Urbane MobilitätCarsharing verstärkt den Trend zu Mikromobilen

Autobauer entdecken das Segment der Mikrofahrzeuge. Bis 2020 sollen 135 Modelle entstehen. Für ihren Erfolg muss sich aber das Mobilitätsverhalten ändern. von Sebastian Viehmann

Der Renault Twizy, ein rein elektrisch angetriebenes Kleinstfahrzeug, ist ab April auch in Deutschland zu haben.

Der Renault Twizy, ein rein elektrisch angetriebenes Kleinstfahrzeug, ist ab April auch in Deutschland zu haben.  |  © Hersteller

Weltweit platzen Städte aus allen Nähten. Parkplatzmangel und riesige Staus nerven nicht nur Autofahrer, sondern kosten auch immer mehr Geld. Laut einer Studie des Forschungs- und Beratungsunternehmens Frost & Sullivan haben sich in Europa die volkswirtschaftlichen Kosten der Staus von 63 Milliarden Euro im Jahr 2006 auf 200 Milliarden Euro im Jahr 2011 mehr als verdreifacht.

Deshalb setzt sich langsam ein neuer Trend durch: die Mikromobilität. Schließlich geht es auch eine Nummer kleiner – oder gar mehrere Nummern. Mikromobilität beginnt schon mit dem Zweirad-Bereich, mit Elektrofahrrädern , die in Deutschland zunehmend nachgefragt werden, und Elektrorollern. Mit dem Trend freunden sich auch die Autohersteller allmählich an. Smart erweitert sein Angebot mit dem E-Bike nach unten , und BMW – vor zwölf Jahren innovativ mit dem überdachten Motorroller C1 – hat zwei neue Scooter ins Programm genommen.

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Zugleich entstehen neue Fahrzeugsegmente unterhalb der existierenden. Renault etwa hat mit dem zweisitzigen Elektro-Vehikel Twizy , den es nur gegen Aufpreis mit Türen gibt, die Kategorie der Kleinstwagen im Visier. Bis 2020, so prognostiziert es Frost & Sullivan, werde es mehr als 135 Modelle für die Mikro-Mobilität geben. 110 davon kämen von 16 großen Autoherstellern, fast die Hälfte sei bereits serienreif. "Lösungen für die Mikro-Mobilität werden sich langfristig durchsetzen", schlussfolgern die Frost & Sullivan-Analysten Vishwas Shankar und Sarwant Singh.

Keine Fertigungspläne für UC und RAK-e

Doch es bleibt die Frage, wie viele der ambitionierten Projekte und Studien, die auf Automessen schon zu sehen waren , tatsächlich die Serienreife erreichen. Für Audis Kabinenroller Urban Concept zum Beispiel gebe es derzeit keine Pläne für eine Serienfertigung, heißt es aus Ingolstadt – auch nicht in Kleinserie. Dass Opel seinen Mini-Flitzer RAK-e bald auf die Straße bringt, darf ebenfalls bezweifelt werden. Zwar betonte der ehemalige GM-Europachef Nick Reilly im vergangenen Jahr, dass man den RAK-e Interessenten vorführen wolle und der Mini-Stromer als Flottenfahrzeug Zukunft habe. Konkrete Pläne existieren derzeit aber nicht.

Gleiches gilt wohl auch für den elektrisch angetriebenen Kleinstwagen Nils, den Volkswagen im vergangenen Jahr auf der IAA präsentierte. VW will immerhin sein Sparmobil XL1 im nächsten Jahr auf den Markt bringen, allerdings nur in kleinen Stückzahlen. Teure Bauteile wie die Karosserie aus kohlefaserverstärktem Kunststoff (CFK) dürften den Preis vermutlich auf mindestens 30.000 Euro treiben und somit außerhalb der Reichweite vieler Käufer.

Mit der Massenproduktion leichter Werkstoffe – BMW zum Beispiel hat Anfang März die CFK-Fertigung im Werk Landshut begonnen – werden die Kosten aber sinken. Außerdem lässt sich auch anders Gewicht einsparen, was gerade für Mini-Stromer wegen der eingeschränkten Batteriekapazität wichtig ist.

Das hat jüngst Toyota bewiesen. Der japanische Autobauer stellte im März auf dem Genfer Autosalon die Hybridstudie FT-Bh vor. Das Fahrzeug wiegt 786 Kilogramm – "wohlgemerkt inklusive Batterie und ohne den Einsatz von teuren Leichtbaustoffen wie Karbon oder Aluminium", wie Koji Makino, der Projektmanager des FT-Bh, betont. Der Wagen ist zwar knapp vier Meter lang, die Technik ist aber auch in kleineren Fahrzeugen vorstellbar. Zum vergleichsweise geringeren Gewicht tragen ein kleinerer Motor und Bauteile aus Polycarbonat bei.

