Ferrari World: Einmal rasen wie Alonso
Ferrari-Fans erwartet in Abu Dhabi ein Freizeitpark rund um die roten Flitzer, mit Achterbahn und Formel-1-Simulation. Ulf Lippitz wollte wissen, wie man "Ferrari fühlt".
© Ahmed Jadallah/Reuters

Besucher der Ferrari World in einer Achterbahn
Das sieht gar nicht gut aus. Kurz nach dem Start des Formel-1-Rennens knallt das Auto von Rubens Barrichello in den Wagen von Michael Schumacher, Fernando Alonso durchbricht gleich nach der ersten Kurve die Leitplanken – und Alain Prousts Ferrari dreht sich wie ein Brummkreisel auf der Fahrbahn. Es ist zum Haareraufen! Jeder Pilot manövriert sein Auto über den Parcours, als hätte er ein Kampftrinken mit irischen Bauarbeitern hinter sich.
Ernsthaft verletzt sich auf dieser Schlingerpartie zum Glück niemand. Wir befinden uns in der Rennsimulation der Ferrari World, in der Wüste von Abu Dhabi. Autobegeisterte sitzen in Ferrari-Cockpits nebeneinander, fahren per Computerbildschirm gegeneinander Rennen, wählen sich dafür ein berühmtes Vorbild aus – und scheitern nach dem Startschuss grandios daran. Wenn die vermeintlichen Pistencowboys zurechtgestutzt werden, ist der Unterhaltungsfaktor für Voyeure groß.
Das muss er auch sein, angesichts eines stolzen Eintrittspreises von 225 Dirham, also fast 47 Euro. Aber schließlich geht es hier um Ferrari, nicht um eine schnöde Alltagsautomarke. Seit November 2010 hat der weltweit erste Themenpark für ein Sportauto geöffnet, damals hielt der Staatsfond von Abu Dhabi, Mubadala, noch fünf Prozent am Autobauer aus Maranello. Mittlerweile hat Fiat den Anteil zurückgekauft. Die Begeisterung für die schnellen Flitzer ist aber nicht abgekühlt. Protzige Autos sind nach wie vor Statussymbole im vermögenden Emirat am Persischen Golf, dank des noch sprudelnden Öls ist Benzin kein Problem.
3.185 Quadratmeter Wappen
Der riesige überdachte Themenpark liegt 45 Minuten von Abu Dhabis Zentrum entfernt auf der Insel Yas, der sogenannten Sportinsel, wo seit 2007 eine Formel-1-Rennstrecke, eine Marina, diverse Hotels und eine Mehrzweckhalle entstanden sind. Die Fahrt auf das neue Gelände nehmen überwiegend Männer auf sich. Die sind allerdings aus allen Kulturen. Da marschieren Hindus mit Turban durch die acht Hektar große Halle, Emiratis im weißen Kandura-Gewand ziehen ihre Söhne an den glänzenden Autos vorbei, Zentralasiaten mit bestickten Käppis zücken ihre Kameras, und Europäer mit knielangen Khaki-Shorts sitzen in den Simulationskabinen.
Reicht dieser Männerbund zum kommerziellen Überleben? Erst im Dezember entließ der Park 100 Mitarbeiter, die Besucherzahlen entsprachen nicht den Erwartungen. Dabei haben die Erbauer vom britischen Architekturbüro Benoy geklotzt. Bereits beim Anflug auf Abu Dhabi erblicken Touristen die Halle. Wie ein aus den Fugen geratener roter Seestern klebt die Ferrari World auf dem Wüstensand, das Logo auf dem Dach ist deutlich zu erkennen, 65 mal 49 Meter groß ist das Wappen mit dem schwarzen Pferd.
Trotz des Schauwerts: Gedränge herrscht an diesem Sonntagnachmittag kaum. Der erste Eindruck nach der Kasse: Die Welt, wie Ferrari sie sieht, ist rot wie das Logo – und sie ist laut. Getragener Synthie-Brei weht durch die Autowelt, eine Mischung aus sowjetischer Nationalhymne und Actionfilmmusik. Der Besucher soll in Ehrfurcht versinken, wenn er hinter dem Eingang das Siegerauto von Michael Schumacher erblickt, einen kirschroten F2003-GA-Einsitzer. 20 Attraktionen verspricht der Park, angeordnet in einem Kreisparcours. Einige davon sind wie Museumssäle konzipiert – in ihnen stehen beispielsweise die ersten Autos, die Gründer Enzo Ferrari 1949 erbaut hat, von der Decke hängen riesige Konterfeis der bekanntesten Piloten.
© Reuters/Ferrari World Abu Dhabi

