Autotechnik: Aufblenden ohne zu blenden
Nachtfahrten werden dank neuer Lichttechnik zunehmend sicherer. Opel stellt ein Fernlicht vor, das andere Fahrer nicht stört. Weitere Hersteller erproben OLEDs und Laser.
© press-inform

Ein neu entwickeltes Fernlicht blendet andere Verkehrsteilnehmer aus.
Vor über 100 Jahren wiesen noch Kerzen in Laternen den ersten Autofahrern den Weg durch die Dunkelheit. Seither hat sich in der Lichttechnik viel getan, und inzwischen gehören auch Tageslicht spendende Xenon-Scheinwerfer zum Alltag. Sie sind aber lange nicht das Ende der automobilen Straßenbeleuchtung, wie die jüngst eingeführte LED-Technik etwa im Audi R8, dem Mercedes CLS oder dem Cadillac Escalade belegt.
Einfach nur Licht an oder aus – damit ist es schon längst nicht mehr getan. Die insgesamt 71 verbauten LEDs des CLS lassen sich in ihrer Intensität und Richtung unterschiedlich steuern. Das Ergebnis ist eine variable Lichtverteilung, die sich der Verkehrssituation anpasst. Der Lichtkegel reicht bis zu 300 Meter weit und endet stets kurz vor dem entgegenkommenden oder vorausfahrenden Fahrzeug. Gleichzeitig erkennt der Fernlicht-Assistent den Lenkwinkel und blendet die Scheinwerfer in engen Kurven ab.
Opel geht nun noch weiter. Die Ingenieure präsentierten in Rüsselsheim eine neue Lichttechnik mit dem cineastischen Namen Matrix. In der Theorie hört sie sich recht einleuchtend an. Ab einer Geschwindigkeit von 60 Stundenkilometern schaltet sich automatisch das Fernlicht zu und leuchtet in einem sehr breiten Lichtkegel die Fahrbahn aus, ohne den entgegenkommenden oder vorwegfahrenden Verkehr zu blenden – so weit, so bekannt. Der Clou aber ist: Die anderen Verkehrsteilnehmer werden ausgeblendet. Sie fahren in einem lichtlosen Korridor weiterfahren, um sie herum erstrahlt es jedoch weiterhin taghell.
BMW experimentiert mit Laserlicht
Die Techniker erreichen dieses Ergebnis, indem sie in jedem Scheinwerfer der Opel-Matrix vier Lichtquellen mit jeweils vier Dioden arbeiten lassen, die individuell ein- und ausgeschaltet werden können. Das ergibt 256 verschiedene Einstellungsmöglichkeiten. Welche davon gewählt wird, regelt die Fahrzeugelektronik in Zusammenarbeit mit einer Frontkamera fließend und – zumindest in der Theorie – unbemerkt vom Fahrer. Während der ersten Testfahrten im Prototypen, einem umgebauten Opel Insignia, waren die Übergange aber stakkatohaft und daher sehr wohl zu erkennen.
Das Prinzip selbst funktionierte hingegen tadellos. Andere Verkehrsteilnehmer wurden ausgeblendet, die übrige Umgebung gleichzeitig aber weiterhin gut ausgeleuchtet. "Auf unseren vielen Tausend Kilometer langen Erprobungsfahrten im regulären Straßenverkehr bekamen unsere Testfahrer kein einziges Mal ein Signal in Form einer Lichthupe oder ähnlichem", berichtet ein Opel-Ingenieur. Wann die schon heute serienreife Technik den Weg auf die Straße findet, wird – wie so oft in der Automobilindustrie – nur grob verraten: Die Einführung werde noch etwa drei bis vier Jahre dauern, heißt es bei Opel.
Weiter in der Zukunft liegt wohl die Nachfolge der LEDs im Automobil: zum einen Laserlicht, zum anderen der Einsatz von organischen LEDs. Ersteres liest sich nur auf dem Papier wie eine neue Waffe im Straßenverkehr. Das Laserlicht wird nicht direkt ausgestrahlt, sondern mithilfe von Phosphor-Leuchtstoff umgewandelt. Diese von BMW vorangetriebene Technik soll für Menschen und Tiere ungefährlich sein und den entscheidenden Vorteil haben, noch energiesparender als LEDs zu arbeiten. Zudem sind die Laserdioden fast 100 mal kleiner als herkömmliche LEDs, was Designern mehr Gestaltungsmöglichkeiten gibt.
