Alternativer AntriebWasserstoff-Autos auf Weltrekordfahrt

Von Oslo nach Monte Carlo: Auf der längsten jemals mit Brennstoffzellen-Autos gefahrenen Tour lernt man viel über die Alltagsreife der Technologie. von Jan Wilms

Ein Brennstoffzellen-Auto von Hyundai wird mit Wasserstoff betankt.

Ein Brennstoffzellen-Auto von Hyundai wird mit Wasserstoff betankt.  |  © Philipp Wente/laif

Vor dem roten Bauernhaus toben sechs Huskywelpen im frischen Schnee. Kühle Nordluft weht durch die dichten Kiefern, die ersten Graugänse treffen ein. Sonst dringt nicht viel in dieses Idyll. Vielleicht muss ein Platz, an dem Träume entstehen, genauso aussehen wie das Gehöft von Bjørnar Kruse, dem Wasserstoff-Experten der norwegischen Umweltschutzorganisation Zero .

In der vergangenen Woche hat Kruse einen seiner Träume realisiert: eine Europatour in einem mit Wasserstoff betriebenen Auto. Von Oslo über Hamburg , Köln , Karlsruhe , Freiburg und Grenoble nach Monte Carlo. Mit der 2.160 Kilometer langen Fahrt stellte Zero innerhalb von fünf Tagen den Weltrekord für die weiteste Strecke auf, die je mit Brennstoffzellen-Autos zurückgelegt wurde. Ohne Unterstützung durch begleitende Tanklastwagen wohlgemerkt, die auf ähnlichen Langstreckenfahrten bislang als Nachschub-Joker dienten.

Anzeige

Durch die Alltagsnähe sind auch die Erkenntnisse dieser Rekordfahrt einzigartig. Zunächst: Der Antrieb per Wasserstoff-Brennstoffzelle, vom Tank bis zum Rad emissionslos, kann große Distanzen zuverlässig überwinden. Was bereits die Mercedes B-Klasse F-Cell demonstrierte, bestätigten nun zwei Vorserienfahrzeuge des Hyundai ix35 Fuel Cell Electric Vehicle (FCEV). Mit ihnen wurde erstmals eine Reichweite von über 500 Kilometern möglich, dabei darf man allerdings nie schneller als Tempo 80 fahren. Ansonsten lässt sich das Kompakt-SUV mit seinen 110 kW (136 PS) wie ein zeitgemäßes E-Mobil bewegen: mit Ein-Gang-Automatik, hohem Drehmoment und Rekuperation, also Energierückgewinnung, beim Bremsen.

Vertrauter Ablauf an der Zapfsäule

Gleichzeitig stellte die Tour die Infrastruktur auf die Probe: Trotz nur 15 öffentlicher Tankstellen in Deutschland mussten die Umweltschützer kaum Umwege fahren. 100 weitere Tankstellen könnten bald in Großstädten und entlang wichtiger Autobahnen eine erste Autoflotte versorgen. Die nötige Investition von rund 300 Millionen Euro ist vergleichsweise überschaubar.

"Vor dem Start habe ich unsere Erfolgschance auf 60 Prozent geschätzt", sagt Bjørnar Kruse. "Doch obwohl das Tanken in Hamburg reibungslos verlief, mussten wir am zweiten Tag fast aufgeben." Der Grund: In Frankfurt funktionierte die Wasserstoff-Station nicht, was einen Umweg über Köln erforderte. Zu diesen Geburtswehen einer jungen Technologie passt, dass sich die Voraussetzung für den Rekordversuch just in diesem März ergab: In Freiburg eröffnete das Fraunhofer-Institut eine mit Solarenergie betriebene Wasserstoff-Station. Und schloss so auf der Route Deutschland-Mittelmeer die rund 600 Kilometer lange Lücke zwischen Karlsruhe und dem französischen Grenoble.

5,6 Kilogramm Wasserstoff, der Tankinhalt des Hyundai ix35 FCEV, kosten um die 50 Euro. Bei den Betreibern der Stationen – den Energiekonzernen Total, EnBW , Vattenfall und Air Liquide – entstehen solch große Mengen des Gases als industrieller Abfall, dass eine mittelgroße Fahrzeugflotte bundesweit betrieben werden könnte. An der Tankstelle schließlich scheint der Ablauf vertraut: Zuerst muss der Stutzen mit einem Gegenstück hinter der Tankklappe des Autos verbunden werden. Dann zischt es kräftig, und das Wasserstoffgas drückt den Zapfschlauch in Form. Ein blassgrünes Display zeigt den Druck im Tank an. Er steigt von null auf 700 bar – im Idealfall innerhalb drei Minuten.

Leserkommentare
    • otto_B
    • 27. April 2012 8:09 Uhr
    17. Danke.

