ElektroautosZurück in der Nische

Autos mit Verbrenner stehen auf dem Genfer Salon im Zentrum, Stromer spielen nur noch eine Nebenrolle. Daraus darf man aber keine falschen Schlüsse ziehen. von Jürgen Wolff

Elektroauto V+ auf dem Genfer Autosalon 2012

Elektroauto V+ auf dem Genfer Autosalon 2012  |  © press-inform

Zum Auftakt des Genfer Automobilsalons wurden dort die Elektro-Zwillinge Chevrolet Volt und Opel Ampera zum "Auto des Jahres 2012" gekürt. Fast zeitgleich kam aus den USA die Meldung: General Motors stellt zumindest für fünf Wochen die Produktion des Chevrolet Volt ein – die Nachfrage der amerikanischen Kunden nach dem Hybridfahrzeug war weit hinter den geplanten Produktionszahlen zurück geblieben. 10.000 Exemplare wollte GM im vergangenen Jahr in den gesamten USA absetzen. Am Ende waren es knapp 7.700 Stück. Für dieses Jahr plante GM die Fertigung von 45.000 Chevrolet Volt für den heimischen Markt – im Januar und Februar wurden aber gerade mal 1.600 Einheiten verkauft.

Was ist also los mit den Elektroautos? Ist ihre Zeit schon wieder abgelaufen, kaum dass sie Gesprächsthema Nummer eins waren? Auch wer beim Genfer Salon den Pavillon Vert besucht, kann den Eindruck gewinnen, öko sei nicht mehr sexy in den Chefetagen der Automobilindustrie. Auf den letzten Messen wurden alternative Antriebe ins Scheinwerferlicht geschoben, in diesem Jahr stehen wieder Autos mit Verbrennungsmotoren im Hauptfokus. Der Pavillon Vert – zum dritten Mal vor dem Haupteingang der Genfer Ausstellungshallen platziert – erinnert mehr als in früheren Jahren an eine regionale Familienausstellung.

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Der Besucher fühlt sich in Zeiten zurückversetzt, als Elektromobilität noch die Sache von Bastler und Tüftlern war, von hoffnungsvollen Start-Ups und praktischen Hochschul-Seminaren. Zwar stehen an den kleinen Ständen auch ein Opel Ampera, ein Nissan Leaf, ein Toyota Prius oder ein Vito E-Cell von Mercedes-Benz . Beherrscht wird die Gesamtoptik aber von eher kleinen und teils skurrilen Elektrowägelchen, die wohl kaum über einen begrenzten Markt hinauskommen.

"Ökos" in der zweiten Reihe

Der Mitsubishi i-Miev etwa parkt gegenüber von zwei Fahrrad-Taxis. Der italienische Newcomer Belumbury stellt sein E-Mobil Dany im Kleinwagenformat vor. Wer einen Rundgang durch den Pavillon Vert macht, kommt an Elektroautos vorbei, die auf den Namen Neoma, Tilter oder Moduleo hören. Oder an dem ebenfalls elektrisch angetriebenen V+ – eine Art Golf-Kart mit geflochtenen Rattan-Ablagen und geschnürten Sitzen wie in der italienischen Eisdiele.

Mitten drin steht der Zerotracer, ein aerodynamisch geformtes kleines Zweirad mit hintereinander angeordneten Sitzen, ausfahrbaren Stützrädern und gefertigt aus kugelsicherem Material. An einem Stand zeigt der Batteriehersteller Johnson Controls vor allem Start-Stopp-Batterien. Ein gutes Dutzend Hersteller hat rund 30 seiner Fahrzeuge hinter dem Zelt geparkt, mit denen man als Besucher ein paar Runden im angrenzenden Park Sarasin drehen kann.

In Genf hat man mit dem Pavillon Vert die "Ökos" quasi vor die Tür gesetzt – der Glamour findet wieder bei den Autos mit dem herkömmlichen Antrieb in den Haupthallen statt. An den schnellen Erfolg der teuren Alternativtechnik mögen die Autobauer wohl nicht mehr richtig glauben. Auch auf der Messe ist immer wieder zu hören, dass der Verbrennungsmotor noch viele Jahre überleben werde. Seine kontinuierliche Optimierung im Hinblick auf den Verbrauch mache – neben der Reduzierung des Fahrzeuggewichts – Elektroautos noch lange zur unwirtschaftlichen Alternative.

