Saab Automuseum unterm Hammer
Die Saab-Insolvenzverwalter wollen das firmeneigene Museum zu Geld machen und nehmen Gebote für die Wagen an. Der Saab-Oldtimerverein fürchtet den Zerfall der Sammlung.
© Saab

Der Ur-Saab von 1946
Nach der Insolvenz des schwedischen Autoherstellers Saab versuchen die Insolvenzverwalter alles irgendwie zu Geld zu machen, betroffen ist auch das Werksmuseum. Die Sammlung am Stammsitz Trollhättan mit mehr als 100 Fahrzeugen – darunter sind Raritäten wie der handgefertigte Ur-Saab von 1946 – wird nun versteigert.
Das Saabmuseum hat über Jahrzehnte hinweg Wagen aus den verschiedenen Baureihen des schwedischen Autoherstellers gesammelt. Dazu zählen Exemplare der Saab-Modelle 96, 9000 und 9-5 – es sind in der Regel die jeweils letzten gefertigten Fahrzeuge, die vom Band liefen. Neben dem Ur-Saab finden sich zudem weitere Unikate im Besitz des Museums, etwa Studien wie das letzte Showcar von 2006 oder Testfahrzeuge, die keine Straßenzulassung haben. Außerdem gehören Rennwagen wie der Roadster Saab Sonett 1 von 1956, der für die Mille Miglia konzipiert worden war, zur Sammlung.
James-Bond-Fans dürften sich für den Saab 900 Turbo "Silver Beast" von 1981 interessieren, der ebenfalls in Trollhättan im Museum steht. Zwar tauchte das Fahrzeug in keinem der Bond-Filme auf, aber in mehreren Bond-Romanen fährt der Geheimagent den Wagen mit schutzsicherem Glas, Infrarotbrille und einem Gerät, das zum eigenen Schutz eine Nebelwand erzeugen kann. Das Museumsfahrzeug trägt zudem das Nummernschild "SAAB 007".
Die Insolvenzverwaltungen Delphi/Wistrand, die den Pleitefall Saab betreuen, nehmen bis Freitagmittag noch schriftliche Gebote für die Fahrzeuge entgegen. Dazu gibt es im Internet eine Liste der angebotenen Objekte mit Fotos und Detailangaben. Interessenten können sich schriftlich an den Anwalt Bo Stefan Arleij von Wistrand wenden.
Bleibt der Ur-Saab in Schweden?
Der schwedische Saab-Oldtimerverein spricht schon von einer "nationalen Katastrophe" – nicht nur für den Fall, dass die Sammlung auseinanderfallen sollte, sondern auch, falls der Ur-Saab ins Ausland verkauft werden sollte. Der Prototyp gilt als wichtiges Stück der schwedischen Designgeschichte. Er soll Schätzungen zufolge wenigstens zwei Millionen schwedische Kronen (rund 228.000 Euro) wert sein.
Doch bislang ist die Entscheidung darüber noch nicht getroffen. Am Ende entscheiden die Vertreter von Delphi und Wistrand über den Zuschlag. Dabei dürften die schwedischen Saab-Fans zum einen auf das Nationalmuseum in Stockholm setzen, das sich schwedischen Medien zufolge mindestens für den Ur-Saab interessiert, wenn nicht gar für die gesamte Sammlung. Das Nationalmuseum will das derzeit nicht kommentieren.
Zum anderen zeigt das Unternehmen Innovatum – Betreiber eines Technikforschungszentrums in Trollhättan – Interesse am Saabmuseum. Die Gespräche mit den Konkursverwaltern laufen bereits, wie die regionale Tageszeitung Ttela berichtete. Demnach haben die Stadt Trollhättan und die Region Västra Götaland finanzielle Unterstützung zugesichert, damit Innovatum das Museum weiter betreiben kann. Dazu müssten allerdings die Betriebskosten gesenkt werden. Saabs Oldtimerverein hat dafür bereits angeboten, ehrenamtlich Museumspersonal zu stellen.
Saab hatte am 19. Dezember den Insolvenzantrag gestellt, nachdem Verhandlungen mit einem chinesischen Autohersteller gescheitert waren. Saab hat Milliardenschulden bei Zulieferern, außerdem wurden seit Ende November die Löhne nicht gezahlt. Die Produktion ruht seit Monaten. Bis Anfang 2010 gehörte Saab zu General Motors und wurde dann vom kleinen niederländischen Sportwagenbauer Spyker Cars übernommen.
- Datum 19.01.2012 - 13:47 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 2
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Ansprüche an andere stellen sich leicht.
Soll der Oldtimerclub doch das Museum kaufen.
Eine "nationale Katastrophe" ist aber schon was anderes.
Na - wenn's dem Nabel dient mit dieser Besserwisserei.
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