Warndreieck in die Nebelwand
Richtig futuristisch mutet die Technik der organischen lichtemittierenden Dioden an, kurz OLEDs genannt. Zwischen zwei Leiterschichten werden mehrere hauchdünne Lagen eines organischen Leuchtmittels aufgedampft. Jetzt muss nur noch eine elektrische Ladung angelegt werden, und die Diode beginnt zu leuchten. Der Vorteil dieser Technik sind ihre vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Ob auf Glas oder biegsamen Stoffen, OLEDs können auf verschiedensten Oberflächen aufgebracht werden. Sie finden sich schon heute in einigen Mobiltelefonen, Lampen oder in Form von aufrollbaren Bildschirmen für unterwegs wieder. Audi hat OLEDs bereits im Heck eines R8-Konzeptfahrzeugs installiert.
Ebenfalls von Audi stammen die Ideen für ein sogenanntes Matrix-Laser-Rückleuchtensystem. Es bildet hinter dem Wagen auf der Straße einen horizontalen Balken ab, der die Auffahrenden an den einzuhaltenden Abstand erinnern soll. Doch damit nicht genug. Der Laser soll es auch schaffen, bei Nebel ein dreidimensionales rotes Dreieck in die Nebelwand hinter dem Audi zu projizieren.









Ein sehr lesenswerter Artikel. Vielen Dank dafür. Ein Dreieck hat allerdings nur zwei Dimensionen..
Haben Sie wirklich noch nichts von einem räumlichen Dreieck gehört ?
Wählen Sie beispielsweise auf der Erdkugel den "Längenkreis" durch Greenwich (0 Grad),
den "Längenkreis" mit 90° östl. Länge und den Äquator; deren Schnittpunkte bilden ein räumliches Dreieck mit der Winkelsumme 270°.
Haben Sie wirklich noch nichts von einem räumlichen Dreieck gehört ?
Wählen Sie beispielsweise auf der Erdkugel den "Längenkreis" durch Greenwich (0 Grad),
den "Längenkreis" mit 90° östl. Länge und den Äquator; deren Schnittpunkte bilden ein räumliches Dreieck mit der Winkelsumme 270°.
Wie reagiert die Technik eigentlich auf Fußgänger? Meine 4 Fernlichter dürften doch etwas heller sein, als der Käse und haben den großen Vorteil, dass ich die auch manuell wieder auf Abblendlicht zurückschalten kann. Geht das bei dem Opel auch, oder haben die Fußgänger dann einfach Pech gehabt und dürfen die Augen zumachen oder sich wegdrehen, bis man vorbei ist?
Und wie sieht es mit der guten alten Lichthupe aus? Funktioniert die dann noch oder bekommt dann gerade der Fahrer, den man mit der Lichthupe warnen will garnichts davon mit?
wie es immer und von Anfang an vom Xenonlicht behauptet wurde. Denke ich immer gern dran, wenn ich im IV. und I. Quartal bei Dunkelheit auf Arbeit oder nach Hause fahre und regelmäßig einen Instrumentenflug mache, weil ich bei Gegenverkehr nichts mehr sehe. Dank denen, die sich die Scheinwerfer in der Wekstatt schön hochdrehen lassen oder ihre Nachrüstsets per ebay Hongkong zukaufen.
Haben Sie wirklich noch nichts von einem räumlichen Dreieck gehört ?
Wählen Sie beispielsweise auf der Erdkugel den "Längenkreis" durch Greenwich (0 Grad),
den "Längenkreis" mit 90° östl. Länge und den Äquator; deren Schnittpunkte bilden ein räumliches Dreieck mit der Winkelsumme 270°.
Sie haben natürlich Recht, das räumliche Dreieck (auch sphärisch genannt) geht über drei Dimensionen. Dies ist aber sicher nicht gemeint in dem Artikel, oder haben Sie schon mal ein sphärisches Warndreieck gesehen?
