Autotechnik"Sprachsteuerung wird viele Aufgaben im Auto übernehmen"

Internet-Zugang wird auch in kleinen Autos Standard, sagt Beda Bolzenius vom Zulieferer Johnson Controls im Interview. Bei Touchscreens aber sieht er ein Problem. von Andreas Menn

So könnte das Cockpit im Auto künftig aussehen: Touchscreen-Display mit Internet-Verbindung in einem Ford-Konzeptauto.

So könnte das Cockpit im Auto künftig aussehen: Touchscreen-Display mit Internet-Verbindung in einem Ford-Konzeptauto.  |  © Stringer/Reuters

Frage: Herr Bolzenius, der moderne Mensch hat sich ans Internet-Handy mit Touchscreen gewöhnt und sitzt im Auto-Cockpit offline vor dutzenden Schaltern. Hat die Branche einen Trend verschlafen?

Beda Bolzenius: Ich bin eher erstaunt, wie schnell sich die Autoindustrie dem Thema zugewandt hat. In Showrooms überwiegen schon die Bedienelemente, die vom Smartphone geprägt sind. In der Fahrzeuggeneration ab dem Jahr 2014 werden Internet-Zugänge, große Touchscreens und Bedienkonzepte mit Apps auch in kleinen Fahrzeugen Standard sein. Das Auto wird sozusagen zum Handy auf Rädern.

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Frage: Wie verändert sich das Autofahren durch das mobile Internet?

Bolzenius: Die Verbindung zwischen Fahrzeug, Heim und Büro wird viel dichter. Per App im Auto werden wir den Kalender checken, die Garage schließen oder daheim die Rollläden herunterlassen. Aber das ist nur der Anfang: Fahrerassistenzsysteme, die unter anderem mit Kameras ständig unseren Blick verfolgen, erkennen bald, ob wir müde sind oder abgelenkt, und warnen uns rechtzeitig.

Beda Bolzenius

leitet seit 2006 die Autosparte des US-Mischkonzerns Johnson Controls. Die Amerikaner sind weltgrößter Lieferant für Autositze und produzieren unter anderem Elektronik-Cockpits und integrierte Innenausstattungen. Im Jahr 2011 machte die Autosparte 20 Milliarden Dollar Umsatz.

Frage: Wie soll ich mich denn noch auf die Straße konzentrieren, wenn ich gleichzeitig meine Termine nachschlage?

Bolzenius: Wir haben ein eigenes Designstudio in Michigan , in dem wir testen, wie sich Informationen an den Fahrer weitergeben lassen, ohne ihn vom Verkehrsgeschehen abzulenken. Es hat sich gezeigt, dass Touchscreens trotz einfacher Bedienung in vielen Situationen nicht das richtige Instrument sind: Der Blickwechsel von der Straße zum Bildschirm senkt die Aufmerksamkeit des Autofahrers enorm.

Frage: Welche Lösung schlagen Sie vor?

Bolzenius: Sprachsteuerung wird künftig viele Aufgaben im Cockpit übernehmen. Dabei dürfen die Befehle nicht zu kompliziert sein, auch das lenkt ab. Wir setzen darum stark auf sogenannte Head-up-Displays. Das sind durchsichtige Bildschirme vor der Windschutzscheibe, auf die wir etwa das Fahrtempo oder Routenhinweise projizieren. Die Informationen erscheinen damit im Blickfeld des Fahrers. Das steigert die Fahrsicherheit enorm.

Frage: Realität und Instrumententafel verschmelzen zunehmend?

Bolzenius: Genau. Wir prüfen dazu auch sogenannte Augmented-Reality -Anwendungen. Dabei blenden wir Informationen zur Umgebung des Fahrzeugs passgenau in das Blickfeld des Fahrers ein. Hausnummern erscheinen neben den entsprechenden Gebäuden, Straßenverläufe aus dem Navigationsgerät legen sich als farbige Linie über das reale Bild, Warnungen vor Ölspuren oder Unfallstellen schweben scheinbar über der Straße. Schnellere Computer und Internet-Verbindungen eröffnen hier bald völlig neue Möglichkeiten.

Frage: Wann rechnen Sie mit der Serienreife?

