Smartphone-AppMyTaxi krempelt die Taxibranche um
Seite 3/3:

Die Konkurrenz holt auf

Der Erfolg spricht sich herum: In London etwa sind mittlerweile die Apps Hailo und Go taxi auf dem Markt. Und die deutschen Taxizentralen kontern die Handykonkurrenz mit eigenen Programmen, wie etwa Taxi.eu, das von Taxi Berlin vertrieben wird. Damit kann der Reisende 40.000 Taxen und 150.000 Fahrer in 60 Städten europaweit kontaktieren. Daneben haben viele lokale Zentralen weitere Handydienste.

"Apps werden die Szene verändern, aber eine Nische bleiben", gibt sich Hermann Waldner mit Blick auf MyTaxi gelassen. Er ist Geschäftsführer von Taxi Berlin. Verglichen mit dem Programm der Hamburger Gründer ist seine App eher schlicht gehalten. Sie ersetzt den Anruf bei der Zentrale. Möglichkeiten, den Fahrer direkt zu kontaktieren, bietet sie nicht.

Anzeige

Auch in Hamburg schaut man selbstbewusst auf den Konkurrenten MyTaxi: "Jetzt verändert sich die Landschaft ein bisschen", sagt Günther Möller, Geschäftsführer von Taxi Hamburg 6x6. "Aber es ist nur die Gruppe der iPhone- oder Smartphone-Nutzer, die das Programm einsetzt."

Külper und Mewes haben die Taxi-Zentralen auch schon weniger entspannt erlebt: "Die versuchen uns den Markteintritt zu erschweren", sagt Külper. "Manchmal dürfen Fahrer keine Werbung für uns machen oder nicht für uns fahren", sagt er. Unternehmer Möller in Hamburg zumindest versichert, er habe kein Problem mit MyTaxi. "Wir haben auch nicht auf unsere Fahrer eingewirkt, wenn diese Aufträge von MyTaxi ausführen." Man habe ja eine eigene App, und die laufe gut.

Zahlen ohne Bargeld, Beleg per Mail

E-Business-Experte Tobias Kollmann sieht MyTaxi dennoch im Vorteil. "Sie haben es bereits auf die mobilen Endgeräte und in die Aufmerksamkeit des Kunden geschafft. Der fragt sich somit, ob er noch eine zweite App haben muss", sagt er.

Das reicht den MyTaxi-Gründern nicht: Nach dem kürzlich erfolgten Start in Wien sollen Zürich und Barcelona folgen, und bis Jahresende soll die Mannschaft auf 80 Köpfe wachsen. Inzwischen läuft die Software neben iPhones auch auf Android-Handys. Eine Blackberry-Version ist im Test. Und bald soll das Programm auch Vorbestellungen und bargeldloses Zahlen ermöglichen: Wer will, hinterlegt als Vielfahrer seine Kreditkartendaten in der App und kann damit nach der Fahrt bezahlen. Der Beleg kommt per E-Mail.

Bei allem Wachstum aber wollen die Gründer den Kontakt zu den Taxifahrern halten. Die gehören im MyTaxi-Büro sowieso zu den Dauergästen – sei es, um sich für den Dienst anzumelden oder um mit den "plietschen Jungs von der Elbstraße" zu plaudern, wie die "klugen Jungs" Külper und Mewes bei den Hamburger Chauffeuren mittlerweile heißen.

Und als einer von ihnen jüngst von einer 375-Euro-Tour nach Dänemark zurückkehrte, schickte er per Handy ein Foto vom Taxameter mit der Notiz "Danke, Boys".

Erschienen in der Wirtschaftswoche

 
Leserkommentare
    • LJA
    • 22.01.2012 um 19:51 Uhr

    Eigentlich eine recht gute Idee, aber es bleiben doch einige Fragen. Zunächst einmal, prüfen diese Systeme nur den entfernungsmäßigen GPS-Standort von Taxi und Fahrer, oder berechnen sie auch gleich die tatsächliche Erreichbarkeit ? Das kann in einer Großstadt erheblich variieren. Möglicherweise gibt es da eine Hauptstrasse oder Strassenbahnlinie, die auf den nächsten paar hundert Metern kein Abbiegen ermöglichen. Oder der Fahrgast steht in einer Einbahnstrasse bzw. Sackgasse. Dazu kommen noch große Dauerbaustellen. Oftmals ist ein anderer Fahrer schneller vor Ort, obwohl er entfernungsmäßig viel weiter weg ist. Die Programme der Taxenzentralen rechnen solche Probleme mit ein. Da steckt jahrelanges Know-How hinter, dass auch ständig aktualisiert werden muss.
    Bedenklich ist auch, dass der Besteller die persönlichen Daten des Fahrers einsehen kann. Die Zentralen nehmen grundsätzlich erst einmal keine Bestellungen in dieser Hinsicht an. Wer morgens um halb drei unbedingt eine Fahrerin an eine abgelegene Adresse bestellen will, der müsste das schon sehr gut begründen. Gleiches gilt für den Fall, dass der Anrufer von einem Fahrer mit bestimmtem Migrationshintergrund abgeholt werden möchte, oder eben auch nicht abgeholt werden möchte.
    Ich hatte zu meiner Taxi-Zeit zumindest immer ganz gerne den Kontakt zur Zentrale, damit zumindest einer wusste, wo ich mich so gerade rumtreibe.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Jetzt geht es so: Landet ein Fahrtwunsch eines Kunden via Handydatenfunk beim MyTaxi-Server, berechnet der anhand von GPS-Informationen der Taxen die Entfernung zum Kunden und pickt aus dem Pool der Taxen den Wagen heraus, der am schnellsten beim Kunden sein kann. "

