Zum Auftakt des Genfer Automobilsalons wurden dort die Elektro-Zwillinge Chevrolet Volt und Opel Ampera zum "Auto des Jahres 2012" gekürt. Fast zeitgleich kam aus den USA die Meldung: General Motors stellt zumindest für fünf Wochen die Produktion des Chevrolet Volt ein – die Nachfrage der amerikanischen Kunden nach dem Hybridfahrzeug war weit hinter den geplanten Produktionszahlen zurück geblieben. 10.000 Exemplare wollte GM im vergangenen Jahr in den gesamten USA absetzen. Am Ende waren es knapp 7.700 Stück. Für dieses Jahr plante GM die Fertigung von 45.000 Chevrolet Volt für den heimischen Markt – im Januar und Februar wurden aber gerade mal 1.600 Einheiten verkauft.

Was ist also los mit den Elektroautos? Ist ihre Zeit schon wieder abgelaufen, kaum dass sie Gesprächsthema Nummer eins waren? Auch wer beim Genfer Salon den Pavillon Vert besucht, kann den Eindruck gewinnen, öko sei nicht mehr sexy in den Chefetagen der Automobilindustrie. Auf den letzten Messen wurden alternative Antriebe ins Scheinwerferlicht geschoben, in diesem Jahr stehen wieder Autos mit Verbrennungsmotoren im Hauptfokus. Der Pavillon Vert – zum dritten Mal vor dem Haupteingang der Genfer Ausstellungshallen platziert – erinnert mehr als in früheren Jahren an eine regionale Familienausstellung.

Der Besucher fühlt sich in Zeiten zurückversetzt, als Elektromobilität noch die Sache von Bastler und Tüftlern war, von hoffnungsvollen Start-Ups und praktischen Hochschul-Seminaren. Zwar stehen an den kleinen Ständen auch ein Opel Ampera, ein Nissan Leaf, ein Toyota Prius oder ein Vito E-Cell von Mercedes-Benz . Beherrscht wird die Gesamtoptik aber von eher kleinen und teils skurrilen Elektrowägelchen, die wohl kaum über einen begrenzten Markt hinauskommen.

"Ökos" in der zweiten Reihe

Der Mitsubishi i-Miev etwa parkt gegenüber von zwei Fahrrad-Taxis. Der italienische Newcomer Belumbury stellt sein E-Mobil Dany im Kleinwagenformat vor. Wer einen Rundgang durch den Pavillon Vert macht, kommt an Elektroautos vorbei, die auf den Namen Neoma, Tilter oder Moduleo hören. Oder an dem ebenfalls elektrisch angetriebenen V+ – eine Art Golf-Kart mit geflochtenen Rattan-Ablagen und geschnürten Sitzen wie in der italienischen Eisdiele.

Mitten drin steht der Zerotracer, ein aerodynamisch geformtes kleines Zweirad mit hintereinander angeordneten Sitzen, ausfahrbaren Stützrädern und gefertigt aus kugelsicherem Material. An einem Stand zeigt der Batteriehersteller Johnson Controls vor allem Start-Stopp-Batterien. Ein gutes Dutzend Hersteller hat rund 30 seiner Fahrzeuge hinter dem Zelt geparkt, mit denen man als Besucher ein paar Runden im angrenzenden Park Sarasin drehen kann.

In Genf hat man mit dem Pavillon Vert die "Ökos" quasi vor die Tür gesetzt – der Glamour findet wieder bei den Autos mit dem herkömmlichen Antrieb in den Haupthallen statt. An den schnellen Erfolg der teuren Alternativtechnik mögen die Autobauer wohl nicht mehr richtig glauben. Auch auf der Messe ist immer wieder zu hören, dass der Verbrennungsmotor noch viele Jahre überleben werde. Seine kontinuierliche Optimierung im Hinblick auf den Verbrauch mache – neben der Reduzierung des Fahrzeuggewichts – Elektroautos noch lange zur unwirtschaftlichen Alternative.

Noch Jahre lang in der Nische

Das allerdings ist keine wirklich neue Erkenntnis in Genf. Die von vielen Endkunden nach wie vor äußerst kritisch bewertete Reichweite der Stromer, ihre hohen Anschaffungskosten und die noch dürftige Ladeinfrastruktur machen E-Autos nach wie vor zu einem Nischenprodukt. Auch die in Deutschland von der Bundesregierung angestrebte Zahl von einer Million Elektrofahrzeugen soll erst in acht Jahren erreicht sein. Und selbst dann werden sie kaum ins Gewicht fallen: Heute sind in Deutschland rund 43 Millionen Pkw zugelassen.

Das bedeutet nicht, dass Elektromobilität für immer in der Nische bleiben wird – oder gar, dass die Milliardeninvestitionen in die neue Antriebstechnik verschwendet wären. Aber klar ist: Der Eindruck einer vor dem unmittelbaren Massen-Durchbruch stehenden Elektromobilität – von der Branche auf Messen in den vergangenen Jahren gern demonstriert – ist falsch. Elektroautos auf breiter Front werden erst in 20 oder gar 30 Jahren unterwegs sein.

Solange aber werden die Absatzzahlen auf vergleichsweise geringem Niveau verharren. Dem trägt der Genfer Salon mit seiner Schwerpunktsetzung Rechnung. Dazu passt, was das Verkehrshaus der Schweiz – das Verkehrsmuseum in Luzern – ausgeschrieben hat: einen "Erfinderpreis für Schüler, Studenten und Unternehmen". Ziel: das emissionsfreie Auto. Zurück aus der Zukunft.