VerkehrssünderdateiWarum Autofahrer so gerne rasen

Ramsauers Punktesystem entlastet Verkehrssünder. Dabei sinkt die Verkehrsdisziplin seit Jahren: Man parkt, wo man will und fährt so schnell es gerade passt. von Ariane Bemmer

Am Sonntag, früh um zwei Uhr, startete ein Berliner seinen Mercedes und fuhr einen anderen Mann, mit dem er sich zuvor in der Kneipe gestritten haben soll, über den Haufen. Da war das Auto für einen Augenblick das, was es sonst höchstens nebenbei ist: eine Waffe.

Aber stimmt das "sonst" überhaupt noch? Die Verkehrsdisziplin auf deutschen Straßen sinkt. Jahr für Jahr wächst die Flensburger Verkehrssünderdatei, und wenn Bundesverkehrsminister Ramsauer das Punktesystem jetzt neu regeln will , dann, so die einhellige Kritik, begünstigt das die Zuschnellfahrer, die die meisten und schlimmsten Unfälle verursachen. Fahrer, die in der Regel wissentlich regelwidrig handeln. Ramsauers Idee wäre damit eine irrationale Antwort auf ein Verkehrswesen, das statt weniger Druck mehr Druck bräuchte, wenn es unfallfreier werden soll.

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Die Verkehrsdisziplin sinkt, das heißt, die Bereitschaft, Vorschriften zu befolgen. Man parkt, wo man will, fährt so schnell es gerade passt und hält an der roten Ampel nur, wenn es sich gar nicht vermeiden lässt. Fußgänger gucken auch bei Grün längst noch dreimal nach links, rechts, links, bevor sie gehen, Radfahrer trauen sich kaum noch auf die Straße. Sie tun recht daran: Für Berlin gilt, dass der Anteil der Fußgänger und Radfahrer bei den Unfalltoten „unverhältnismäßig hoch“ ist, so nannte es mit Blick auf die Verkehrsstatistik von 2010 die Prüforganisation Dekra .

Mitten in der Stadt, mitten in der Zivilisation ist ein öffentlicher Ort, die Straße, zu einer Art gesetzloser Zone geworden, in der jeder sein Interesse, das eigene zügige Vorwärtskommen, durchsetzen will.

Das Überschreiten von Höchstgeschwindigkeiten führt seit Jahrzehnten die Liste der Verkehrsverstöße an. Warum das so ist, ist nicht ergründet. Es gibt keine belastbare Motivforschung zum Gemütszustand der Temposünder. Doch scheinen sich zwei Gruppen voneinander zu unterscheiden. Es gibt diejenigen, die gespeist aus dem Slogan von der freien Fahrt für den freien Bürger die Verkehrssünde als eine akzeptable Art der Staatsabwehr betrachten. Lasst mich in Ruhe mit euren Regeln, schreibt mir nicht vor, wie ich mich in einer Situation verhalten soll, die ich viel besser selbst beurteilen kann, weil ich mittendrin stecke. Dazu passt die Erkenntnis, dass Temposünden abnehmen, wenn die Fahrer älter werden. Wenn sich auch im sonstigen Sozialverhalten die Revoluzzerpose abgenutzt hat und die Mitmachbereitschaft wächst.

Und es gibt die Gruppe der Jüngeren, die ihre vielleicht noch postpubertär motivierte Rivalität mit der ganzen Welt gerne auf der Straße austragen. Die das Rasen, Drängeln, Schneiden als persönlichen Sieg über den Anderen, die Loser, feiern, als Ausweis ihrer Überlegenheit.

Gemeinsam ist ihnen die Selbstüberschätzung (Ich habe alles im Griff!) und die augenblicksbezogene Gefahrenvergessenheit: gestresst oder aufgeputscht ins Auto steigen, diesen Stress durch regelwidriges Verhalten noch erhöhen und das dann Abreagieren nennen. Rote Ampeln überfahren, um Zeit zu gewinnen, die man an der nächsten Ampel schon wieder verliert. Dieses Verhalten wird nur deshalb nicht zur täglichen Katastrophe, weil es noch die anderen Autofahrer gibt. Die Defensiven, die mitdenken, vorlassen, bremsen, blinken, sich nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Leserkommentare
  1. ... zwischen der Unfallursache "zu schnelles Fahren" und dem Blitzen wegen zu schnellem Fahrens. Beides korrelliert nicht unbedingt.

