird.

Mercedes bringt den E 300 BlueTEC Hybrid in diesem Jahr auf den Markt und spricht dabei von einem "moderaten Aufpreis". Es ist keine gewagte Prognose, dem Modell Erfolg vorauszusagen. Die Kunden werden zugreifen – der gestiegene Komfort wird nach der ersten Probefahrt ein vielleicht noch wichtigeres Argument als der gesunkene Verbrauch. Und es ist sehr wahrscheinlich, dass der Antriebsstrang des E 300 BlueTEC Hybrid auch in die C- und S-Klasse passt und in Zukunft angeboten wird.