ElektromobilitätAkku-Austauscher wirbt beim Bund um Förderung

Der Bund will in bis zu fünf Regionen Elektromobilität subventionieren. Auch die US-Firma von Shai Agassi will profitieren – ein Affront gegen große deutsche Autobauer. von Moritz Döbler

Better-Place-Chef Shai Agassi stellt im April 2010 das erste Elektro-Taxi mit Austausch-Batterie in einer Wechselstation in Tokio vor.

Better-Place-Chef Shai Agassi stellt im April 2010 das erste Elektro-Taxi mit Austausch-Batterie in einer Wechselstation in Tokio vor.  |  © Kazuhiro Nogi/AFP/Getty Images

Er gilt als brillanter Verkäufer, als Visionär. Sein Respekt für deutsche Ingenieurleistungen ist dagegen wenig ausgeprägt. Und jetzt geht der frühere SAP-Vorstand Shai Agassi mit seinem US-Unternehmen Better Place sogar auf direkten Konfrontationskurs mit den Großen der deutschen Autobranche. Es geht um Subventionen von 180 Millionen Euro: Nächsten Monat entscheidet die Bundesregierung , welche drei bis fünf Regionen als "Schaufenster für Elektromobilität" gefördert werden. 23 Bewerbungen liegen vor, darunter die für einen "Nordkorridor" zwischen Berlin und Flensburg . Die Bewerbung stammt von der Projektmanagementfirma Drees & Sommer aus Stuttgart, aber dahinter steht Better Place.

Der "Nordkorridor" sieht acht bis zwölf Batteriewechselstationen vor. Eine Erweiterung bis Kopenhagen ist angedacht. Zu dem Konsortium gehören 50 Partner, darunter auch die Autohersteller Opel und Tesla sowie Zulieferer wie Continental, Bosch und Mennekes. Better Place will in der Heimat der Autobahn zeigen, wie sich das größte Problem der Elektroautos lösen lässt: mangelnde Reichweite und lange Ladezeiten. Die Antworten der deutschen Autohersteller, egal ob Daimler, Volkswagen, BMW oder Opel, sind technologisch: Leichtbau mit Karbon, Kunststoff oder Aluminium, neuartige Batterien und Ladetechnologien, zusätzliche Benzinmotoren oder gar spezielle Reifen.

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Shai Agassi, 1968 in Israel geboren, will das Problem über die Infrastruktur lösen: Ist die Batterie alle, tauscht man sie in einer Wechselstation aus. Fertig. Binnen weniger Minuten funktioniert das. Das Auto selbst ist in diesem Modell kein technologischer Meilenstein. Es hat einen simplen Elektromotor, dazu die Batterie. Ein Getriebe braucht es nicht. Solche Autos gab es so ähnlich schon vor 100 Jahren.

Berlin gilt als gesetzt

Rolf Schumann, Deutschland-Chef von Better Place, appelliert an die Bundesregierung, dem Projekt eine Chance zu geben. "Es sollte nicht nach industriepolitischem oder ideologischem Gutdünken entschieden werden, sondern es muss darum gehen, bei der Elektromobilität in Deutschland einen entscheidenden Sprung nach vorne zu machen, um Leitmarkt zu werden. Ohne größere Reichweiten und die Lösung der Ladeproblematik wird das nicht gehen, und dafür bieten wir eine Lösung." Better Place sei der einzige Anbieter mit Batterie-Wechselsystem, deswegen solle diese Technologie auch in Deutschland geprüft werden.

Die Chancen für einen Durchmarsch stehen allerdings nicht besonders gut. Zwar behauptet Better Place, auch die Vorgabe zu erfüllen, deutsche Gebietskörperschaften eingebunden zu haben, nämlich Flensburg, Schwerin sowie Hamburg und Berlin über Kooperationen. Doch in Berlin will man von einer förmlichen Kooperation bisher nicht sprechen. Hinzu kommt eine sehr heikle politische Gemengelage. Nur drei bis fünf Regionen sollen zum Zuge kommen, damit sind Niederlagen von profilierten Politikern in Ländern und Kommunen vorprogrammiert.

