Autodesign-StudiumFürs Auto von morgen ackern

Autodesigner ist ein Traumjob, aber kein Zuckerschlecken. Der Druck ist hoch – vor, im und nach dem Studium. Ein Besuch bei Bachelor-Studenten in Pforzheim von Marc-Stefan Andres

Ein Autodesign-Student in Pforzheim arbeitet an einem Fahrzeugentwurf.

Ein Autodesign-Student in Pforzheim arbeitet an einem Fahrzeugentwurf.  |  © Rafael Kroetz

Autos in allen Farben, Größen, Formen. Schon als Kind saß Manuel Schöttle den ganzen Tag am Tisch zu Hause in Sindelfingen und zeichnete. Selbst erfundene Supersportwagen oder existierende Modelle, die ihm gefielen. Viel hat sich seitdem nicht geändert. Schöttle entwirft immer noch Autos, den ganzen Tag. Er studiert Transportation Design an der Hochschule Pforzheim .

Woher seine Leidenschaft kommt, die Motivation, bis tief in die Nacht mit verschiedenen Grautönen Hightech-Karossen aufs Blatt zu bringen? "Keine Ahnung", sagt er und überlegt noch einmal. "Mein Vater fuhr Alfa Romeo , die Autos gefielen mir immer gut." So etwas wollte er auch kreieren, also bewarb er sich in Pforzheim – in diesem Bereich neben dem Royal College of Art in London und dem Art Center College of Design im kalifornischen Pasadena die renommierteste Hochschule, was Ausbildung und Auswahl der Studenten angeht.

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Schöttle wurde beim ersten Versuch abgelehnt. Auch seine zweite Mappe überzeugte nicht. Die Misserfolge spornten ihn an, er steckte noch mehr Arbeit hinein und schaffte es beim dritten Mal. "Sonst würde ich jetzt wohl Englisch und Französisch auf Lehramt studieren", sagt er und dreht sich eine dünne Zigarette.

Eher visionär

Automotive Agenda
Automotive Agenda

Dieses Interview stammt aus der aktuellen Ausgabe des Magazins Automotive Agenda.

70 Bachelor-Studenten lernen in der ehemaligen Autobahnmeisterei am Rand von Pforzheim, die Autos der Zukunft zu gestalten. Die Konkurrenz ist allerdings gewaltig. Etwa 35 Hochschulen gibt es – vor allem in Europa , Nordamerika und Asien – die eigene Car-Design-Studiengänge haben. Außerdem zieht es auch Industrie-Designer in die Branche, die weltweit ziemlich genau 2.200 Stellen anzubieten hat. Allein am recht kleinen Lehrstuhl in Pforzheim schließen pro Jahr rund 30 Absolventen – inklusive der Master-Studenten – ihr Studium ab.

Um Erfolg zu haben, müssen die jungen Leute für ihren Job brennen. Und gut ausgebildet sein. Deswegen arbeiten die Studenten ab dem dritten ihrer sieben Bachelor-Semester mit Unternehmen zusammen; in mindestens einem, manchmal aber auch zwei bis drei Projekten, in denen sie das Interieur oder Exterieur von Fahrzeugen aller Art gestalten. Manchmal geht es konkret um Lösungen für die Auto-, Bahn- oder Flugzeugindustrie, andere Arbeiten sind eher visionär.

Manuel Schöttle tippt auf die ausgedruckte Zeichnung an der Präsentationswand, die mitten in einem hohen, hellen Arbeitsraum steht. Die Studenten zeigen hier ihre Arbeitsfortschritte, diskutieren untereinander und mit den Professoren, pinnen Ausdrucke, gekritzelte Skizzen oder Modellfotos an. Manuel Schöttle entwirft gerade einen Helikopter mit edlen beigen Sitzen, halbschräg angeordnet. Ein Projekt in Kooperation mit Eurocopter. Große Fensterflächen, viel Platz, vier Rotoren rund um die Kabine verteilt. Ein fliegendes Designobjekt oder wie er sagt, "funktional, aber inspiriert vom angenehmen Luxus einer Mercedes S-Klasse".

Der Helikopter soll abheben, ihm gibt er Erdung: "Wir bekommen Einblicke in Unternehmensabläufe und die Erwartungen der späteren Kunden", sagt Schöttle. "Das erzeugt Druck, aber bringt uns auch dazu, noch mehr über die Arbeit nachzudenken." Auch deshalb will er so viele Praktika wie möglich machen, "viel sehen und lernen, damit ich einschätzen kann, was ich wirklich kann und will". Und was gewollt wird.

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    • Schlagworte BMW | Alfa Romeo | Auto | Autodesign | Porsche | Sindelfingen
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