Mitunter liegen die besten Geschäftsideen buchstäblich auf der Straße: Bei Sven Külper, 32, und Niclaus Mewes, 33, war es genau so. Als die beiden Hamburger nach einer Kneipentour mitten in der Nacht durch Münchens Innenstadt stolperten und eine halbe Stunde lang kein Taxi, geschweige denn ihr Hotel fanden, war ihnen klar: Das muss schneller und bequemer gehen. Eine neue Geschäftsidee war geboren.

Heute zücken sie bei solchen Gelegenheiten nur noch die Smartphones und aktivieren das von ihnen entwickelte Programm MyTaxi. In der Regel kommt wenige Minuten später ein Wagen.

Die Handysoftware bestimmt via Satellitenpeilung GPS den Aufenthaltsort der Kunden, zeigt an, welche Taxen in der Nähe sind und lässt sie per Knopfdruck anrücken. Die Kunden sehen auf dem Display nicht nur das Bild des Fahrers und die Bewertungen früherer Reisender. Sie können live verfolgen, wie der Wagen anrollt. In mehr als 30 Städten funktioniert der Service bereits, darunter Hamburg, Berlin, Köln, München und Wien. Doch für die Cousins Külper und Mewes ist das erst der Anfang.

Ihre Software ist nur wenige Megabyte groß und doch eine der nützlichsten Innovationen im App-Kosmos. Zumal einiges dafür spricht, dass MyTaxi in diesem Jahr die Taxibranche auf den Kopf stellen wird.

7.000 registrierte Taxifahrer in Deutschland

Bislang nämlich konnten Kunden Fahrer nur via Zentrale ordern. Die kassieren für ihre Dienste je nach Stadt 100 bis 700 Euro pro Monat, egal, wie viele Touren sie weiterleiten. "Viel zu viel", schimpft ein Taxifahrer in Berlin, der nicht genannt werden möchte. "In vielen Monaten lohnt sich der hohe Preis nicht." MyTaxi dagegen nimmt pro Fahrt 79 Cent Gebühr, vermittele aber an vielen Tagen schon mehr Touren als die Zentrale, versichert der Berliner Fahrer.

Das spricht sich herum. Laut MyTaxi haben sich inzwischen rund 7.000 der 180.000 Taxifahrer in Deutschland für die App registriert. Etwa 800.000 Kunden haben schon Taxen mit der Software geordert.

"Das Besondere ist, dass die App einen standortbezogenen Dienst anbietet und so einen großen mobilen Mehrwert für den Kunden bietet", sagt Tobias Kollmann, Professor für E-Entrepreneurship an der Universität Duisburg-Essen. Genau dieser Mehrwert ist auch der Schlüssel für ein funktionierendes Geschäftsmodell.