Nissan Leaf im PraxistestTeures Elektroauto mit kleiner Reichweite

Verspätet bringt Nissan den Leaf auch nach Deutschland, für stolze 36.990 Euro. Eine Tour durch Berlin zeigt, wie alltagstauglich das Elektroauto ist. von Stefan Grundhoff

Das Wetter spielt beim Praxistest heute einfach nicht mit. Es regnet in Berlin , und die Sicht ist schlecht. Trotz zu hundert Prozent aufgeladener Lithium-Ionen-Batterie zeigt das Display im Nissan Leaf gerade einmal 118 Kilometer Reichweite an. Die Scheiben im japanischen Elektroauto beschlagen leicht, und nach Einschalten der Klimaanlage reduziert sich der Radius auf 113 Kilometer. Nichts hat es auf sich mit den in Aussicht gestellten maximal 175 Kilometern aus dem Verkaufsprospekt.

Es geht los am Tränenpalast; hoffentlich kein schlechtes Omen. Der Verkehr in Berlin gehört zu den schlimmsten in Deutschland. Die Straßen sind teils in einem lausigen Zustand, kaum jemand nimmt Rücksicht auf den anderen. Eben kratzt eine unachtsame Radfahrerin mit ihrem klapprigen Gefährt beinahe das Testauto an, als sie sich vorbeischlängelt.

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Der Nissan Leaf ist flott unterwegs, bei der nassen Fahrbahn hat er bisweilen sogar Probleme, seine Kraft auf den Boden zu bekommen. Ein Elektromotor mit 80 kW (109 PS) und einem Drehmoment von 280 Nm treibt den Wagen voran, damit schafft er bis zu 145 Stundenkilometer. Das ist hier im Berliner Stadtverkehr erst einmal nicht relevant. Aber auf den Straßen in Mitte stört dann auch die gewöhnungsbedürftige Lenkung nicht, und ein großer Teil der polterigen Federung ist den bekannt schlechten Berliner Straßen geschuldet.

Im Display wachsen Bäumchen

Mit dem verspielten Cockpit freundet man sich schneller an als erwartet; an den links oben im Display sprießenden Baum bei besonders sparsamer Fahrweise gewöhnt man sich weniger. Schließlich will der Leaf, der ab April auch in Deutschland erhältlich ist, ein ganz normales Auto sein, und abgesehen vom fehlenden Motorengeräusch fährt er sich auch so.

Das Design ist wohltuend unspektakulär, der Innenraum alternativlos in hellem Beige gehalten, das in Europa kaum gefallen dürfte. Die Farbe des Leaf kann man nur aus einem engen Spektrum wählen. Nissan bietet den Kunden aktuell wenige Wahlmöglichkeiten. "Ab Mitte kommenden Jahres werden wir drei Ausstattungsvarianten mit mehreren Farben und auch Ledersitzen bekommen", verspricht Nissans Elektroexperte Florian Wunsch. "Im Winterpaket gibt es schon jetzt Sitzheizung vorne und hinten sowie ein beheiztes Lenkrad. Das ist sparsamer, als den kompletten Innenraum über die Lüftung zu beheizen."

Vier Erwachsene haben in dem 4,45 Meter langen Fünfsitzer Platz. Wie das Armaturenbrett und die Verkleidungen sind auch die Sitze aus recyceltem Material. Der Seitenhalt ist dünn, die Beinauflage kurz. Verstellen lassen sich die Sitze nur in geringem Maß. In Sachen Komfort überzeugt der Leaf nicht ganz. Der Kofferraum fasst 330 Liter, nach Umklappen der Rückbank stehen 680 Liter Ladevolumen bereit, das ist klassenüblich und allemal ausreichend.

Leserkommentare
    • Zack34
    • 17. März 2012 16:03 Uhr
    4 Leserempfehlungen
  1. VW und Co hätten sicherlich längst einen E-Golf herausbringen können, wenn sie denn wirklich wollten.
    Aber welcher vernünftige Mensch würde so ein Ding heute kaufen?

    Gerade da noch fraglich ist, ob ein E-Auto wirklich umweltfreundlicher ist und nicht nur "lokal emissionsfrei".

    Hybrid Autos vielleicht heute noch eher, wobei Stadtverkehr, also die Paradedisziplin von Hybrid-Autos, und Umweltschutz sich beißen. Stadtverkehr ist doch eher Fahrrad und ÖPNV.