    Frage beantwortet?

    "Jetzt geht es so: Landet ein Fahrtwunsch eines Kunden via Handydatenfunk beim MyTaxi-Server, berechnet der anhand von GPS-Informationen der Taxen die Entfernung zum Kunden und pickt aus dem Pool der Taxen den Wagen heraus, der am schnellsten beim Kunden sein kann. "

    Frage beantwortet?

  1. "Jetzt geht es so: Landet ein Fahrtwunsch eines Kunden via Handydatenfunk beim MyTaxi-Server, berechnet der anhand von GPS-Informationen der Taxen die Entfernung zum Kunden und pickt aus dem Pool der Taxen den Wagen heraus, der am schnellsten beim Kunden sein kann. "

    Frage beantwortet?

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • LJA
    • 22.01.2012 um 20:59 Uhr

    Denn die GPS-Systeme sind ohne lokale Bearbeitung nicht immer ganz aktuell.
    In Hannover z.B. wird den Nutzern solcher Systeme während der grossen Messe ausdrücklich empfohlen, diese auf den letzten Kilometern nicht zu benutzen, da sie mit der situationsabhängigen Einbahnstrassenregelung auf dem Messeschnellweg überfordert sind.

    • LJA
    • 22.01.2012 um 20:59 Uhr

    Denn die GPS-Systeme sind ohne lokale Bearbeitung nicht immer ganz aktuell.
    In Hannover z.B. wird den Nutzern solcher Systeme während der grossen Messe ausdrücklich empfohlen, diese auf den letzten Kilometern nicht zu benutzen, da sie mit der situationsabhängigen Einbahnstrassenregelung auf dem Messeschnellweg überfordert sind.

    • LJA
    • 22.01.2012 um 20:59 Uhr

    Denn die GPS-Systeme sind ohne lokale Bearbeitung nicht immer ganz aktuell.
    In Hannover z.B. wird den Nutzern solcher Systeme während der grossen Messe ausdrücklich empfohlen, diese auf den letzten Kilometern nicht zu benutzen, da sie mit der situationsabhängigen Einbahnstrassenregelung auf dem Messeschnellweg überfordert sind.

    Antwort auf "Kommentar 1"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... der Hannover Messe ist ja nicht eben das Umfeld, in dem man sich schwer tut, ein Taxi zu finden – die ursprüngliche Intention der Entwickler und der Hauptvorteil der App.

    • Hickey
    • 23.01.2012 um 7:39 Uhr

    Mehr gibts zu LJA nicht zu sagen...alles Hirngespinste.

    ... der Hannover Messe ist ja nicht eben das Umfeld, in dem man sich schwer tut, ein Taxi zu finden – die ursprüngliche Intention der Entwickler und der Hauptvorteil der App.

    • Hickey
    • 23.01.2012 um 7:39 Uhr

    Mehr gibts zu LJA nicht zu sagen...alles Hirngespinste.

  2. ... der Hannover Messe ist ja nicht eben das Umfeld, in dem man sich schwer tut, ein Taxi zu finden – die ursprüngliche Intention der Entwickler und der Hauptvorteil der App.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Nein, nicht so ganz"
  3. ... der sich wie PR liest.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Boah, ey. Hört das denn nie auf? Kaum wird in einem Artikel über irgendein pfiffiges oder nicht so pfiffiges Produkt gesprochen, was technisch interessant ist, kommt wieder ein Verschwörungstheoretiker um die Ecke geschossen, der von PR spricht. Was bringt Ihnen das? Weder die ZEIT noch andere Online-Medien werden darauf verzichten. Wetten?

    Boah, ey. Hört das denn nie auf? Kaum wird in einem Artikel über irgendein pfiffiges oder nicht so pfiffiges Produkt gesprochen, was technisch interessant ist, kommt wieder ein Verschwörungstheoretiker um die Ecke geschossen, der von PR spricht. Was bringt Ihnen das? Weder die ZEIT noch andere Online-Medien werden darauf verzichten. Wetten?

