Die Studie XL1 von Volkswagen © Volkswagen

Prokrastination bezeichnet ein Verhalten, bei dem Notwendiges oder Versprochenes immer wieder aufgeschoben wird. Als der heutige Aufsichtsratsvorsitzende von Volkswagen , Ferdinand Piëch , vor zehn Jahren mit der zigarrenförmigen ersten Version des Ein-Liter-Autos 1L zur Jahreshauptversammlung nach Hamburg fuhr, weckte das ungeduldige Erwartungen: Wann würde ein so sparsames Fahrzeug zu kaufen sein?

Die Antwort ließ lange auf sich warten, steht nach mehreren Ankündigungen jetzt aber fest. Für 2013 plant VW definitiv eine Kleinserie. Die Erledigungsblockade ist gelöst, Präsentationstermin könnte die Internationale Automobilausstellung (IAA) im September in Frankfurt am Main sein.

Fotos von Wintertests zeigen ein Erprobungsfahrzeug, das sich optisch eng am XL1 orientiert. Das ist eine Autostudie, die Volkswagen Anfang 2011 in Doha auf der Qatar Motor Show vorstellte. Ein paar wenige Änderungen deuten darauf hin, dass das Auto der Lebensrealität näher kommt: andere Türausschnitte und zwei Außenspiegel statt Rückfahrkamera.

Im Vergleich zum 1L und dem 2009 präsentierten L1 hat sich dagegen viel getan. Der XL1 ist praxistauglicher. Die zwei Passagiere sitzen nicht mehr hinter-, sondern nebeneinander. Das ganze Auto ist erwachsener und erinnert mit seinen klaren Linien, der nach hinten abfallenden Dachlinie und dem Abrissheck an den Audi A7 oder das Fahrzeugkonzept Loremo .

Leicht und aerodynamisch

Volkswagen verrät noch nicht, welchen Antrieb die Kleinserienversion des Ein-Liter-Autos genau bekommt. Denkbar sind mehrere technische Varianten. Am wahrscheinlichsten ist wohl ein Plug-In-Hybrid wie in der Doha-Studie XL1. In ihr sind ein Zweizylinder-Dieselmotor mit 0,8 Litern Hubraum und 35 kW (48 PS) Leistung und ein Elektromotor mit 20 kW (27 PS) kombiniert. Die rein elektrische Reichweite liegt laut VW bei 35 Kilometern, im Normzyklus verbraucht der XL1 je 100 Kilometer 8,2 Kilowattstunden Strom.

Gemäß der offiziellen Regelung ECE R101 , welche die Rechenformel für den Gesamtverbrauch von Plug-In-Hybridfahrzeugen definiert, beträgt dieser für den XL1 0,9 Liter. Das entspricht dem Ausstoß von 24 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer. Eine schnelle Rechnung legt aber offen, wie viel Diesel der Wagen verbraucht, sobald die Kapazität der Batterie erschöpft ist. Treibt allein der Selbstzünder den XL1 an, benötigt er pro 100 Kilometer gut zwei Liter Kraftstoff.

Gleichfalls umsetzbar ist eine vollelektrische Version. Für akzeptable Reichweiten würde eine relativ kleine Batterie ausreichen, denn das Auto ist wegen seiner Karosserie aus carbonfaserverstärktem Kunststoff (CFK) sehr leicht und hat außerdem eine exzellente Aerodynamik. Das Gewicht der Doha-Studie gibt Volkswagen mit 795 Kilogramm an. Noch beeindruckender sind die Zahlen für den Luftwiderstand. Der cw-Wert liegt bei 0,186, unter Berücksichtigung der geringen Stirnfläche ergibt sich ein CA-Wert von 0,277. Zum Vergleich: Der VW Golf hat einen cw-Wert von 0,312 und einen CA-Wert von 0,693. Der XL1 ist also zweieinhalb Mal windschlüpfiger als der Wolfsburger Verkaufsschlager. Kurzum: Der Wagen ist klein, leicht, aerodynamisch und im Ergebnis extrem effizient.