Berlin als Hauptstadt gilt als gesetzt, auch wenn wohl nicht alle 35 Einzelprojekte mit einem gewünschten Gesamtfördervolumen von 165 Millionen Euro durchgehen. Schließlich wären dann schon fast der gesamte Etat des Bundes verbraucht. Aber Berlin hat mehr als 250 Partner mobilisiert, darunter alle deutschen Autohersteller und die Energieversorger Vattenfall, RWE und Eon.

Leserkommentare
  1. jeder, der sich halbwegs mit der materie beschäftigt, weiß, daß ein akkutauschsystem u.a. tatsächlich das akkuproblem lösen wird. und zwar ca. 5 akkugrößen für alle e-auto modelle. dabei richtet sich das auto nach dem akku und nicht umgekehrt. tauschstationen könnten zb ins vorhandene tankstellennetz (kaum zusätzlicher raumbedarf) integriert werden, die maschine erkennt automatisch den fahrzeugtyp und könnte in etwa wie eine autowaschanlage funktionieren. dabei könnten innovationen ganz leicht in die selbe akkugröße integriert werden…
    desweiteren könnte dieses system um induktionsschleifen auf autobahnen und hauptverkehrsstrassen (ein leichtes für german engeneering) erweitert werden - die carrerabahn.
    subventionen dürften nur noch in diese beiden bereiche fliessen, aber nicht direkt in die autoindustrie - der e-motor ist ausgereift. die autohersteller docken sich an dieses system an, oder lassen es sein.
    es wäre garantiert bürgerfreundlich an jeder tankstelle den akku wechseln zu können und nicht 5 stunden zu warten oder in der nacht die wechselstation des fahrzeugherstellers xy suchen zu müssen.
    alles andere sind geschäftsmodelle, die ein vom volke gewählte regierung nicht subventionieren dürfte - "better place" ist der weg in die richtige richtung!

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    • xpeten
    • 13. Februar 2012 17:21 Uhr

    sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung. Nicht richtig ist, dies wieder nur einem oder einer Handvoll Anbieter zu überlassen, die dann Monopolistengehabe an den Tag legen.

    Und, wohl kaum eine Tankstelle hat Platz für eine zusätzliche Akkuwechsel-, Lager- und Regenerierungshalle. Zudem würde man in diesem Fall den Monopolisten Shell und Aral diesen Markt in den Rachen werfen, außerdem: Wer ein E-Auto fährt braucht keine Tankstelle mehr.

    • RGFG
    • 13. Februar 2012 20:37 Uhr

    Wir benötigen also nicht nur die Akkus in den Autos selber, sondern einen Umlaufbestand von weiteren Akkus, sowie eine LKW-Flotte, die die Akkus dann bedarfsgerecht zwischen den Stationen verteilt (umso schwerer, je mehr Akkutypen es gibt). Trotzdem kann man nicht auf die Lademöglichkeit im Auto selber verzichten. Kurz: Es wird ein marginales Problem (das der Elektro-Vielfahrer) mit einem Riesenaufwand "gelöst".

    Noch entscheidender aber ist der Umstand, dass eine der Differenzierungen bei e-mobilen in der Lade- und Leistungselektronik besteht, die sehr genau auf die Akkus abgestimmt sein muss. Das und die Notwendigkeit, sich auf Standardbaugrößen zu beschränken, lässt auch die Fahrzeughersteller da nicht mitmachen.

    Schon das Desinteresse der Hersteller würde reichen, um das Konzept totzumachen, aber der konzeptionelle Pferdefuß ist m.E. der letzte Sargnagel daran. Mal schau'n, wann das die Investoren auch merken...

  2. verlorene Zuschüsse um Anlaufverluste zu sozialisieren, spätere Gewinne .......
    oder zur Abwechslung mal verzinsiche und rückzahlbare, meinetwegen ja gern langfristig?
    Schließlich handelt es sich doch angeblich um eine profitträchtige Zukunftstechnologie.

  3. Frueher hat man die Pferde der Pferdekutschen auch durch frische ausgeruhte Pferde ausgetauscht. Die Idee von Better Place ist daher nicht falsch und koennte zukunftsweisend sein... zumindest bis das Problem der geringen Akku-Kapazitaet technisch geloest sein wird.

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    Genialer Vergleich mit brillanter Schlussfolgerung :)

    • tobmat
    • 14. Februar 2012 10:15 Uhr

    Hier werden wieder Äpfel und Biren nverglichen. Pferdekutschen bei denen man die Pferde tauscht kann man nicht mit Autos vergleichen. Der Vergleich mit Zügen, wo die Lok getauscht wird, passt sehr viel besser.

