Automesse PekingDie SUVs erobern China

Peking erstickt im Verkehr – und doch ist die Begeisterung für große Autos ungebrochen. Die Pekinger Automesse zeigt: Vor allem SUVs sind im Kommen. von Susanne Kilimann

SUV des chinesischen Herstellers Hawtai auf der Pekinger Automesse 2012

SUV des chinesischen Herstellers Hawtai auf der Pekinger Automesse 2012  |  © press-inform

"There are nine million bicycles in Beijing ": Mit dieser Zeile stürmte Popsängerin Katie Melua vor ein paar Jahren die internationalen Hitparaden. Im Jahr 2012 scheinen die Zeiten, in denen neun Millionen Fahrräder das Stadtbild von "Beijing", also Peking , prägten, vorbei. Inzwischen wälzen sich Tag für Tag kilometerlange Blechlawinen durch Pekings Straßen. Auf fünf Millionen ist die Zahl der registrierten Autos in Chinas Hauptstadt gestiegen, die Einwohnerzahl auf 22 Millionen.

Auto- und Industrieabgase hängen wie eine Dunstglocke über der Stadt. Die Tage, an denen man hier Sonne und blauen Himmel sieht, sind selten geworden. Die Lust auf große Autos schmälert das bisher allerdings nicht. 12,7 Millionen Fahrzeuge haben einheimische und internationale Hersteller im vergangenen Jahr an die chinesische Kundschaft gebracht. Satte Zuwachsraten verzeichneten die Autohändler vor allem bei Luxusautos, und im ersten Quartal dieses Jahres sah es nicht anders aus.

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Auch SUVs sind unaufhaltsam auf dem Vormarsch. Nach Angaben der Zeitung China Daily entschieden sich im vorigen Jahr rund 1,6 Millionen chinesische Kunden für einen der Geländewagen. In China sind sie durch und durch "politisch korrekt" – je teurer und prestigeträchtiger, desto besser. Nirgendwo sonst auf der Welt findet Porsche so viele Abnehmer für den Cayenne, der Volkswagen Tiguan rangiert auf Platz acht der chinesischen Automobil-Topseller-Liste.

Erstmals SUVs von heimischen Herstellern

Auch die bis kommenden Mittwoch laufende Automesse in Peking steht ganz im Zeichen der SUVs. Sowohl die chinesischen Autobauer als auch die internationalen Hersteller präsentieren PS-starke Modelle. So feiert Mercedes in Peking Weltpremiere der neuen G-Klasse-Modelle. Audi hat zwei Varianten des Kompakt-SUVs Q3 auf dem Messestand, den tiefer gelegten und verbreiterten RS Q3 Concept mit 360 PS und den Q3 jinlong yufeng. Der chinesische Zusatz bedeutet "goldener Drache im Wind" und nimmt damit Bezug auf das aktuelle Jahr des Drachen sowie auf den Kitesurf-Sport, für den das Modell speziell designt wurde. Es ist ein Showcar, der RS Q3 Concept eine Studie. Fest steht aber, dass Audi noch 2012 ein kompaktes SUV-Modell in China auf den Markt bringt.

Citroën hat sein SUV-Modell C4 Aircross, das kürzlich in Genf Weltpremiere feierte, mitgebracht. Ford Kuga, Mazda CX5 und Buick Encore bereichern das Angebotsspektrum bei den Luxus-SUVs weiter. Auch chinesische Hersteller wie Geely, Chery und Changan wollen sich ihre Marktanteile des Offroader-Geschäfts sichern und stellen auf der Pekinger Messe erstmals eigene SUVs vor. Manches Modell kommt dreist als Plagiat daher: Designer von Hawtai haben offensichtlich fleißig bei Porsche abgekupfert, Brilliance hat sich bei BMW mehr als nur inspirieren lassen.

Nach Kleinwagen dagegen muss man länger suchen an den Ständen der Pekinger Automesse. Die Chinesen tun sich schwer mit diesem Ausdruck automobiler Bescheidenheit. Die Autokäufer wollen vor allem ihren Status durch möglichst üppige Abmessungen im Verbund mit möglichst vielen PS zum Ausdruck bringen. Hinzu kommt, dass China im Vergleich zu westlichen Gesellschaften eine relativ dünne Mittelschicht hat, dafür aber einen überproportionalen Anteil an Spitzenverdienern, die sich schmerzfrei im Luxussegment bedienen können.

Kleinwagen-Förderung abgeschafft

Bislang hatte die chinesische Regierung den Absatz von Kleinwagen mit Zuschüssen angekurbelt – zum Jahresbeginn wurden die Fördermittel gestrichen. Die Absatzzahlen in den Segmenten unterhalb der Kompaktwagenklasse gehen seither weiter zurück, obwohl der Automarkt wächst. Nach Angaben von China Daily haben die Autohändler in der Volksrepublik im ersten Quartal 29 Prozent weniger Kleinwagen verkauft als im Vergleichszeitraum 2011.

In den nächsten fünf Jahren wird sich die Zahl der Neuzulassungen in China voraussichtlich verdoppeln. Wie die Metropolen die wachsenden Verkehrsprobleme in den Griff bekommen wollen, bleibt die große Frage. Die Pekinger Stadtverwaltung versucht, die ausufernden Verkehrsströme mit Fahreinschränkungen einzudämmen. Entsprechend der Nummernschild-Endziffer muss jedes Auto an einem Tag der Woche stehen bleiben. Zudem müssen Zugezogene fünf Jahre in Peking arbeiten und Steuern zahlen, bevor sie eine Lizenz zum Autokauf beantragen können.

