Verkehr der Zukunft : Der lange Weg zur abgasfreien Stadt

Bis in Städten nur noch Elektrofahrzeuge rollen, dauert es 40 Jahre, sagen Fraunhofer-Forscher. Sie mahnen Stadtplaner, sich des Themas mehr anzunehmen.
Noch ein ungewohntes Bild: Ein Elektroauto lädt an einer öffentlichen Ladestation. © Sean Gallup/Getty Images

Auch wenn Autohersteller und Zulieferer bisweilen den Eindruck erwecken, man befinde sich schon im Elektromobilitäts-Zeitalter: Die Realität sieht anders aus. Eine Stadt, deren Verkehr komplett ohne fossile Brennstoffe auskommt, wird erst im Jahr 2050 Wirklichkeit sein. Das besagt eine neue Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) . In ihr beschreiben die Wissenschaftler den Weg hin zu einer weitestgehend CO 2 -neutralen urbanen Siedlung, in der die Autos ausschließlich mit Elektroantrieb fahren, zu hundert Prozent gespeist aus erneuerbaren Energien.

Ein Hauptgrund dafür, dass es noch rund 40 Jahre dauern wird: Weil städtische Strukturen sich nur langsam wandeln, können technische Innovationen – wie beispielsweise der Elektromotor – sich nicht auf einen Schlag durchsetzen . Mit einem Austausch der Antriebstechnologie allein ist es also nicht getan. Daneben müsse man das Nutzerverhalten, die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) und die Stadtgestaltung in den Blick nehmen und aufeinander abstimmen. Nur dann ließe sich eine wirklich nachhaltige urbane Mobilität erreichen, die sicher und bezahlbar sei und mit weniger Verkehr einhergehe.

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Schon heute ist klar: In dem von der Bundesregierung zunächst ins Visier genommenen Jahr 2020 wird sich der Stadtverkehr von dem heutigen kaum unterscheiden. Eine Million Elektrofahrzeuge sollen dann in deutschen Städten unterwegs sein. Sie werden so gut wie gar nicht auffallen. Heute sind in Deutschland rund 42 Millionen Personenkraftwagen zugelassen, und ihre Zahl wird sich bis 2020 kaum verändern. Elektrofahrzeuge werden dann in erster Linie in betrieblichen und kommunalen Flotten eingesetzt; Privatpersonen werden sie nur vereinzelt besitzen. Aber immerhin werden über die Flotten schon viele Menschen zumindest mit dem Elektroantrieb in Kontakt kommen.

Smartphone wird zum persönlichen Mobilitätsassistenten

Die Studie sagt für die Jahre zwischen 2030 und 2050 einen starken Schub hin zur elektromobilen Stadt voraus. Bis dann dürfte sich der heute nur leicht erkennbare Trend verstärken, dass die junge Stadtbevölkerung sich vom Fahrzeugbesitz abwendet – auch weil eine Ausweitung von Umweltzonen und die Einführung von Citymaut-Systemen in immer mehr Städten ein eigenes Auto zunehmend unattraktiv machen. Car- und Bikesharing werden erheblich an Bedeutung gewinnen. Schon jetzt zeigt das wachsende Interesse an solchen Angeboten den Wunsch Vieler, flexibel unterwegs zu sein.

Als sehr wichtigen Faktor für eine nachhaltige urbane Mobilität machen die Autoren der Studie aber die IKT aus. Der Schlüssel für die verstärkte Nutzung gemeinschaftlicher Verkehrsmittel – von Bus und U-Bahn bis hin zu elektrischen Fahrzeugen – soll das Smartphone sein. Es wird zum Mobilitätsassistenten. Aus den Präferenzen und Terminen des Besitzers sowie den aus der Cloud verfügbaren Echtzeitinformationen über Verkehrslage, Wetter und Mobilitätsangebote ermittelt das Handy die optimale "Reisekette". Der motorisierte Individualverkehr wird dadurch noch weniger effizient und somit unattraktiver.

Damit die Informationen den Smartphones auch zur Verfügung stehen können, müssen die Städte in den nächsten Jahrzehnten ihre IT-Infrastruktur ausbauen, mahnen die Autoren der Studie: mit Verkehrssensoren, die Lärm, Emissionen und Bewegungsflüsse messen, und mit Systemen, die die Daten auswerten und weitergeben können. Nur so sei der Verkehrsfluss besser zu steuern. Die Experten gehen davon aus, dass eine solche "vernetzte Stadt" schon 2030 Realität sein kann.

Kommentare

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alter Trick

Immer wieder der gleiche alte Trick. Schiebe eine Prognose nur weit genug in die Zukunft und du kannst alles behaupten was du willst.
Bis heute gibt es nicht eine langfristige Prognose (über 30 Jahre) die eingetroffen ist. Die beste war noch die zum Bevölkerungswachstum, da die zumindest die richtige Richtung vorhergesagt hat, wenn auch nicht die richtige Größe. Das könnte aber auch Zufall gewesen sein.

Autoindustrie vs. ÖPNV

In Mitteleuropa herrscht jedoch das Prinzip "Jedem Bürger sein Auto", daher wird und wurde der Bau von öffentlichen Verkehrsmitteln immer mehr zurück gefahren.
Das scheint zufälligerweise vor allem Länder mit einer großen Autoindustrie zu betreffen, und nicht z.B. die Schweiz.

Im Vergleich zu den USA hat aber selbst Deutschland noch einen fast perfekten ÖP(N)V.

Problemkreise der Zukunft

Werden die Verminderung von Lärm und die Beseitigung von Abgasen sein. Danach die Umgestaltung von Städten, damit diese nicht mehr "Hotspots" sind, sondern mit einer Begrünung sich im Sommer automatisch kühlen und zu grünen Inseln werden.

Es sind im Endeffekt politische Entscheidungen und wissenschaftliche Möglichkeiten die die Geschwindigkeit des Wandlugnsprozesses vorgeben. Es ist vieles, auch vor 2050, möglich, wenn wir wollen.

Wir sprechen immer von "notwendigem Wachstum" - aber was ganz konkret bedeutet dies? Nicht mehr 2 mal im Jahr, sondern 4 mal im Jahr in den Urlaub fliegen, nicht mehr 2 Autos in der Garage, sondern 4? Im Endeffekt befindet sich ein gewisser Anteil unserer Bevölkerung in einem "Konsumoptimum" in dem nur noch Luxoriösere Produkte (z.B. Oberklassewagen) konsumiert werden, und nicht "mehr" (z.B. auch Computer, Handy, TV etc.). Dieses qualitative Wachstum kann man aich im städtischen Bereich umsetzen, in dem die Störthemen beseitigt werden, z.B.

durch leisen Elektroverkehr, durch Flughafen außerhalb die mit dem Transrapid / oder ICE direkt an den Hauptbahnhof angeschlossen werden etc. pp.

Im Endeffekt haben wir nur 2 Möglichkeiten - entweder wir wollen uns wandeln, denn nur so können wir noch wirklich wachsen, oder wir wollen das alles so bleibt wie es ist - dann gibt es auch kein "Wachstum".