Alternative AntriebeJapan ist Spitzenreiter bei Elektromobilität

Japan hat sich beim Bau stromgetriebener Autos weltweit an die Spitze gesetzt. Das Land profitiert vom Vorsprung bei der Hybridtechnik. Doch Deutschland holt auf. von Martin Seiwert

Interessierte schauen sich in Tokio den Motor in einem Prius Plug-in-Hybrid von Toyota an.

Interessierte schauen sich in Tokio den Motor in einem Prius Plug-in-Hybrid von Toyota an.  |  © Kiyoshi Ota/Getty Images

Geahnt haben es viele in der Branche, jetzt ist es Gewissheit: Japans Autoindustrie liegt beim Bau von Elektroautos vorn. Zu verdanken hat sie das ihrem großen Vorsprung bei der Entwicklung von Hybridantrieben, bei denen sowohl ein Elektro- als auch ein Verbrennungsmotor für die Leistung sorgen.

Wie der aktuelle Elektroauto-Index Evi der Unternehmensberatung McKinsey und der WirtschaftsWoche zeigt, zog Japan bei der Elektromobilität an den USA vorbei und nimmt nun erstmals seit Beginn der Erhebung im April 2010 weltweit den ersten Platz ein. Der Index misst vierteljährlich die Nachfrage und das Angebot von Elektroautos. Japan war vor knapp zwei Jahren als Fünfter in das Rennen gestartet und legte seither eine beeindruckende Aufholjagd hin – ganz offenkundig dank seiner erfolgreichen Hybridfahrzeuge.

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"Bei den technologisch führenden Autoherstellern herrscht immer mehr die Einschätzung vor, dass der Hybrid die ideale Brückentechnologie auf dem Weg zum reinen Elektroauto ist", sagt Raymond Wittmann, Automobilexperte bei McKinsey. Dass japanische Hersteller schon vor vielen Jahren auf diese Technologie setzten, bringt sie gegenüber europäischen und amerikanischen Wettbewerbern nun in die Poleposition.

Japanische Autobauer haben seit Jahren große Stückzahlen von Hybridfahrzeugen im Markt. Die ursprünglichen Hybride speichern Bremsenergie, um sie für den Antrieb zu nutzen. Die fortgeschritteneren, sogenannten Plug-in-Hybride haben eine größere Batterie, die sich an der Steckdose aufladen lässt und auf kürzeren Strecken den rein elektrischen Antrieb ermöglicht.

Brücke ins E-Zeitalter

Pionier Toyota verkaufte in den vergangenen Jahren weltweit 3,5 Millionen Hybridautos. Bei so viel Erfahrung fällt der Schritt vom einfachen zum Plug-in-Hybrid nicht schwer, der eine kostengünstige Möglichkeit zur schrittweisen Elektrifizierung des Autos darstellt. Denn die Produktionsanlagen für den Verbrennungsmotor lassen sich weiter nutzen. Und der Plug-in-Hybrid erhöht die Reichweite des Elektroantriebs in Abhängigkeit vom Bedarf und von der Stärke der Batterie.

Dies ermöglicht ein Wirtschaftlichkeitskalkül, das auch den Verbrauchern erlaubt, sich an die E-Mobilität heranzupirschen. Denn der Kaufpreis eines Plug-in-Hybrids ist viel niedriger als der eines reinen E-Autos, das auf die teure Batterie angewiesen ist. Die Reichweite ist wie gewohnt, gleichzeitig kommen die Fahrer rein elektrisch 20 bis 40 Kilometer weit – was für viele Pendler in Deutschland völlig ausreicht.

Schon heute hat keine der großen Autonationen mehr elektrisch angetriebene Autos auf der Straße als Japan. Mit 12.000 E-Mobilen sind dort doppelt so viele Elektrofahrzeuge im Einsatz wie in ganz China . Der große Boom kommt aber wohl erst noch. Führende Marktforschungsinstitute haben in den vergangenen Monaten wegen der Hybride ihre Prognosen für den Anteil der Elektroautos am gesamten Fahrzeugabsatz in Japan im Jahr 2016 angehoben: von 0,9 Prozent auf 6,6 Prozent.

Kampf um die Wertschöpfung

Deutschland scheint die Herausforderung langsam anzunehmen . Prognosen sagen jetzt einen Anteil der E-Autos an der gesamten Pkw-Produktion im Jahr 2016 von 3,5 Prozent voraus. Das wäre der vierthöchste Anteil weltweit (zum Vergleich: Japan 9,7 Prozent; Frankreich und Großbritannien je 3,6 Prozent; USA 3,4 Prozent).

"Jetzt setzen auch Mercedes, BMW und VW voll auf alle Arten des Hybridantriebs", sagt Autoexperte Wittmann. "An deren Ende steht das rein elektrische Fahren mit Batteriefahrzeugen. Denn dies ist nun einmal die kraftstoffeffizienteste Technologie."