Sie haben natürlich Recht, das räumliche Dreieck (auch sphärisch genannt) geht über drei Dimensionen. Dies ist aber sicher nicht gemeint in dem Artikel, oder haben Sie schon mal ein sphärisches Warndreieck gesehen?
Artikelzitat: "Auf unseren vielen Tausend Kilometer langen Erprobungsfahrten im regulären Straßenverkehr bekamen unsere Testfahrer kein einziges Mal ein Signal in Form einer Lichthupe oder ähnlichem", berichtet ein Opel-Ingenieur."
Nun, das könnte daran liegen, dass die meisten Verkehrsteilnehmer längst vor der ständigen Blendung durch die inflationär zunehmenden Xenon- und LED-Scheinwerfer kapituliert haben. Mein Arbeitsweg führt mich über viele Kilometer Landstraße und jedes Jahr im Herbst fühle ich mich dem zunehmenden Lichtterror erneut hilflos ausgeliefert.
Ich glaube Besitzern von Xenon- oder LED-Scheinwerfern sofort, dass ihr Licht die Straße fantastisch ausleuchtet und ihre persönliche Sicherheit erhöht. Für alle anderen bedeutet ein mehr an Ausleuchtung aber ganz automatisch auch ein mehr an Blendung. Das kann man zwar in der Werbung endlos schönreden und durch angeblich objektive Tests widerlegen, die Realität sieht aber anders aus. Das wird vermutlich auch bei diesen neuen Scheinwerfern der Fall sein.
Sobald ich hinter mir des Nachts eines der Premium-Modelle von Audi, BMW etc. sehe, kann ich die Fahrt nur noch mit umgeklapptem Rückspiegel fortsetzen und darf zudem permanent meinen Schattenriss am Fahrzeughimmel bewundern. Als Beifahrer könnte man in Kopfhöhe problemlos eine Zeitung lesen, so hell strahlt es ins Fahrzeuginnere...und von der Blendung durch solche entgegenkommenden Leuchtwunder will ich gar nicht erst anfangen, wohlgemerkt mit sog. "Abblendlicht".
Sie haben vollkommen Recht. Über die Jahre zunehmend reiner Lichtterror. Vor allem von den fetten Premiums, die sich in Blendfreudigkeit bei jedem Modell gegenseitig überbieten.
Dazu noch möglichst aggressiv wirkend angeordnet soll es die anderen auch erschrecken. Und dann diese kinderkarusselkompatiblen LED-Reihen. Ekelhaft.
Im Übrigen wird 'das gute Sehen nachts' sicher oft missbraucht, um einfach für nachts unangemessen schnell fahren zu können. Angeblich mehr Sicherheit für die rasefreudige Kundschaft.
Sie haben vollkommen Recht. Über die Jahre zunehmend reiner Lichtterror. Vor allem von den fetten Premiums, die sich in Blendfreudigkeit bei jedem Modell gegenseitig überbieten.
Dazu noch möglichst aggressiv wirkend angeordnet soll es die anderen auch erschrecken. Und dann diese kinderkarusselkompatiblen LED-Reihen. Ekelhaft.
Im Übrigen wird 'das gute Sehen nachts' sicher oft missbraucht, um einfach für nachts unangemessen schnell fahren zu können. Angeblich mehr Sicherheit für die rasefreudige Kundschaft.
Blenden erwiesenermaßen nicht, sofern sie korrekt eingestellt sind (was allerdings eine elektromechanische Schaltung sicherstellt...). Wer sich allerdings billige Xeneonbrenner in die Halogenscheinwerfer montiert, der blendet mit hoher Wahrscheinlichkeit. Anbei, auch Nebelscheinwerfer (nicht das Nebelschlußlicht!) blenden nicht, da sie auf den Boden strahlen... Mir würde es schon reichen, wenn die Fahrer nicht vollkommen ahnungslos mit eingeschalteten Nebelschlußlichtern oder mit Dauerfernlicht durch die Gegend kurven würden... Sei es durch absolute Unkenntnis über die diversen Schalter im Fahrzeug, durch Schusseligkeit oder durch purem Egoismus (blendet mich ja nicht...)
