Sparsam mit VerbrennungsmotorErdgas schlägt Diesel

Beim VW Touran zahlt sich der Aufpreis von 1.525 Euro für die Erdgasvariante im Vergleich zum TDI auf Dauer aus. Eine Zumutung bleiben die Tankstellen. von 

Der VW Touran

Der VW Touran  |  © Volkswagen

In der aktuellen Auto-Umweltliste des ökologisch orientierten Verkehrsclubs Deutschland (VCD) belegt ein mit Erdgas betriebenes Fahrzeug den ersten Platz bei den Siebensitzern: der Volkswagen Touran TSI Ecofuel. Die Bilanz der Umwelteigenschaften aus CO2-Emissionen, gesundheitsschädlichen Abgasen und Lärm fällt günstiger aus als für konkurrierende Diesel. Allerdings: Gegenüber dem vergleichbaren TDI kostet der Erdgas-Touran 1.525 Euro mehr.

Den Touran TDI mit 103 kW (140 PS) gibt es in der mittleren Ausstattungslinie Comfortline für 28.800 Euro; für den entsprechenden TSI Ecofuel mit 110 kW (150 PS) verlangt VW 30.325 Euro. Lohnt sich die Investition – einmal abgesehen von der Beruhigung des Umwelt-Gewissens? ZEIT ONLINE fuhr beide Touran-Varianten im direkten Alltagsvergleich und stellte fest, dass die Erdgasversion das auf Dauer günstigere sowie auch das erfreulichere Auto ist. Nur der Zustand des Tankstellennetzes ist weiter miserabel.

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Bei den Fahrleistungen besteht auf dem Papier nahezu Gleichstand. Einen kleinen Vorteil verbucht der TDI bei den Durchzugswerten: Beim Überholspurt von 80 auf 120 km/h nimmt er dem TSI Ecofuel 3,5 Sekunden ab. Viel Kraft bei niedrigen Drehzahlen im hohen Gang, das bleibt die Domäne des Diesels. In der Lebenswirklichkeit spielen diese Zahlen jedoch eher eine Nebenrolle, denn die Erdgasversion ist immer ausreichend schnell und kraftvoll.

Erdgas-Motor läuft kultivierter

Wichtiger ist der Verbrauch. Mit leichtem Gasfuß, aber unter verbrauchssteigernden Bedingungen – sehr niedrige Außentemperaturen und viele elektrische Verbraucher wie Heckscheiben- und Sitzheizung – kam der TDI auf 6,2 Liter Diesel je 100 Kilometer; VW nennt als Normwert 5,3 Liter. Der TSI Ecofuel verbrauchte pro 100 Kilometer 5,3 Kilogramm Erdgas in H-Qualität (Normwert 4,7 Kilogramm). Diese Werte werden in der Tendenz von den Nutzern des Portals www.spritmonitor.de bestätigt.

Sparsam mit Verbrennungsmotor

Für das Jahr 2020 prognostizieren Autohersteller und Marktforscher, dass Elektroautos und Plug-in-Hybride nur einen einstelligen Prozent-Anteil am Gesamtsabsatz haben werden. Mehr als 90 Prozent aller dann neu verkauften Autos werden also weiterhin ausschließlich mit Benzin, Diesel oder Gas betankt.

Sie müssen dennoch sparsamer werden – mit Verbrennungsmotor. ZEIT ONLINE erklärt in einer lockeren Serie, welche Automodelle mit welcher Technik Sprit sparen und ob die Realität hält, was Prospekte und Werbung versprechen.

Bisher erschienen

- BMW 520d Efficient Dynamics Edition: Mit fünf Litern im Fünfer BMW

- VW Touran: Erdgas schlägt Diesel

- VW Polo: Unterwegs mit halbem Motor

- Citroën DS5 Hybrid4: Der Citroën-Hybrid will es nicht jedem recht machen

- Hyundai i30 blue: Der verbrauchsarme Konkurrent des Öko-Golf

- Toyota Yaris Hybrid: Das unauffällige Spritsparwunder

- Ford Focus 1.0 Ecoboost: Keine Angst vorm Dreizylinder

- VW eco up!: Ein Auto für gemächliche Sparer

- Toyota Auris Hybrid: Prius in gefälliger Form

Jede Amortisationsrechnung kann zwar lediglich beispielhaft sein, aber beim aktuellen Dieselpreis von 1,42 Euro und einem Erdgaspreis von 98 Cent schreibt der TSI Ecofuel nach gut 42.000 Kilometern eine schwarze Null. Wann genau die Nutzungsschwelle überschritten wird, kann nur individuell errechnet werden, wobei die Kfz-Steuer und die Versicherungseinstufungen berücksichtigt werden müssen.