    Aus der ganzen Debatte kann man Schlüsse ziehen.
    Die Energie aus dem Bohrloch hat uns eine Wirtschafts- und Gesellschaftsstruktur ermöglicht, die ja ganz nett ist.
    Auch mit 1,70 für den Liter Sprit wackelt die noch nicht.
    Tagespendler mit 100 km pro Tour mögen zwar stönen -
    aber funktionieren tut das noch immer.

    Egal welchen Bereich des Mobilitäts-Konsumes man nimmt -
    mit dem Auto und der Tanke ist ja alles ganz nett und bequem - und das gleiche Auto (welches ich mir gekauft habe) taugt zum Wochenendeinkauf im Supermarkt, wie auch zum Familienurlaum in der Toskana.
    Egal wofür - es kommt dabei etliches an Deld zusammen, was wir an der Tanke lassen, und was am Jahresende auf dem Kilometerzähler steht.

    Im Verhältnis zu dem, was uns nach dem Öl blüht, sind offensichtlich 1,70 immer noch lausebillig.
    Die "Umweltschützer" werden ihre ganzen Super-Techniken für die schöne neue Öko-Welt ja nicht für umsonst (oder besser: zu bekannten Benzin-Tarifen?) an den Mann/die Frau bringen.

    Und Skepsis an der Beschaffbarkeit der Primärenergie jenseits von Öl/Gas/Kohle/Atom war hier ja auch geäußert worden.

    Darf man sagen, daß wir ärmer sein werden?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Darf man sagen, daß wir ärmer sein werden?
    "Das Wort Reichtum bezieht sich auf die Verfügbarkeit von materiellen oder immateriellen Gütern, welche das Leben bereichern." (http://de.wikipedia.org/w...)

    Falls "wir" die Vergeudung von Energie und anderer Ressourcen als einzige Bereicherung unseres Lebens empfinden, dann darf "man" das sagen.
    Interessanterweise empfinden aber in anderen Gegenden der Welt materiell viel ärmere Menschen sich trotzdem als viel glücklicher, als die premiumwägelchenrasenden und jährlich 81kg Nahrungsmittel pro Nase auf den Müll werfenden Deutschen.

    Außerdem läßt sich bei unseren sozial verwahrlosten Geldeliten sehr gut beobachten, wie materieller Reichtum zu geistiger Armut führt.

    Die persönliche Antwort auf Ihre Frage hängt also sehr stark davon ab, wie "man" Armut und Reichtum definiert.

    • Time24
    • 27. April 2012 8:41 Uhr

    Mangels Alternativen fahren die meisten Deutschen nach wie vor Benzin und Diesel. Hybrid ist zwar nett gemeint, aber für Langsteckenfahrer ist der Diesel wirtschaftlicher und für Kurzstreckenfaher lohnt der ganze Aufwand nicht.

    Halt. Gibts da nicht noch Gas. Autogas und Erdgas sind zudem noch steuerlich stark reduziert. Gas ist zwar nicht CO2 neutral, aber immerhin besser als Bezin und Diesel. Außerdem kommt es in noch rießigen Mengen vor. Später kann das Erdgas durch EE-Gas ergänzt bzw. ersetzt werden.

    Mich wundert, dass die Autohersteller und die Mineralölfirmen das Ganze nicht puschen. Der Vorteil für beide besteht doch darin, dass die bestehende Technik und Infrastruktur im ähnlichen Maße weitergenutzt werden kann.

    Wenn das E-Auto sich durchsetzt, können die Tankstellen schließen. Daran kann den Mineralölfirmen doch nicht gelegen sein. Auch der Staat sollte Interesse daran haben, die Infrastruktur aufrecht zu erhalten. Immerhin sind die Tankstellen bewährte Steuereintreiber.
    Aber wer zieht bei denen die Steuer ein, die eine ehemals subventionierte Solaranlage auf dem Eigenheim haben, und nun steuerfrei ihr Auto betanken?

    Mit EE-Gas ist auch Wasserstoff möglich. Somit wäre Gas keine Sackgasse.

    • Jove
    • 27. April 2012 9:19 Uhr

    Lesen Sie sich mal die Wikipediaartikel zum Thema Wasserstoffverbrennungsmotor bzw. Brennstoffzelle durch.

    Der H2-Verbrenner hat die großen Nachteile, dass zum einen der Motor durch H2 angegriffen wird und zum anderen flüssiger Wasserstoff verwendet werden muss, so dass etwa bei dem von Ihnen angeführten 7er BMW ein halbvoller Tank nach 9 Tagen Standzeit verdampft ist. Bei einer Brennstoffzelle wird H2 hingegen unter geringerem Druck gespeichert, so dass die Diffussion nicht so stark ins Gewicht fällt.

