Radfahren : Pendler auf zwei Rädern

Für die Fahrt zum Arbeitsplatz hat sich das Fahrrad noch lange nicht etabliert. Verschiedene Kampagnen werben bei Pendlern dafür, in die Pedale zu treten.

Kurz vor 7 Uhr morgens auf dem Gelände des Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) in Hamburg . Der Schichtwechsel steht bevor, und zu dieser Zeit sind stets viele Radfahrer auf dem Klinikgelände unterwegs. 3.500 UKE-Mitarbeiter radeln täglich zur Arbeit.

Das war nicht immer so. Mit dem Umbau der Klinik vor fünf Jahren hat das UKE ein Mobilitätskonzept erarbeitet, das Radfahren gezielt fördert. Auf eigenen Fahrspuren haben die Velofahrer Vorfahrt. Stellplätze finden sie in Arbeitsplatznähe, es gibt eine Rad-Werkstatt, für die der Arbeitgeber Reparaturgutscheine spendiert. So viel Anreiz ist verlockend. Jedes Jahr schwingen sich 100 weitere UKE-Angestellte auf ihren Drahtesel.

Insgesamt fahren laut Allgemeinem Deutschem Fahrrad-Club (ADFC) bundesweit etwa vier Millionen Erwerbstätige mit dem Rad zu ihrem Arbeitsplatz. Aber es könnten noch mehr sein – vor allem in Städten ist die Zahl noch steigerungsfähig. Rund sieben Millionen aller Pendler legen täglich zehn Kilometer zurück. Die optimale Streckenlänge fürs Velo, finden Experten.

Um sie zum Umsteigen aufs Fahrrad zu bewegen, starten auch in diesem Jahr verschiedene Kampagnen, bei denen die Teilnehmer Preise und Auszeichnungen gewinnen können. Mit maßgeschneiderten Programmen richten sie sich an Arbeitgeber, Arbeitnehmer sowie Kinder und Jugendliche.

Radelnde Beschäftigte seltener krank

Der Bundesdeutsche Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management (B.A.U.M.) ist zum dritten Mal dabei und hofft für seinen Wettbewerb "Die fahrradfreundlichsten Arbeitgeber" auf Zuwachs. Gerade einmal 60 Betriebe haben sich im vergangenen Jahr bei B.A.U.M. um die Auszeichnung beworben. Das ist wenig. "Mobilität findet außerhalb des Werkgeländes statt. Viele Arbeitgeber wissen gar nicht, wie ihre Angestellten zur Arbeit kommen", sagt Dieter Brübach, Vorstandsmitglied von B.A.U.M.

Dabei sollte es sie interessieren. Zum Arbeitsplatz zu pedalieren sei nicht nur gesund, sondern auch wirtschaftlich interessant für das Unternehmen, argumentiert Brübach. Er verweist auf entsprechende Untersuchungen : Niederländische Wissenschaftler haben ermittelt, dass Beschäftigte, die ihren Arbeitsweg regelmäßig mit dem Fahrrad zurücklegen, im Schnitt einen Tag pro Jahr weniger krank sind als Beschäftigte, die das nicht tun. Je häufiger das Rad benutzt wird und je größer die Entfernung ist, umso geringer sind die Fehlzeiten.

Momentan investieren viele Großunternehmen jedoch eher in Betriebssport, statt mit internen Angeboten zum Radfahren zu animieren. Wie vielfältig die Angebote sein könnten, zeigen die Praxisbeispiele der B.A.U.M.-Bewerber. Die Firmen stellen Diensträder zur Verfügung, schaffen Duschmöglichkeiten oder organisieren gemeinsame Radtouren, kostenlose Sicherheitschecks oder Mobilitätstage.

Kommentare

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klar kann man @ zu schnell?

mit einer Geschwindigkeit fahren, bei der man nicht schwitzt. Das hat nur 2 Probleme.

