"Verehrte gnädige Frau, sehr geehrter BMW Freund!" Ein wenig verkrampft wirkt die Begrüßung in der Betriebsanleitung des BMW 528, im Versuch, politisch korrekt zu sein. Schließlich befinden wir uns in den 1970er Jahren. Die Frauen haben begonnen, sich zu emanzipieren, und die Männerwelt eiert etwas hilflos zwischen anbiederndem Softie-Getue und lässigem Macho-Gehabe hin und her.

Auch der erste 5er BMW hat ein bisschen von beidem. Groß und komfortabel ist er, familientauglich und nicht so hart wie die flotten Renner der 02er Reihe. Aber die Motorisierung ist dennoch ein Signal für sportliche Fahrfreude: Angetrieben wird der BMW 528 von einem Sechszylinder mit 2.788 Kubikzentimetern Hubraum und einer Leistung von 165 PS. Im August 1976 stockt BMW auf 170 PS auf – aber mit dem Vergasermotor ist er noch etwas weniger spritzig als der 176 PS starke 528i, den die Münchener ein Jahr später anbieten.

Es geht auf eine Zeitreise mit dem golfgelben 528 aus dem BMW-Museum. Schlaghose und Batikhemd sitzen hauteng an, die getönte Sonnenbrille bedeckt gefühlte 80 Prozent des Gesichts. Ein Druck aufs Gaspedal, und der Reihen-Sechszylinder schiebt die 1,4 Tonnen Auto mit Nachdruck an. Der Motor brüllt kräftig. Man muss das Radio lauter drehen, damit "Michaeeelaaa" von Bata Illic voll zur Geltung kommt.

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Die Limousine legt sich ordentlich in jede Kurve, geht dabei spürbar in die Knie. Ein reinrassiger Sportwagen ist der erste 5er nicht, aber kaum eine Mittelklasse-Limousine verbindet zu seiner Zeit Reisetauglichkeit so gut mit Fahrspaß wie der elegante BMW. Diese Kombination schätzen fast 700.000 Käufer zwischen 1972 und 1981. Sie legen den Grundstein dafür, dass der 5er in den folgenden Generationen zu einem der beliebtesten Dienstwagen für schnelle Handlungsreisende wird.

Der damalige Designchef von BMW, der Franzose Paul Bracq, hatte dem Wagen klare, fast nüchterne Linien gezeichnet. Seine Konkurrenten waren der Audi 100 und die heute als "Strich-Acht" bekannten Mercedes-Baureihen W 114/W 115. Vor allem der Benz konnte den kantig-eleganten Linien des 5er BMW nur ein altbackenes Gelsenkirchener Barock auf Rädern entgegensetzen.

Mit dem 5er, der im Olympiajahr 1972 auf den Markt kam, versuchte BMW, ein neues Image zu schaffen. Komfort und Raumangebot rückten stärker in den Mittelpunkt, ohne die Freude am Fahren zu vergessen. Der bayerische Autohersteller wollte Mercedes überflügeln, was bislang allenfalls beim Fahrspaß gelungen war und keineswegs im Hinblick auf Image oder Qualität. Im Prospekt zum 5er sprach BMW vollmundig vom "Schritt in die automobile Sonderklasse", und eine Zeitschriftenwerbung verhieß, "der 5er fährt dem Standard voraus", denn: "Nur das bessere Automobil ermöglicht den besseren Fahrer".