    Wenn man irgendwo typischerweise geblitzt wird, weil man auf einer schnurgeraden Autobahn bei gutem Wetter irgendwo 160 statt der erlaubten 120 fährt ist meines Erachtens die Gefahr eines Unfalls relativ gering. Das gleiche gilt für 50 in einer 30er Zone.

    Die Unfallursache "unangepasste Geschwindigkeit" beschreibt eigentlich eher ein anderes Szenario, nämlich das, dass während der Autobahnfahrt das Wetter schlecht wird, z.B. Nebel auftritt und trotzdem weiter mit den (nominell erlaubten) 120 gefahren wird. Oder dass man auf der Landstraße mit 100 aus der Kurve fliegt, ohne dass deswegen vorher eine Beschränkung auf 80 oder 60 angezeigt worden wäre, weil jeder eigentlich sehen müsste, dass man die Kurve nicht mit 100 fahren kann.

    Zwischen diesen beiden Szenarien sollte differenziert werden, wenn aus vielen Unfällen mit "nicht angepasster Geschwindigkeit" die Forderung nach einer stärkeren Überwachung von Geschwindigkeitsbeschränkungen abgeleitet wird.

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    Was Sie da schreiben ist letztlich "Rasen sollte erlaubt sein, wenn jemand die Situation als beherrschbar einschätzt", was Wilkür Tür und Tor öffnet, da die meisten raser die Situation auch als beherrschbar einschätzten, bis sie sich um einen Baum gewiockelt haben oder - um beim beispiel zu bleiben - in ein Stauende gekracht sind. Mal ganz davon abgesehen sagen Sie vielleicht, dass die Unfallgefahr bei 160 gering ist, möglicherweise hat die zuständige Polizei da ganz andere Erfahrungen gemacht.

    Letztlich habe ich keinerlei Verständnis für diese ewige Raserei. Leute, fahrt doch einfach rechtzeitig los! Plant Zeitpuffer mit ein und seid mal ein bisschen relaxt. Solche Idioten der Meinung "ich kann die Situation beherrschen" hätten letztes Jahr um ein Haar zwei Familienmitglieder von und ins jenseits befördert. Auto geschnitten, Totalschaden. Leider bleiben die Raser oft unverletzt und unbehelligt, sterben tun die anderen, die absolut rein gar nichts für die Selbstüberschätzung und Dummheit der Raser können.

    • N
    • 29. Februar 2012 12:26 Uhr

    >>Wenn man irgendwo typischerweise geblitzt wird, weil man auf einer schnurgeraden Autobahn bei gutem Wetter irgendwo 160 statt der erlaubten 120 fährt ist meines Erachtens die Gefahr eines Unfalls relativ gering. Das gleiche gilt für 50 in einer 30er Zone.

    klar, die Gefahr eines Unfalls ist immer relativ gering, wenn nix passiert.
    Aber woher wollen sie das wissen?
    Woher wollen sie wissen, dass ihnen in einer 30-Zone (die typischer Weise Wohngebiete sind) kein Kind vor die Karre kommt, weil es seinem Ball hinterher läuft oder mit dem neuen Fahrrad plötzlich zu schlingern anfängt. Ist Ihnen klar, dass sie bei normaler Reaktionszeit und Tempo 50 noch nicht einmal angefangen haben zu Bremsen, wenn Sie mit 30 schon stehen würden?!!!

    Unglaublich, dass Sie hier in einem öffentlichen Forum eine Geschwindigkeitsüberschreitung von 40km/h noch als "halb so schlimm" wenn das Wetter gut ist einstufen. Dies unterstreicht nun alles was in dem Kommentar gesagt wurde. Warum es diese Begrenzung auf 120km/h gibt ist Ihnen offensichtlich egal. Könnte ja auch wegen Lärmschutz sein. Aber das interessiert Sie sicher herzlich wenig.

