Autodesign"Emotionale Autos werden immer geschätzt werden"

Jaguar-Chefdesigner Callum sieht weiter einen Markt für Luxuslimousinen. Doch er hätte auch Lust, einen Kleinwagen zu schaffen – mit Jaguar-Genen, sagt er im Interview.

Der neue XJ von 2009, mit dem Ian Callum die alte Formensprache des Jaguar-Klassikers aus den 1960er Jahren aufgab

Der neue XJ von 2009, mit dem Ian Callum die alte Formensprache des Jaguar-Klassikers aus den 1960er Jahren aufgab

Frage: Ian, stimmt es, dass Sie mit 14 Jahren einen Brief an Jaguar schrieben und fragten, wie man dort Autodesigner wird?

Ian Callum: Wenn ich damals Deutsch gesprochen hätte, wäre der Brief wohl an Porsche gegangen.

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Frage: Wirklich?

Callum: Vielleicht. Porsche war und ist klasse – aber Jaguar ist es erst recht, um hier nicht missverstanden zu werden! Als Junge wohnte ich in Schottland in einem ländlichen Gebiet. In meiner Heimatstadt Dumfries lebten 35.000 Menschen. Das exotischste Auto, das dort herumfuhr, war ein Jaguar. Und es gab noch einen Aston Martin, wenn ich mich nicht irre.

Frage: Ich nehme an, weder der eine noch der andere gehörte Ihrem Vater?

Ian Callum
Ian Callum

Ian Callum ist seit gut 13 Jahren Chefdesigner von Jaguar. Der 57-Jährige ist Absolvent des Royal College of Art in London, er arbeitete von 1978 bis 1990 für Ford und anschließend bis 1999 bei der Design- und Rennsportfirma Tom Walkingshaw Racing (TWR).

Callum: O nein, der hatte einen Vauxhall! In meinen jungen Jahren beeindruckte mich der E-Type von Jaguar sehr. Mein Großvater, der in Edinburgh lebte und ein Faible für Autos hatte, zeigte und erklärte ihn mir einmal bis ins kleinste Detail, als ich ungefähr sieben war.

Frage: Bekommen Sie heute Briefe von 14-jährigen Jaguar-Fans?

Callum: Nicht alle, die schreiben, sind 14. Aber ja, sehr oft bekomme ich Briefe und ich beantworte sie alle.

Frage: Dabei heißt es doch, das Auto habe als Statussymbol und Faszinosum für Jugendliche ausgedient.

Callum: Ich glaube, es hängt stark vom Alter ab. Meine Söhne sind erwachsen. Beide haben eine Leidenschaft für Autos, aber das mag auch an meinem Einfluss liegen. Ihre Freunde mögen Autos ebenfalls. Aber: Ausnahmslos alle sind Computer-Nerds. Primär ist das ihr Leben. Neulich sprach ich mit einem Zwölfjährigen, der genauso fasziniert von unserem XKR-S war wie ich damals vom E-Type. 17- oder 18-Jährige hingegen sind nicht mehr so verrückt auf Autos, wie es die vorherigen Generationen waren. Ich fürchte, das Auto wird inzwischen eher als ein Gebrauchsgegenstand gesehen.

Frage: Ist das für eine Marke wie Jaguar, die von Emotionen und Irrationalität lebt, nicht alarmierend?

Callum: Irrationale Entscheidungen sind und bleiben wichtig für unser Leben. Davon bin ich überzeugt. Insofern werden emotionale Autos immer geschätzt werden.

Frage: Was muss ein Jaguar ausstrahlen, um zu faszinieren?

Callum: Er muss schön sein. Erstrebenswert. Ein Tick anders als andere und trotzdem einfach. Rein. Er muss Spaß machen. Er muss seinem Fahrer die Möglichkeit bieten, interessante Erfahrungen zu machen. Menschen, die sich unsere Autos leisten können, wollen nicht nur von A nach B fahren, sondern sie möchten reizvolle Dinge erleben.

Frage: Es gibt eine Reihe von Automarken, die ähnlich wirken wollen. Reichen diese Attribute, um sich von anderen Herstellern abzuheben?

Callum: Das kann ich nicht gut beantworten. Das müssen Sie eher jemanden fragen, der unsere Autos gekauft hat. Ich habe nur versucht, unseren Anspruch in eine Botschaft zu packen. Der Kaufprozess ist in Wirklichkeit viel komplexer, das ist mir schon klar.

Leserkommentare
  1. Ich finde es eine großartige Leistung, dass Jaguar es geschafft hat die Marke in die Neuzeit zu bringen und den Kunden vom Design her viel mehr die Tradition spüren zu lassen als mit den X-Type oder S-Type, die innen wie außen leider wie ein Ford daherkamen. Dabei konnte der S-Type noch mehr punkten, da er die klassischen Formen aufnahm. Aber wer sich heute zum Beispiel einen XJ ansieht und das überaus gelungene Design (auch endlich im Innenraum!), der findet eine tolle Designsprache, die sich meines Erachtens sehr abhebt vom 7er und A8 etc.