Kritiker monieren, dass Erdgas bloß darum einen Vorteil verbuchen kann, weil der Kraftstoff steuerbegünstigt ist. Der Einwand stimmt nur bedingt. Zwar hat der Gesetzgeber bis mindestens 2018 den Steuervorteil für Erdgas festgelegt, und die Initiative Erdgasmobilität fordert eine Verlängerung bis 2025. Aber auch der Diesel profitiert seit den 1990er Jahren von einer Steuererleichterung. Sollte sich die EU mit ihren Plänen durchsetzen, den Energiegehalt als Bemessungsgrundlage einer Steuer einzuführen, könnten sowohl Diesel als auch Erdgas teurer werden. Die Politik muss hier Planungssicherheit schaffen.

Abseits aller Berechnungen, wann und unter welchen Bedingungen der TSI Ecofuel monetär gegenüber dem TDI vorn liegt, gibt es weiche Faktoren, die für den Erdgasantrieb sprechen. Der 1,4 Liter große Ecofuel-Motor läuft schlicht kultivierter als der TDI. Der ist zwar absolut gesehen keineswegs ein Rüpel, und wer den Bariton eines Diesels schätzt, wird sich dadurch nicht abhalten lassen. Dennoch überzeugt der TSI Ecofuel durch eine größere Leichtigkeit: Er setzt Pedalbefehle spontaner in Vortrieb um, dreht williger hoch und fährt weniger träge um Kurven. Und bei Temperaturen von unter minus zehn Grad weckt man die Nachbarn nicht durch das kräftige Nageln, das den TDI auf den ersten 500 Metern unüberhörbar macht.

Leserkommentare
  1. technischer Novitäten, für die ich im Gegenzug für die Anbieter den Tester machen muss.
    Zwar ist das Erdgasauto nicht mehr so richtig neu, aber man sieht, wie langsam der Infrastruturaufbau voran geht.
    Da kann ich auch noch einen Diesel nehmen und in 4 oder 5 Jahren nochmal über Erdgas nachdenken. Vielleicht haben die, die das verkaufen wollen, bis dahin ihr Angebot akzeptabel gemacht.

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    • medwed
    • 08. Februar 2012 19:47 Uhr

    "Nicht mehr so richtig neu..." - der ist gut. Erdgasautos gibt es seit fast dreißig Jahren. Waren Sie damals überhaupt schon auf der Welt…?

  2. Die zweite Seite des Berichts zeigt deutlich, dass die Überschrift in ihrer Allgemeinheit schlicht falsch ist.
    Wenn man in einer Millionenstadt wie Hamburg 25 km Irrfahrt auf sich nehmen muss und dabei auch noch auf teures Benzin ausweichen muss, dann hat der Diesel längst gewonnen, der fährt dann schon bei Hannover oder Bremen rum oder wo immer die Reise hingehen soll.

    Wenn man eine Erdgastankstelle dicht an der Haustür hat und ein passendes Spektrum an Fahrten hat, kann der Erdgas-Touran die Dieselvariante schlagen - aber dieses kann man nicht verallgemeinern. Bei viel Langstrecke in unterschiedliche Regionen und Ausland, sowie größere Entfernung zur nächsten Gaszapfstation wird der Diesel der Sieger sein, besonders wenn man die 7 Sitze braucht.