    In den meisten Ländern sind Sie mit dieser Einschätzung den Führerschein los. In Deutschland gibt es wahrscheinlich 3 Punkte. Lächerlich.

    Danke für Ihren Beitrag der die Autofahrer Problematik in Deutschland mehr als deutlich aufzeigt.

    ... hat den Sinn meines Kommentars verstanden. Es geht nicht darum, dass man sich nicht grundsätzlich um Geschwindigkeitsbeschränkungen kümmern sollte, sondern darum, dass eine in den Medien oder in der Statistik als "überhöhte Geschwindigkeit" auftauchende Unfallursache nicht notwendigerweise etwas mit dem Überschreiten einer ausgeschilderten oder implizten (100 auf der Landstraße) Geschwindigkeitsbeschränkung zu tun hat. Und nur letztere kann ich durch Blitzer kontrollieren. Aus den Medienberichten über Unfälle durch "überhöhte Geschwindigkeit" würde ich sogar eher ableiten, dass die meisten dieser Unfälle eher in der Art "Geschwindigkeit ist im Prinzip erlaubt, aber jeder vernünftige Mensch muss doch sehen, dass das hier nicht geht" ablaufen.

    Solange obiger Zusammenhang nicht signifikant nachgewiesen ist, ist die Reaktion mehr Blitzer/Kontrolle/etc. zu fordern schlicht populistisch.

    Und: Nein, mit konkreten Beispielen kann man statistische Überlegungen grundsätzlich nicht widerlegen.

    .. wird bereits im Artikel eingegangen. Es ist der Absatz, der mit den Worten "Gemeinsam ist ihnen die Selbstüberschätzung .." beginnt.

    Diese Selbstüberschätzung jetzt in einer quasi-objektiven Sichtweise neu als Argument zu bringen ist müßig.

    "Wenn man irgendwo typischerweise geblitzt wird, weil man auf einer schnurgeraden Autobahn bei gutem Wetter irgendwo 160 statt der erlaubten 120 fährt ist meines Erachtens die Gefahr eines Unfalls relativ gering. Das gleiche gilt für 50 in einer 30er Zone."

    Was Sie schreiben, ist maßlose Selbstüberschätzung. Und ja, ich habe Sie sehr wohl richtig verstanden. Mit welchem Recht brettern einige mit 40KmH und mehr über der erlaubten Grenze? Weil sie die Situation im Griff haben? Im Autoverkehr gilt leider viel zu oft, über 70% schätzen ihre Fähigkeiten als Autofahrer sehr hoch ein und die der anderen als niedrig und das gibt ihnen das Recht, schneller als das erlaubte Maß zu fahren.

    Ich bin Vielfahrer und erlebe diesen rücksichtslosen Wahnsinn jeden Tag. Wenn ich jemanden, der blinkt reinlasse, sind manche so überrascht, dass sie vergessen, in die von mir angebotene Lücke zu fahren. Soweit sind wir inzwischen, dass ein rechtzeitig betätigter Blinker auf sture Ignoranz beim anderen Verkehrsteilnehmer stößt. Wird Zeit, dass die Strafen teuer und drakonisch werden.

    50 km/h bei erlaubten 30 km/h sind für Sie unproblematisch?
    Da helfen wohl nur noch der sofortige lebenslange Führerschein-Entzug und die MPU.

    • Azenion
    • 29. Februar 2012 12:10 Uhr

    Ich bin nicht überrascht. Das kommt davon, daß die Obrigkeit (die Gesamtheit der Staatsorgane) sich seit Jahrzehnten dem Bürger als feindliche Macht entgegenstellt.

    Die Menge an unangemessenen Einschränkungen hat dazu geführt, daß jede davon unter stetigem Schikaneverdacht steht -- zumal die Einschränkungen ja auch unter dem kaum verhohlenen ideologischen Vorzeichen stehen, den Individualverkehr unattraktiv zu machen.

    Und wer argwöht, schikaniert zu werden, dessen Gewissen bleibt rein, wenn er sich der Schikane entzieht.
    Es ist doch wahrlich keine Neuigkeit, daß gesetzeskonformes Verhalten vor allem durch gesellschaftlichen Konsens, nicht durch Gewalt bewirkt werden kann.