    Und auch die Qualität ist mittlerweile bestens, fahre einen XF und nichts ist schlecht verarbeitet, alle Abstände stimmen, die Materialien sind hochwertig und für mich auch wichtig: Viel Serienausstattung! Während man mittlerweile bei BMW für umklappbare Fond-Kopfstützen bezahlt, gibt bei Jaguar Leder, Automatik, Klima usw. inklusive.
    Dann ist mein XF noch mit der Diesel-Maschine sparsam und somit auch unter diesem wichtigen Aspekt ein Meilenstein...

    Hört sich jetzt vielleicht an wie ein Werbetext, aber ich bin echt begeistert von den Produkten, vor allem vom Design! Weiter so! Ein Kleinwagen, aber bitte eigenständig, nicht wie bei Aston Martin (der ja trotzdem ausverkauft ist), wäre sicher ein interessantes Feld, auch wenn MINI ja diese british-design Lücke bestens füllt. Er müsste wie ein MINI, nur auch innen wie ein XF/XJ sein..

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    für mich sehen die neueren Jaguare mehr und mehr wie Audi aus. Will sagen, das Gesicht des Autos ist nicht mehr so einzigartig, es gleicht sich dem Rest der Industrie an. Sicher aus technischen Erfordernissen. Schade finde ich es trotzdem.

    für mich sehen die neueren Jaguare mehr und mehr wie Audi aus. Will sagen, das Gesicht des Autos ist nicht mehr so einzigartig, es gleicht sich dem Rest der Industrie an. Sicher aus technischen Erfordernissen. Schade finde ich es trotzdem.

  2. 3 Tagen.

    Besonders der Jaguar Kleinwagen faszinierte auch da.

    http://www.faz.net/aktuel...

    Wobei, das hausieren entlang der üblich verdächtigen Interviewpartner, das ist bestimmt genau die Art von alltäglichster Kramerseele die in jedem Jaguarfahrer steckt und mit der er sich verbunden fühlt.

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    Den letzten Teil Ihrer Einlassung habe ich leider nicht verstanden. In mir steckt jedenfalls keine alltägliche Krämerseele (jemand der handelt und feilscht), obgleich ich nun Handeln als keineswegs schlechte Eigenschaft empfinde.
    Aber vielleicht meinen Sie ja auch die ursprüngliche Bedeutung von "Kram": "Kramware wurde als qualitativ hochwertig angesehen", dann würde es ja passen... ;-)

    Und wer ist jetzt der üblich verdächtige Interviewpartner? Wen soll man denn sonst interviewen bei dem Thema als den Designchef?

    Den letzten Teil Ihrer Einlassung habe ich leider nicht verstanden. In mir steckt jedenfalls keine alltägliche Krämerseele (jemand der handelt und feilscht), obgleich ich nun Handeln als keineswegs schlechte Eigenschaft empfinde.
    Aber vielleicht meinen Sie ja auch die ursprüngliche Bedeutung von "Kram": "Kramware wurde als qualitativ hochwertig angesehen", dann würde es ja passen... ;-)

    Und wer ist jetzt der üblich verdächtige Interviewpartner? Wen soll man denn sonst interviewen bei dem Thema als den Designchef?

  3. Den letzten Teil Ihrer Einlassung habe ich leider nicht verstanden. In mir steckt jedenfalls keine alltägliche Krämerseele (jemand der handelt und feilscht), obgleich ich nun Handeln als keineswegs schlechte Eigenschaft empfinde.
    Aber vielleicht meinen Sie ja auch die ursprüngliche Bedeutung von "Kram": "Kramware wurde als qualitativ hochwertig angesehen", dann würde es ja passen... ;-)

    Und wer ist jetzt der üblich verdächtige Interviewpartner? Wen soll man denn sonst interviewen bei dem Thema als den Designchef?

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    Ich meine das der Designchef Jaguars wie ein Krämer durch die Lande zieht und bei den üblich verdächtigen Redakteuren sich "interviewen" lässt.

    Die Anführungszeichen halte ich für angemessen, weil sich die Gespräche eben gleichen, so wie ein Werbespot dem anderen.

    Ich meine das der Designchef Jaguars wie ein Krämer durch die Lande zieht und bei den üblich verdächtigen Redakteuren sich "interviewen" lässt.

    Die Anführungszeichen halte ich für angemessen, weil sich die Gespräche eben gleichen, so wie ein Werbespot dem anderen.

