Genfer AutosalonWinterkorn will VW grüner machen

VW will nicht nur beim Absatz weltweit führend werden, sondern auch beim Umweltschutz. Milliarden sollen in effizientere Autos und umweltschonendere Fertigung fließen.

Mit Elektroautos kann man die Autowelt nicht mehr beeindrucken. Darum zeigt sich der Volkswagen-Konzern zum Start des Genfer Autosalons in diesem Jahr ganz von seiner nachhaltigen Seite. Bei der VW-Präsentation in der vollen Halle Espace Sécheron werden die anwesenden Journalisten minutenlang mit Werbefilmen über VWs Umweltengagement in Südamerika oder die Solaranlage im spanischen Werk Martorell der Konzerntochter Seat bombardiert.

Immerhin nennt der Chef des VW-Konzerns, Martin Winterkorn, auch konkrete Ziele. Bis 2015 will er den durchschnittlichen CO2-Ausstoß der europäischen Neuwagenflotte im Vergleich zu 2006 um 30 Prozent drücken. Dann läge der Wert unter der wichtigen Schwelle von 120 Gramm je Kilometer.

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Das wäre zumindest ambitionierter als die Ziele, die die EU vorgibt. Sie verlangt für den Flottenverbrauch der Pkw im Jahr 2016 einen Wert von maximal 125 Gramm CO2 je Kilometer. Das entspricht einem durchschnittlichen Benzinverbrauch von rund 5,3 Litern auf 100 Kilometer. Schon für Ende dieses Jahres legte die EU eine Obergrenze von 140 Gramm fest. Überschreiten die Autobauer den Grenzwert, drohen ihnen Strafzahlungen.

Milliarden-Investitionen für weniger Umweltverschmutzung

Der von Winterkorn angestrebter CO2-Ausstoß der europäischen Neuwagenflotte sagt freilich nichts über die Ziele in Nordamerika oder China aus, wo sparsame Diesel oder Hybride selten sind. Trotzdem verspricht Winterkorn den "grundlegenden ökologischen Umbau" seines elf Marken umfassenden Konzerns. Dafür will er mehr als zwei Drittel der bis 2016 angekündigten Ausgaben von 62,4 Milliarden Euro investieren – nicht nur in effizientere Fahrzeuge und neue Antriebsarten, sondern auch in eine umweltschonendere Produktion der VW-Werke.

Bis 2020 soll der CO2-Ausstoß bei der Energieversorgung der Produktion um 40 Prozent gesenkt werden. Der Wasser- und Energieverbrauch und die Abfallmenge sollen bis 2018 um ein Viertel sinken. "Dazu werden wir rund 600 Millionen Euro in den Ausbau regenerativer Energien aus Sonne, Wind und Wasserkraft investieren", kündigt Winterkorn an. "Unser erklärtes Ziel ist es, Volkswagen auch in ökologischer Hinsicht zum führenden Automobilhersteller zu machen." Was die Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge betrifft, will VW spätestens im Jahr 2018 an die Weltmarktspitze vorrücken.

Mit der Ankündigung, VW zum grünen Vorbild zu machen, eifern die Wolfsburger dem härtesten Konkurrenten um die Weltmacht nach: Toyota. Der japanische Autohersteller gilt vielen als Erfinder des spritsparenden und damit umweltverträglicheren Hybridantriebs, der einen herkömmlichen Verbrennungsmotor mit einem Elektromotor verbindet. Wegen mehrerer Naturkatastrophen, vor allem wegen des Tsunami im März 2011, hatte Toyota seine Weltmarktführung zuletzt an die Opel-Mutter General Motors verloren.

Aber auch PS-Boliden aus dem VW-Konzern

Autos, um den verkündeten Zielen näher zu kommen, hat Volkswagen bereits am Start oder kurz vor der Markteinführung. Auf dem Genfer Salon präsentiert VW etwa das schon bekannte Cross-Coupé mit einem verbesserten Hybridsystem. Die Verbindung von Dieseltriebwerk und zwei Elektromotoren soll den Durchschnittsverbrauch des Plug-In-Hybriden auf 1,8 Liter pro 100 Kilometer drücken. Für die dritte Generation des Audi A3 ist eine Version mit einem Erdgasmotor aus dem VW-Regal geplant, ab 2014 soll es auch eine Plug-In-Variante geben.

Allerdings: Für den Rest der Konzern-Show in der Halle Espace Sécheron geht es vorwiegend rasant, teuer und exklusiv zu, etwa mit dem Lamborghini Aventador J, einem 700 PS starken Extrem-Roadster, oder dem Bugatti Grand Sport Vitesse mit 1.200 PS. Auch der Bentley EXP 9 F präsentiert sich alles andere als öko. Die extrem bullige Studie eines Ultraluxus-SUV hat einen Zwölfzylindermotor unter der Haube. Die Kundschaft soll ihr grünes Gewissen immerhin wahlweise mit einem Plug-In-Hybridantrieb beruhigen können.

 
Leserkommentare
  1. "Bis 2015 will er den durchschnittlichen CO2-Ausstoß der europäischen Neuwagenflotte im Vergleich zu 2006 um 30 Prozent drücken. Dann läge der Wert unter der wichtigen Schwelle von 120 Gramm je Kilometer."

    Kann mir jemand sagen , wie das berechnet wird?

