Es ist der 1. April 2009, als Patrik Tykesson seine beiden Brüder an den Wohnzimmertisch der Eltern bittet. Dann erzählt er ihnen, die noch mitten im Studium sind, etwas von Retro-Rollern, Elektromobilität und Produktionsstätten in China . Davon, wie er seine eigene Firma aufbauen wolle. Am Ende fragt Patrik: "Jungs, wollt ihr mir drei Monate dabei helfen?" Ein Aprilscherz? Ganz und gar nicht. Daniel und Philipp denken kurz nach, dann sagen sie zu.

Aus drei Monaten sind mittlerweile fast drei Jahre geworden, und ein Ende ist nicht absehbar, ganz im Gegenteil. Mit ihrer Firma e-bility sind die drei Brüder von der elterlichen Wohnung längst in ein eigenes Büro umgezogen, und selbst das wird ihnen mittlerweile zu klein. Aus der Wohnzimmer-Idee ist längst ein florierendes Startup geworden.

Zu verdanken haben sie das einem Gefährt, das von außen eher altbacken aussieht: schwarzer oder weißer Lack, ein bisschen Chrom, braunes Leder, alles bewusst im Fünfziger-Jahre-Retrodesign gehalten. Das ist der kumpan electric 1954. Rund 500 Stück des Rollers haben die Tykessons mittlerweile davon verkauft, für 2.600 Euro das Stück. Das Besondere an dem Zweirad: Es fährt mit Strom, an einer ganz normalen Steckdose kann man seine Batterie aufladen. Am Stück schafft der Roller 60 Kilometer, mit maximal 45 Stundenkilometern.

Von 35 auf 750 Quadratmeter

Der Roller ist vor allem eins: überraschend leise. Ein bisschen klingt er wie ein Elektro-Rasierer. "Hört man kaum, was?", sagt Patrik Tykesson erfreut, als er den Motor anlässt. Er steht zwischen ein paar Exemplaren des Rollers – manche komplett, andere bis auf den Korpus auseinandergebaut – in einem großen Pavillon in einem Remagener Industriegebiet. In einer Ecke sind auf dem Boden sorgsam Ersatzteile ausgelegt, in einer anderen Ecke stapeln sich frisch angelieferte Roller in ihren Holzkisten. Hier soll ab März die Werkstatt von e-bility einziehen, direkt nebenan das neue Büro. 750 Quadratmeter insgesamt. Kein Vergleich zu dem engen 35-Quadratmeter-Büro, in dem die drei Tykessons und ihre elf Mitarbeiter bisher wie in einer Legebatterie saßen.

Mit seinem rosa-weiß karierten Hemd und der edlen Uhr hat Patrik Tykesson äußerlich nichts von einem Öko-Aktivisten. Entsprechend nennt er als sein Ziel: "öko die Sandalen auszuziehen". Dass die Tykessons nun zu den Vorreitern der Green Economy gehören, ist trotzdem kein Zufall. "Wir wollten keine Luft verkaufen, nichts virtuelles, sondern ein echtes, nachhaltiges Produkt", erklärt der 29-Jährige.

Mit ihrem Roller haben die Brüder sich in einen jungen und entsprechend unberechenbaren Markt gewagt. Zwar verkauft sich ihr kumpan gut, doch auch e-bility hat mit den typischen Problemen der Elektromobilitäts-Branche zu kämpfen. Mit 60 Kilometer Reichweite eignet sich der Roller nur für Kurzstrecken, danach braucht er bis zu sieben Stunden, um wieder aufgeladen zu sein. Die Batterietechnik ist das Nadelöhr der ganzen Branche. So richtig flexibel ist man mit dem kumpan also nicht.