Harley-DavidsonDamit Mensch und Maschine eine Einheit bilden

Harley-Fahrer sind Individualisten: Ein Alptraum wäre es, wenn es das eigene Motorrad ein zweites Mal gäbe. Darum wird viel Geld in Umbauten gesteckt.

Harley-Fahrer Stefan Ludwig auf seinem Motorrad

Harley-Fahrer Stefan Ludwig auf seinem Motorrad

Am Haarschnitt, den langen, breiten Koteletten und seiner Kleidung ist Stefan Ludwig eindeutig als Rockabilly-Anhänger zu erkennen. Diese Stilart entstand Mitte der 1950er Jahre in den USA, sie wurde geprägt von Musikern wie Bill Haley und dem jungen Elvis Presley. Ein Cadillac oder eine Corvette wären Fahrzeuge, die zu Ludwigs Outfit passen würden.

Doch der 23-Jährige steht weniger auf amerikanische Schlitten. Er ist Biker und als solcher kommt für ihn nur eine Harley-Davidson in Frage. "Im Winter habe ich sie zum ersten Mal stehen sehen und wusste: Aus der Maschine lässt sich etwas machen", sagt Ludwig. Er meint eine FXS Blackline in den Farben Schwarz/Orange, mit 1.585 Kubikzentimetern Hubraum und 76 PS. Das Motorrad soll optisch an die Starrahmen-Zeit der 1950er Jahre erinnern. Dennoch muss sein Fahrer auf zeitgemäßen Komfort nicht verzichten, die beiden Federelemente sind unter dem Motor versteckt.

Anzeige

Das Bike stand im Geschäft von Thomas Druschl im schwäbischen Giengen an der Brenz, wo auch Ludwig wohnt. Druschl verkauft ausschließlich Motorräder der Marke Harley-Davidson und baut sie nach den Vorstellungen der Kunden um. Mit seinen 23 Jahren ist Ludwig zwar nur halb so alt wie Harley-Käufer durchschnittlich. Ganz typisch sei aber, "dass er sein neues Bike gleich hat umbauen lassen", sagt der Motorradhändler.

10.000 Teile im Zubehörkatalog

Druschl schätzt die Investitionen in Zubehör beim Kauf einer Harley auf 3.000 bis 5.000 Euro. Ludwig lag an der oberen Grenze, denn bei ihm kamen neben Standardumbauten wie Auspuff und Lenker andere Kupplungs- und Zünddeckel, vorverlegte Trittbretter und ein Rücklicht im Fünfziger-Jahre-Look hinzu. Mensch und Motorrad bilden nun optisch eine Einheit.

Harley-Fahrer sind Individualisten und mit großer Wahrscheinlichkeit ist Ludwigs Maschine ein Unikat. Bernhard Gneithing, Marketing-Direktor bei der deutschen Tochter des US-Motorradherstellers, geht davon aus, dass auf der ganzen Welt keine zwei exakt identischen Harleys zu finden sind. "Jede neue Harley ist wie eine grundierte Leinwand, auf der sich sein Besitzer austoben kann und soll", sagt Gneithing. Daher werde jedem Käufer der Original-Zubehörkatalog mitüberreicht.

Darin sind auf mehr als 800 Seiten rund 10.000 Teile zu finden, von der farbigen Sitzbankhalteschraube bis zum kompletten Motor. Von den 4,6 Milliarden US-Dollar, die Harley-Davidson im vergangenen Jahr umsetzte, entfielen rund 800 Millionen Dollar auf Teile und Zubehör. Wie hoch der Umsatz im Zubehörhandel bei Dritten ist, kann auch der Industrie-Verband Motorrad Deutschland nicht sagen. Aber immerhin ist jedes zehnte Motorrad auf Deutschlands Straßen eine Harley, 2011 wurden knapp 9.000 Exemplare in Deutschland zugelassen. Damit liegt das Unternehmen auf Platz vier der Neuzulassungen von Motorrädern hierzulande.