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    • bugme
    • 17. März 2012 18:35 Uhr

    Den Golf III, den BMW E36 und den 190er Mercedes gabs schon als Elektroauto im Veruchsstadion.
    Irgend wie gab es damals wie heute schon die gleichen Probleme:
    - Mangel an Reichweite
    - Hohe Kosten

  2. Solange Testberichte für Elektroautos mit diesem Satz beginnen ( ich Zitiere): "Das Wetter spielt beim Praxistest heute einfach nicht mit", ist alles gesagt!
    Ein Auto muss seinen Zweck erfüllen, es muss mich von A nach B bringen. Und das bei jedem Wetter. Es gibt natürlich Ausnahmen, wie extreme Schneefälle oder sehr dichter Nebel, das kann man dann nicht kritisieren, aber das bisschen Berliner Nieselregen.....
    So kommt mir ein Elektroauto nicht in die Garage.

    Freundliche Güße
    Ipadnutzer

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    Nachdenken...
    Solange Testberichte für Elektroautos mit diesem Satz beginnen ( ich Zitiere): "Das Wetter spielt beim Praxistest heute einfach nicht mit", ist alles gesagt!

    Genau, und wenn demnächst ein Zeitungsartikel mit dem Satz "Die Erde ist eine Scheibe" anfängt, dann ist damit auch alles gesagt, jawoll!

    Was dieser blinde Glaube mit "Nachdenken..." zu tun haben soll, muß ich zum Glück nicht verstehen.

    Mein E-Auto hat mich jedenfalls im Laufe des letzten Jahres immer von A nach B gebracht, egal ob -22°C, Sommersonne oder Nieselregen, A99, Mittlerer Ring oder Münchner Stadtverkehr.
    Dabei habe ich noch nicht mal eine Klimaanlage und im Eco-Modus, den ich fast immer verwende, gerade mal 20kW Motorleistung. Allerdings wiegt mein Auto selbst mit mir drin 500kg weniger als der Leaf ;-)

    Pseudo-Tests wie der hier beschriebene, wo der Fahrer schon mit etwas Nieselregen überfordert ist, sind völlig wertlos und wer sie als ewige Wahrheit in sein Glaubensbekenntnis aufnimmt, selber schuld.
    Diejenigen, die E-Fahrzeuge tatsächlich im Alltag nutzen, könnten anderes berichten aber werden nicht gefragt - warum wohl?
    Einfach mal darüber nachdenken...

    ...waren der nasse Frühling, der zu trockene Sommer, der zu frühe Herbst und der zu kalte Winter..
    Analogie zum E-Auto: Die Protagonisten träumten von einer besseren Welt und übersahen die Realitäten!
    Kauri

  3. Auspuff, Nockenwelle, Ölwechsel usw. dürften aus der Reparatur-/Serviceliste entfallen, weshalb die laufenden Kosten günstiger wären.

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    ... der gerne nach ein paar Jahren den Dienst versagt bzw stark an Kapazität verliert. Dafür kann man viele Ölwechsel und Auspuffe wechseln.

    ... zum letzten mal eine Nockenwelle "reparieren" müssen?

    Ihr Kommentar zeigt mir, daß Sie Äpfel und Birnen verwechseln. Die modernen Verbrennungsmotore inc. Antriebsstrang sind heute so verschleißfest, daß Laufleistungen von 200.000 km die Regel sind.Der Ölwechsel fällt nur noch alle 30.000 km an. Auspuffanlagen halten heute 6 Jahre. Nockenwellenersatz??? So und nun zum E-Mobil: Die Batterien halten bei einigermaßen hinnehmbarer Kapazität höchstens 1000 Ladungszyklen. Damit sind nach 100 000 km neue Batterein fällig. Kosten ca.10 bis 15.000 €
    Damit hat sich Ihre Betrachtung erledigt - von den anderen Nachteilen dieser Spioelzeuge reden wir hier lieber nicht!
    Kauri

    • Fuji
    • 17. März 2012 17:16 Uhr

    ... gar nicht mal so schlecht.

    Vor allem nicht wenn man berücksichtigt, dass der Leaf mit eines der ersten Serien-E-Fahrzeuge ist die Otto-Normalbürger überhaupt kaufen kann.

    Da die Beschränkungen fast ausschließlich am Akku hängen und die Akkus praktisch im Jahresrhythmus besser und billiger werden dürfte das Gemaule auch innerhalb weniger Jahre ein Ende haben.

    Das die etablierten Autohersteller gerade nicht so viel Druck bei den E-Autos machen ist angesichts der aktuellen Rekordgewinne mit den Verbrennerautos kein Wunder. Immerhin gibt diese Strategie den kleinen Herstellern vielleicht doch genug Luft um längerfristig zu überleben.