    • joG
    • 13. Februar 2012 17:16 Uhr

    ....Batterien schnell zu wechseln scheint es unvorstellbar, dass Elektromobilitat bei heutiger Technologie eine Chance hat. Selbst dann, sind die Autos sehr teuer.

  4. Elektromobilität oder Atomkraftausstieg. Beides geht nicht.

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    Natürlich geht beides!

    • xpeten
    • 13. Februar 2012 17:21 Uhr

    sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung. Nicht richtig ist, dies wieder nur einem oder einer Handvoll Anbieter zu überlassen, die dann Monopolistengehabe an den Tag legen.

    Und, wohl kaum eine Tankstelle hat Platz für eine zusätzliche Akkuwechsel-, Lager- und Regenerierungshalle. Zudem würde man in diesem Fall den Monopolisten Shell und Aral diesen Markt in den Rachen werfen, außerdem: Wer ein E-Auto fährt braucht keine Tankstelle mehr.

  5. "Elektromobilität oder Atomkraftausstieg. Beides geht nicht."

    Nein, es sind gar Synergieeffekte möglich. Nämlich dann wenn die Autos nur dann geladen werden wenn auch genug Strom im Netz ist (ich will von der Idee die Autos als Puffer zu benutzen mal gar nicht sprechen - das würde erheblich mehr Aufwand und Abrechnung der Akkunutzung nach sich ziehen). Würde man alle PKW mit Strom betreiben wäre der Stromverbrauch etwa 20-30% höher, diese Energie könnte dann aber fast komplett aus Wind und Sonne gedeckt werden. (Energieverbrauch Transportsektor komplett: 2.600 PJ bei einem Wirkungsgrad von etwa 25% -> ~750 PJ elektrische Ersatzleistung entsprechend ~210 TWh el. Energie, also 1/3 Gesamtverbrauch)

    • Guido3
    • 13. Februar 2012 17:40 Uhr

    Je nach Statistik liegen 93-97% aller in Deutschland getätigten Autofahrten unter 150 km. Warum dann eine aufwändige Infrastruktur für Wechselakkus hochzuziehen? Ein Elektroauto muss in der Reichweite nicht mit den 1.000 Kilometern Reichweite eines modernen Mittelklasse-Diesels konkurrieren. 150 km Reichweite sind mit heutiger Akkutechnologie bei Elektroautos wohl gut zu machen.

    Auch mittelfristig kann man durchaus diskutieren, ob Elektroautos 600km und mehr Reichweite haben müssen. Auch in Zukunft werden entsprechend große Akkus den Kaufpreis unnötig hoch treiben, nur um dann eine Reichweite zu haben, die wir fast nie nutzen. Auch in Zukunft werden große Akkus ein zusätzliches Gewicht haben und damit die Energieeffizienz verschlechtern. Einen Teil der zusätzlich Akkukapazität braucht man dann dafür, um ungenutzte Akkukapazität durch die Gegend fahren zu können.

    Bauen wir doch pragmatisch Autos, die den automobilen Bedarf von 80-90 Prozent der Bevölkerung an 340 Tagen im Jahr decken. Für die 4 jährlichen Urlaubsfahrten gibt es Flugzeug, Bus, Bahn oder auch Mietwagen mit Verbrennungsmotor.

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    • xpeten
    • 13. Februar 2012 18:29 Uhr

    von 150 km absolut nicht auskämen, und das sind ganz sicher mehr als die 7-3% Ihrer Statistik.

    Ich denke nicht, dass man den technischen Fortschritt an den Bedarf von Wenig- und Sonntagsfahrern anpassen sollte. Für diese wird es ganz sicherlich die Möglichkeit geben, einen Akku zu benutzen, der auf den reduzierten Bedarf zugeschnitten sein wird. Es wird niemand gezwungen werden, "ungenutzte Akkukapazität durch die Gegend zu fahren", auch nicht, für diese zu bezahlen.

    Wer nicht so oft wechseln möchte, mietet sich einen leistungsfähigeren Akku. Das gibt es schon seit langem bei E-Gabelstaplern: Öfter laden=billigere Batterie, länger fahren=teurere Batterie. Technisch alles lösbar und sicherlich kein Grund zur Sorge.

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