CarsharingWettstreit um die lukrativste Parkposition

Autoverleihsysteme boomen. Autohersteller kämpfen nun mit den etablierten Anbietern um die besten Stellplätze, also um die Gunst der Kommunen. von Christian Schlesiger

Ein Mann reinigt in Ulm einen Smart von Car2go (Archivbild)

Ein Mann reinigt in Ulm einen Smart von Car2go (Archivbild)  |  © Miguel Villagran/Getty Images

Das Angebot ist erst drei Wochen alt, aber schon jetzt "ein großer Erfolg", freut sich Jörg Gerhardt, Mobilitätsleiter bei Infineon. 600 der 2.900 Mitarbeiter in der Zentrale des Halbleiterproduzenten bei München haben sich für das neue Carsharing-Angebot angemeldet. Vier BMW-Minis und ein BMW X1 stehen zur Miete auf dem Werksgelände. Mitarbeiter können sie dienstlich und privat nutzen. Für beide Zwecke seien die Fahrzeuge bereits gut ausgelastet, so Gerhardt. Steige die Nachfrage, "nehmen wir weitere Fahrzeuge und Standorte in den Pool auf".

Infineon bietet der Deal mit Alphabet, der Leasingtochter des Autobauers BMW, zwei Vorteile: Die Reisekosten pro Dienstfahrt sollen kräftig sinken, indem Mitarbeiter statt Mietwagen oder Bahn ein Carsharing-Auto buchen. Zudem steigt die Mitarbeitermotivation. Wer keinen eigenen Dienstwagen hat, kann das Mini Cabriolet für 79 Euro übers Wochenende ausleihen.

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Das unternehmensinterne Carsharing ist der neueste Trend einer boomenden Branche. Vor zehn Jahren noch wurde Carsharing als Nische für in der Stadt wohnende Ökos belächelt. Heute steigen BMW, Daimler und Volkswagen massiv in den Markt ein und fordern etablierte Anbieter wie Cambio Carsharing, Stadtmobil und Deutsche Bahn heraus. Sie kämpfen um die geschickteste Ausleih-Variante, die Deutungshoheit über das Image der Branche sowie die besten Stellplätze in Städten.

Konzerne setzen sich ins gemachte Nest

Kaum ein Monat vergeht, ohne dass nicht ein Autokonzern erneut die Phalanx der mehr als 100 etablierten Carsharing-Anbieter in irgendeiner Großstadt angreift, die rund 190.000 registrierten Nutzern in bundesweit mehr als 300 Orten 5.000 Fahrzeuge anbieten. Den jüngsten Angriff wagt Daimler in Berlin . Von April an können die Hauptstädter auf 1.000 Smarts umsteigen. Pro Minute zahlen die Fahrer, die sich einmalig für zehn Euro anmelden, 29 Cent. Der Stundenpreis ist bei 12,90 Euro gedeckelt, wenn der Nutzer unter 20 Kilometer bleibt. Sonst addieren sich auf die 12,90 Euro noch einmal 29 Cent pro gefahrenen Kilometer – inklusive Benzin. Die Stuttgarter starteten car2go 2008 in Ulm und sind heute in Düsseldorf, Hamburg und sechs weiteren Städten Europas und den USA präsent. Bis 2016 will Daimler rund 50 europäische und 30 US-Städte vernetzen.

Das Daimler-Modell beobachten etablierte Anbieter wie Cambio, Stattauto und Stadtmobil mit Spannung. Die unabhängigen Gesellschaften, mitunter als Verein organisiert, haben Carsharing populär gemacht. Nun setzen sich Autokonzerne mit vollen Marketingbudgets ins gemachte Nest. Noch sind die Folgen überschaubar. Bei Cambio in Hamburg sank der Umsatz pro Kunde nur um einen Cent, nachdem dort auch Car2Go startete. Die Auswirkungen seien "zu vernachlässigen", sagt Cambio-Geschäftsführer Joachim Schwarz.

Mehr Sorgen bereitet etablierten Anbietern etwas anderes: Car2go setzt nicht auf feste Stationen, sondern verteilt die Autos quer übers Stadtgebiet. Wer eins braucht, findet es zufällig oder über sein Smartphone. Nach der Fahrt können die Nutzer das Auto auf jedem öffentlichen Parkplatz abstellen. Daimler schloss dafür mit den Städten Generalverträge ab.

So wird die Parkdauer über GPS-Signale gemessen und am Monatsende minutengenau oder pauschal abgerechnet. Wettbewerber befürchten Subventionen durch die Kommunen. Zumindest 2013, wenn car2go Elektro-Smarts in die Flotte aufnimmt, erhofft sich Daimler günstigere Parkgebühren. Als Vorbild gilt Amsterdam , wo Elektroautos auf öffentlicher Fläche umsonst parken.

Leserkommentare
  1. Cambio hat in Aachen an mehreren Stellen exklusiven Parkraum zur Verfügung, welch i.d.R. durch abschließbare Pfosten gesichert ist.

    Recherchefehler oder unerlaubter Klüngel mit der Stadt?

  2. Was den Carsharing-Anbietern zugemutet wird, sollte flächendeckend eingeführt werden: wer mit seinem Privatauto öffentlichen Raum belegt, muss dafür zahlen. GPS gibt es mittlerweile in praktisch jedem Fahrzeug (Navi), es ist nur eine Frage der Zeit bis es zum Standard gehört wie ein Autoradio.