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    Wie auch andere schon geschrieben haben: Mit einem Gas-Auto (ob CNG oder LPG) muss man seine Route eben ein bisserl planen. Es gibt Atlanten/verzeichnisse f. Gas-Tankstellen, man kann (aktuelle) POIs ins Navi laden oder auch gleich uebers Smartphone die naechste und aktuellste (und geoeffnete!) Tankstelle finden und ansteuern.
    Und nach einer Weile kennt man "seine" Tankstellen dann auch und muss nicht mehr planlos 25km umher eiern. Ein "erfahrener" CNG-Fahrer haette in Hamburg(!) sicherlich mit minimalem Umweg auf seiner Wegstrecke getankt. Davon ab wuerde ich aber trotzdem zu LPG raten, wir sind damit seit 5 Jahren zufrieden.

    • iawdw
    • 08. Februar 2012 13:33 Uhr

    Warum konnte der Tester nicht bei den fraglichen Tankstellen anrufen?
    Zumindest googlemaps bietet nach wenigen Klicks eine Telefonverbindung zu den gewaehlten Einrichtungen. Ist Aehnliches nicht im Navi integriert?

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    Das ist doch überhaupt nicht der Punkt. Halten Sie es auch für zumutbar, wenn jeder Benzin- oder Dieselkunde sich telefonisch bei diversen Tankstellen erkundigen müsste, ob zur Zeit die Möglichkeit bestünde, evtl. mal eben zu tanken?
    Der Punkt ist: die Verfügbarkeit bleibt weit hinter allen anderen Kraftstoffarten zurück. Und ich finde das schade.

    • alkyl
    • 08. Februar 2012 13:58 Uhr

    den "Erdgasatlas", der zwar im Vergleich mit dem Navigator aus der Steinzeit zu stammen scheint, aber nach kurzem Lernen sicher zur nächsten Erdgastankstelle führt. Nach einem Jahr mit meinem Erdgasauto kann ich sagen, daß ich das Fahren und Tanken in Deutschland unproblematisch finde. Extrem ätzend wird es aber, sobald man eine Grenze überfahren muß. Südschweden geht auch gerade noch, aber praktisch alle anderen europäischen Länder sind no-drive.

  3. Dabei ist Flüssiggas (LPG) genauso umweltfreundlich und ähnlich günstig. Und - sozusagen - klimaneutral, weil es so oder so verbrannt würde, entweder im Auto oder als Abfall in der Raffinerie.

    Steht halt keine kommunale Lobby dahinter.....

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    ... dann haben Sie ab Werk Flüssiggas statt Erdgas, wenn Sie das lieber wollen.

  4. Das ist doch überhaupt nicht der Punkt. Halten Sie es auch für zumutbar, wenn jeder Benzin- oder Dieselkunde sich telefonisch bei diversen Tankstellen erkundigen müsste, ob zur Zeit die Möglichkeit bestünde, evtl. mal eben zu tanken?
    Der Punkt ist: die Verfügbarkeit bleibt weit hinter allen anderen Kraftstoffarten zurück. Und ich finde das schade.

  5. ... dann haben Sie ab Werk Flüssiggas statt Erdgas, wenn Sie das lieber wollen.

  6. Die Unterschiede zum Diesel in Sachen Laufruhe, Drehmoment etc. sind hinlänglich bekannt. Im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit dagengen weniger. Ich fahre seit 2 Jahren einen Opel Zafira mit LPG - Tkm 25/p.a. und bin begeistert. Die Spritkosten mit durchschnittlich € 7,50 sind auch vom Diesel nicht zu schlagen und es gibt ein ausreichend dichtes Tankstellennetz (ca. 6000/BRD). Erdgas eignet sich m.E. nur für Fahrzeuge, die im regionalen Einsatz rund um eine Erdgastankstelle im Einsatz sind (Kommunalfahrzeuge, Handwerker mit kleinem Aktionsradius u.ä.

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    "Erdgas eignet sich m.E. nur für Fahrzeuge, die im regionalen Einsatz rund um eine Erdgastankstelle im Einsatz sind (Kommunalfahrzeuge, Handwerker mit kleinem Aktionsradius u.ä."

    Sie tun ja gerade so als hätte das Fahrzeug nur 30km Reichweite und die nächste Tanke wäre 300km entfernt. Tatsächlich kommt man mit CNG-Autos auf 300-500km und es gibt idR. einen dutzend Tankstellen im 30km-Umkreis.

    Insofern ist Ihre Annahme etwas realitätsfremd.

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