Kraftstoffmarkt: Österreichs Spritpreismodell funktioniert
Die Regulierung des Tankstellenmarkts in Österreich habe den Benzinpreis kräftig steigen lassen, behaupten Kritiker. Die Daten widersprechen dem.
Pünktlich zum österlichen Reiseverkehr sind die Kraftstoffpreise wieder leicht gestiegen. Am Montag kostete ein Liter der meistgetankten Sorte Super E5 im Schnitt 1,71 Euro, der Dieselpreis lag bei 1,53 Euro je Liter. Doch das Problem am deutschen Benzinmarkt geht tiefer. Klar ist: Kraftstoffe sind in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern relativ teuer. Das ist das schlichte Ergebnis hoher, wenn auch seit neun Jahren stabiler Energiesteuern.
Doch bisher galt, dass wenigstens die Vorsteuerpreise in Deutschland wegen des "harten Wettbewerbs um den deutschen Tankkunden" deutlich unter dem EU-Schnitt lagen. Von wegen Kartell, der Markt funktioniere hervorragend, behaupten die fünf großen Tankstellenbetreiber, die den deutschen Markt dominieren, unisono. Niedrige Vorsteuerpreise darf man auch erwarten, denn Deutschland ist der größte europäische Kraftstoffmarkt, der zudem über die Rheinschiene und aus fast allen anderen Himmelsrichtungen gut versorgt werden kann.
Dieser langjährige Vorteil ist jedoch Anfang des Jahres verschwunden. Sowohl der Preis für Superbenzin als auch der Dieselpreis liegen in Deutschland mittlerweile auch vor Steuern über dem EU-Durchschnitt. Bei Superbenzin (E5) ist Deutschland aktuell das zehntteuerste Land der 27 EU-Staaten, werden die Dieselpreise verglichen, sogar das siebtteuerste. Dieser ungewöhnliche Trend ist ein weiterer Hinweis darauf, dass die Preise an den deutschen Zapfsäulen seit Monaten schneller steigen als die Kosten der Branche.
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Über die Gründe dafür kann man nur spekulieren. Ist der Wettbewerb hierzulande vielleicht doch nicht so ausgeprägt? Liegt es an der Raffineriestruktur? Haben vielleicht nur noch die deutschen Autofahrer die nötige Kaufkraft, sodass höhere Tankstellenpreise in Deutschland von den Konzernen mit niedrigeren Preisen in wirtschaftlich schwächeren Ländern verrechnet werden?

Steffen Bukold ist Leiter des Beratungsbüros EnergyComment und analysiert auf energiepolitik.de die deutschen und internationalen Ölmärkte.
Die Politik will dem mit einer stärkeren Regulierung der Tankstellenpreise begegnen. Ein Vorschlag ist die Übernahme des österreichischen Spritpreismodells. Dort dürfen die Tankstellenpreise nur einmal am Tag erhöht werden. Auch müssen alle Preisänderungen an eine Online-Preisdatenbank gemeldet werden, über die sich jeder Tankstellenkunde informieren kann, wo in seiner Umgebung die preislich attraktivste Tankstelle ist.
Dieser Ansatz wird jedoch vom Bundeswirtschaftsministerium und dem Mineralölwirtschaftsverband bislang abgelehnt. Er bringe keine Verbesserung, heißt es. Die österreichischen Preise seien seit Einführung der Regelung Anfang 2011 weit überdurchschnittlich gestiegen, insbesondere im Vergleich zum deutschen Markt. Aber ist das tatsächlich der Fall?
Es mag sein, dass die österreichische Variante kein Königsweg ist, aber ein Blick auf die Preisentwicklung macht schon stutzig. Die Benzinpreise in Österreich sind seit Einführung der Regelung Anfang 2011 niedriger und stabiler als in Deutschland (siehe Grafik). Man muss sich wundern, wie das Ministerium zu einer anderen Einschätzung kommen konnte.
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Fakt ist, dass in Deutschland die Öl- und Kraftstoffpolitik zu lange vernachlässigt wurde. Weder die Behörden noch die Forschungsinfrastruktur sind ausreichend vorbereitet, um den Herausforderungen im Kraftstoff- und vor allem im Rohölmarkt konzeptionell Paroli bieten zu können – insbesondere dem Problem Peak Oil, also der Zeitpunkt, ab dem das globale Fördermaximum überschritten ist. Die Stromwende ist richtig und wichtig. Aber darüber sollte man unsere einseitige und riskante Abhängigkeit vom Öl nicht vergessen.