"Wer sich für eine Harley-Davidson entscheidet, erwirbt ein Lebensgefühl – das Motorrad gibt es kostenlos dazu", sagte Willie G. Davidson vor einiger Zeit. Er ist Enkel des Co-Firmengründers und war bis vor kurzem Chefdesigner des Unternehmens. "Diese Aussage hat durchaus ihre Richtigkeit, denn mit einer Harley-Davidson erwirbt der Kunde ein Stück Persönlichkeitserweiterung", sagt Heinz Grüne, Psychologe und Geschäftsführer beim Marktforschungsunternehmen Rheingold in Düsseldorf.

Leser-Kommentare
  1. immer noch das mit Abstand kultigste Bike aller Zeiten. Etwas bedauerlich ist aber, daß Harleys heute in aller Regel von gut bis sehr gut verdienenden, naja, ich nenn´ sie mal so, Normalbürgern gefahren werden. Wer sich überzeugen möchte, daß das ´mal anders war, dem sei das Buch "Hell´s Angel - Mein Leben" von Ralph "Sonny" Barger empfohlen. Da werden die guten alten Zeiten noch ´mal lebendig!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "The Electric Kool-Aid Acid Test" von Tom Wolfe, in dem die Angels und ihre Bikes eine nicht unwichtige Nebenrolle spielen.

    Und ich finde es bedenklich, wenn zwischen "guten" und "schlechten" Harley-Fahrern unterschieden wird. Als wenn es einen Alleinigkeitsanspruch gäbe, wer Harley fahren darf und wer nicht.

    Der Erfolg einer Marke führt eben überall dazu, dass am Ende alle diese Marke haben wollen. Und dass immer mehr "Normalbürger" mittleren Alters Harley fahren, liegt wohl auch daran, dass eine Harley eben ziemlich teuer ist. Und Gott sei Dank gibt es noch Menschen, die andere Prioriäten im Leben haben (z.B. Kinder groß ziehen), als ihr gesamtes Vermögen in ein Stück Blech zu stecken, während die Kinder trocken Brot bekommen.

    "The Electric Kool-Aid Acid Test" von Tom Wolfe, in dem die Angels und ihre Bikes eine nicht unwichtige Nebenrolle spielen.

    Und ich finde es bedenklich, wenn zwischen "guten" und "schlechten" Harley-Fahrern unterschieden wird. Als wenn es einen Alleinigkeitsanspruch gäbe, wer Harley fahren darf und wer nicht.

    Der Erfolg einer Marke führt eben überall dazu, dass am Ende alle diese Marke haben wollen. Und dass immer mehr "Normalbürger" mittleren Alters Harley fahren, liegt wohl auch daran, dass eine Harley eben ziemlich teuer ist. Und Gott sei Dank gibt es noch Menschen, die andere Prioriäten im Leben haben (z.B. Kinder groß ziehen), als ihr gesamtes Vermögen in ein Stück Blech zu stecken, während die Kinder trocken Brot bekommen.

  2. "The Electric Kool-Aid Acid Test" von Tom Wolfe, in dem die Angels und ihre Bikes eine nicht unwichtige Nebenrolle spielen.

  3. Ist eine Harley nicht genau das falsche Motorrad für Individualisten?

    13 Leser-Empfehlungen
    • kuli
    • 29.04.2012 um 18:50 Uhr

    Die meisten Harley-Fahrer gehören sichtbar zur Silberlöckchen-Fraktion, die jetzt einfach noch mal wild und gefährlich sein wollen. Die meiste Zeit wird allerdings ins Wienern und Polieren der Chromteile und ins Einkaufen der passenden Verkleidung investiert. Typisch Individualist eben.

