Ewig gültige Proportionen
© Daimler

Mercedes 300 SL 1954
Es ist also kein Wunder, dass die Erfolgsautos der Automobilgeschichte allesamt zum Rundlichen tendierten, dass der würfelartige Panda gegen den Fiat 500 mit seiner Brötchenform bis heute keine Chance hat und alle Wahrnehmungstests die Präferenz des Publikums für die fließenden Formen der fünfziger Jahre bestätigen. Mercedes hat auf diese Konstante relativ spät reagiert, mit den biomorph inspirierten Rundungen der Baureihe R 230 von 2001 und mit dem Supersportwagen SLS AMG von 2009: Die geschwungenen Flügeltüren, aber auch der Kühlergrill, die runden Schultern, die zwei Wölbungen der Motorhaube und die muskulös gestreckten Kotflügel zitieren demonstrativ das klassische 300 SL-Coupé von 1954.
Wenn Mercedes-Benz jetzt zum 60. Geburtstag des SL in den Firmenfundus greift und den restaurierten Urahn der SL-Baureihen, den Rennsportwagen 300 Super Leicht der Baureihe W 194 von 1952, präsentiert, dann wird die Designtradition der fünfziger Jahre gefeiert, der weiland futuristische Geist von Geschwindigkeit und Motorisierung: Der W 194, so heißt es in Stuttgart, begründe mit seiner "schlanken, eleganten, mattsilberfarbenen Karosserie" und den kurzen, an Einstiegsluken erinnernden Flügeltüren den "Mythos SL" und verkörpere "hohe Fahrgeschwindigkeit quasi schon im Stand".
Eine Form, die für Pfeiffer sportwagentypisch ist und ewig gültige Proportionen verkörpert: "Lange Haube, niedriger Aufbau und kurzes Heck". Ganz so wie auch ein anderer Idealtypus des Sportwagens, der Jaguar E-Type, bei dem es Jaguar versäumt habe, "einen Nimbus zu schaffen, und es bis heute trotz zahlreicher Versuche nicht geschafft hat, an diesen Erfolg anzuschließen".
Weitaus erfolgreicher als das Urmodell war der eigentliche Flügeltürer von 1954, der noch heute Auto-Verrückte wie Laien in Entzücken versetzt. Mit Retro habe das wenig zu tun, sagt Lutz Fügener, Professor für Transportation Design an der Hochschule Pforzheim. Die zwanglose Verbindung von Kraft und Eleganz mache den SL zum Klassiker des Automobildesigns. Funktionalität und Ästhetik greifen beim SL ineinander. Die Form ist durchgehend ingenieurtechnisch motiviert: Selbst die hoch ansetzenden Flügeltüren, so Fügener, seien keine "verrückte Designeridee", sondern eine Konsequenz des Rohrrahmens, der im Schwellenbereich extrem voluminös ausfällt, um das Auto bei hohen Geschwindigkeiten verwindungssteif zu halten.
"Form follows emotion"
Die sportliche Stromlinienform und die Ingenieurleistung made in Germany haben die SL-Baureihe zur Erfolgsgeschichte gemacht, auch wenn die Nachfolger den Urtyp uminterpretierten: Die Sportvariante des Typs 190 SL von 1955 hält sich noch an die muschelförmige Karosserie, der 230 SL von 1963 hingegen, die "Pagode", bricht mit den gewölbten organischen Formen und folgt entschlossen den puristischen Vorgaben des International Style: Die Karosserie ist schnörkellos, zeigt viele glatte Flächen; das nach innen gebogene Dach ruht auf filigranen Säulen, die großen Scheiben lassen den 230er hell und leicht wirken.
Setzte die "Pagode" vor allem auf avancierten Stil, so ging es den Mercedes-Designern beim SL der siebziger, achtziger Jahre um Kraft, Komfort und Sicherheit. Er wirkt massiver, voluminöser, repräsentativer – und passt sich damit, wie Fügener sagt, dem "Größenwachstum der Mercedes-Modellpalette" an. Ein Achtzylinderaggregat unter der Motorhaube, vorbildliches Crashverhalten und integrierte, von innen steuerbare Rückspiegel machten ihn, so Paolo Tumminelli, zum "beständigsten, erfolgreichsten SL der Geschichte", vor allem in Amerika: Der "American Gigolo" Richard Gere und die Dallas-Damen Pam und Sue Ellen Ewing fuhren, natürlich, mit dem Cabrio SL vor.
Heute ist er mit seiner durchlaufenden Stoßstange und den großen Heckleuchten samt ihren gerippten, schmutzabweisenden Gläsern der Schrecken der Retro-Freunde. "Sie können heute alles verkaufen", meint Tumminelli, "außer Funktionalität." Autokunden erwarten inzwischen mehr als nur ein Nutzenversprechen. Sie kaufen Gefühl, Allüren und Lebensstile. Deshalb verzichtet auch der neue Fiat Panda auf die horizontal gerippten Schutzbleche und wartet stattdessen mit einer Chromspange à la fünfziger Jahre über dem Kühlergrill auf. "Form follows emotion", heißt die neue Parole.
