Sparsam mit Verbrennungsmotor : Der Citroën-Hybrid will es nicht jedem recht machen

Der DS5 will nicht jedem gefallen. Genau das könnte ihn erfolgreich machen – erst recht mit alternativem Antrieb, der die Extravaganz komplettiert.
Citroën DS5 Hybrid4 © Hersteller

Wenn Autos einen Charakter haben können, dann ist der Citroën DS5 unangepasst. Er entspricht nicht der Einheitsnorm der Fachzeitschriften. Krämerseelen und Alltagsperfektionisten werden ihr Glück nicht im Citroën DS5 finden. An der falschen Adresse sind auch diejenigen, die beim Kürzel DS Retro-Klischees eines Citroëns der sechziger Jahre erfüllt sehen wollen. Der DS5 ist eine Alternative für heute. Er ist eigenständig und anders, ohne skurril zu sein. Und weil zum Anderssein Konsequenz gehört, ist als Motorisierung der DS5 Hybrid4, der erste Dieselhybrid der Welt, zu empfehlen.

Schon die Proportionen der Karosserie sind auffällig. Der DS5 ist mit 4,53 Meter nicht ausnehmend lang, aber mit 1,85 Metern sehr breit. Das lässt ihn geduckt und kompakt erscheinen – was er nicht ist. Man sieht dem Auto die Größe nicht an. Erst der Vergleich auf dem Parkplatz zeigt, dass ein Golf daneben zierlich ist. Zugleich polarisiert die Form des DS5. Murat Günak, Autodesigner und Schöpfer so wichtiger Modelle wie des Mercedes SLK, des Peugeot 206 CC oder des Volkswagen Tiguan, brachte es jüngst in der AutoBild auf den Punkt: "Der DS5 wurde mit viel Liebe modelliert. Das Design gefällt nicht jedem. Soll es auch nicht."

Auch innen ruft der DS5 kontrastierende Reaktionen hervor. "Cooles Raumschiff", kommentieren begeisterte Passagiere, während Citroën-Fans nörgeln, es gebe keinen Lupentacho wie im frühen CX. Der DS5 ist durchaus funktional, ohne auf stilvolle Details zu verzichten. Ein Beispiel dafür ist das Head-Up-Display: Mit eleganter Langsamkeit schwingt eine kleine Plastikscheibe oben aus dem Armaturenbrett. Direkt im Blickfeld des Fahrers wird hier die Geschwindigkeit angezeigt. Das sieht schöner aus als bei anderen Autos, und die Ablesbarkeit leidet weder bei Dunkelheit noch bei starker Sonneneinstrahlung.

Apropos: Die vielen Seitenscheiben und das Glasdach, das aufpreisfrei in den Ausstattungslinien SoChic und SportChic dabei ist, lassen zwar eine Menge Licht herein. Das führt aber leider nicht dazu, dass die Karosserie übersichtlicher wird. Ohne elektronische Parkhilfe und Rückfahrkamera wird es mühsam.

Hybridsystem wirkt wie ein Allradantrieb

Besondere Beachtung verdient das im DS5 Hybrid4 verbaute Antriebssystem, ein Dieselhybrid mit einer Leistung von 147 kW (200 PS). Die Fahrleistungen sind mehr als ausreichend: Laut Werksangabe beschleunigt der Wagen in 8,6 Sekunden auf 100 Kilometer pro Stunde. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 211 km/h. Vorn im Motorraum sitzt der bekannte Citroën-Diesel mit 120 kW (163 PS) und einem automatisierten Sechsgang-Schaltgetriebe. An der Hinterachse schiebt dazu ein maximal 27 kW (37 PS) starker Elektromotor mit an. Dass hier letztlich nur ein elektrischer Antrieb ergänzt wurde, führt zu diversen Vor- und Nachteilen.

Auf der Habenseite stehen die angenehmen Eigenschaften, die alle Vollhybridautos haben. Die reine E-Reichweite liegt tatsächlich bei über zwei Kilometern. Schnell wächst während des ZEIT-ONLINE-Praxistests der Ehrgeiz, niedersächsische Dörfer elektrisch und abgasfrei zu durchqueren. Mit eingeschaltetem Tempomat gelingt das problemlos. Auch in Tempo-30-Zonen kann man so die Ohren der Anwohner schonen. Die Rekuperation, also das Bremsen des Autos über den Elektromotor zum Aufladen der Batterie, ist sehr kräftig ausgelegt. Bei vorausschauender Fahrweise könnte man das Bremspedal fast ausbauen. Leise gleitet der DS5 an eine Ampel heran; nur um aus Schrittgeschwindigkeit zum Stehen zu kommen, müssen noch Bremsklötze und Scheiben bemüht werden.

Ein weiteres Plus dieses Hybridsystems ist, dass es bei niedrigen Geschwindigkeiten als Allradantrieb funktionieren kann – hilfreich beim Anfahren im Winter. Und wenn sich das automatisierte Schaltgetriebe Zeit lässt, so wie Smart-Fahrer das kennen, schiebt der Elektromotor an der Hinterachse kurz mit, um die Pause zu kaschieren.

Kommentare

15 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Ueber Geschmack sollte man nicht streiten

und das das Design polarisieren koennte wurde ja schon angekuendigt.
Ehrlich gesagt, das waere jetzt der erste Citroen, den ich mir vom auesseren Design her kaufen wuerde, gerade wegen der "Fratze".
Aber auch die Rueckansicht finde ich sehr gelungen.
Viele Gruesse nach Deutschland!

JK