Bolzenius: Wir erwarten, dass solche Anwendungen in der Fahrzeuggeneration der Jahre 2015 bis 2016 auf den Markt kommen werden.

Leserkommentare
  1. Kann mir jemand erklären wozu das gut sein soll. Da werden die Sicherheitsstandarts immer höher geschraubt und dann sollen die Fahrer im Multitaskingmodus fahren und im I-Net surfen. Die ständige Vernetzung hat auch seine Grenzen.
    Die Entwicklung der Sitze kann ich hingegen nur begrüßen. Wir brauchen in der Zukunft kleine Autos, die leicht sind und bei denen man nicht gänzlich auf den Komfort verzichten muß, weil sie sonst keiner mehr kauft.

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    immer weiß, wo Sie sind.
    Und falls sich dann mal aufgrund von Recherchen Ihrer Daten in der Vorratsdatenspeicherung ergeben hat, dass sie nicht ganz koschere Dinge im Internet getan/gelesen/geschrieben haben, dann bekommt die Strafe des Internetverbots eine ganz neue Bedeutuung, wenn vorher unser Alltag mehr und mehr davon abhängig gemacht wurde.

  2. [...]
    Schon das Navi bringt genug dazu das Hirn auszuschalten - siehe die Unfälle die passieren weil das Navi "sagt" man müsse rechts/links abbiegen.
    Alles was ablenkt gehört nicht in ein Auto.

    Das Autos kleiner aber deshalb nicht weniger kompfortable werden glaube ich allerdings auch.

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf eine neutrale Wortwahl. Danke. Die Redaktion/vn

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    ...Bezugsscheine geben - je nach Körpergröße. Die Regelung ist sicher schon in Brüssel in Arbeit ;)

    • hmber
    • 01. Mai 2012 10:04 Uhr

    Das Automobil hat in seiner, doch recht kurzen Geschichte, viel Entwicklung erlebt und auch gefördert. Ich glaube auch nicht dass die Weiterentwicklung des Autos zu Ende ist. Aber, ob Jonson Controls hier der Taktgeber sein wird, wage ich zu bezweifeln.

  3. immer weiß, wo Sie sind.
    Und falls sich dann mal aufgrund von Recherchen Ihrer Daten in der Vorratsdatenspeicherung ergeben hat, dass sie nicht ganz koschere Dinge im Internet getan/gelesen/geschrieben haben, dann bekommt die Strafe des Internetverbots eine ganz neue Bedeutuung, wenn vorher unser Alltag mehr und mehr davon abhängig gemacht wurde.

    Eine Leserempfehlung
  4. ...Bezugsscheine geben - je nach Körpergröße. Die Regelung ist sicher schon in Brüssel in Arbeit ;)

    Antwort auf "Wird es nie geben!"
  5. Die Arbeit geht im Auto weiter. Die Firma weiss genau wo du bist, im Stau oder noch zu Hause, in der Strasse vor dem Zahnarzt und durch deun GPS handy ob im Wartezimmer oder bei der Freundin. Das wird folgen haben, die Scheidung als App und die Kuendigung gleich danach. Wollt ihr Sklaven sein Oder Menschen. Mein Auto ist von 1993 , das naechste wird von 1959 sein....

    5 Leserempfehlungen
  6. Wichtig wäre eher das Gewicht und damit den Verbrauch eines jeden Autos erheblich zu senken, was nützt mir Sprachsteuerung, Fensterheber, Klima... wenn ich dadurch 3 l / 100 km mehr verbrauche. Je mehr Technik, desto schwieriger zu warten, heute kann keiner mehr seine Blinker..., auswechseln. Der Trend geht dahin, wie bei den Druckern, dass die Wartung teurer wird als das Auto. Denn mit dem Verkauf von Autos kann man nicht genug verdienen.
    Merkwürdigerweise hat sich das Auto bis auf Komfort und Sicherheit nicht weiterentwickelt, dabei wäre es problemlos möglich für wenig Geld ein 2,5 l Auto zu bauen, nur wäre das dann ohne Klima, Fensterheber, 4-Rad Antrieb...

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    • Varech
    • 01. Mai 2012 12:05 Uhr

    Das sind Simulatoren! Sowas hat Zukunft! Und alles hygienisch abwaschbar. Echte Glücksgefühle können sich die Leute da runter holen, aus dem Internet.

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