Peter Pfeiffer will dennoch nicht ausschließen, dass die heutige Kindergeneration die Keilformen der Achtziger lieben lernt, die sie selbst nicht erlebt hat, sondern später als Zeugen der Vergangenheit wahrnimmt. Dass mag unwahrscheinlich klingen, doch Ernest Hemingway gibt Schützenhilfe: "Das Merkwürdige an der Zukunft ist wohl die Vorstellung, dass man unsere Zeit einmal die gute alte Zeit nennen wird."










...in den Schoß der Vergangenheit sondern eher die Suche nach Originalität - wo Autos noch unterscheidbar waren voneinander, kein von Dutzenden "Designern" totgezeichneter Einheitsbrei. Angst isst Kreativität auf, wer einen Vorstand zum Fürchten hat, muß seinen Arbeitgeber wecheseln.
Die Stilisierung des Autos zu einem Design-Objekt, eines schlichten Gebrauchsartikels, der mich von A nach B bringen soll und im Schnitt 23 Stunden pro Tag dumm rumsteht, ist emotionale Grütze. Heute haben Autos aus meiner Sicht neben dem Transport von A nach B vor allen Dingen einen Zweck zu erfüllen. Sie sollen aerodynamisch sein, denn Ressourcen werden immer knapper. Und aerodynamische Gesetzmäßigkeiten führen nun mal dazu, dass sich Autos immer mehr ähneln. Aus meiner Sicht ein positiver Nebeneffekt, damit die emotionale Aufwertungung eines Haufen Stahl und Blechs endlich ein Ende hat.
Wer aus Autos Götzen macht, sollte mal in sich gehen, ob das noch zeitgemäß ist. Einfache Antwort: Ist es nicht!
Gekürzt. Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Danke. Die Redaktion/ag
Wer sich letztendlich darauf beruft, dass ein Gegenstand lediglich seiner Funktion folgen muss, der findet wahrscheinlich die katastrophalen Wohnklos der 60-70 Jahre schick. Gegenstände haben sicherlich einen funktionalen Zweck, aber sie lediglich darauf zu reduzieren, macht unsere Welt stets ärmer. Nicht umsonst werden von dem meisten Menschen Häuser des Jugendstils oder anderer Baustile davor oder danach, soweit sie nicht nur industriell-funktionalen Zwecken folgen, als ästhetisch angenehm empfunden, ohne daraus gleich einen Popanz zu machen.
Design ist eben auch Kunst!
Es heisst ja nicht, dass Gegenstände, die eine Funktion erfüllen, nicht designt werden dürfen. Ganz im Gegenteil, ein sinnvolles (!) Design ist überaus wichtig. In unserem nun schon locker 60 Jahre dauernden Autowahn dienen die ständigen Designbemühungen und -moden der Autoindustrie (Die Soft- und Hardwareindustrie verhält übrigens sich ebenso) jedoch lediglich dem Zweck, den Käufer mit neuen sinnfreien Häppchen zum nächsten Kauf zu überlisten.
Dümmstes Beispiel: SUV.
aerodynamik wird überschätzt! das gewicht ist der knackpunkt. leichte autos zu bauen wird die herausforderung sein, und leicht kann auch schön sein.
Wer sich letztendlich darauf beruft, dass ein Gegenstand lediglich seiner Funktion folgen muss, der findet wahrscheinlich die katastrophalen Wohnklos der 60-70 Jahre schick. Gegenstände haben sicherlich einen funktionalen Zweck, aber sie lediglich darauf zu reduzieren, macht unsere Welt stets ärmer. Nicht umsonst werden von dem meisten Menschen Häuser des Jugendstils oder anderer Baustile davor oder danach, soweit sie nicht nur industriell-funktionalen Zwecken folgen, als ästhetisch angenehm empfunden, ohne daraus gleich einen Popanz zu machen.
Design ist eben auch Kunst!
Es heisst ja nicht, dass Gegenstände, die eine Funktion erfüllen, nicht designt werden dürfen. Ganz im Gegenteil, ein sinnvolles (!) Design ist überaus wichtig. In unserem nun schon locker 60 Jahre dauernden Autowahn dienen die ständigen Designbemühungen und -moden der Autoindustrie (Die Soft- und Hardwareindustrie verhält übrigens sich ebenso) jedoch lediglich dem Zweck, den Käufer mit neuen sinnfreien Häppchen zum nächsten Kauf zu überlisten.
Dümmstes Beispiel: SUV.
aerodynamik wird überschätzt! das gewicht ist der knackpunkt. leichte autos zu bauen wird die herausforderung sein, und leicht kann auch schön sein.