"Der Ansatzpunkt muss also die Abschaffung der Mineralöl-, Öko- und Kfz-Steuer und die verkehrsmittelunabhängige Mehrwertsteuerbefreiung für Kraftstoffe sein. "
Und wie wollen Sie das Straßennetz dann finanzieren? Die Mineralölsteuer ist ja nichts anderes als eine Straßen-Maut. Dafür sind bei uns z.B. die Autobahnen kostenlos.
Ich halte die Mineralölsteuer für eine sehr intelligente Abgabe: Weil sie den Einzelnen motiviert, sparsamer zu fahren. Autobahn-Maut ist immer gleich teuer; aber hierzulande kann ich meine Steuerlast reduzieren, indem ich einfach sparsam fahre. Das ist auch sozial gerecht.
werden Autobahnen und Bundesstraßen inzwischen weitgehend über die Lkw Maut bezahlt. Bei einem Ansatz von 5,01 Mrd€ für 2012 (viel zu wenig) stammen 3,5 Mrd aus der Lkw-Maut und nur 1,51 Mrd. aus der Mineralölsteuer. Länder und Gemeinden geben nochmal so ca. 12 Mrd. für das Straßenwesen aus. Wäre also ein "Steuerbedarf" von 13,5 Mrd., bei Einnahmen aus der Mineralölsteuer (aus dem Verkehr) von ca. 33 Mrd und ca. 9 Mrd Kfz-Steuer.
Ändert aber natürlich nichts daran, dass es ein blöde Idee wäre die Steuern abzuschaffen, würden nur andere Steuern für steigen müssen
Was spricht gegen eine Vollprivatisierung des Verkehrswegenetzes? Wie in allen anderfen Bereichen zeigt sich bisher, dass es "der Staat" in seiner Eigenschaft als Unternehmer "nicht kann".
Selbstverständlich müsste dann für die Nutzung JEDER Verkehrsteilnehmer herangezogen werden. Jeder, nicht nur die Autofahrer, sondern z. B. auch Fußgänger, Radfahrer, Reiter, Inlineskaternutzer, ...
Unter dem Aspekt der - sonst immer so lautstark eingeforderten - Gerechtigkeit wäre das doch wohl eher ein begrüßenswerter Ansatz.
"Ich halte die Mineralölsteuer für eine sehr intelligente Abgabe: Weil sie den Einzelnen motiviert, sparsamer zu fahren. Autobahn-Maut ist immer gleich teuer; aber hierzulande kann ich meine Steuerlast reduzieren, indem ich einfach sparsam fahre."
In Frankreich witzelt man schon seit vielen Jahren über Deutschland als das "Land der Autobahn-Baustelle" - weil das hierzulande ein in einem für andere Länder unfassbaren Ausmaß ein allgegenwärtiges Dauerphänomen ist.
Hintergrund: In Frankreich wie in Italien überlässt man den Autobahnbau größerenteils privaten Gesellschaften, die sich dann über die Maut refinanzieren. Das funktioniert natürlich nur, wenn die Autobahn auch benutzt wird. Deshalb haben die dortigen Gesellschaften ein essentielles Interesse daran, den Verkehr auf "ihren" Autobahnen flüssig zu halten. Entsprechend effektiv ziehen sie Baumaßnahmen durch, auch wenn die dadurch ein paar Prozent teurer werden.
Einer deutschen Autobahnmeisterei ist das dagegen schnurzpiepegal: die haben überhaupt kein Problem damit, für ein paar hundert Euro Kosteneinsparung einen wochenlangen Megastau zu induzieren, der die deutsche Volkswirtschaft mal locker um zig Millionen Euro schädigt. Mann- und Fahrzeug-Arbeitszeitvergeudung in Jahren, im Stau in die Luft geblasener Sprit in Tonnen gemessen, zusätzliche Unfälle im Baustellenbereich und auf Ausweich-Landstraßen - und das alles, damit man mit Langsamfahren noch ein paar Cent mehr "sparen" kann? Mannomann...
werden Autobahnen und Bundesstraßen inzwischen weitgehend über die Lkw Maut bezahlt. Bei einem Ansatz von 5,01 Mrd€ für 2012 (viel zu wenig) stammen 3,5 Mrd aus der Lkw-Maut und nur 1,51 Mrd. aus der Mineralölsteuer. Länder und Gemeinden geben nochmal so ca. 12 Mrd. für das Straßenwesen aus. Wäre also ein "Steuerbedarf" von 13,5 Mrd., bei Einnahmen aus der Mineralölsteuer (aus dem Verkehr) von ca. 33 Mrd und ca. 9 Mrd Kfz-Steuer.