    Gewaltpolitik mag für totalitäre Staaten angemessen sein, verträgt sich aber nicht mit einem freiheitlich-demokratischen Gemeinwesen.

    Anstatt also immer mehr und strengere Verbote und flächendeckende Überwachung zu fordern, müßte man sich als erstes vom politischen Dogma der symbolischen Gesetzgebung befreien, wonach Gesetze nicht in erster Linie zielgenau und angemessen sein müssen, sondern vor allem eine politische Aussage transportieren sollen.

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    • GDH
    • 29. Februar 2012 12:22 Uhr

    Sie haben sicher Recht, dass der Respekt vor Gesetzen abnimmt, wenn es zu viele unnötige Verbote gibt. Daher bin ich auch nicht für mehr Tempolimits sondern eher für weniger. Diese müssen dann aber auch konsequent durchgesetzt werden.

    Ärgerlich finde ich es auf der anderen Seite, dass bewusste schwere Verkehrsverstöße sogar wiederholt begangen werden können ohne dass der Führerschein dann mal lange weg ist. Dazu gehören so Sachen wie "rechts überholen auf der Autobahn" (also wenn eindeutig kein Stau ist und z.T. über 100km/h gefahren werden), oder "Parken in zweiter Reihe" (wo dem Parkenden völlig offensichtlich ist, dass ein vorschriftsmäßug parkender Anderer nicht rauskommt) und viele weitere Verstöße, die sich nicht durch ein Versehen oder offensichtliche Harmlosigkeit erklären lassen.

    Prinzipiell richtig. Die Generalüberwachung erreicht sicherlich das Gegenteil, aber auf der anderen Seite sollten bei nicht befolgen vernünftiger Regeln entsprechend harte Konsequenzen folgen und nicht diese laschen Antworten, die ja geradezu regelloses Verhalten provozieren.

    Von mir aus können alle Radargeräte abmontiert werden. Aber dafür drastische Strafen für die bei Polizeikontrollen erwischten Übeltäter.
    Bei Alkoholfahrten nicht nur jahrelanger Führerscheinentzug, mit anschließend neuem Führerschein sondern die Versteigerung des Autos (Erlös geht an gemeinnützige Organisationen)gleich mit.
    Wer andere schneidet und dadurch tödliche Unfälle verursacht geht fünf Jahre ins Gefängnis. Der Rest regelt sich dann von alleine.

  2. ich glaube nicht dass sich der normale autofahrer mit bösem vorsatz tatsäclich bewusst dazu entscheidet zu "rasen" (was auch immer rasen bedeutet, abhängig von der situation).
    vielmehr glaube ich dass tatsächlich die evolution der fahrzeuge dazu führt, genauer das subjektive empfinden des fahrers hinsichtlich geschwindigkeit und möglichen gefahren), dass eine art entfremdung stattfindet, zwischen der "echten" realität (z.b. 80km/h innerorts) und der gefühlten (erschütterungsfreie stille und gelassenheit im fahrzeug).
    jeder der einmal ne ente mit 50 durch die stadt gescheucht hat und dann in einem modernen auto die gleiche strecke fährt, weiss was ich sagen will.)
    irgendwo hab ich mal gelesen, dass die zahl der raser und verkehrsrowdies am ehesten sinken würden, wenn statt einer kopfstütze ein samuraischwert hinter dem kopf des fahrers angebracht sein müsste. das ist natürlich eher philosophisch gemeint, aber es trifft den kern des pudels.

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    Die Evolution der Fahrzeuge führt dazu, dass die meisten Fahrzeuge heute einen Tempomat haben. Den kann man auf die erlaubte Geschwindigkeit einstellen. Für diejenigen die vor lauter Evolutionsfahrzeug den Tacho nicht sehen können.

    Auch ich bekomme Strafzettel, fahre manchmal zu schnell doch ich weiss es ist mein Fehler und mein Mist denn ich damit baue. Diese Tendenz das alles zu verharmlosen und so zu tun als seien die Autos, der Gesetzgeber, das gute Wetter etc. schuld ist doch nur eine Verharmlosung des Problems.