Manch einer, der Verwandte in einer anderen Stadt hat, melde das Fahrzeug an deren Wohnsitz an, berichtet Gloria, Stadtführerin in Peking und selbst erst vor ein paar Jahren aus der Provinz in die Metropole gezogen. Mit diesem kleinen Kunstgriff können auch nichtgebürtige Hauptstädter die verordnete Wartezeit umgehen.

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Leserkommentare
  1. Es ist ja alles ganz und gar wunderbar!
    Deutsche und andere Autohersteller machen in China Milliardenumsätze, China boomt.
    Meint man hierzulande eigentlich, daß chinesische Autos Sojasauce tanken?
    Wie werden sich denn wohl die hiesigen Spritpreise entwickeln, wenn immer mehr chinesische Autofahrer den Spritdurst ihrer Vehikel stillen und die Ölressourcen dementsprechend schneller verknappen?
    Die Weitsicht der Autohersteller und -käufer reicht ca 5 cm weit! Aber Umsatz, "Leistung" und Luxus sind ja längst zu Fetischen geworden.
    Ach ja, ich fahre auch Auto und tue dies gerne und intensiv.
    ... mit einem Toyota Prius...

    Grüße

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...verantwortungsbewußte Autofahrer gibt. Wieviel Erdöl wird eigentlich zur Produktion Ihres Prius verbraucht?

  2. die Glühlampen ab, verkleben Dämmmüll ohne Ende und freuen uns gleichzeitig über die Zulassungszahlen incl. SUV-Erfolge auch deutscher Autobauer in China.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • bugme
    • 28. April 2012 19:11 Uhr

    Letzten Endes entscheidet der Kunde, ob SUVs oder Ökoautos verkauft werden.
    Monatelang wurde hier über die unmöglichen Amerikaner geschimpft, bis wir feststellten, dass A) die Europäer die schlimmsten SUVs herstellen und B) die Deutschen plötzlich auch gern SUVs kaufen.
    Von mir vermutete Käufergruppen:
    1. Alte Leute, die gern eine hohe Sitzposition haben, damit sie bequem ein- und aussteigen können, ohne ein Auto mit "alte-Leute" image kaufen zu müssen.
    2. Frauen, die sich in einem SUV beschützter und mächtiger fühlen.

    Tja, jetzt werden wohl bald die Chinesen mehr SUVs als wir bauen und mehr dieser Dreckschleudern fahren.

    Wollen Sie sich lieber über Zulassungszahlen der Koreaner
    und Japaner in China freuen ???????
    Argumentieren Sie bitte logisch und global !

  3. hatte ich den Glauben in mir, dass die Menschheit durchaus noch rechtzeitig einen Weg finden wird, wie sie nachhaltig auf dieser Erde bestehen kann.
    Je mehr man jedoch Einblicke in die Gesamtheit bekommt, Fakten betrachtet und sich noch ein wenig mit expotentiellen Gleichungen auseinandersetzt, desto mehr zerplatzt dieser Glaube. Der Fall mit Chinas Automarkt ist wieder einmal ein Paradebeispiel dafür.
    Wir werden vermutlich bis Mitte des Jahrhunderts noch eine ganz erträgliche Umwelt um uns haben, wenn wir weiter machen wie bisher (und es deutet nichts daraufhin, dass in absehbarer Zeit ein Wandel passieren wird). Danach bin ich tot, also werde ich ein recht sorgenfreies Leben diesbezüglich haben - aber unsere (Kindes)kinder...

    • RGFG
    • 28. April 2012 17:31 Uhr

    dass die chinesische Gesellschaft knallhart auf Status getrimmt ist und westliches Moralisieren schon mal ein dankbareres Publikum gefunden hat.

    In der Zwischenzeit kann man sich u.a. auch hier darüber wundern, warum die Hersteller weiterhin so 'unzeitgemäße' Fahrzeuge im Programm haben. Psst - kleiner Tipp: Der europäische Markt wird zusehends weniger wichtig. Geld wird in China und den USA verdient.

    • bugme
    • 28. April 2012 19:11 Uhr

    Letzten Endes entscheidet der Kunde, ob SUVs oder Ökoautos verkauft werden.
    Monatelang wurde hier über die unmöglichen Amerikaner geschimpft, bis wir feststellten, dass A) die Europäer die schlimmsten SUVs herstellen und B) die Deutschen plötzlich auch gern SUVs kaufen.
    Von mir vermutete Käufergruppen:
    1. Alte Leute, die gern eine hohe Sitzposition haben, damit sie bequem ein- und aussteigen können, ohne ein Auto mit "alte-Leute" image kaufen zu müssen.
    2. Frauen, die sich in einem SUV beschützter und mächtiger fühlen.

    Tja, jetzt werden wohl bald die Chinesen mehr SUVs als wir bauen und mehr dieser Dreckschleudern fahren.

    Antwort auf "Wir schaffen"
  4. Wollen Sie sich lieber über Zulassungszahlen der Koreaner
    und Japaner in China freuen ???????
    Argumentieren Sie bitte logisch und global !

    Antwort auf "Wir schaffen"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entfernt. Bitte äußern Sie sich sachlich und respektvoll. Danke, die Redaktion/au.

  5. 7. [...]

    Entfernt. Bitte äußern Sie sich sachlich und respektvoll. Danke, die Redaktion/au.

    Antwort auf "Japaner"
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    und mehr Respekt hat die Aufforderung
    "Argumentieren Sie bitte logisch und global !"
    nicht verdient.

    [...] Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/kvk

  6. ...verantwortungsbewußte Autofahrer gibt. Wieviel Erdöl wird eigentlich zur Produktion Ihres Prius verbraucht?

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Audi | BMW | Volkswagen | China | Autohändler | Automesse
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