Daimler landete 2010 auf dem letzten Platz bei den CO 2 -Emissionen: Mit durchschnittlich 161 Gramm Kohlendioxid pro verkauftem Auto und Kilometer war der Autokonzern noch 15 Prozent von der EU-Forderung für das Jahr 2015 entfernt – so weit wie kein anderer Hersteller, analysiert die Umweltorganisation Transport & Environment .

Aber der Konzern mit den Marken Mercedes und Smart ist aufgewacht. Mit der neuen Mercedes B-Klasse ist jetzt eine Art Universalgenie auf den Markt gekommen. Bis 2015 will Daimler neben den Benzin- und Dieselmotoren den ersten Brennstoffzellenantrieb weltweit (F-Cell) sowie einen batterieelektrischen Motor mit Reichweitenverlängerer (E-Cell Plus) in die B-Klasse einbauen. Dazu kommen eine Erdgasvariante und wohl auch ein ausschließlich batterieelektrisches Auto. Die B-Klasse ist somit die Basis für eine nahe Zukunft, in der die CO 2 -Werte stark fallen müssen.

Bereits jetzt ist das Modell exzellent und hochwertiger verarbeitet als die Konkurrenz. Davon konnte sich ZEIT ONLINE bei der Fahrt im Mercedes B 180 CDI mit Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe und Start-Stopp-Automatik überzeugen. Das Auto federt so komfortabel, wie es der Markenname verspricht. Auch die Emissionen entsprechen dem besten lieferbaren Stand der Technik: Der Leitfaden der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) weist 114 Gramm CO 2 pro Kilometer und einen Normverbrauch von 4,4 Litern auf 100 Kilometer aus. Bei Minusgraden und schonender Fahrweise lag der reale Dieselkonsum bei 5,3 Litern.

Rekordwert bei der Aerodynamik

Um diesen respektablen Wert zu erreichen, gab es im Testwagen zwei wichtige Helfer: den Tempomaten mit automatischer Abstandsregulierung ("Distronic Plus") und die Einblendung des aktuellen Tempolimits zwischen Tachometer und Drehzahlmesser. Wer nicht mehr als 80 Stundenkilometer fährt, wo 80 erlaubt sind, und den Rest dem Tempomaten überlässt, wird an der Tankstelle belohnt.

Auffällig ist, dass die neue B-Klasse keinen doppelten Fahrzeugboden mehr hat. Man sitzt jetzt im Auto und nicht, wie im Vorgängermodell, gefühlt auf dem Auto. Der Sitzkomfort ist dadurch gewachsen, und die Aerodynamik verbessert sich, auch wegen der geringeren Fahrzeughöhe, deutlich: Der cw-Wert sinkt von 0,31 bei der alten B-Klasse auf 0,26. Der ca-Wert, der die Stirnfläche des Autos mitberücksichtigt, liegt bei 0,63, bei der vorherigen Generation der B-Klasse betrug er 0,76. Der Vorteil einer so windschlüpfigen Karosserie schlägt sich außerorts in ressourcenschonenden Verbrauchswerten nieder.

Am Fahrzeugunterboden ist auf Höhe der Rückbank Platz für den jeweiligen Energiespeicher – seien es Behälter für Benzin, Diesel oder Erdgas oder die Batterien für einen B-Klasse-Stromer. In der für 2014 angekündigten F-Cell-Version werden hier die Tanks für den Wasserstoff sitzen. Dieser wird in einer Brennstoffzelle, die unter der vorderen Haube sitzt, zur Stromerzeugung genutzt. Mit dem Strom wird dann ein Elektromotor versorgt, der den Wagen antreibt. Die Einheit aus Brennstoffzellen-Paket, Motor und Leistungselektronik ist inzwischen so klein, dass sie in die Front fast aller Mercedes-Modelle passt. Mit der Abwärme wird im Winter geheizt, die Reichweite liegt bei über 400 Kilometern, und vollgetankt wird in wenigen Minuten.