VWIn Mexikos Straßenbild wird der Käfer rarer

Die Verwaltung von Mexiko-Stadt verbannt das legendäre Käfer-Taxi aus der Metropole. Dennoch bleibt der "Vocho" in Mexiko quicklebendig – und knallbunt.

Ende November 1954 spielte Volkswagen Speedy Gonzales: Sieben nagelneue VW Käfer nahmen in Mexiko an der gefährlichen Carrera Panamericana teil, der letzten, bevor die Rallye aus Sicherheitsgründen abgesetzt wurde. Die Käfer holten zwar keine Trophäen, aber sie kamen alle ans Ziel. Das war keineswegs selbstverständlich bei der materialmordenden Rallye.

Die starke Leistung der kleinen Autos aus Wolfsburg bei der Rallye war ein gewaltiger Imagegewinn für den Käfer in Mexiko. Noch heute sieht man den Vocho, wie die Mexikaner das Wägelchen nennen, fast an jeder Straßenecke. Meistens sind sie vor allem eines: knallbunt. Weiße Exemplare erblickt man trotz hoher Temperaturen relativ selten, Mexikaner tauchen den Käfer gern in kräftige Farben.

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Außerdem werden die Autos gern individualisiert. Ob Flammen-Dekor, Zusatzscheinwerfer, Rennsport-Aufkleber oder die Herbie-Lackierung mit der berühmten Nummer 53 – der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Manchmal entdeckt man sogar skurrile Käfer-Mutanten, die findige Bastler mit einem alten VW-Bus gekreuzt und zum Campingmobil umgerüstet haben.

Türen-Vorschrift ist das Ende für den Taxi-Käfer

Der Mexiko-Käfer führt also immer noch ein robustes Leben – selbst wenn in der Metropole Mexiko-Stadt vom nächsten Jahr an keine Vochos mehr als Taxi eingesetzt werden dürfen. Noch vor fünf Jahren war mehr als jedes zweite der rund 50.000 Taxen ein Käfer, heute sind es weniger als 4.000. Nach 2012 will die Stadtverwaltung die Taxi-Lizenzen für die Vochos nicht mehr verlängern. Die Behörde hatte schon 2003 beschlossen, dass alle Taxen der Stadt vier Türen haben müssen. Der Käfer war aber stets zweitürig. Im Dezember endet die zehnjährige Gnadenfrist.

Vermissen wird man die knuffigen Vochos vor allem als Fotomotiv. Für die Passagiere haben die Käfer-Taxis aber hauptsächlich Nachteile. Weil viele Taxifahrer den Beifahrersitz ausbauen, damit die Passagiere den Fond schneller entern können, knallen die Mitfahrer bei einem Unfall im schlimmsten Fall direkt gegen die Windschutzscheibe. Berüchtigt waren die Kugel-Droschken auch deshalb, weil die Passagiere mangels eigener Türen bei Überfällen keine Möglichkeit zur Flucht hatten. Mexikos Taxifahrer schwören heute auf kleine Limousinen wie den Nissan Tsuru.

Mit dem Verschwinden der grünen VW-Taxen endet aber nur ein Kapitel der mexikanischen Käfer-Geschichte. Sie beginnt Mitte der fünfziger Jahre. Mexiko hatte damals 30 Millionen Einwohner, aber nur 500.000 Autos. Pkw waren teure Luxusgüter. Durch die Importeurs-Gesellschaft Volkswagen Mexicana kamen die ersten Käfer ins Land, 1963 wurden schon mehr als 6.000 Exemplare verkauft.

Der rundliche Hecktriebler wurde ein Erfolg in Mexiko, trotz bürokratischer Hürden und großer Autos aus dem Nachbarland USA. 1962 wurde die Gesellschaft Promexa gegründet, die den Wagen in Lizenz produzieren durfte. Volkswagen kaufte schließlich Promexa und baute den Käfer mit einer neuen Gesellschaft im Land selbst. 1968 lief im neuen Werk Puebla der 100.000. Mexiko-Käfer vom Band. Fast jeder fünfte Pkw des Landes war damals ein Käfer.

Leserkommentare
  1. ist die dazu passende fotostrecke...???

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  2. Schon fast rührend, diese Käfer-Nostalgie. Aber auch irgendwo schyzophren; jedenfalls wenn man da die gängigen Kommentare der Auto-Spezialisten hier ließt. Sobald da ein Wagen etwas aus der Reihe fällt, wird er augenblicklich niedergemacht. Von der gewöhnungsbedürftigen Optik, über die schlechte Rücksicht, die fehlende Einparkhilfe (extrem wichtig), die zu hohe Einladekante, die mangelnde Beinfreiheit hinten; wenn es nicht zu eng ist, gibt es zuviel Platz (sic! Kangoo). Dann wird meistens erst einmal getestet, wie schnell man den Wagen auf 100km/h, dann mit durchgetretenem Gaspedal über deutsche Autobahnen gebrettert, um dann zu meckern, dass der Wagen viel zu viel verbraucht.
    Kurz, würde es ausschließlich nach den Kriterien unserer Spezialisten gehen, dürfte der Käfer so ziemlich der schlechteste Wagen sein, der jemals in Deutschland produziert wurde. Resultat ist, dass ein Wagen langweiliger als der andere ist. Jedefalls habe ich noch keinen Nostalgie-Artikel zum Audi 80 gefunden, obwohl der ja damals so einen tollen cW-Wert hatte, und wahrscheinlich auch die optimale Ladekante...

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  3. Wenn der Begriff "Volkswagen" mit einem ausländischen Staat in Verbindung gebracht wird, dann kann es sich nur um Mexiko handeln, da neben dem Käfer, der auch als Taxi die Strassen beherrschte der VW-Bus, der in vielen Städten das Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs bildete, nicht wegzudenken war. Als ich das erste Mal Mexiko bereiste, da schloss der Fahrer die Einstiegstür des "Vochos" noch mit einem einfachen Strick, der dann später durch Mechanik ersetzt wurde. Da mein erstes Auto ein Käfer war, konnte ich feststellen, dass sich rein äusserlich selbst nach fast 40 Jahren kaum etwas verändert hatte, sogar die Trittbretter vor den beiden Türen waren noch vorhanden. VW in Puebla produziert weiter und so werden sich die Mexikaner an ein neues Strassenbild gewöhnen und nach etlichen Jahren wie wir auch in Nostalgie verfallen. So ist eben das Leben.

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    ... kann man vw auch mit brasilien in verbindung bringen. dort wird der t2 noch gebaut. ;)

    ... kann man vw auch mit brasilien in verbindung bringen. dort wird der t2 noch gebaut. ;)

  4. Wer mal die Möglichkeit hatte (z.B. in Venezuela) mit einem alten "Straßenkreuzer" - Taxi zu fahren, der versteht wohl die Sorge um die aussterbenden alten Vehikel. Das ist reiner Luxus pur ! Der Platz, die weichen samtüberzogenen Sitze. Das beruhigende Blubbern des Achtzylinders und das souveräne Dahingleiten, über alle Schlaglöcher Hinwegschweben. Es soll sogar Leute geben, die nochmal in Kuba Urlaub machen, um dieses Gefühl zu erleben, bevor der sogenannte Fortschritt diesen Luxus vernichtet.

  5. ... kann man vw auch mit brasilien in verbindung bringen. dort wird der t2 noch gebaut. ;)

    Antwort auf "Ende einer Legende"

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