Ändert aber natürlich nichts daran, dass es ein blöde Idee wäre die Steuern abzuschaffen, würden nur andere Steuern für steigen müssen
Was spricht gegen eine Vollprivatisierung des Verkehrswegenetzes? Wie in allen anderfen Bereichen zeigt sich bisher, dass es "der Staat" in seiner Eigenschaft als Unternehmer "nicht kann".
Selbstverständlich müsste dann für die Nutzung JEDER Verkehrsteilnehmer herangezogen werden. Jeder, nicht nur die Autofahrer, sondern z. B. auch Fußgänger, Radfahrer, Reiter, Inlineskaternutzer, ...
Unter dem Aspekt der - sonst immer so lautstark eingeforderten - Gerechtigkeit wäre das doch wohl eher ein begrüßenswerter Ansatz.
"Ich halte die Mineralölsteuer für eine sehr intelligente Abgabe: Weil sie den Einzelnen motiviert, sparsamer zu fahren. Autobahn-Maut ist immer gleich teuer; aber hierzulande kann ich meine Steuerlast reduzieren, indem ich einfach sparsam fahre."
In Frankreich witzelt man schon seit vielen Jahren über Deutschland als das "Land der Autobahn-Baustelle" - weil das hierzulande ein in einem für andere Länder unfassbaren Ausmaß ein allgegenwärtiges Dauerphänomen ist.
Hintergrund: In Frankreich wie in Italien überlässt man den Autobahnbau größerenteils privaten Gesellschaften, die sich dann über die Maut refinanzieren. Das funktioniert natürlich nur, wenn die Autobahn auch benutzt wird. Deshalb haben die dortigen Gesellschaften ein essentielles Interesse daran, den Verkehr auf "ihren" Autobahnen flüssig zu halten. Entsprechend effektiv ziehen sie Baumaßnahmen durch, auch wenn die dadurch ein paar Prozent teurer werden.
Einer deutschen Autobahnmeisterei ist das dagegen schnurzpiepegal: die haben überhaupt kein Problem damit, für ein paar hundert Euro Kosteneinsparung einen wochenlangen Megastau zu induzieren, der die deutsche Volkswirtschaft mal locker um zig Millionen Euro schädigt. Mann- und Fahrzeug-Arbeitszeitvergeudung in Jahren, im Stau in die Luft geblasener Sprit in Tonnen gemessen, zusätzliche Unfälle im Baustellenbereich und auf Ausweich-Landstraßen - und das alles, damit man mit Langsamfahren noch ein paar Cent mehr "sparen" kann? Mannomann...
...indem er versucht das Thema vom Ziel her anzugehen und vermutlich nicht von der Meinung des Autors.
Auch ist interessant, dass die Kopplung der Informatinsübermittelung mit der Preisanpassungmechanik zusammen (zumindest in einer kurzen Zahlenreihe) Erfolg zu bringen scheint. Es müsste untersucht werden, wie viel die zwei Regulierinstrumente jeweils zum Ergebnis beitragen.
//Ich fand den Artikel auch erfrischend....
...indem er versucht das Thema vom Ziel her anzugehen und vermutlich nicht von der Meinung des Autors.//
Das wäre auf zeit.de ein echtes Novum, an das ich mich gewöhnen könnte.
//Ich fand den Artikel auch erfrischend....
...indem er versucht das Thema vom Ziel her anzugehen und vermutlich nicht von der Meinung des Autors.//
Das wäre auf zeit.de ein echtes Novum, an das ich mich gewöhnen könnte.
werden Autobahnen und Bundesstraßen inzwischen weitgehend über die Lkw Maut bezahlt. Bei einem Ansatz von 5,01 Mrd€ für 2012 (viel zu wenig) stammen 3,5 Mrd aus der Lkw-Maut und nur 1,51 Mrd. aus der Mineralölsteuer. Länder und Gemeinden geben nochmal so ca. 12 Mrd. für das Straßenwesen aus. Wäre also ein "Steuerbedarf" von 13,5 Mrd., bei Einnahmen aus der Mineralölsteuer (aus dem Verkehr) von ca. 33 Mrd und ca. 9 Mrd Kfz-Steuer.
Ändert aber natürlich nichts daran, dass es ein blöde Idee wäre die Steuern abzuschaffen, würden nur andere Steuern für steigen müssen
Danke für den informativen Artikel und die aussagekräftige Grafik „Benzinpreise in D und AT“. Wo finde ich dazu vertiefende Daten?
Das österreichische Modell kappt den Konzernen die margenstarken Preisspitzen. Das können sie nicht gut finden, aber das BMWi? komisch...
