Der Renault Twizy, ein rein elektrisch angetriebenes Kleinstfahrzeug, ist ab April auch in Deutschland zu haben. © Hersteller

Weltweit platzen Städte aus allen Nähten. Parkplatzmangel und riesige Staus nerven nicht nur Autofahrer, sondern kosten auch immer mehr Geld. Laut einer Studie des Forschungs- und Beratungsunternehmens Frost & Sullivan haben sich in Europa die volkswirtschaftlichen Kosten der Staus von 63 Milliarden Euro im Jahr 2006 auf 200 Milliarden Euro im Jahr 2011 mehr als verdreifacht.

Deshalb setzt sich langsam ein neuer Trend durch: die Mikromobilität. Schließlich geht es auch eine Nummer kleiner – oder gar mehrere Nummern. Mikromobilität beginnt schon mit dem Zweirad-Bereich, mit Elektrofahrrädern , die in Deutschland zunehmend nachgefragt werden, und Elektrorollern. Mit dem Trend freunden sich auch die Autohersteller allmählich an. Smart erweitert sein Angebot mit dem E-Bike nach unten , und BMW – vor zwölf Jahren innovativ mit dem überdachten Motorroller C1 – hat zwei neue Scooter ins Programm genommen.

Zugleich entstehen neue Fahrzeugsegmente unterhalb der existierenden. Renault etwa hat mit dem zweisitzigen Elektro-Vehikel Twizy , den es nur gegen Aufpreis mit Türen gibt, die Kategorie der Kleinstwagen im Visier. Bis 2020, so prognostiziert es Frost & Sullivan, werde es mehr als 135 Modelle für die Mikro-Mobilität geben. 110 davon kämen von 16 großen Autoherstellern, fast die Hälfte sei bereits serienreif. "Lösungen für die Mikro-Mobilität werden sich langfristig durchsetzen", schlussfolgern die Frost & Sullivan-Analysten Vishwas Shankar und Sarwant Singh.

Keine Fertigungspläne für UC und RAK-e

Doch es bleibt die Frage, wie viele der ambitionierten Projekte und Studien, die auf Automessen schon zu sehen waren , tatsächlich die Serienreife erreichen. Für Audis Kabinenroller Urban Concept zum Beispiel gebe es derzeit keine Pläne für eine Serienfertigung, heißt es aus Ingolstadt – auch nicht in Kleinserie. Dass Opel seinen Mini-Flitzer RAK-e bald auf die Straße bringt, darf ebenfalls bezweifelt werden. Zwar betonte der ehemalige GM-Europachef Nick Reilly im vergangenen Jahr, dass man den RAK-e Interessenten vorführen wolle und der Mini-Stromer als Flottenfahrzeug Zukunft habe. Konkrete Pläne existieren derzeit aber nicht.

Gleiches gilt wohl auch für den elektrisch angetriebenen Kleinstwagen Nils, den Volkswagen im vergangenen Jahr auf der IAA präsentierte. VW will immerhin sein Sparmobil XL1 im nächsten Jahr auf den Markt bringen, allerdings nur in kleinen Stückzahlen. Teure Bauteile wie die Karosserie aus kohlefaserverstärktem Kunststoff (CFK) dürften den Preis vermutlich auf mindestens 30.000 Euro treiben und somit außerhalb der Reichweite vieler Käufer.

Mit der Massenproduktion leichter Werkstoffe – BMW zum Beispiel hat Anfang März die CFK-Fertigung im Werk Landshut begonnen – werden die Kosten aber sinken. Außerdem lässt sich auch anders Gewicht einsparen, was gerade für Mini-Stromer wegen der eingeschränkten Batteriekapazität wichtig ist.

Das hat jüngst Toyota bewiesen. Der japanische Autobauer stellte im März auf dem Genfer Autosalon die Hybridstudie FT-Bh vor. Das Fahrzeug wiegt 786 Kilogramm – "wohlgemerkt inklusive Batterie und ohne den Einsatz von teuren Leichtbaustoffen wie Karbon oder Aluminium", wie Koji Makino, der Projektmanager des FT-Bh, betont. Der Wagen ist zwar knapp vier Meter lang, die Technik ist aber auch in kleineren Fahrzeugen vorstellbar. Zum vergleichsweise geringeren Gewicht tragen ein kleinerer Motor und Bauteile aus Polycarbonat bei.