    Nur die Bepreisung des Wirtschaftsgutes "öffentliche Fläche" wird den Problemen abhelfen, die das Parken von Millionen Privatwagen (ein Auto steht 95% seiner Lebensdauer herum) verursacht: unsichere Straßen durch versperrte Sicht, Behinderung von gewerblichen Fahrzeugen, Rettungsfahrzeugen usw.

    Fahrzeugen, die wie Carsharing-Autos der Allgemeinheit dienlich sind, sollte freies Parken möglich sein, doch es wird Zeit, dass die privaten Autobesitzer, die sich bisher die Kosten für einen eigenen Stellplatz zu Lasten der Allgemeinheit sparen, endlich dafür zahlen. Anwohnerparken muss abgeschafft werden - wieso soll jemand, der eine Wohnung in der Nähe hat, eigentlich ein Vorrecht haben, dort die Straße Tag und Nacht zuzustellen? Soll das "Mobilität" sein?

    Jeder Gemüsestand am Markt zahlt eine Gebühr für die Nutzung öffentlichen Grunds.

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    Jeder, der ein KFZ betreibt, zahlt bereits, sogar wenn er es nicht nutzt. Das nennt sich KFz-Steuer. Wenn es genutzt wird, zahlt man Kraftstoffsteuer.

    ist auch kostenpflichtig. Den Parkausweis bekommt man von den Kommunen nicht kostenlos.

  3. Das bekannteste Car-Sharing ist der gemeinsame Gebrauch eines Autos in der Familie! Nun kommen die Konzerne und wetteifern um "Slots"! Wieso erhalten die Vorteile? Wo ist der sog. okologische Effekt gegenüber dem privaten Auto, daß eben nicht alle zwei Jahre ersetzt wird? Nur weil "teilen" so schön nach Gemeinschaft klingt, ist es doch nicht so, weil massive wirtschaftliche Interessen hinter den Anbietern stehen. Der öffentliche Raum ist knapp genug - also muß er an den "Spots" bepreist werden, was heute durch heftige Parkgebühren schon in weiten Bereichen geschieht. Wieso meinen da Konzerne Ausnahmen für sich in Anspruch nehmen zu müssen. Wenn ich beispielsweise für meinen Privatwagen 1.50 € pro angefangene Stund zahlen will, dann sollten es die CS-Anbieter auch tun müssen!
    Kauri

  4. Jeder, der ein KFZ betreibt, zahlt bereits, sogar wenn er es nicht nutzt. Das nennt sich KFz-Steuer. Wenn es genutzt wird, zahlt man Kraftstoffsteuer.

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    entspricht ja mal gerade so eben dem Verwaltungsaufwand, der durch die Autos nötig wird.

    Die Energiesteuer ist eine Verbrauchssteuer und zählt daher garnicht. Wenn Sie ein Fahrzeug mit Benzin betreiben ist das Ihre Entscheidung - ein E-Mobil befreit Sie davon gänzlich, ein Gasfahrzeug teilweise.

    Und beide Steuern haben das von mir angesprochene Problem nicht verhindern können (und werden es auch künftig nicht, selbst wenn man diese Steuern erhöht.) Es sind andere Lösungen nötig.

  5. entspricht ja mal gerade so eben dem Verwaltungsaufwand, der durch die Autos nötig wird.

    Die Energiesteuer ist eine Verbrauchssteuer und zählt daher garnicht. Wenn Sie ein Fahrzeug mit Benzin betreiben ist das Ihre Entscheidung - ein E-Mobil befreit Sie davon gänzlich, ein Gasfahrzeug teilweise.

    Und beide Steuern haben das von mir angesprochene Problem nicht verhindern können (und werden es auch künftig nicht, selbst wenn man diese Steuern erhöht.) Es sind andere Lösungen nötig.

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    • iscdm
    • 02. April 2012 20:10 Uhr

    >Die KFZ Steuer entspricht ja mal gerade so eben dem >Verwaltungsaufwand, der durch die Autos nötig wird.

    Hallo,

    hierfür haben Sie sicherlich Quellen und können diese hier angeben? Würde mich ernsthaft interessieren...

    VG,

    iscdm

  6. ist auch kostenpflichtig. Den Parkausweis bekommt man von den Kommunen nicht kostenlos.

    • iscdm
    • 02. April 2012 20:10 Uhr

    >Die KFZ Steuer entspricht ja mal gerade so eben dem >Verwaltungsaufwand, der durch die Autos nötig wird.

    Hallo,

    hierfür haben Sie sicherlich Quellen und können diese hier angeben? Würde mich ernsthaft interessieren...

    VG,

    iscdm

    Antwort auf "Die KFZ Steuer"
  7. Jeder Autobesitzer sollte Parkraum in seiner Wohnnähe nachweisen können. Öffentlicher Raum ist sehr, sehr teuer, man denke nur, was Flohmarktbetreiber pro Meter nehmen 8Eur, wenn sich Parkgebühren daran orientieren würden, wäre Parken unbezahlbar in der Stadt.
    In anderen Städten ist es längst normal ( Tokyo) Parkraum als Autofahrer nachzuweisen.
    Dies könnte auch die Kommunen entlasten.
    Als Pachtpreis würde ich 400Eur für Smart, 500 eur / Jahr Kleinwagen wie Polo, 700 eur für Golfklasse, und 1000 eur für SUV, Kombis ,Busse vorschlagen.
    Be den heutigen Quadratmeterpreisen für freie Flächen wären diese Preise denke ich ok.

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