Noch lieber wäre den deutschen Autobauern wohl ein E-Mobil, das statt einer Batterie eine wasserstoffbetriebene Brennstoffzelle als Energiequelle verwendet. Denn die Brennstoffzelle könnten die Deutschen nach heutigem Stand viel eher selbst herstellen. Anders als bei der Batterie entfiele die Wertschöpfung beim teuersten Teil des E-Autos dann auf die deutschen Autobauer. Elektroautobatterien dagegen kommen bislang fast ausnahmslos aus Asien .

Erschienen in der WirtschaftsWoche

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Leserkommentare
  1. http://www.spiegel.de/thema/elektroautos/

    Übrigens sind die Speichertechniken sehr teuer und bisher kaum alltagstauglich. Da muss der Steuerzahler wohl noch mehr Zuschüsse löhnen ...
    Und natürlich berichteten auch andere Zeitungen als Bild über das Gutachten sowie die NachDenkSeiten, Fernseh- und Radiosender. Da muss man also kein Feind-"Bild" bemühen.

    Sie können ja in die Nähe eines Windparks ziehen, wenn Sie möchten. Genügend freie Wohnungen zu kleinen Mietpreisen werden Sie sicherlich finden, denn andere Menschen haben das Areal längst verlassen... So sind nun mal die Tatsachen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    <em>Übrigens sind die Speichertechniken sehr teuer und bisher kaum alltagstauglich. Da muss der Steuerzahler wohl noch mehr Zuschüsse löhnen ...</em>

    Demnach scheinen Autos mit Verbrennungsmotor aber sehr alltagsuntauglich sein, sonst hätte der Steuerzahler nicht 5 Milliarden Euro(!!!) für die Abwrackprämie löhnen müssen.
    Akku-Speicher sind bereits vielfach im Einsatz, einen Heise-Artikel habe ich vorhin verlinkt.
    Weiterer interessanter Ansatz:
    http://theenergycollective.com/jim-greenberger/66432/community-energy-st...
    http://www.renewableenergyworld.com/rea/news/article/2010/05/taking-grid...

    <em>Und natürlich berichteten auch andere Zeitungen als Bild über das Gutachten</em>
    ... und einer schreibt vom anderen ab.
    Studie selbst lesen und verstehen, dann klappts auch mit der Erkenntnis.

    <em>Genügend freie Wohnungen zu kleinen Mietpreisen werden Sie sicherlich finden, denn andere Menschen haben das Areal längst verlassen</em>
    Erst angeblich die Tiere, und jetzt angeblich auch noch die Menschen?
    Demnächst sehen wir sicher auch noch flüchtende Pflanzen und Steine!
    Belegen können Sie natürlich nichts davon, wie immer.

    Dort, wo Windparks gebaut werden, wohnte schon vorher niemand denn das Aufstellen großer WKA in Wohngebieten ist zu Recht verboten.
    Kleinwindkraftanlagen werden unterschiedlich gehandhabt:
    http://www.windjournal.de/kleinwindkraftanlagen/genehmigung

  2. http://www.gegenwind-an-der-oste.de/

    in Deutschland. Und es werden immer mehr!
    Eine Riesenmühle ist über 180 Meter hoch - gigantisch!

    Wir haben ca. 42 Mio. Kraftfahrzeuge in Deutschland. Wenn davon nur die Hälfte Elektroautos wären, so wären fast sämtliche noch freie Flächen in Deutschland zugespargelt. Wir würden mit unseren Elektroautos vor die Riesenwindräder fahren.

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    <em>Wir haben ca. 42 Mio. Kraftfahrzeuge in Deutschland. Wenn davon nur die Hälfte Elektroautos wären, so wären fast sämtliche noch freie Flächen in Deutschland zugespargelt.</em>

    Falls Sie diese Behauptung nicht rechnerisch belegen können, dann ist es eine Falschbehauptung.
    Vielleicht wissen Sie ja wenigstens, wie man Falschbehaupter vor Einführung der political correctness nannte?

    Es gibt übrigens auch kein Naturgesetz, wonach E-Autos nur mit Windstrom fahren könnten.

  3. <em>Übrigens sehe ich die Zukunft in der Wasserstofftechnik, nicht in riesigen Windparks an fast jeder Ecke</em>

    Wie wollen Sie denn Ihren vielen Wasserstoff regenerativ erzeugen, wenn nicht (auch) mit WKAs?

    Falls Sie in der BLÖD gelesen haben sollten, dass Wasserstoff das häufigste Element im Universum wäre dann stimmt das zwar zufällig mal, nutzt uns aber hier auf der Erde überhaupt nichts.
    Der Wasserstoff aus dem Universum kommt nämlich nicht freiwillig zu uns, und zwingen können wir ihn schon gar nicht.

  4. <em>Wir haben ca. 42 Mio. Kraftfahrzeuge in Deutschland. Wenn davon nur die Hälfte Elektroautos wären, so wären fast sämtliche noch freie Flächen in Deutschland zugespargelt.</em>

    Falls Sie diese Behauptung nicht rechnerisch belegen können, dann ist es eine Falschbehauptung.
    Vielleicht wissen Sie ja wenigstens, wie man Falschbehaupter vor Einführung der political correctness nannte?