Wer sich letztendlich darauf beruft, dass ein Gegenstand lediglich seiner Funktion folgen muss, der findet wahrscheinlich die katastrophalen Wohnklos der 60-70 Jahre schick. Gegenstände haben sicherlich einen funktionalen Zweck, aber sie lediglich darauf zu reduzieren, macht unsere Welt stets ärmer. Nicht umsonst werden von dem meisten Menschen Häuser des Jugendstils oder anderer Baustile davor oder danach, soweit sie nicht nur industriell-funktionalen Zwecken folgen, als ästhetisch angenehm empfunden, ohne daraus gleich einen Popanz zu machen.
Design ist eben auch Kunst!
Es heisst ja nicht, dass Gegenstände, die eine Funktion erfüllen, nicht designt werden dürfen. Ganz im Gegenteil, ein sinnvolles (!) Design ist überaus wichtig. In unserem nun schon locker 60 Jahre dauernden Autowahn dienen die ständigen Designbemühungen und -moden der Autoindustrie (Die Soft- und Hardwareindustrie verhält übrigens sich ebenso) jedoch lediglich dem Zweck, den Käufer mit neuen sinnfreien Häppchen zum nächsten Kauf zu überlisten.
Dümmstes Beispiel: SUV.
Noch vor ein paar Jahren haben sich viele beschert, der Golf sei so langweilig und es gibt keine Alternativen. Jetzt gibt selbst aus dem VW Konzern selbst viele Alternativen (Audi A3, Beetle, Scirocco, Seat Leon, Tiguan ...). Ich finde das gut. So kann sich jeder das Auto raussuchen, welches ihm am besten zusagt.
Das ist nichts anderes als Demokratie. Die Käufer entscheiden, was die Hersteller bauen.
Wenn z.B. keiner mehr SUVs kaufen würde, dann würden die Hersteller auch keine bauen! Und das sich die Leute keine sparsamen Autos gewünscht haben, sah man am 3-Liter-Lupo.
Kein einziges der sogenannten Retroautos bietet den Nutzwert der Fahrzeuge, auf denen sie basieren:
Der jetzige Fiat 500 ist ein aufgehübschter Panda, der Beetle ein Golf. Während die ursprünglichen Autos (Fiat500, Käfer) eher preiswerte Einsteigermodelle waren, sind die Retros teure Spielereien, vorwiegend für Berufstöchter. Wen Papa bezahlt, darf der Kübel ruhig ordentlich Kohle kosten. Das er wegen des fehlenden Nutzwerts schnell an Wert verliert ist ebenso zweitrangig. .
Auch von den Herstellern ist dieses kurzfristige Gewinnstreben nicht klug. Während die Ursprungsmodelle den Ruf den Hersteller zur Marke "der VW" machen konnten, verdaddeln die Retrospielzeuge diesen eher. Von daher wird es wohl einen einen Fanclub geben, in dem sich in 30 Jahren begeisterte Anhänger dieser Fahrzeuge sammeln.
Der Käfer war -sein wir ehrlich- schon zu "Lebzeiten" nicht hübsch.
Der New Beatle war sogar ein Verbrechen am guten Geschmack.
Der Neue geht zumindest in die richtige Richtung.
meiner Meinung nach war und ist der Käfer in dem Preissegment das schönste Auto, das je gebaut wurde.
http://upload.wikimedia.o...
Ein Traum auf Rädern ♥
herzliche Grüße,
ein MINT Student
... wie käfer, vespa usw sind kleinode nicht nur der objektgestaltung, sondern auch hinsichtlich preis, qualität, lebensdauer und funktionalität.
ich bin mal gespannt wieviele der momentan produzierten automobile in 40/50 Jahren in einem museum stehen werden!
meiner Meinung nach war und ist der Käfer in dem Preissegment das schönste Auto, das je gebaut wurde.
http://upload.wikimedia.o...
Ein Traum auf Rädern ♥
herzliche Grüße,
ein MINT Student
... wie käfer, vespa usw sind kleinode nicht nur der objektgestaltung, sondern auch hinsichtlich preis, qualität, lebensdauer und funktionalität.
ich bin mal gespannt wieviele der momentan produzierten automobile in 40/50 Jahren in einem museum stehen werden!
design hat immer und überall die aufgabe moderne technik, material, funktion und emotion ausgewogen zusammenzubringen. jedes produkt dass nach diesen kriterien gefertigt wird, hat die chance ein verkaufsschlager (oft auch ein klassiker) zu werden. diese aufgabe wird aber seit den 70ern zunehmend vom marketing und der marktforschung in betriebswirtschaftliche formen gepresst und beschnitten. das hat vielfältige gründe und führt z.b. zu besagten automobilen ergebnissen, denen immer öfter die eigenständigkeit und die alleinstellungsmerkmale fehlen.
was landläufig als retro bezeichnet wird, ist oft nur die rückbesinnung/reduzierung auf das wesentliche, auf etwas wirkliches und eigenständiges.
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