    13 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Cruiserfahrer sind i.d.R. älter; Supersportlerfahrer jünger. Cruiserfahrer mit "Silberlöckchen Putztruppe" zu bezeichnen, ist da zumindest humorvoll. Supersportlerfahrer, dessen Maschinen vollkommen übermotorisiert sind, kommen halt vielfach nicht mehr in diesen Alter und scheiden früh mit Nerven-, Knochen- und Organschäden aus. Supersportlerfahrer, die über 150 km/h wegschmieren oder von überforderten Autofahrern (dös, träum) weggeputzt werden, überleben es halt nicht - hier ist man häufig gleich tot. Also da die "Silberlöckchen" und dort die "Tunnelblickfahrer". Wenn dagegen "Silberlöckchen" und "Tunnelblickfahrer" auf eine BMW C1 treffen, dann ist man wieder EINS in der Meinung ... auf diese Passivschutzräder (AOK-Shopper, rasendes Dixie-Klo, Rhönrad, ...). PUTZEN muss aber jeder sein Moped ... .

    Cruiserfahrer sind i.d.R. älter; Supersportlerfahrer jünger. Cruiserfahrer mit "Silberlöckchen Putztruppe" zu bezeichnen, ist da zumindest humorvoll. Supersportlerfahrer, dessen Maschinen vollkommen übermotorisiert sind, kommen halt vielfach nicht mehr in diesen Alter und scheiden früh mit Nerven-, Knochen- und Organschäden aus. Supersportlerfahrer, die über 150 km/h wegschmieren oder von überforderten Autofahrern (dös, träum) weggeputzt werden, überleben es halt nicht - hier ist man häufig gleich tot. Also da die "Silberlöckchen" und dort die "Tunnelblickfahrer". Wenn dagegen "Silberlöckchen" und "Tunnelblickfahrer" auf eine BMW C1 treffen, dann ist man wieder EINS in der Meinung ... auf diese Passivschutzräder (AOK-Shopper, rasendes Dixie-Klo, Rhönrad, ...). PUTZEN muss aber jeder sein Moped ... .

  4. Das soll wohl "Street Scrambler" heißen. Mit 350ccm war das aber keine typische Harley, sondern eine gebürtige Italienerin, nämlich die Aermacchi 350 mit liegendem Einzylinder-Viertaktmotor.
    http://www.pfeffer.ch/IMG...
    Harley-Davidson hatte die Motorradsparte von Aermacchi 1960 übernommen und sie 1978 an Cagiva verkauft. Darüber und über das spätere Hin und Her von MV-Agusta liese sich übrigens auch mal ein lustiger Artikel schreiben, in dem immer wieder der Name Castiglioni auftauchen würde.

    2 Leser-Empfehlungen
  5. Und ich finde es bedenklich, wenn zwischen "guten" und "schlechten" Harley-Fahrern unterschieden wird. Als wenn es einen Alleinigkeitsanspruch gäbe, wer Harley fahren darf und wer nicht.

    Der Erfolg einer Marke führt eben überall dazu, dass am Ende alle diese Marke haben wollen. Und dass immer mehr "Normalbürger" mittleren Alters Harley fahren, liegt wohl auch daran, dass eine Harley eben ziemlich teuer ist. Und Gott sei Dank gibt es noch Menschen, die andere Prioriäten im Leben haben (z.B. Kinder groß ziehen), als ihr gesamtes Vermögen in ein Stück Blech zu stecken, während die Kinder trocken Brot bekommen.

    Eine Leser-Empfehlung
    • Zack34
    • 29.04.2012 um 19:53 Uhr

    Mir scheint so, als ob die meisten Biker statistisch gesehen ganz ordentlich übergewichtige, und somit alles andere als Coole oder gar Gefährliche sind...

    4 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    O-Ton meine 5jährige Tochter als sie eine Gruppe von Motorradfahrern uns entgegenkommen sah.

    O-Ton meine 5jährige Tochter als sie eine Gruppe von Motorradfahrern uns entgegenkommen sah.

  6. O-Ton meine 5jährige Tochter als sie eine Gruppe von Motorradfahrern uns entgegenkommen sah.

    7 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Adipositas"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie einen konstruktiven Beitrag zur Diskussion leisten möchten. Danke, die Redaktion/kvk

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie einen konstruktiven Beitrag zur Diskussion leisten möchten. Danke, die Redaktion/kvk

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service