Der BMW 320d xDrive © press-inform

Wer regelmäßig zum Skifahren nach Österreich oder in die Schweiz fährt, wird es bemerkt haben: An immer mehr Straßen in den Alpenregionen weisen Schilder darauf hin, dass eine Durchfahrt bei Eis und Schnee zwingend nur mit Allradantrieb oder Schneeketten erlaubt ist. Wer bei Kontrollen allein mit Winterreifen erwischt wird, muss mit einer hohen Geldstrafe rechnen. Die lokalen Behörden wollen so verhindern, dass sich Fahrzeuge bereits an kleinen Anstiegen festfahren und den Verkehr zum Erliegen bringen. Für alle, die diese Probleme in den letzten Jahren mitbekommen haben, sicher kein abwegiger Gedanke.

Doch es gibt wohl nur wenige, die gerne Schneeketten aufziehen, und über den Komfort, mit Ketten im Straßenverkehr unterwegs zu sein, muss man kein Wort verlieren. Entspannter ist da die Fahrt in den winterlichen Bergen mit einem Allradantrieb. Dafür muss man aber nicht zwangsläufig ein SUV anschaffen – oder ein sonstiges Topmodell, an das einst bei Herstellern wie BMW der 4x4-Antrieb geknüpft war. Mittlerweile bieten sie Allrad-Varianten quer durch die Modellreihen an.

Ein Beispiel: das Coupé-Basismodell BMW 320d xDrive, eine elegante und zugleich dynamische Mittelklasselimousine. Das 3er Coupé ist in dieser Ausführung solide motorisiert: Der zwei Liter große Commonrail-Diesel bietet aus vier Zylindern eine Leistung von 135 kW (184 PS), das maximale Drehmoment von 380 Nm liegt ab 1.750 Umdrehungen pro Minute an. BMW hat die frühere Anfahrschwäche des Dieseltriebwerks dank mehrerer Überarbeitungen überwunden. Der Spurt von 0 auf 100 Stundenkilometer in 7,8 Sekunden ist nicht sportlich, aber akzeptabel. Erfreulich ist das angenehme Fahrgeräusch.

Gegenüber dem 320d Coupé ohne Allrad ist die 4x4-Variante etwas langsamer unterwegs, zugleich erhöht sich der Normverbrauch auf 100 Kilometer um einen halben Liter auf 5,2 Liter Diesel. Ein wichtiger Grund dafür ist das höhere Leergewicht der Allradversion. Statt der 1,5 Tonnen des 320d bringt das xDrive-Modell 1,6 Tonnen auf die Waage.

Durstiger Motor

Doch diese Nachteile sind schnell vergessen, als es auf unserer Testfahrt an Innsbruck vorbei Richtung Kühtai geht, auf gut 2.000 Metern Höhe in den Stubaier Alpen gelegen. Die Straße hinauf zum Hochplateau ist eisig und größtenteils mit Schnee überdeckt. Doch der 320 d xDrive fährt mit stoischer Runde, während am Straßenrand der Fahrer eines Peugeot 407 SW im leichten Schneetreiben mit klammen Händen die Ketten aufzieht. Der Weg wird steiler, es empfiehlt sich ein Druck auf die DTC-/DSC-Taste am Armaturenbrett. Im DTC-Modus gewähren die 16-Zoll-Räder den Winterreifen mehr Schlupf. Mit deutlich mehr Dynamik geht es nun bergauf nach Kühtai.

Gewohnt stark zeigen sich das straffe Fahrwerk, die präzise Lenkung und die stimmige Handschaltung. Die optionale Getriebe-Automatik kann man sich getrost sparen. Das Paket aus Motor, Getriebe und Allradantrieb mit variabler Kraftverteilung passt prächtig, auch wenn man sich gerade in höheren Drehzahlbereichen etwas mehr Leistung wünschen würde. Hier fehlt dem 320er die Souveränität eines Sechszylinders.

Ein kleiner Schock folgt allerdings an der Tankstelle. Gerade bei niedrigen Temperaturen ist der in Aussicht gestellte Normverbrauch von 5,2 Litern je 100 Kilometer nicht zu erreichen. Im Praxistest benötigte der BMW 320d xDrive zwischen 7,3 und acht Litern – trotz Allradantrieb und 1,6 Tonnen Gewicht viel zu viel für einen Vierzylinder-Diesel. Und so verlockend die Kombination aus einem solchen Selbstzünder und einem 4x4-Antrieb auch ist: Ein günstiges Fahrzeug ist der 320d xDrive nicht. Schon das Basismodell kostet exakt 40.000 Euro, der Allrad-Aufpreis gegenüber dem 320d beträgt also 2.600 Euro.

Mit Sonderausstattungen wie Bildschirmnavigation (teure 2.840 Euro), Bluetooth (300 Euro) und der nur optionalen Klimaautomatik (770 Euro) nähert man sich schnell der 45.000-Euro-Marke. Serienmäßig hat der Wagen immerhin Xenonlicht, eine manuelle Klimaanlage, Alufelgen und eine geteilt umlegbare Rückbank. Der Sitzkomfort der 3er-Sportsitze ist vorbildlich, hier lässt es sich auch auf längeren Strecken aushalten. Und für 200 Euro extra gibt es die sinnvolle Skidurchreiche. Schließlich geht es gleich ab auf die Piste.