Er gilt als brillanter Verkäufer, als Visionär. Sein Respekt für deutsche Ingenieurleistungen ist dagegen wenig ausgeprägt. Und jetzt geht der frühere SAP-Vorstand Shai Agassi mit seinem US-Unternehmen Better Place sogar auf direkten Konfrontationskurs mit den Großen der deutschen Autobranche. Es geht um Subventionen von 180 Millionen Euro: Nächsten Monat entscheidet die Bundesregierung , welche drei bis fünf Regionen als "Schaufenster für Elektromobilität" gefördert werden. 23 Bewerbungen liegen vor, darunter die für einen "Nordkorridor" zwischen Berlin und Flensburg . Die Bewerbung stammt von der Projektmanagementfirma Drees & Sommer aus Stuttgart, aber dahinter steht Better Place.

Der "Nordkorridor" sieht acht bis zwölf Batteriewechselstationen vor. Eine Erweiterung bis Kopenhagen ist angedacht. Zu dem Konsortium gehören 50 Partner, darunter auch die Autohersteller Opel und Tesla sowie Zulieferer wie Continental, Bosch und Mennekes. Better Place will in der Heimat der Autobahn zeigen, wie sich das größte Problem der Elektroautos lösen lässt: mangelnde Reichweite und lange Ladezeiten. Die Antworten der deutschen Autohersteller, egal ob Daimler, Volkswagen, BMW oder Opel, sind technologisch: Leichtbau mit Karbon, Kunststoff oder Aluminium, neuartige Batterien und Ladetechnologien, zusätzliche Benzinmotoren oder gar spezielle Reifen.

Shai Agassi, 1968 in Israel geboren, will das Problem über die Infrastruktur lösen: Ist die Batterie alle, tauscht man sie in einer Wechselstation aus. Fertig. Binnen weniger Minuten funktioniert das. Das Auto selbst ist in diesem Modell kein technologischer Meilenstein. Es hat einen simplen Elektromotor, dazu die Batterie. Ein Getriebe braucht es nicht. Solche Autos gab es so ähnlich schon vor 100 Jahren.

Berlin gilt als gesetzt

Rolf Schumann, Deutschland-Chef von Better Place, appelliert an die Bundesregierung, dem Projekt eine Chance zu geben. "Es sollte nicht nach industriepolitischem oder ideologischem Gutdünken entschieden werden, sondern es muss darum gehen, bei der Elektromobilität in Deutschland einen entscheidenden Sprung nach vorne zu machen, um Leitmarkt zu werden. Ohne größere Reichweiten und die Lösung der Ladeproblematik wird das nicht gehen, und dafür bieten wir eine Lösung." Better Place sei der einzige Anbieter mit Batterie-Wechselsystem, deswegen solle diese Technologie auch in Deutschland geprüft werden.

Die Chancen für einen Durchmarsch stehen allerdings nicht besonders gut. Zwar behauptet Better Place, auch die Vorgabe zu erfüllen, deutsche Gebietskörperschaften eingebunden zu haben, nämlich Flensburg, Schwerin sowie Hamburg und Berlin über Kooperationen. Doch in Berlin will man von einer förmlichen Kooperation bisher nicht sprechen. Hinzu kommt eine sehr heikle politische Gemengelage. Nur drei bis fünf Regionen sollen zum Zuge kommen, damit sind Niederlagen von profilierten Politikern in Ländern und Kommunen vorprogrammiert.

Berlin als Hauptstadt gilt als gesetzt, auch wenn wohl nicht alle 35 Einzelprojekte mit einem gewünschten Gesamtfördervolumen von 165 Millionen Euro durchgehen. Schließlich wären dann schon fast der gesamte Etat des Bundes verbraucht. Aber Berlin hat mehr als 250 Partner mobilisiert, darunter alle deutschen Autohersteller und die Energieversorger Vattenfall, RWE und Eon.