Der Mercedes-Benz CL 600 ist aus erster Hand und hat rund 34.000 Kilometer auf dem Tachozähler. Der Audi A8 hatte vier Vorbesitzer, die Laufleistung liegt bei über 280.000 Kilometern. Der Daihatsu Copen lief bei drei Vorbesitzern insgesamt knapp 90.000 Kilometer. Nur drei von einem guten Dutzend Autos, die beim ersten Krefelder Kfz-Versteigerungstermin des Jahres 2012 auf der Angebotsliste standen. "Etwa 20 Fahrzeuge haben wir bei unseren Auktionen in aller Regel", sagt Norman Ostgathe.

Er betreibt gemeinsam mit seinem Vater seit fünf Jahren ein Kfz-Leihhaus mit mehreren, über das gesamte Bundesgebiet verteilten Standorten. Etwa alle drei Monate findet am Stammsitz in Krefeld eine zentrale Versteigerung von Autos statt, die zuvor einige Monate lang in Stuttgart , München , Dresden , Schwerin oder Neustadt bei Lübeck in der Obhut eines Pfandleihers waren und von ihren Besitzern am Ende nicht mehr ausgelöst werden konnten.

Wie viele Autos bei den Krefeldern und ihren Mitbewerbern Jahr für Jahr versteigert werden, wird in keiner Statistik erfasst. "Seit etwa zehn Jahren werden es auf jeden Fall immer mehr", sagt Wolfgang Schedl, der Vorsitzende des Zentralverbandes des Deutschen Pfandkreditgewerbes. "Denn die Zahl der Verleiher, die Pkw, Kleinbusse, Wohnmobile und Hänger als Pfand akzeptieren, steigt seither kontinuierlich."

Immer mehr Mittelständler

Rund eine Million Menschen treibt es nach Angaben des Verbandes hierzulande pro Jahr inzwischen ins Leihhaus. Der größte Teil des Geschäfts entfällt auf Objekte, für die drei bis 350 Euro Kredit ausgezahlt werden. Doch immer häufiger brauchen Kunden eine größere Summe. Wer keine Rolex hat, trennt sich in der akuten Notsituation vom Auto. "Zunehmend haben wir es mit Mittelständlern zu tun", sagt Schedl. "Denen mangelt es häufig an Liquidität, etwa weil die Reserven nach Jahren der Wirtschaftskrise abgeschmolzen sind und Kunden offene Rechnungen nur zögerlich begleichen."

Gerade für Klein- und Kleinstunternehmer, die sich finanziell auf dünnem Eis bewegen, stehen die Chancen auf einen Bankkredit schlecht. Aufgrund verschärfter Regelungen vergeben die Geldinstitute Kredite viel restriktiver. Immer öfter bleibt dann nur das Leihhaus als Rettungsanker. Der Pfandleiher will weder Einkommensnachweise sehen, noch Einblick in die allgemeine Vermögenssituation nehmen.

Für Uhren, Kameras, Autos und anderes, was sich in der Warenwelt veräußern lässt, gibt es Darlehen sofort. Hinnehmen muss der Pfandgeber – neben einem monatlichen Zins von einem Prozent der Kreditsumme und Bearbeitungsgebühren – jedoch, dass die Höhe des Kredits so gut wie nie dem tatsächlichen Wert des Objekts entspricht, sondern seinem aktuellen Verkehrswert. Den muss ein Pfandleiher realistisch einschätzen können, wenn er möglichst gut verdienen will. Das gilt vor allem für den Fall, dass er die Leihgabe am Ende losschlagen müsste. Bei einem zu hoch angesetzten Wert könnte er womöglich auf dem Objekt sitzenbleiben oder würde einen Verlust machen.

Neues Standbein für Autohäuser

Denn ganz gleich, ob es sich um Schmuck oder ein Auto handelt: Für die Auslöse des Wertgegenstandes hat der Leihhauskunde drei Monate Zeit, so sieht es die deutsche Pfandleihverordnung vor. Eine Verlängerung kann gewährt werden, muss aber nicht. Löst der Kunde seinen verpfändeten Gegenstand nicht aus, wird nach einem Monat Karenzzeit das Pfand versteigert.

Für etliche Autohäuser ist die Pfandleihe inzwischen neben dem Neu- und Gebrauchtwagenhandel sowie einem Werkstattbetrieb ein attraktives Betätigungsfeld geworden. Mancherorts brächten kreditbedürftige Kunden die Geschäftsidee auf, berichtet Schedl. Im Fall eines Mannheimer Autohauses ging die Initiative vom Städtischen Leihamt aus: Weil immer mehr Mannheimer statt Schmuck oder Tafelsilber den eigenen Wagen verpfänden wollten, suchten die Leihhausmitarbeiter einen Partner mit Sachverstand und Infrastruktur und fanden ihn in dem Volvo-Vertragshändler am Ort.

Seither läuft bei diesem das Geschäft mit der Pfandleihe. Knapp 50 Autos sind derzeit eingelagert. Vier Prozent des Darlehensbetrags muss der Kreditnehmer für Zinsen und Gebühren zahlen. Davon erhält das Autohaus 60 Prozent, den Rest das Leihamt, das auch die Fahrzeugpapiere aufbewahrt. Etwas fünf von 50 verpfändeten Autos werden am Ende nicht ausgelöst werden und bei der Auktion landen, ist die Erfahrung der Pfandleiher. Damit liegt die Versteigerungsquote bei Fahrzeugen – rund zehn Prozent – auf der gleichen Höhe wie bei allen anderen verpfändeten Objekten.