AutoklassikerBMWs Revoluzzer

Vor 40 Jahren brachte BMW die 5er-Reihe auf den Markt: ein erfolgreicher Versuch, sich ein neues Image zu geben. Unser Autor unternimmt eine Spritztour im golfgelben 528. von Sebastian Viehmann

"Verehrte gnädige Frau, sehr geehrter BMW Freund!" Ein wenig verkrampft wirkt die Begrüßung in der Betriebsanleitung des BMW 528, im Versuch, politisch korrekt zu sein. Schließlich befinden wir uns in den 1970er Jahren. Die Frauen haben begonnen, sich zu emanzipieren, und die Männerwelt eiert etwas hilflos zwischen anbiederndem Softie-Getue und lässigem Macho-Gehabe hin und her.

Auch der erste 5er BMW hat ein bisschen von beidem. Groß und komfortabel ist er, familientauglich und nicht so hart wie die flotten Renner der 02er Reihe. Aber die Motorisierung ist dennoch ein Signal für sportliche Fahrfreude: Angetrieben wird der BMW 528 von einem Sechszylinder mit 2.788 Kubikzentimetern Hubraum und einer Leistung von 165 PS. Im August 1976 stockt BMW auf 170 PS auf – aber mit dem Vergasermotor ist er noch etwas weniger spritzig als der 176 PS starke 528i, den die Münchener ein Jahr später anbieten.

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Es geht auf eine Zeitreise mit dem golfgelben 528 aus dem BMW-Museum. Schlaghose und Batikhemd sitzen hauteng an, die getönte Sonnenbrille bedeckt gefühlte 80 Prozent des Gesichts. Ein Druck aufs Gaspedal, und der Reihen-Sechszylinder schiebt die 1,4 Tonnen Auto mit Nachdruck an. Der Motor brüllt kräftig. Man muss das Radio lauter drehen, damit "Michaeeelaaa" von Bata Illic voll zur Geltung kommt.

Suche nach einem neuen Image

Die Limousine legt sich ordentlich in jede Kurve, geht dabei spürbar in die Knie. Ein reinrassiger Sportwagen ist der erste 5er nicht, aber kaum eine Mittelklasse-Limousine verbindet zu seiner Zeit Reisetauglichkeit so gut mit Fahrspaß wie der elegante BMW. Diese Kombination schätzen fast 700.000 Käufer zwischen 1972 und 1981. Sie legen den Grundstein dafür, dass der 5er in den folgenden Generationen zu einem der beliebtesten Dienstwagen für schnelle Handlungsreisende wird.

Der damalige Designchef von BMW, der Franzose Paul Bracq, hatte dem Wagen klare, fast nüchterne Linien gezeichnet. Seine Konkurrenten waren der Audi 100 und die heute als "Strich-Acht" bekannten Mercedes-Baureihen W 114/W 115. Vor allem der Benz konnte den kantig-eleganten Linien des 5er BMW nur ein altbackenes Gelsenkirchener Barock auf Rädern entgegensetzen.

Mit dem 5er, der im Olympiajahr 1972 auf den Markt kam, versuchte BMW, ein neues Image zu schaffen. Komfort und Raumangebot rückten stärker in den Mittelpunkt, ohne die Freude am Fahren zu vergessen. Der bayerische Autohersteller wollte Mercedes überflügeln, was bislang allenfalls beim Fahrspaß gelungen war und keineswegs im Hinblick auf Image oder Qualität. Im Prospekt zum 5er sprach BMW vollmundig vom "Schritt in die automobile Sonderklasse", und eine Zeitschriftenwerbung verhieß, "der 5er fährt dem Standard voraus", denn: "Nur das bessere Automobil ermöglicht den besseren Fahrer".

Leserkommentare
  1. ... heute werden die schicken Karossen auf dem Rücken von sau-billigen Leih- und Zeitarbeitern mit Jahresvertägen produziert und dafür horrende Dividenten an Aktionäre ausgezahlt. Und es wird weiter an der Lohnschraube nach unten gedreht, damit sich Vorstand und Aufsichtsrat noch mehr Prämien nehmen können, trotz Rekordgewinnen in den letzten Jahren! Fragen Sie mal in Ihrer BMW-Niederlassung nach, ob ein gelernter KFZ-Mechaniker bzw. Mechatroniker mit Festanstellung Ihr Fahrzeug repaiert hat oder ob es nicht ein armer angelernter Mahler oder Fleischermeister war mit Leihvertag?!