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  4. ... der gerne nach ein paar Jahren den Dienst versagt bzw stark an Kapazität verliert. Dafür kann man viele Ölwechsel und Auspuffe wechseln.

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    • Fuji
    • 17. März 2012 17:54 Uhr

    ... auf die Akkus liegt üblicherweise bei ca. 8-10 Jahren und/oder 80.000-160.000km, je nach E/Hybrid-Fahrzeug.

    Außerdem gilt der Akku als "defekt", wenn er nur noch 80% der ursprünglichen Kapazität erreicht. Fahren kann man damit aber durchaus... sofern man nicht auf die Maximalreichweite angewiesen ist.

    Da die Akkupreise zudem drastisch fallen kriegt man nach 10 Jahren einen Akku mit der selben Leistung vermutlich zum halben Preis.

    Wer sich vor 20 Jahren einen PC gekauft hat, musste dafür mehrere 1000 DM hinlegen. Heute muss man nur noch ein Zehntel investieren. Wer sich vor 10 Jahren einen Flachbildfernseher kaufen wollte, musste mehrere 1000 EUR hinlegen. Heute muss man nur noch ein Zehntel investieren. Wer sich vor 5 Jahren ein Smartphone zulegen wollte, musste ca. 1000 EUR hinlegen. Heute muss man nur noch ein Zehntel investieren.

    Wer sich heute ein E-Auto/Hybrid-Auto zulegen möchte, muss - soll es was vernüftiges sein - ca 40k EUR hinlegen. In 5-10 Jahren ...

    Momentan fahre ich noch Verbrenner mit Verbräuchen jenseits der 10l. Und habe Spaß dabei. Wenn die Auto-Industrie soweit ist, kaufe ich mir gerne ein gut erhaltenes, gebrauchtes E-Auto. Bis dahin investiere ich lieber in Sprit. Aber dieses Geschwurbel á la "Wääähhh das ist alles so teuer" verstehe ich nicht.

    • Fuji
    • 17. März 2012 17:54 Uhr

    ... auf die Akkus liegt üblicherweise bei ca. 8-10 Jahren und/oder 80.000-160.000km, je nach E/Hybrid-Fahrzeug.

    Außerdem gilt der Akku als "defekt", wenn er nur noch 80% der ursprünglichen Kapazität erreicht. Fahren kann man damit aber durchaus... sofern man nicht auf die Maximalreichweite angewiesen ist.

    Da die Akkupreise zudem drastisch fallen kriegt man nach 10 Jahren einen Akku mit der selben Leistung vermutlich zum halben Preis.

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    • B.B.
    • 17. März 2012 18:08 Uhr

    "kriegt man nach 10 Jahren einen Akku mit der selben Leistung vermutlich zum halben Preis"

    -> wohl eher muss man nur noch 15-35% des Preises zahlen (je nach Szenario). Da die Akkukosten in etwa dem Aufpreis von ca. 15T € entsprechen, sinkt der Preis um gut 11.000 € im Jahr 2020!

    ...gibt 5 Jahre oder 100.000 Euro Garantie. Bei Renault z.B. muss man die Batterie in der Regel mieten. Je nach Fahrleistung, um die 100 Euro pro Monat.

    Dass die Reichweite niedriger ist, als angegeben ist nicht wirklich überraschend. Ist bei einem Verbrenner auch nicht anders.

    Das Fortschreiben der Preisentwicklung in die Zukunft ist aber sehr gewagt. Das ist funktioniert nicht bei Börsenkursen und nicht beim Wirtschaftswachstum - aber bei Akkus ist es plötzlich ein Naturgesetz. Es gibt noch mittelfristig fallende Preise durch größere Stückzahlen. Die Rohstoffe werden nicht günstiger. Und ob die Stückzahlen so hoch werden, dass die Preise so massiv sinken können, wie bei Notebook oder Mobiltelefonakkus ist doch sehr spekulativ.

    • B.B.
    • 17. März 2012 18:08 Uhr

    "kriegt man nach 10 Jahren einen Akku mit der selben Leistung vermutlich zum halben Preis"

    -> wohl eher muss man nur noch 15-35% des Preises zahlen (je nach Szenario). Da die Akkukosten in etwa dem Aufpreis von ca. 15T € entsprechen, sinkt der Preis um gut 11.000 € im Jahr 2020!

    Antwort auf "Die Garantie..."

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  • Schlagworte Nissan | Elektroauto | Elektrofahrzeug | MIT | Berlin | Europa
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