Leserkommentare
  1. ...2 Euro erreicht hat und die Politik die unsinnige Subventionierung von tonnenschweren und PS-starken Dienst-und Privatwagen abgeschafft hat, wird der Umstieg rasend schnell erfolgen, daran bestehen nicht die geringsten Zweifel.

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    Um es vorweg zu nehmen. Ich habe berufsbedingt einen Dienstwagen, insofern stellt sich mir die Frage nicht. Hätte ich keinen Dienstwagen, hätte ich derzeit gar kein Auto. Mir fehlt es an günstigen, sparsamen und auch platzsparenden Alternativen. Von BMW gab es mal einen Motorroller mit Verdeck, das wäre für mich eine Alternative gewesen. Ein Smart wäre für mich prima, leider im Verhältnis viel zu teuer. Ein Freund von mir fährt seine alte Rostlaube durch, bis sie auseinanderfällt weil er ebenso wie ich auf etwas wirklich günstiges, sparsames und auch platzsparendes wartet. Was derzeit nicht zu haben ist. Ich denke, wie mir geht es vielen. Es würde mich interssieren, wie wiele Menschen gar kein Auto aus eben diesen Gründen haben. Der Markt ist sicher vorhanden. Es nützt allerdings wenig, sich mit Menschen über solche Mobilitätskonzepte zu unterhalten, die einen Viertürer mit möglichst viel Platz brauchen, weil sie eine vierköpfige Familie haben. Die Zahl der Singlehaushalte ist groß, da gibt es sicher einen Markt für solche Minis.

  2. "Es werde Licht", sagte Gott. So, Schade.

  3. machen Sinn, sind doch fast alle Familienkutschen im morgendlichen Berufsverkehr nur einfach besetzt.
    Andererseits brauchen vier Mikromobile immer noch mehr Platz als eine vollbesetzte Familienkutsche.

  4. ...es ist schon verblüffend. Warum sollten diese Fahrzeuge sich denn so besonders zum Carsharing eignen? Wenn man z.B. in Paris von A nach B kommen will kann man die Metro nehmen oder vielleicht auch ein Velolib. Die Elektroautos, die da zum Carsharing bereitstehen sind eine reine Alibiveranstaltung, dabei sind das ansatzweise noch richtige Kleinwagen. Carsharing benutzt man üblicherweise dann, wenn man etwas transportieren möchte. Dafür sind Mikromobile aber denkbar ungeeignet. Leider sparen diese Fahrzeuge auch nicht wirklich viel Platz auf der Straße ein, denn die Fahrspuren werden ja nicht schmaler.

  5. Bei kleineren Fahrzeugen,könnte die Stadtfläche anders
    gestaltet sein? Naturraum für Kinder an Stelle von
    Auto-und Stautraum für Papa?
    Die kleinen Flitzer könnten in der Bahn quer stehend
    transportiert werden,womit Auto im Reisezug wesentlich
    rascher funktionieren würde.
    Nebenbei 800 kg Auto um 80 kg Mensch zu transportieren ? Das ist energetisch noch immer unsinnig. Aber wir imitieren zwar scheinbar
    alles aus Nordamerika,doch 100 km/h auf Autobahnen,
    wie in der USA,oder eine Verpflichtung für Fahrgemeinschaften,
    um überhaupt in Großstädte einfahren zu dürfen.wie in KANADA ,da ist die Autonindustrie hier noch viel zu heilig.
    Doch wenn man einen Trend nicht erkennt,so kann es einem
    so gehen wie IBM mit Microsoft? Vor Jahrzehnten war
    IBM der Marktleader im EDV Bereich.Es gab riesige stabile
    Computeranlagen für Firmen.Mit der "Hilfe" von IBM,die
    sich nicht vorstellen konnte,dass das DOS und später Windows
    solche Marktrenner werden,verspielte IBM seine Marktleader-
    stellung gegen "Micro"-soft.Micro kommt von klein.
    Wenn die deutsche Autonindustrie diesen Trend zur Kleinheit bei hohen und immer höher werdenden Spritpreisen nicht rasch genug erkennt,so wird es ihr genauso gehen wie IBM mit "Micro"-Soft.
    Wobei dann die Stabilität der Waren im Sinne der Kunden
    wieder deutlich schlechter werden kann.

  6. erstmal Sorry, falsche Taste erwischt.

    Also grundsätzlich könnte ich mir so einen Flitzer für die Fahrt zur Arbeit vorstellen. Die Stadt stellt Parkplätze nur für Elektro-Autos in der Innenstadt bereit, so günstig wie möglich (von kostenlos kann man ja träumen).

    Ich wäre dabei. Allerdings sollte man sich so ein Auto auch leisten können.

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