Luftaufnahme der Ferrari World in Abu Dhabi
"Wir wollen, dass Sie Ferrari fühlen", sagt einer der Angestellten, ein Inder, der wie alle seiner Kollegen die rote Dienstuniform trägt und die Gäste an den einzelnen Stationen abfängt. Und wie fühlt man das? Indem man eine der Attraktionen anläuft, die der Übersichtsplan unter Thrill listet – also unter Nervenkitzel. Der 62 Meter hohe Fahrstuhl in der Mitte der Halle wird gerade gewartet. Der fällt schon mal aus. Mit dem Ding können sich Mutige in die Tiefe fallen lassen, und zwar mit der Geschwindigkeit eines Rennautos.
Links an der Ruhmeshalle der Formel-1-Fahrer vorbei drängen sich Schaulustige um die Achterbahn Formula Rossa. Im Moment müssen sie 20 Minuten warten. Wer unter 1,30 Meter und über 1,95 Meter groß ist, darf aus Sicherheitsgründen nicht auf die Plastiksitze. Der Rest setzt sich Plexiglasbrillen mit Gummizug auf, schnallt sich fest an, die arabische Mutter bläst noch einmal die Backen auf, dann beschleunigt die Bahn schon, auf 240 Kilometer pro Stunde in fünf Sekunden – und alles wird zu einem großen Schrei der Begeisterung oder des Entsetzens, je nachdem. Neunzig Sekunden dauert die Fahrt inklusive Loopings. Danach zittern die Knie und wackelt das Hirn.
Schawarma in der Rosticceria
Um die Ecke, also fünf Minuten Fußweg entfernt, gibt es eine familienfreundlichere Version des Formel-1-Gefühls. In einem 3-D-Kino erleben Besucher, wie es ist, mit Fernando Alonso im Wagen zu sitzen. Driving With the Champions nennt sich das Filmerlebnis. Die Besucher sitzen angeschnallt auf Hydrauliksesseln, die sich passend zum Leinwandgeschehen je nach Streckenabschnitt nach vorne, hinten und zur Seite neigen. Aus kleinen Düsen spritzt Wasser, um Pfützendurchfahrten zu simulieren. Die Erkenntnis: Formel-1-Fahrer fühlen sich wohl, wenn es wie in einem Flug durch ein Gewitter rumpelt.
Und dann gibt es die Speed of Magic-Halle. Die als familienfreundlich gelistete Station verspricht, den Rausch der Geschwindigkeit in einer Art erlebtem Computerspiel nachzuempfinden. Dafür schnallen sich Eltern und Kinder auf einem Wagen wie in der Geisterbahn an, auf geht der Vorhang – und über vier oder fünf Kinoräume dreht er sich um 360 Grad, dabei laufen 3-D-Filmchen ab, die Unterwasserwelten, Loopings oder Weltallflüge simulieren. Merke: Auf den Prosecco davor das nächste Mal verzichten.
Irgendwann wird der Besucher ein wenig attraktionsblind. Die Rennstrecke für die Kleinen mit Mini-Ferraris? Geschenkt. Die Zuckelfahrt durch ein Pappmaché-Italien? Lieber im Original machen. Die Rosticceria Modena mit der Spezialität Chicken Schawarma? Passe.
Nach zwei Stunden Knattern, Quietschen und Kreischen endet der Schaulauf im Ferrari-Shop, übrigens der einzige Platz im gesamten Areal, an dem Besucher nicht fotografieren dürfen. So schlimm sind die T-Shirts gar nicht. Nur eines gibt es auf Nachfrage hier wirklich nicht zu kaufen: einen echten Ferrari.









Das wär doch auch was für Berlin. Hier könnten alle die jungen Männer, die auf dem Stadtring ihre aufgemotzten PS-Schleudern ausfahren wollen, ihr Testosteron abbauen. Allerdings: Wie könnte man sicherstellen, dass die virtuelle Raserei nicht im Gegenteil bei den rollenden Auspuffanlagen noch mehr Aggressionspotential für reale Straßen aufbaut?
Immer wieder faszinierenden zu hören für welchen groben Unfug die Ölprinzen ihr Geld verfeuern. Beinah so als gäbe man einem Zehnjährigen eine Kreditkarte mit ein paar Milliarden Dollar drauf. An diesem großzügig angelegten Schildbürgertum sollte man sich in Deutschland, das auf geschätzten zehn Billionen Euro Privatvermögen herumsitzt, ein Beispiel nehmen. Nur keine Scheu: Die dabei entstehenden bizarren Investmentruinen haben durchaus das Potentional, Kultstätten der Zukunft zu werden.
Ein saulangweiliger Artikel, wohl auch über eine saulangweilige Attraktion. Schade ums Geld. Und um meine Zeit!
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