    Zum Thema Explosionsfähigkeit: Wasserstoff explodiert nur in einem kritischen Gemisch mit Sauerstoff (dem sogenannten Knallgas). Wenn dieses Gemisch nicht vorhanden ist, so verbrennt H2 einfach. Zudem ist H2 deutlich leicher als die Umgebungsluft und der Tank steht unter Druck, so dass etwa bei einer Beschädigung des Tankes sich der Inhalt so schnell in die Umgebung abgegeben wird, dass es insgesamt sogar sicherer ist als Benzin, welches langsam ausläuft und irgendwann zu brennen beginnen kann.

    Sie wiedersprechen Sich im übrigen: Zuerst preisen Sie den Wasserstoffverbrenner, um dann zu bemängeln, dass H2 quasi nicht hergestellt werden kann und sowieso viel zu gefährlich ist.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wir bitten von der Austragung von Privatfehden abzusehen, und zu einer themenbezogenen Diskussion zurück zu kehren. Danke, die Redaktion/kvk

  1. 20. Danke

    Wir bitten von der Austragung von Privatfehden abzusehen, und zu einer themenbezogenen Diskussion zurück zu kehren. Danke, die Redaktion/kvk

  2. Alle Hybrid Autos, und die voll Elektrischen Autos haben eine miserable Gesamt Energie Bilanz.

    Können Sie diese Tatsachenbehauptung denn belegen?
    Wenn nicht, dann wäre sie eine Lüge, und Sie somit ganz offiziell und moderationskonform als Lügner zu bezeichnen.

  3. Welche Technik ist denn nun die am besten funktionierende, und die wirtschaftlichste?
    Der batterieelektrische Antrieb.

    Im Gegensatz zu den anderen Hype-Technologien gibt es bereits seit fast 20 Jahren alltagstaugliche Fahrzeuge, die Akkus werden laufend besser und billiger, und wie alle bisherigen Studien und Feldversuche gezeigt haben sind die Anwender im Alltag von den noch geringeren Reichweiten kaum eingeschränkt.

    Die Energiebilanz ist selbst mit dem aktuellen Strommix besser als die vergleichbarer Verbrenner, und besser als die der GeldverBrennstoffzellen-Kisten sowieso.
    Das gilt sogar bei Berücksichtigung der Akku-Produktion.
    (http://www.empa.ch/plugin...)

    Schnellladung in 15-25 Minuten für 100-150km ist heute Standard (CHaDEMO) und macht damit E-Autos mit entsprechendem Ladeanschluß bereits jetzt eingeschränkt langstreckentauglich.
    Mit Li-Nanotitanat-Akkus wurde eine mehrfache Schnellladung eines 35kWh-Akkus in nur 10 Minuten bereits 2007 demonstriert.

    Als Ergänzung für Fahrzeuge die jederzeit einsatzbereit sein müssen, oder LKWs, sehe ich Biotreibstoffe oder mit EE-Strom erzeugtes Methangas, wobei hier der Wirkungsgrad der Produktion noch verbessert werden muß.

    Auch auf fossile Brennstoffe werden wir zukünftig nicht völlig verzichten können.

    Noch Fragen?

    Antwort auf "S.O.S."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • tobmat
    • 27. April 2012 15:55 Uhr

    "Welche Technik ist denn nun die am besten funktionierende, und die wirtschaftlichste?
    Der batterieelektrische Antrieb."

    Kurze prägnante Antwort. Nur der Rest der dann kam bezog den wirtschaftlichen Faktor überhaupt nicht mit ein. Obwohl nach dem ja explizit gefragt wurde.
    Es wird hier immer nur auf Wirkungsgrade und zukünfig fallende Kosten eingegangen. Dabei ist der Wirkungsgrad zweitranging und der Kosten-Nutzen-Faktor wesentlich entscheidender für den Erfolg am Markt.

  4. ... fuhr im November 2011 ein Elektroauto von Flensburg nach München:
    http://www.pressebox.de/p...

    Interessanterweise war das der ZEIT keine Meldung wert, oder habe ich da was versäumt?
    Zu erwähnen dass eine mittelständische deutsche Mini-Firma wie BEA-tricks im Gegensatz zu Hyundai sicher keine Journalistenrabatte u.ä. verteilen kann, ist natürlich eine total bösartige Unterstellung...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Den Wagen, der ohne Nachladen von Flensburg nach München fuhr, hatte BEA-tricks "mit zusätzlichen Akkus" ausgerüstet. Wenn man genügend schwere Batterien in ein Fahrzeug einbaut, schafft es auch 4.000 Kilometer mit einer Ladung...

  5. Redaktion

    Vielen Dank für Ihren Hinweis. Wir haben den Fehler korrigiert.

    Viele Grüße
    Matthias Breitinger

    Antwort auf "was ist das Tolle??"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Ford | Hyundai | EnBW | Alternative Antriebe | Norwegen | Freiburg
Service