Noch Jahre lang in der Nische

Das allerdings ist keine wirklich neue Erkenntnis in Genf. Die von vielen Endkunden nach wie vor äußerst kritisch bewertete Reichweite der Stromer, ihre hohen Anschaffungskosten und die noch dürftige Ladeinfrastruktur machen E-Autos nach wie vor zu einem Nischenprodukt. Auch die in Deutschland von der Bundesregierung angestrebte Zahl von einer Million Elektrofahrzeugen soll erst in acht Jahren erreicht sein. Und selbst dann werden sie kaum ins Gewicht fallen: Heute sind in Deutschland rund 43 Millionen Pkw zugelassen.

Das bedeutet nicht, dass Elektromobilität für immer in der Nische bleiben wird – oder gar, dass die Milliardeninvestitionen in die neue Antriebstechnik verschwendet wären. Aber klar ist: Der Eindruck einer vor dem unmittelbaren Massen-Durchbruch stehenden Elektromobilität – von der Branche auf Messen in den vergangenen Jahren gern demonstriert – ist falsch. Elektroautos auf breiter Front werden erst in 20 oder gar 30 Jahren unterwegs sein.

Solange aber werden die Absatzzahlen auf vergleichsweise geringem Niveau verharren. Dem trägt der Genfer Salon mit seiner Schwerpunktsetzung Rechnung. Dazu passt, was das Verkehrshaus der Schweiz – das Verkehrsmuseum in Luzern – ausgeschrieben hat: einen "Erfinderpreis für Schüler, Studenten und Unternehmen". Ziel: das emissionsfreie Auto. Zurück aus der Zukunft.

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Leserkommentare
  1. nicht jeder wohnt in einer großstadt mit steckdose an der straße bzw hat ein eigenheim bzw kann sich die knackigen aufpreise leisten. Mich überzeugen diese e autos grundsätzlich nicht. So habe ich mir vor kurzem nochmal ein diesel fahrzeug zugelegt und hoffe das zum nächsten neuen in ca 6 - 7 jahren endlich wasserstoffautos zu haben sind... Da würde ich sogar auf die altherrenautos aus stuttgart umsatteln.

  2. (seit November Toyota Auris HSD) und ich kann jetzt sagen: Es ist das beste Auto, das ich jemals gefahren bin. Der Verbrauch liegt um 5 Liter (Stadt-, Landstraßen und Autobahnfahrten) und die technische Ausstattung ist einzigartig. Bei der Kaufentscheidung letztes Jahr hatte ich ziemliche Zweifel, ob es die richtige Wahl wäre, auch weil ich vorher immer Wagen mit Schaltgetriebe gefahren bin. Aber nach ein paar Monaten mit einem Fahrzeug der Zukunft hätte ich absolut keine Lust mehr, mich mit Autofahren v1.0 abzugeben.

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    • Zack34
    • 09. März 2012 18:25 Uhr


    Es ist immer schön, wenn man mit der eigenen Kaufentscheidung auch im nachhinein sehr zufreiden ist. Genießen Sie die Fahrt.

    Leider ist es aber so, dass Sie auch mit einem "Auto 1.0" (in breiter Auswahl) durchaus weniger als die 5 Liter verbrauchen könnten... also auch ohne "ein Fzg. der Zukunft".

  3. wird das Geheule über den Spritpreis immer größer...
    Mal abwarten wie lange die Automobilkonzerne gestützt von Poltik und dem Steuerzahler noch totaaaal unwirtschaftliche E-Autos bauen.
    Bei unnötig komplexer Technik und Preisen jenseits von Gut und Böse muss sich keiner wundern, dass sowas noch nicht rentabel ist. Die kleinen kommen dagegen mit neuen Konzepten in Regionen, wo es fast eine Überlegung wert ist. Die "kleinen" Stromer sind dann aber meist nicht mehr so viel Auto, dass man fast komplett auf Zweirad/Pedelec und Öffentliche umsteigen kann.

  4. Ich kann mich noch gut an ganz ähnliche Kommentare und Artikel zu Digitalkameras erinnern: die sollten nie billiger als Analogkameras werden können, nie dieselbe Bildqualität erreichen und überhaupt sei ja ganz klar dass alle Kunden Bilder zum Anfassen haben wollten.
    Deswegen würden Digitalkameras auch noch gaaaanz lange ein Nischengeschäft bleiben und der Hype schnell wieder verschwinden.