Es ist ja schön ,dass Autos erkannt werden. Gilt dies jedoch auch für entgegenkommende Fahrräder? Oder werden die mal wieder nicht als Verkehrsteilnehmer wahrgenommen. Wahrscheinlich wird es durch solche Systeme noch häufiger der Fall sein, dass Radfahrer zum Blindflug gezwungen werden.
... aber (IDEE!) man könnte doch auch einfach MANUELL abblenden.
(evtl mit einer art schalter am lenkrad den man mit den FINGERN erreichen kann. oh, nach recherchen hab ich feststellen müssen: das gabs schon! mist!))
BEGRIFFSKLÄRUNG:
manuell = i.d.Z. ohne elektronische unterstützung oder assistenten!
finger = die hautfarbenen dinger "wo" die arme aufhören...
"... aber (IDEE!) man könnte doch auch einfach MANUELL abblenden."
Man könnte sogar nachts auf freier Strecke einfach mal aufblenden! Kennt ihr eigentlich den Tempo-70-Dödel, auf den man nachts auf der Landstraße irgendwann mal aufläuft? Gegenverkehr, überholen unmöglich! Gegenverkehr vorbei, überholen - hmm? Der weitere Straßenverlauf ist ungewiß, weil der Dödel nicht aufblendet! Wo's lang geht, ob ein totes Tier auf der Fahrbahn liegt oder vielleicht ein Betrunkener im schwarzen Mantel - all das interessiert ihn nicht, aber wenn so was irgendwann mal in seinen Scheinwerferkegel gerät, rumpelt er garantiert drüber!
Die neue Lichttechnik wäre zwar verzichtbar. Sie macht das Auto wieder ein Stück teurer, aber wenn man sich in ihrer Folge nicht mehr mit solchen Deppen rumschlagen muß, dann soll's meinetwegen so sein.
... bloss "dödelsicher" kann man das auto, bzw den verkehr, eh niemals machen.
wahrscheinlicher ist, dass technik zusehends "verdödeln" kann, weil man seine aufmerksamkeits und sorgfaltspflichten immer mehr aus der hand gibt und der technik anvertraut... im falle ihres überholbeispiels würde egal welche technik nichts helfen, ausser evtl. drohnen die hunderte meter vor ihrem auto herfliegen und per infrarot, radar usw statusmeldungen liefern... das kommt noch, da bin ich zuversichtlich :)
"... aber (IDEE!) man könnte doch auch einfach MANUELL abblenden."
Man könnte sogar nachts auf freier Strecke einfach mal aufblenden! Kennt ihr eigentlich den Tempo-70-Dödel, auf den man nachts auf der Landstraße irgendwann mal aufläuft? Gegenverkehr, überholen unmöglich! Gegenverkehr vorbei, überholen - hmm? Der weitere Straßenverlauf ist ungewiß, weil der Dödel nicht aufblendet! Wo's lang geht, ob ein totes Tier auf der Fahrbahn liegt oder vielleicht ein Betrunkener im schwarzen Mantel - all das interessiert ihn nicht, aber wenn so was irgendwann mal in seinen Scheinwerferkegel gerät, rumpelt er garantiert drüber!
Die neue Lichttechnik wäre zwar verzichtbar. Sie macht das Auto wieder ein Stück teurer, aber wenn man sich in ihrer Folge nicht mehr mit solchen Deppen rumschlagen muß, dann soll's meinetwegen so sein.
... bloss "dödelsicher" kann man das auto, bzw den verkehr, eh niemals machen.
wahrscheinlicher ist, dass technik zusehends "verdödeln" kann, weil man seine aufmerksamkeits und sorgfaltspflichten immer mehr aus der hand gibt und der technik anvertraut... im falle ihres überholbeispiels würde egal welche technik nichts helfen, ausser evtl. drohnen die hunderte meter vor ihrem auto herfliegen und per infrarot, radar usw statusmeldungen liefern... das kommt noch, da bin ich zuversichtlich :)
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