Die Omultis haben sich einen kontinuierlichen Kraftstoff-Absatz durch (Geschäfts-)Kundenkarten geschaffen. Für deren Nutzer ist es meist persönlich egal ist zu welchem Preis sie tanken. Dadurch verlieren die Multis sogar in den von ihnen frei gewählten Höchstpreisphasen nie den ganzen Umsatz, steigern aber überproportional ihre Marge. Natürlich finden diese Höchstpreisphasen zu den erwarteten Lieblingstankzeiten statt. So geht Geld verdienen mit dem Rechenschieber.
Zum anderen müssen wir auch sehen: Das Öl wird nie wieder so billig sein wie heute. Die Autofabriken der Welt laufen auf Hochtouren, immer mehr Menschen weltweit leben/genießen unseren Lebensstil mit viel Kunstdünger und Kunststoff und damit viel Öl.
Ich denke wir brauchen nichts weniger als ein neues Wirtschafts-Konzept, das mit viel viel weniger Rohöl auskommt.
... nur so besteht die Chance, dass der hemmungslose Individualverkehr etwas gedrosselt wird. Wenn ich Fahrstil, Unfallstatistiken, usw. sehe, könnte der Sprit ruhig das doppelte Kosten (brutto).
So hätten die Menschen eine Chance sich selbst zu bewegen.
Hoppla, bei mir sind zwei Beine dran ...
Die fetten Faulen dürfen gern die Haifische finanzieren :-)
Was spricht gegen eine Vollprivatisierung des Verkehrswegenetzes? Wie in allen anderfen Bereichen zeigt sich bisher, dass es "der Staat" in seiner Eigenschaft als Unternehmer "nicht kann".
Selbstverständlich müsste dann für die Nutzung JEDER Verkehrsteilnehmer herangezogen werden. Jeder, nicht nur die Autofahrer, sondern z. B. auch Fußgänger, Radfahrer, Reiter, Inlineskaternutzer, ...
Unter dem Aspekt der - sonst immer so lautstark eingeforderten - Gerechtigkeit wäre das doch wohl eher ein begrüßenswerter Ansatz.
z.B.
http://www.zeit.de/2010/2...
brauche ich gar nicht viel zu schreiben. Die Bahn ist auch ein Beispiel, warum man staatliches bzw. staatliche "Unternehmen" nicht privatisieren sollte.
Es wird nichts besser, nur teuer.
Für mich ist und bleibt es eine Tatsache, daß hierzulande die Politik regelmäßig mit der Wirtschaft in die Kiste springt, und die Konsequenzen trägt der Bürger. Oder das Stimmvieh. Oder wie auch immer. Naja, im Grunde sind "wir" es ja auch selber schuld, denn außer viel Geschrei kommt ja nix. Wir fahren zu viel und zu schnell, wir brauchen, ja wir verschwenden Strom und Gas ohne Ende und beschweren uns über die Rechnung.
Naja, ist halt so.
z.B.
http://www.zeit.de/2010/2...
brauche ich gar nicht viel zu schreiben. Die Bahn ist auch ein Beispiel, warum man staatliches bzw. staatliche "Unternehmen" nicht privatisieren sollte.
Es wird nichts besser, nur teuer.
Für mich ist und bleibt es eine Tatsache, daß hierzulande die Politik regelmäßig mit der Wirtschaft in die Kiste springt, und die Konsequenzen trägt der Bürger. Oder das Stimmvieh. Oder wie auch immer. Naja, im Grunde sind "wir" es ja auch selber schuld, denn außer viel Geschrei kommt ja nix. Wir fahren zu viel und zu schnell, wir brauchen, ja wir verschwenden Strom und Gas ohne Ende und beschweren uns über die Rechnung.
Naja, ist halt so.
Die Mineralölkonzerne versuchen doch nur die Bürger gegen die Steuern und Staat zu mobilisieren um selbst mehr vom Kuchen einzustreichen. Das sollten wir uns als Bürger nicht bieten lassen und versuchen weniger zu tanken. Merken Sie denn nicht, dass die Multis unsere Schmezgrenze ausloten?!
Gerade jetzt wäre es daher sogar sinnvoll die Steuern auf Kraftstoff zu erhöhen, damit unser Geld nicht als Konzerndividende verschwindet sondern uns in Form von Renten, ÖPNV Kindergarten oder ÖD-Gehälter oder Straßenbau oder Forschung oder oder oder wieder zufließt.
Eine preissensible Grenze für Benzin scheint ja noch nicht erreicht zu sein. Es wird zwar gejammert aber weiter mit FollePulle gefahren.
sondern auch in Holland funktieniert das alles besser, bei UNS aber ist das angeblich nicht machbar, warum wohl ?
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