    Es sind Gesetze und Vorschriften die sind nicht diskutierbar sondern werden in den meisten Fällen bewusst gebrochen. Oder kämen Sie auf die Idee im Supermarkt eine Sonnencreme zu klauen und dies mit dem Hinweis auf das schöne Wetter zu entschuldigen ?

    nur immer in die selbe kerbe hacken bringt auch nichts neues. klar gibts die raser und falschparker, schleicher oder nichtblinker... verkehrsdeppen.. (in zahlreichen leserbeiträgen in gänze beschrieben!) ich schrieb über den "normalen" autofahrer, und der erwähnte "effekt" ist bekannt, die autoindustrie forscht da wohl auch schon rum....
    sie haben recht der tempomat könnte den starfzettel ersparen, tut er aber offensichtlich nicht sonst wär ja alles prima.

    und die lustige sonnencremesupermarktgedöhnsgeschichte.... huiuiui! :)

  3. Was Sie da schreiben ist letztlich "Rasen sollte erlaubt sein, wenn jemand die Situation als beherrschbar einschätzt", was Wilkür Tür und Tor öffnet, da die meisten raser die Situation auch als beherrschbar einschätzten, bis sie sich um einen Baum gewiockelt haben oder - um beim beispiel zu bleiben - in ein Stauende gekracht sind. Mal ganz davon abgesehen sagen Sie vielleicht, dass die Unfallgefahr bei 160 gering ist, möglicherweise hat die zuständige Polizei da ganz andere Erfahrungen gemacht.

    Letztlich habe ich keinerlei Verständnis für diese ewige Raserei. Leute, fahrt doch einfach rechtzeitig los! Plant Zeitpuffer mit ein und seid mal ein bisschen relaxt. Solche Idioten der Meinung "ich kann die Situation beherrschen" hätten letztes Jahr um ein Haar zwei Familienmitglieder von und ins jenseits befördert. Auto geschnitten, Totalschaden. Leider bleiben die Raser oft unverletzt und unbehelligt, sterben tun die anderen, die absolut rein gar nichts für die Selbstüberschätzung und Dummheit der Raser können.

    • Mailer
    • 29. Februar 2012 12:20 Uhr

    Vielen Dank für diesen Artikel! Er dürfte der Wahrheit deutlich näher kommen als die tägliche Selbstüberschätzung selbsternannter Profifahrer, die sich natürlich nicht zu den Risikofaktoren des täglichen Verkehrs zählen. Irrationalität im Straßenverkehr - bei allen Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmern! - kann man nur mit harter Rationalität entgegentreten. Und das heißt: deutlich mehr Kontrollen und viel, viel härtere Strafen! Auf allen Ebenen, für alle Fortbewegungsarten! Jahrzehntelange Rücksichtnahme hat ganz offensichtlich nichts gebracht.

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    Stimme mit Ihnen und dem Artikel überein.

    Was gerne vergessen wird: Autofahren ist kein (Grund-)Recht, sondern ein Privileg, weil eben von der Benutzung eines Kraftfahrzeuges eine sog. Betriebsgefahr ausgeht.
    Nicht umsonst muss man als Fahrer einen Führerschein machen.

    Aber die vollkommen irrationale Einschätzung mit dem Tenor "Rasen sollte erlaubt sein, wenn jemand die Situation als beherrschbar einschätzt" erinnert in der Tat an die ebenso irrationalen amerikanische Diskussionen zum privaten Waffenbesitz.

    Interessanterweise lässt es sich trotz aller Regelungen und rigiden Tempolimits in den USA viel entspannter über den Highway fahren. Und auch die Abstimmung an Kreuzungen zwischen den Verkehrsteilnehmern klappt häufig viel besser als in Deutschland.

    Das ist vielleicht Ihre Wahrnehmung, aber ganz sicher nicht eine faktenbezogene Wahrheit. Leider bringt uns der Artikel die Wahrheit nicht näher. Fantastisch geht mMn anders.

