Zum ersten Mal seit 1991 ist die Zahl der Verkehrstoten auf deutschen Straßen wieder gestiegen. Im vergangenen Jahr verunglückten 3.991 Menschen tödlich, das sind 9,4 Prozent mehr als im Jahr 2010, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden bekannt gab . Rund 391.500 Menschen wurden 2011 bei Verkehrsunfällen verletzt, das entspricht einem Anstieg um 5,5 Prozent.

Dass der seit zwei Jahrzehnten anhaltende positive Trend kippt, fürchten Experten allerdings nicht. "Es ist nicht davon auszugehen, dass in den nächsten Jahren die Zahl der Verkehrstoten weiter ansteigt", sagte der Verkehrsunfallforscher Henrik Liers von der Technischen Universität Dresden ZEIT ONLINE. Vom Niveau des Jahres 1991 ist man allemal weit entfernt: Damals starben noch 11.300 Menschen im Straßenverkehr.

Liers erklärt den hohen prozentualen Anstieg vor allem damit, dass die absolute Zahl der Verkehrstoten inzwischen auf einem niedrigen Niveau liege. Deshalb machten sich Wettereffekte und besonders schwere Unfälle stärker bemerkbar. Auch in den kommenden Jahren sei mit solchen Schwankungen zu rechnen.

Schönes Wetter als Grund ausgemacht

Als Beispiel nennt Liers Massenkarambolagen wegen Nebels im Herbst, etwa Mitte November auf der A31 bei Aachen mit drei Toten oder auf der A9 südlich von Berlin mit zwei Toten, oder den Massenunfall Anfang April auf der A19 bei Rostock , ausgelöst durch einen Sandsturm. Damals rasten 80 Autos ineinander, acht Menschen starben. Ohnehin haben die Statistiker das Wetter als Hauptgrund für die Entwicklung im vergangenen Jahr ausgemacht. Der milde Winter, der warme und trockene Frühling und ein schöner Herbst hätten dazu geführt, dass mehr und häufig auch schneller gefahren werde, erläuterte das Statistische Bundesamt die Zahlen. Außerdem seien dann mehr ungeschützte Verkehrsteilnehmer unterwegs. Das sieht auch Verkehrsforscher Liers so: "Der März 2011 war relativ warm und trieb mehr Fußgänger und Radfahrer nach draußen als im Vorjahresmonat. Damit steigt das Risiko für schwerere Unfälle", sagt er.

Allerdings liegt der Anstieg bei den Todesfällen mit gut neun Prozent im Gesamtjahr höher als erwartet – Liers war von etwa sieben Prozent ausgegangen. Das liegt vor allem daran, dass im Dezember 2011 die Zahl der tödlich Verunglückten drastisch zunahm: 364 Menschen starben im Schlussmonat auf den Straßen, mehr als doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Auch dafür war das Wetter der Hauptgrund: Im Dezember 2010 hatte es einen starken Wintereinbruch gegeben mit der Folge, dass weniger und langsamer gefahren wurde.