  4. Sorry, ich glaube ich muss brechen. Ich werde nie die emotionale Bindung der Deutschen zu ihren Autos verstehen. Dieser Quatsch ist Schuld daran, dass wir als vermutlich einziges Land immer noch kein Tempolimit auf Autobahnen haben, dass wir mit SUVs und Sportwagen in der Innenstadt rumgurken und dass wir Radfahrer und ÖPNV zugunsten von Spritschleudern immer weiter verdrängen.

    Was ist so schlimm daran, dass Autos von jungen Leuten heute eher als Gebrauchsgegenstand gesehen werden? Ist es nicht genau die Aufgabe eines Designers Optik und Funktion zu verschmelzen? Dann werden sie jetzt eben endlich mal richtig gefordert.

    Eine Leserempfehlung
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    "Emotionale Bindung" ( = Affenliebe ) zu einem Blechhaufen ... ? Da kann ich Ihnen zustimmen. Manche Frontpartien von "designten" Autos haben wirklich eine so grobe Fresse, dass man zu mancherlei Vermutungen kommen könnte ...
    Aber schnell fahren auf einer Autobahn mit wenig Verkehr ( zeitlich oder örtlich ), in irgendeinem Auto, ist das nicht was anderes?

    "Emotionale Bindung" ( = Affenliebe ) zu einem Blechhaufen ... ? Da kann ich Ihnen zustimmen. Manche Frontpartien von "designten" Autos haben wirklich eine so grobe Fresse, dass man zu mancherlei Vermutungen kommen könnte ...
    Aber schnell fahren auf einer Autobahn mit wenig Verkehr ( zeitlich oder örtlich ), in irgendeinem Auto, ist das nicht was anderes?

  5. für mich sehen die neueren Jaguare mehr und mehr wie Audi aus. Will sagen, das Gesicht des Autos ist nicht mehr so einzigartig, es gleicht sich dem Rest der Industrie an. Sicher aus technischen Erfordernissen. Schade finde ich es trotzdem.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Kompliment!"
  6. Ich meine das der Designchef Jaguars wie ein Krämer durch die Lande zieht und bei den üblich verdächtigen Redakteuren sich "interviewen" lässt.

    Die Anführungszeichen halte ich für angemessen, weil sich die Gespräche eben gleichen, so wie ein Werbespot dem anderen.

    Antwort auf "Krämerseele"
  7. "Emotionale Bindung" ( = Affenliebe ) zu einem Blechhaufen ... ? Da kann ich Ihnen zustimmen. Manche Frontpartien von "designten" Autos haben wirklich eine so grobe Fresse, dass man zu mancherlei Vermutungen kommen könnte ...
    Aber schnell fahren auf einer Autobahn mit wenig Verkehr ( zeitlich oder örtlich ), in irgendeinem Auto, ist das nicht was anderes?

    Antwort auf "Emotionale Autos?"
  8. Nur Tiere werden ausschließlich von ihren Emotionen vor sich her getrieben. Schon klar, dass die Marketingindustrie sich bemüht dieses, dem Menschen mit dem Tier gemeinsame Erbe, zu missbrauchen um Schrott zu verkaufen.

    Alles was bei technischen Geräten zählt sind aber zu 90% harte Fakten, verarbeitet im Neokortex oder auch Verstand. Schön wenns mir auch noch gefällt. Aber was bei einem Töfftöff zählt sind Kosten, denn Autos sind sündteure Geldgräber. Immer. Es kommt also auf laufende Wartung, Versicherung, Sprit, Anschaffung, notwendige Größe, Ausstattung und Reichweite und Parkplatzfreundlichkeit an. Der Rest ist nett, wird aber maßlos überbewertet.

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    • tobmat
    • 03.04.2012 um 16:08 Uhr

    "Alles was bei technischen Geräten zählt sind aber zu 90% harte Fakten, verarbeitet im Neokortex oder auch Verstand. Schön wenns mir auch noch gefällt. Aber was bei einem Töfftöff zählt sind Kosten,"
    Das mag bei ihnen so sein, doch bei 90 % der Menschen ist es nicht so. Ist längst wissenschaftlich nachgewiesen. Einer der größten Faktoren beim Kauf sind Emotionen. Nicht das Marketing ist die Ursache dafür. Marketing ist die Antwort auf das Verhalten der Käufer.

    • tobmat
    • 03.04.2012 um 16:08 Uhr

    "Alles was bei technischen Geräten zählt sind aber zu 90% harte Fakten, verarbeitet im Neokortex oder auch Verstand. Schön wenns mir auch noch gefällt. Aber was bei einem Töfftöff zählt sind Kosten,"
    Das mag bei ihnen so sein, doch bei 90 % der Menschen ist es nicht so. Ist längst wissenschaftlich nachgewiesen. Einer der größten Faktoren beim Kauf sind Emotionen. Nicht das Marketing ist die Ursache dafür. Marketing ist die Antwort auf das Verhalten der Käufer.

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