1. man darf keine Anstiege fahren, sondern muss sie schieben
2. macht langsam Fahren v.a. Männern keinen Spaß - kein Spaß - kein Genuss - kein Sinn

zweiteres gilt speziell dann, wenn derjenige anfängt, das Ganze auch als Sport zu betrachten, oder wenn der- von mir aus auch die-jenige auch sonst häufig sportlich aktiv ist. Für mich - ich fahre auch recht oft Rad - ist das ein großer Teil des Erlebnisses. Deshalb fahr ich auch ungern mit meiner Frau. Zur Bewegung auf 2 Rädern gehört Schweiß sonst einfach dazu, deshalb finde ich Duschen angebracht.

Falls Sie noch nen Grund suchen: v.a. bei 10+ km Arbeitsweg hat die Geschwindigkeit erheblichen Einfluss auf den Zeitbedarf. Trödeln (15 km/h) vs Rennrad (30 km/h) minus Duschen (Erfrischung, ohnehin bei vielen täglich) bringt halt doch nen kleinen Gewinn.

Ach ja, ein Wort zur Wirtschaftlichkeit noch ....
ja, Fahrradfahren kostet kein Benzin, Verschleiß ist aber trotzdem da, und der Radfahrersprit heißt Banane, Brötchen, Fruchtsaft etc pp. Bei 10 km Weg können Sie für 10 Eur ETWA eine Woche lang Auto fahren. Den Mehrbedarf am Essen schätze ich nicht wesentlich darunter ein, man ist aber gesünder und fühlt sich fitter.

monatlich Auto (Sprit, Wertverlust, Versicherung, Reperaturen UM 150 +/- 50 Eur, man benutzt es aber auch sonst; Neuwagen kostet mehr)
monatlich Rad (Essen, "Wertverlust", "Versicherung", Reperaturen, Diebstahl UM 75 +/- 25 Eur)

Es wird sicher nicht akzeptiert,

wenn man bei Regen oder Schnee nässetriefend oder als Eskimo vermummt vom Radabstellplatz ins Büro stapft und sich erst mal die zerzausten Haare zurecht kämmt! Mit gewissen, meist gehobenen Tätigkeiten ist Radfahren zum Arbeitsplatz schlichtweg unvereinbar, auch wenn das ein gesellschaftliches Problem sein mag. Abgesehen davon, wer Verantwortung trägt, schleppt auch meist etliche Kilo Unterlagen mit sich rum. Und die lassen sich auf dem Rad nicht so ohne weiteres sicher und trocken verstauen.

Es gibt da so eine Erfingung

namens Rucksack...von dieser Sorte gibt es auch wasserdichte Exemplare.

Eine schwammige Ausrede, ebenfalls das mit den zerzausten Haaren und der Eskimo Kleiung.

Wenn ich nur an die ganzen neuen Funktionsjacken, hosen und Schuhe denke...ja man kann die auch über einem Anzug anziehen.

Ihre Argumente würde ich nur bei wirklich hoch dotieren Posten verstehen, wie Manager einer großen Firma, Vorstandsvorsitzender etc... aber selbst da gibt es welche die zur Arbeit radln.

Durchschnittsgeschwindigkeit

Ihre meist gefahrenen Geschwindigkeit (Rennrad 30, gemütlich 15) ist NICHT die Durchschnittsgeschwindigkeit. Ihr Durchschnitt ist auf dem Rennrad nicht doppelt so hoch - im günstigsten Fall 50% höher vermutlich eher 25-30%.

Es macht also nicht soviel aus. Und: Es geht auch zwischen "total durchgeschwitzt" und "schweißfrei". Sich immer voll auspowern ist aus Trainingsgründen eh quatsch - öfter mal GA1 fahren, warum nicht auf dem Weg zur Arbeit (mache ich bei gutem Wetter mehrmals die Woche (Weg einfach ca. 50 Km).

Es geht ...

...ich bin einer von 4 Millionen.
Fahre (fast) täglich 11km mit dem (nicht elektro)Rad zum Bahnhof. Im Zug gibt es allerdings keine Möglichkeit zum Duschen und Umziehen.
Ist aber auch nicht nötig. Ich kann so schnell fahren, dass ich gerade nicht ins schwitzen komme. Dies verdanke ich aber nicht meiner enormen Fittness :-), sondern der Topogafie der Strecke. In hügeligeren Gegenden mag dies ein Problem sein.
Bei mir jedoch glücklicherweise nicht.

Gruß
S_R