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    Redaktion

    Grundlage sind die verkauften Neuwagen (= Flotte) eines Autoherstellers im jeweiligen Zeitraum. Bis 2015 fließen aber auch "Öko-Innovationen" in die Berechnung ein, was dazu führt, dass Autobauer den Grenzwert um ein paar Gramm CO2 je Kilometer überschreiten dürfen, ohne dass eine Strafe droht. Außerdem werden Elektroautos stärker gewichtet.

    Redaktion

    Grundlage sind die verkauften Neuwagen (= Flotte) eines Autoherstellers im jeweiligen Zeitraum. Bis 2015 fließen aber auch "Öko-Innovationen" in die Berechnung ein, was dazu führt, dass Autobauer den Grenzwert um ein paar Gramm CO2 je Kilometer überschreiten dürfen, ohne dass eine Strafe droht. Außerdem werden Elektroautos stärker gewichtet.

  2. VW hätte schon lange mehr für das Klima tun können! Warum erst jetzt? Der neue VW UP z.B. ist kein Beispiel für Effizienz und Klimaschutz. Zu Recht wurde er z. B. im "Stern" als "kleiner Schluckspecht" bezeichnet. Wenn VW wirklich was für den Klimaschutz und für's Sprit sparen tun will, dann sollte Herr Winterkorn seine Lobbyisten in Brüssel und Berlin zurück pfeiffen, die alle Bemühungen der EU den CO² Ausstoss im Verkehr zu reduzieren, nach Kräften hintertreiben! Überdies könnte VW seine Spritspartechniken dem Autokäufer ohne Aufpreis anbieten. Wenn Herr Winterkorn genau dies zügig umsetzt, wäre er in der Tat glaubwürdig. Sonst wäre alles nur eine PR-Show, was sich am Ende wohl auch dabei herausstellen wird!

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    • Zack34
    • 06.03.2012 um 17:36 Uhr

    Gute Frage!

    Aber warum stellen Sie diese Frage erst jetzt, wo Sie doch als offensichtlich erwiesener Experte wissen müssten, dass VW bereits 1999 den Lupo 3L in echter Serie brachte.

    Wie jetzt, Sie, derart erwiesener Umweltfreund, haben keins davon gekauft? Etwa, weil es einfacher ist, vom eigenen warmen Sofa "umweltbewegte Wutbürger" im Netz zu mimmen, statt sich TATSÄCHLICH selber zu bewegen? Ach, "zu teuer" war der? Tja, heute (!) ist er noch viel teuerer... weil solche PR-Show-Experten (die Entwicklungskosten für eine spritsparende Techologie einfach ans Volk verschenken würden...) lieber an allem was aussetzen, als jemals zu einem konkreten "zukunftsweisenden" Fahrzeug zu zu greifen.

    Besserwisser in Reinstform.

    • Zack34
    • 06.03.2012 um 17:36 Uhr

    Gute Frage!

    Aber warum stellen Sie diese Frage erst jetzt, wo Sie doch als offensichtlich erwiesener Experte wissen müssten, dass VW bereits 1999 den Lupo 3L in echter Serie brachte.

    Wie jetzt, Sie, derart erwiesener Umweltfreund, haben keins davon gekauft? Etwa, weil es einfacher ist, vom eigenen warmen Sofa "umweltbewegte Wutbürger" im Netz zu mimmen, statt sich TATSÄCHLICH selber zu bewegen? Ach, "zu teuer" war der? Tja, heute (!) ist er noch viel teuerer... weil solche PR-Show-Experten (die Entwicklungskosten für eine spritsparende Techologie einfach ans Volk verschenken würden...) lieber an allem was aussetzen, als jemals zu einem konkreten "zukunftsweisenden" Fahrzeug zu zu greifen.

    Besserwisser in Reinstform.

  3. Motoren zu bauen, die nicht gleich im Winter platzen.

  4. Ich entscheide mich für ein preisgünstiges qualitativ hochwertges Fahrzeug. Ich erwarte gute zweckmässige Austattung
    und geringen Verbrauch. Für einen "grünen" Anstrich gebe ich kein Geld aus.

  5. vom braunen bis zum grünen Punkt.

    Jeder Verkaufsstratege weiß heutzutage, mit Bio und grünem Punkt verkaufe ich in Deutschland jede Politik und jedes Produkt, seien sie auch noch so ungesund.

    In den Anfangsphasen von VW gab es schon ähnliche Verkaufs- und Überzeugungsstrategien. Da war es der KdF, der Kraft-durch-Freude-Wagen. Leider hielt die Euphorie nur kurz und aus dem Kdf-W wurde der kriegstaugliche Kübelwagen.

  6. ...noch eine Plattform geben? Wie es wirklich in den Entwicklungslabors deutscher Automobilproduzenten aussieht, hatte man spätestens in einer ZDF-Reportage vor einigen Wochen dokumentiert bekommen, in der die feschen Franzosen mit Vollgas in den Entwicklungsvorsprung steuern und die verwaltergeführten Made-in-Germany-Konzerne lustlos hinterher-hecheln...

    • Zack34
    • 06.03.2012 um 17:20 Uhr
    Antwort auf "Durchschnitt"
    • Zack34
    • 06.03.2012 um 17:24 Uhr

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters
  • Kommentare 15
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  • Schlagworte Martin Winterkorn | VW | Europäische Union | Toyota | Audi | Bentley
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