    Tatsache ist, die Zahl der Verkehrstoten ist seit Jahrzehnten rückläufig. In 1970 gab es noch 19000 Tote, in 2000 noch 7500 und in 2010 noch 3600. Die Zahl der Unfälle mit Personenschaden ist ebenfalls rückläufig von 330000 in 2007 auf 290000 in 2010. Und das obwohl die Anzahl PKW seit 1970 drastisch gestiegen ist.

    http://de.wikipedia.org/w...
    http://www.destatis.de/je...

    Und wie hervorragend das restriktive Vorgehen und der so kooperative Fahrstil in den USA ihre Wirkung erzielen, kann man hier lesen:

    http://de.wikipedia.org/w...

    Im Vergleich doppelt so viele Tote pro Einwohner als in D.

    Übrigens der Vergleich zwischen Verkehrstoten in D und Erschossenen in den USA ist auch nur hanebüchen. Mobilität ist ein vertretbares Übel zum Lebensunterhalt, Schusswaffen sicher nicht.

    Schreib Ihnen jemand ohne einen Punkt in Flensburg.

    Fahrt umsichtig!

    • GDH
    • 29. Februar 2012 12:22 Uhr

    Sie haben sicher Recht, dass der Respekt vor Gesetzen abnimmt, wenn es zu viele unnötige Verbote gibt. Daher bin ich auch nicht für mehr Tempolimits sondern eher für weniger. Diese müssen dann aber auch konsequent durchgesetzt werden.

    Ärgerlich finde ich es auf der anderen Seite, dass bewusste schwere Verkehrsverstöße sogar wiederholt begangen werden können ohne dass der Führerschein dann mal lange weg ist. Dazu gehören so Sachen wie "rechts überholen auf der Autobahn" (also wenn eindeutig kein Stau ist und z.T. über 100km/h gefahren werden), oder "Parken in zweiter Reihe" (wo dem Parkenden völlig offensichtlich ist, dass ein vorschriftsmäßug parkender Anderer nicht rauskommt) und viele weitere Verstöße, die sich nicht durch ein Versehen oder offensichtliche Harmlosigkeit erklären lassen.

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    Rechts überholen gefährdet ohne jeden Zweifel andere.

    Doch genauso gefährdend ist es wohl mit Tempo 100 auf der linken/mittleren Spur zu fahren, obwohl die rechte frei ist.
    Gerade auf dreispurigen Autobahnen eine beliebte Unsitte. Man bleibt bequem auf der Mittelspur, denn am Horizont ist ja der nächste LKW in Sicht....

    "Ärgerlich finde ich es auf der anderen Seite, dass bewusste schwere Verkehrsverstöße sogar wiederholt begangen werden können ohne dass der Führerschein dann mal lange weg ist. Dazu gehören so Sachen wie "rechts überholen auf der Autobahn" (also wenn eindeutig kein Stau ist und z.T. über 100km/h gefahren werden)"

    Ja wieso ist rechts ueberholen eigentlich verboten? Da auch auf deutschen Autobahnen das Rechtsfahrgebot gilt, sollte man villeicht doch eher den Linksfahrer verwarnen.

    • Maebh
    • 01. März 2012 10:19 Uhr

    Ich will mich da anschließen: wenn jemand behauptet, es sei in Ordnung, mit Tempo 50 in einer 30Zone zu fahren, plädiere ich für eine Nachschulung und zwar sofort.

    Menschen die das behaupten sind offenbar gar nicht mehr als Fußgänger oder Radfahrer unterwegs, sondern in einer SUV-Limousine mit starkem Motor. Wissen über Bremswege und physikalische Gewissheiten werden einfach ausgeblendet mit dem fadenscheinigen Argument "ich kann die Situation ja gut einschätzen" - und der Nachgedanke unbewusst: "ich bin im Notfall ja gut geschützt", was sich viele gar nicht eingestehen würden, dass sie das denken. Aber es erklärt letztlich die Rücksichtslosigkeit - das deckt sich auch mit meinen Beobachtungen und Erfahrungen als Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer.