    • Earp07
    • 22.01.2012 um 23:51 Uhr

    die Rechnung bezahlt der angestellte Taxifahrer oder kann er diese Kosten von der Lohnsteuer absetzen? Für den Taxifahrer hat dies einige Nachteile aber da hört die Recherche auf.
    Vielleicht kommt ja noch Teil II aus der Sicht des Fahrers. Wie sieht denn die Rechnung aus wenn der Umsatz z.B. 7,70 Euro beträgt, oder Thema Fehlbestellungen etc..

    Eine Leserempfehlung
    • Hickey
    • 23.01.2012 um 7:39 Uhr

    Mehr gibts zu LJA nicht zu sagen...alles Hirngespinste.

    Antwort auf "Nein, nicht so ganz"
  4. Boah, ey. Hört das denn nie auf? Kaum wird in einem Artikel über irgendein pfiffiges oder nicht so pfiffiges Produkt gesprochen, was technisch interessant ist, kommt wieder ein Verschwörungstheoretiker um die Ecke geschossen, der von PR spricht. Was bringt Ihnen das? Weder die ZEIT noch andere Online-Medien werden darauf verzichten. Wetten?

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    1. ist das Produkt ziemlich langweilig.

    2. könnte man es auch auf 15 Zeilen abhandeln, statt auf 3 Seiten.

    3. Sie scheinen keine Vorstellung davon zu haben, wie unterwandert der Onlinejournalismus bereits von PR ist. Hier mal ein Beispiel, nur so zur Aufklärung: http://www.ndr.de/fernseh...

    Sie haben keine Ahnung, was Online-Journalismus ausmacht. Traffic, traffic, traffic! Heißt übersetzt, würde die ZEIT ihre Print-Ausgabe Donnerstag ins Netz stellen und bis einschließlich Mittwoch nichts mehr, könnte sie ihre Online-Ausgabe gleich einstellen. Für Werbekunden total uninteressant.

    Sie als Online-Leser tragen also Mitschuld. Denn Sie wollen minütlich Neues lesen. Und so müssen Sie auch mit etwas PR leben. Denn so viel Neues passiert in der Welt nicht, als dass es wirklich berichtenswert wäre. Sie können ja mal zwei Wochen im Urlaub ganz auf Nachrichten verzichten. Sie werden feststellen, eigentlich ist nicht viel los in der Welt. Denn zwei Wochen später berichtet man immer noch über die gleichen Themen, nur aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

    Es ist also klar, dass Firmen versuchen, Online-Medien für ihre Produkte zu gewinnen, indem sie Online-Journalisten diese medial aufbereiten. Denn worüber sollen die Journalisten sonst berichten, wenn nicht so viel in der Welt passiert? Und mich stört es nicht. Ich finde es durchaus interessant, was es so an neuen Produkten gibt, wenn sie etwas aus der Art schlagen. Die Welt geht davon sicher nicht unter. Am Ende gilt, es gibt keinen Lesezwang (und auch keinen Kommentierungszwang!).

    1. ist das Produkt ziemlich langweilig.

    2. könnte man es auch auf 15 Zeilen abhandeln, statt auf 3 Seiten.

    3. Sie scheinen keine Vorstellung davon zu haben, wie unterwandert der Onlinejournalismus bereits von PR ist. Hier mal ein Beispiel, nur so zur Aufklärung: http://www.ndr.de/fernseh...

    Sie haben keine Ahnung, was Online-Journalismus ausmacht. Traffic, traffic, traffic! Heißt übersetzt, würde die ZEIT ihre Print-Ausgabe Donnerstag ins Netz stellen und bis einschließlich Mittwoch nichts mehr, könnte sie ihre Online-Ausgabe gleich einstellen. Für Werbekunden total uninteressant.

    Sie als Online-Leser tragen also Mitschuld. Denn Sie wollen minütlich Neues lesen. Und so müssen Sie auch mit etwas PR leben. Denn so viel Neues passiert in der Welt nicht, als dass es wirklich berichtenswert wäre. Sie können ja mal zwei Wochen im Urlaub ganz auf Nachrichten verzichten. Sie werden feststellen, eigentlich ist nicht viel los in der Welt. Denn zwei Wochen später berichtet man immer noch über die gleichen Themen, nur aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

    Es ist also klar, dass Firmen versuchen, Online-Medien für ihre Produkte zu gewinnen, indem sie Online-Journalisten diese medial aufbereiten. Denn worüber sollen die Journalisten sonst berichten, wenn nicht so viel in der Welt passiert? Und mich stört es nicht. Ich finde es durchaus interessant, was es so an neuen Produkten gibt, wenn sie etwas aus der Art schlagen. Die Welt geht davon sicher nicht unter. Am Ende gilt, es gibt keinen Lesezwang (und auch keinen Kommentierungszwang!).

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service