    Wie lange ist das jetzt her?
    Heute ist die Analogfotographie was für ein paar Nostalgiker, und es gibt kaum noch Anbieter von Geräten und Filmen.

    Auch von den Analogpropheten von damals hört man komischerweise nichts mehr ;-)

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    ...ist ein Vergleich. Immerhin gab es ähnliche Fortschrittsverweigerer ja auch bei inzwischen verschwundenen Technologien, wie Videodisk oder Sofortbildkamera. Das objektiv ausgesprochen sinnvolle und praktische Motorrad ohne Helm aber mit Dach ist schnell wieder fast vollständig verschwunden.

    Die private Aufnahme von Videos, die immer wieder vor dem Durchbrich steht, wird auch heute ernsthaft von nicht viel mehr Leuten betrieben, als zu Zeiten von Super Acht. Mit dem Unterschied, dass dank YouTube und Co viel mehr veröffentlicht wird.

    Und tatsächlich ist es auch mit Digitalkameras ganz wesentlich, die (besten oder wichtigsten) Fotos auszudrucken. Trotz elektronischem Bilderrahmen und iPad. Als die Digitalkameras aufkamen, waren es übrigens auch zuerst professionelle Fotografen, die auf diese Geräte umgestellt haben.

    • Zack34
    • 09. März 2012 18:25 Uhr


    Es ist immer schön, wenn man mit der eigenen Kaufentscheidung auch im nachhinein sehr zufreiden ist. Genießen Sie die Fahrt.

    Leider ist es aber so, dass Sie auch mit einem "Auto 1.0" (in breiter Auswahl) durchaus weniger als die 5 Liter verbrauchen könnten... also auch ohne "ein Fzg. der Zukunft".

    • Zack34
    • 09. März 2012 18:35 Uhr
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    und so ein oder vergleichbares Fzg. tatsächlich auch zu kaufen und zu fahren.
    Warum sollte sich irgendjemand diesen Rattan-Würfel kaufen und fahren wollen?
    Selbst der Renault Twizy hat wenigstens ordentliche Sitze und halbe Türen.

    Dass oft derartige Golfwägelchen als Beispiele für E-Autos gezeigt werden, zeigt allerdings die auspuffideologische Ausrichtung der Artikel bzw. deren Autoren.
    So wird in den bildungsfreien Schichten der Glaube gefestigt, Fahrzeuge mit E-Antrieb könnten und müßten nur genau so aussehen (und fahren).

    Dazu paßt auch die alberne Überschrift, denn E-Autos waren bis vor kurzem nicht mal in der Nische da es seit mindestens 10 Jahren keine Neufahrzeuge zu kaufen gab.
    Also wie sollen sie jetzt, wo es endlich einige wenige Modelle überhaupt gibt, dorthin "zurück" kehren können?

  5. Das E- Auto (das reine E-Auto) nicht besser als moderne normale Verbrenner!

    Es ist Augenwischerei!

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    • Fuji
    • 10. März 2012 9:02 Uhr

    ... auch wenn dieses Argument von den Fortschrittsverweigerern immer gerne angeführt wird.

    Es ist eine Binsenweisheit, dass E-Autos nur so ökologisch sind wie die Erzeugung des benötigten Stroms.

    Fakt ist, mit dem gegenwärtigen Strommix sind die E-Autos so ökologisch/unökologisch wie sehr gute Verbrenner. Läd man mit Ökostrom, so ist die Klimabilanz erheblich besser und sogar so gut, dass sie nie und nimmer von Verbrennungsmotoren erreicht werden kann.

    Zudem sollten Sie sich mal Gedanken machen, dass der Volt/Ampera ein vergleichsweise energiehungriger Plugin-Vollhybrid ist - der iMiev kommt erfahrungsgemäß beispielsweise mit ca. 13-15kWh/100km aus.

    Also, wenn Sie sich hier schon über die angeblich schlechte Ökobilanz von E-Autos auslassen, dann protestieren Sie lieber mal gegen die aggressiven Kürzungen bei der PV-Förderung, denn die schwarz-gelbe Regierung tut alles um einen schnelleren Ausbau der Erneuerbare Eenrgien zu verhindern.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Bundesregierung | General Motors | Mercedes-Benz | Mitsubishi | Toyota | Elektroauto
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