So könnte das Cockpit im Auto künftig aussehen: Touchscreen-Display mit Internet-Verbindung in einem Ford-Konzeptauto. © Stringer/Reuters

Frage: Herr Bolzenius, der moderne Mensch hat sich ans Internet-Handy mit Touchscreen gewöhnt und sitzt im Auto-Cockpit offline vor dutzenden Schaltern. Hat die Branche einen Trend verschlafen?

Beda Bolzenius: Ich bin eher erstaunt, wie schnell sich die Autoindustrie dem Thema zugewandt hat. In Showrooms überwiegen schon die Bedienelemente, die vom Smartphone geprägt sind. In der Fahrzeuggeneration ab dem Jahr 2014 werden Internet-Zugänge, große Touchscreens und Bedienkonzepte mit Apps auch in kleinen Fahrzeugen Standard sein. Das Auto wird sozusagen zum Handy auf Rädern.

Frage: Wie verändert sich das Autofahren durch das mobile Internet?

Bolzenius: Die Verbindung zwischen Fahrzeug, Heim und Büro wird viel dichter. Per App im Auto werden wir den Kalender checken, die Garage schließen oder daheim die Rollläden herunterlassen. Aber das ist nur der Anfang: Fahrerassistenzsysteme, die unter anderem mit Kameras ständig unseren Blick verfolgen, erkennen bald, ob wir müde sind oder abgelenkt, und warnen uns rechtzeitig.

Frage: Wie soll ich mich denn noch auf die Straße konzentrieren, wenn ich gleichzeitig meine Termine nachschlage?

Bolzenius: Wir haben ein eigenes Designstudio in Michigan , in dem wir testen, wie sich Informationen an den Fahrer weitergeben lassen, ohne ihn vom Verkehrsgeschehen abzulenken. Es hat sich gezeigt, dass Touchscreens trotz einfacher Bedienung in vielen Situationen nicht das richtige Instrument sind: Der Blickwechsel von der Straße zum Bildschirm senkt die Aufmerksamkeit des Autofahrers enorm.

Frage: Welche Lösung schlagen Sie vor?

Bolzenius: Sprachsteuerung wird künftig viele Aufgaben im Cockpit übernehmen. Dabei dürfen die Befehle nicht zu kompliziert sein, auch das lenkt ab. Wir setzen darum stark auf sogenannte Head-up-Displays. Das sind durchsichtige Bildschirme vor der Windschutzscheibe, auf die wir etwa das Fahrtempo oder Routenhinweise projizieren. Die Informationen erscheinen damit im Blickfeld des Fahrers. Das steigert die Fahrsicherheit enorm.

Frage: Realität und Instrumententafel verschmelzen zunehmend?

Bolzenius: Genau. Wir prüfen dazu auch sogenannte Augmented-Reality -Anwendungen. Dabei blenden wir Informationen zur Umgebung des Fahrzeugs passgenau in das Blickfeld des Fahrers ein. Hausnummern erscheinen neben den entsprechenden Gebäuden, Straßenverläufe aus dem Navigationsgerät legen sich als farbige Linie über das reale Bild, Warnungen vor Ölspuren oder Unfallstellen schweben scheinbar über der Straße. Schnellere Computer und Internet-Verbindungen eröffnen hier bald völlig neue Möglichkeiten.

Frage: Wann rechnen Sie mit der Serienreife?

Bolzenius: Wir erwarten, dass solche Anwendungen in der Fahrzeuggeneration der Jahre 2015 bis 2016 auf den Markt kommen werden.