    Ein ausgezeichneter Punkt ist m. Erachtens daher die Bemerkung, dass die große Isolation von der draußigen Straßenwelt dieses Verhalten provoziert. Stimmt - je dicker das Auto, desto schneller wird gerast, die Fahrbahn, der Radweg, die Busspur und auch mal der Gehweg in Anspruch genommen. Und außerdem: je teurer das Auto, desto rücksichtsloser die Fahrer. Hier kommt auch noch die Haltung "ich bin Leistungsträger und kann es allen zeigen" ins Spiel.

    Sehr schlimm sind daher SUV-Fahrer (oft grüne Ökoeltern, die beim ersten Kind eine Riesenkutsche kaufen und sofort zum Roadhog werden) und Audi/Porsche Fahrer. Rasen, Vorfahrt nehmen, schneiden, Türen öffnen ohne zu schauen: das sind potentielle Todesfallen für Andere im Verkehr.

    • N
    • 29. Februar 2012 12:26 Uhr

    >>Wenn man irgendwo typischerweise geblitzt wird, weil man auf einer schnurgeraden Autobahn bei gutem Wetter irgendwo 160 statt der erlaubten 120 fährt ist meines Erachtens die Gefahr eines Unfalls relativ gering. Das gleiche gilt für 50 in einer 30er Zone.

    klar, die Gefahr eines Unfalls ist immer relativ gering, wenn nix passiert.
    Aber woher wollen sie das wissen?
    Woher wollen sie wissen, dass ihnen in einer 30-Zone (die typischer Weise Wohngebiete sind) kein Kind vor die Karre kommt, weil es seinem Ball hinterher läuft oder mit dem neuen Fahrrad plötzlich zu schlingern anfängt. Ist Ihnen klar, dass sie bei normaler Reaktionszeit und Tempo 50 noch nicht einmal angefangen haben zu Bremsen, wenn Sie mit 30 schon stehen würden?!!!

    • amandaR
    • 29. Februar 2012 12:28 Uhr

    Die Verkehrsmoral sinkt tatsächlich erheblich und es geht immer aggressiver und rücksichtsloser zu. Ampeln werden sehr oft bei "gerade Rot geworden" noch schnell überfahren. Es wird gedrängelt und gerast. Gehwege und Fahrradwege werden zugeparkt. Behindertenparkplätze werden gerne mißbraucht. Usw ...

    Ich verstehe nicht, warum man bei uns in Deutschland immer so zahm und weichgespült mit Dingen umgeht, die klar geregelt gehören. Die Strafen bei Verkehrsdelikten müssten wesentlich höher und drastischer sein, als sie es momentan sind, denn so ist es doch nur eine Lachnummer, die nicht ernts genommen wird. Niemand ist gezwungen, gegen Regeln zu verstoßen. Wer es aber tut, sollte auch die Konsequenzen tragen. So einfach ist das.

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    Nichts ist inkonsequenter als das deutsche Verkehrsrecht (ok, vieleicht das deutsche Steuerrecht)

    - Brandgefährliche Dinge werden gleich behandelt wie reine Ausflüsse von Regulierungsallmacht, BSP: unter einer Sekunde über Rot, 1 Punkt, Feinstaubzone, 1 Punkt.

    - Sanktionen werden ULTRABÜROKRATISCH verteilt, mit reiner Konzentration auf Effizienz, BSP: wenn ich 3 Tage vor der Verjährung ein Ticket wg. dichten Aufffahrens bekomme, wo ich kaum noch weiß, wo ich an dem Tag war, nur um dann auf dem Foto zu sehen, das das Abstandsverbrechen die Kolonnenfahrt mit einen Freund zurück aus dem Urlaub war, mit ansonsten leerer Autobahn. NULL situative Analyse von Seiten der Behörden. Da zuckt man mit den Schultern und zahlt die halt die Straßenbenutzungsgebühr.

    - Das gleicher gefährliche Ding ist einmal Verboten, einmal erlaubt, BSB: Telefonieren im Auto. Jede Studie zeigt, das REDEN ist das Gefährliche, nicht ob man das Handy hält oder eine Freisprecheinrichtung benutzt. Aber da all die Geschäftsleute der Politik die HÖLLE HEISS machen würden, dürften sie in der Karre nicht mher das große Rad drehen, wird halt nur das handyhalten bestraft (das schon praktisch unkontrollierbar ist)

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