    Es gibt übrigens auch kein Naturgesetz, wonach E-Autos nur mit Windstrom fahren könnten.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Es gibt übrigens auch kein Naturgesetz, wonach E-Autos nur mit Windstrom fahren könnten."

    Nein, sie können auch mit Solarenergie fahren, wenn die Sonne nicht scheint ...

    Und an Tagen ohne Sonne und Wind können sie sich aussuchen, womit sie nicht fahren können.
    - Absurdistan.

  5. http://www.zeit.de/auto/2012-02/brennstoffzelle-wasserstoff

    "Der Wasserstoff aus dem Universum kommt nämlich nicht freiwillig zu uns, und zwingen können wir ihn schon gar nicht."

    Danke für diese gute Information!
    Ich war ja bisher immer vom Gegenteil ausgegangen...

  6. "Es gibt übrigens auch kein Naturgesetz, wonach E-Autos nur mit Windstrom fahren könnten."

    Nein, sie können auch mit Solarenergie fahren, wenn die Sonne nicht scheint ...

    Und an Tagen ohne Sonne und Wind können sie sich aussuchen, womit sie nicht fahren können.
    - Absurdistan.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Können Sie inzwischen vorrechnen, warum wir für 42 Mio. E-Autos "fast sämtliche noch freie Flächen in Deutschland"
    "zuspargeln" müssen, oder kann ich Sie jetzt ohne Schwierigkeiten mit der Nettikette als Falschbehaupter bezeichnen?

    Ich wiederhole es gerne nochmal: Sonne und Wind machen nur 2/5 der EE-Arten aus, und Energie läßt sich speichern.
    So erstaunlich es klingen mag: wenn nachts der Wind weht und ich mein E-Auto laden, dann fährt es tagsüber sogar bei Bewölkung und Windstille. Wahnsinn, oder?

    Wollten Sie nicht auch noch erklären, womit Sie die großartige Wasserstoffzukunft umweltfreundlich ohne Beteiligung von Windkraft gestalten wollen?

  7. <em>Übrigens sind die Speichertechniken sehr teuer und bisher kaum alltagstauglich. Da muss der Steuerzahler wohl noch mehr Zuschüsse löhnen ...</em>

    Demnach scheinen Autos mit Verbrennungsmotor aber sehr alltagsuntauglich sein, sonst hätte der Steuerzahler nicht 5 Milliarden Euro(!!!) für die Abwrackprämie löhnen müssen.
    Akku-Speicher sind bereits vielfach im Einsatz, einen Heise-Artikel habe ich vorhin verlinkt.
    Weiterer interessanter Ansatz:
    http://theenergycollective.com/jim-greenberger/66432/community-energy-st...
    http://www.renewableenergyworld.com/rea/news/article/2010/05/taking-grid...

    <em>Und natürlich berichteten auch andere Zeitungen als Bild über das Gutachten</em>
    ... und einer schreibt vom anderen ab.
    Studie selbst lesen und verstehen, dann klappts auch mit der Erkenntnis.

    <em>Genügend freie Wohnungen zu kleinen Mietpreisen werden Sie sicherlich finden, denn andere Menschen haben das Areal längst verlassen</em>
    Erst angeblich die Tiere, und jetzt angeblich auch noch die Menschen?
    Demnächst sehen wir sicher auch noch flüchtende Pflanzen und Steine!
    Belegen können Sie natürlich nichts davon, wie immer.

    Dort, wo Windparks gebaut werden, wohnte schon vorher niemand denn das Aufstellen großer WKA in Wohngebieten ist zu Recht verboten.
    Kleinwindkraftanlagen werden unterschiedlich gehandhabt:
    http://www.windjournal.de/kleinwindkraftanlagen/genehmigung

    Antwort auf "Link dazu:"
  8. Können Sie inzwischen vorrechnen, warum wir für 42 Mio. E-Autos "fast sämtliche noch freie Flächen in Deutschland"
    "zuspargeln" müssen, oder kann ich Sie jetzt ohne Schwierigkeiten mit der Nettikette als Falschbehaupter bezeichnen?

    Ich wiederhole es gerne nochmal: Sonne und Wind machen nur 2/5 der EE-Arten aus, und Energie läßt sich speichern.
    So erstaunlich es klingen mag: wenn nachts der Wind weht und ich mein E-Auto laden, dann fährt es tagsüber sogar bei Bewölkung und Windstille. Wahnsinn, oder?

    Wollten Sie nicht auch noch erklären, womit Sie die großartige Wasserstoffzukunft umweltfreundlich ohne Beteiligung von Windkraft gestalten wollen?

    Antwort auf "Naturgesetze!"

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  • Quelle WirtschaftsWoche
  • Schlagworte BMW | McKinsey | Japan | Toyota | Autohersteller | Autoindustrie
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