    6 Leserempfehlungen
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    kommt in Ihren Worten trefflich zum Ausdruck. Sollte das Problem der Beschäftigung seinen Ursprung in fehlender, aber notwendiger Querschnittsqualifikation wie korrekter Rechtschreibung haben? Ihr Beitrag lässt dies zumindest vermuten.

    • medwed
    • 20. Februar 2012 14:24 Uhr

    Was es nicht alles für Enten gibt: Mandarin-Enten, Stock-Enten, Zeitungs-Enten... - und jetzt noch Divid-Enten...

    von heute.

    Arme Schweine, die in einem modernen Mercedes herumfahren müssen.
    Reicht ihr Salär doch nicht einmal für ein fair produziertes Auto.
    Aber ihr Bedürfnis nach großem Anschein ist halt größer als das nach Größe.
    Und so wird das Bedürfnis nach Größe eben mit ner Tüte Ökokaffee befriedigt.

    Wüsst ich, dass mein Ökokaffee gar nicht so Öko ist, den brächte ich zurück.

    Es heißt nicht Mahler, sondern Müller!

  2. Angemessene Würdigung zum vierzigsten Geburtstag. Mit Schlaghosen und Batik-Hemd wäre man allerdings sofort von der Polizei herausgewunken worden. Die berechtigte Frage wäre gewesen: Was macht ein Hippie in einer teuren Familienlimousine?

    2 Leserempfehlungen
  3. BMW darf sich und seine Produkte gerne feiern und von den Medien gebührend feiern lassen. Mir ist nicht nach feiern zumute. Ich bin angenervt von dem Verein! Neulich ist mir bei arktischen Temperaturen der Diesel eingefroren, als ich in meiner Niederlassung in Berlin um Rat gefragt habe, wurde mir eröffnet, ich hätte falschen bzw. schlechten Diesel getankt und man müsse den komplett abpumpen, ein paar Filter tauschen und das alles für schlappe 500€. Kann denen mal jemand sagen, daß simples warmstellen und "auftauen" reicht?! Insofern ein Prosit auf BMW, seine Erfolge und sein geschultes "Fachpersonal" ... Mahlzeit

    2 Leserempfehlungen
    • mx-5
    • 20. Februar 2012 13:27 Uhr

    Schön, dass es jemandem auffällt, dass der erste 5er nun schon 40 Jahre alt wird. Der auf dem Bild könnte glatt auch schon so alt sein, denn entgegen der Bildunterschrift von Bild 7 ist er eindeutig vor der Modellpflege 1977 (nicht 78) gebaut worden (Niere ragt nach unten in die Stoßstange, später nach oben in die Haube, kleine Rückleuchten, Tankdeckel im Heckblech,...)

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    • mx-5
    • 20. Februar 2012 13:29 Uhr

    ... nicht Bild 7

    Redaktion

    Vielen Dank für Ihren Hinweis. Sie haben recht: Der BMW 528 im Bild stammt aus der Zeit vor der ersten Modellpflege. Wir korrigieren den Fehler.

    Beste Grüße
    Matthias Breitinger

    • mx-5
    • 20. Februar 2012 13:29 Uhr

    ... nicht Bild 7

  4. kommt in Ihren Worten trefflich zum Ausdruck. Sollte das Problem der Beschäftigung seinen Ursprung in fehlender, aber notwendiger Querschnittsqualifikation wie korrekter Rechtschreibung haben? Ihr Beitrag lässt dies zumindest vermuten.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "und heute?"
    • rugero
    • 20. Februar 2012 14:16 Uhr

    Mein erster BMW war ein 520er Bj. 1983. Er hat mich nie im stich gelassen und ich empfand ihn als sehr komfortabel, was auch die danach gekauften Modell 735 iL und 750 i galt. Irgendwann wurde mir der Spaß des BMW-fahrens nur zu teuer.

    • medwed
    • 20. Februar 2012 14:24 Uhr

    Was es nicht alles für Enten gibt: Mandarin-Enten, Stock-Enten, Zeitungs-Enten... - und jetzt noch Divid-Enten...

    Antwort auf "und heute?"

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  • Schlagworte BMW | Andreas Baader | Audi | D-Mark | Sindelfingen
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