RadfahrenPendler auf zwei Rädern

Für die Fahrt zum Arbeitsplatz hat sich das Fahrrad noch lange nicht etabliert. Verschiedene Kampagnen werben bei Pendlern dafür, in die Pedale zu treten. von Andrea Reidl

Kurz vor 7 Uhr morgens auf dem Gelände des Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) in Hamburg . Der Schichtwechsel steht bevor, und zu dieser Zeit sind stets viele Radfahrer auf dem Klinikgelände unterwegs. 3.500 UKE-Mitarbeiter radeln täglich zur Arbeit.

Das war nicht immer so. Mit dem Umbau der Klinik vor fünf Jahren hat das UKE ein Mobilitätskonzept erarbeitet, das Radfahren gezielt fördert. Auf eigenen Fahrspuren haben die Velofahrer Vorfahrt. Stellplätze finden sie in Arbeitsplatznähe, es gibt eine Rad-Werkstatt, für die der Arbeitgeber Reparaturgutscheine spendiert. So viel Anreiz ist verlockend. Jedes Jahr schwingen sich 100 weitere UKE-Angestellte auf ihren Drahtesel.

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Insgesamt fahren laut Allgemeinem Deutschem Fahrrad-Club (ADFC) bundesweit etwa vier Millionen Erwerbstätige mit dem Rad zu ihrem Arbeitsplatz. Aber es könnten noch mehr sein – vor allem in Städten ist die Zahl noch steigerungsfähig. Rund sieben Millionen aller Pendler legen täglich zehn Kilometer zurück. Die optimale Streckenlänge fürs Velo, finden Experten.

Um sie zum Umsteigen aufs Fahrrad zu bewegen, starten auch in diesem Jahr verschiedene Kampagnen, bei denen die Teilnehmer Preise und Auszeichnungen gewinnen können. Mit maßgeschneiderten Programmen richten sie sich an Arbeitgeber, Arbeitnehmer sowie Kinder und Jugendliche.

Radelnde Beschäftigte seltener krank

Der Bundesdeutsche Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management (B.A.U.M.) ist zum dritten Mal dabei und hofft für seinen Wettbewerb "Die fahrradfreundlichsten Arbeitgeber" auf Zuwachs. Gerade einmal 60 Betriebe haben sich im vergangenen Jahr bei B.A.U.M. um die Auszeichnung beworben. Das ist wenig. "Mobilität findet außerhalb des Werkgeländes statt. Viele Arbeitgeber wissen gar nicht, wie ihre Angestellten zur Arbeit kommen", sagt Dieter Brübach, Vorstandsmitglied von B.A.U.M.

Dabei sollte es sie interessieren. Zum Arbeitsplatz zu pedalieren sei nicht nur gesund, sondern auch wirtschaftlich interessant für das Unternehmen, argumentiert Brübach. Er verweist auf entsprechende Untersuchungen : Niederländische Wissenschaftler haben ermittelt, dass Beschäftigte, die ihren Arbeitsweg regelmäßig mit dem Fahrrad zurücklegen, im Schnitt einen Tag pro Jahr weniger krank sind als Beschäftigte, die das nicht tun. Je häufiger das Rad benutzt wird und je größer die Entfernung ist, umso geringer sind die Fehlzeiten.

Momentan investieren viele Großunternehmen jedoch eher in Betriebssport, statt mit internen Angeboten zum Radfahren zu animieren. Wie vielfältig die Angebote sein könnten, zeigen die Praxisbeispiele der B.A.U.M.-Bewerber. Die Firmen stellen Diensträder zur Verfügung, schaffen Duschmöglichkeiten oder organisieren gemeinsame Radtouren, kostenlose Sicherheitschecks oder Mobilitätstage.

Leserkommentare
  1. Im Prinzip ist das eine gute Sache. Man muss dann am Arbeitsplatz noch Möglichkeiten zum Duschen und sich Umziehen haben. In dem Klinikum wird das so sein.

    Bei Büroarbeitsplätzen eher nicht.

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    • hareck
    • 05. April 2012 10:31 Uhr

    Ich fahre seit Jahren mit dem Rad zur Arbeit und habe noch nie eine Dusche gebrancht.

    Man kann in einer Geschwindigkeit fahren, bei der man nicht schwitzt.
    Vielleicht abgesehen vom Hochsommer...aber da schwitzt man auch in Bus und Bahn.

    wenn man bei Regen oder Schnee nässetriefend oder als Eskimo vermummt vom Radabstellplatz ins Büro stapft und sich erst mal die zerzausten Haare zurecht kämmt! Mit gewissen, meist gehobenen Tätigkeiten ist Radfahren zum Arbeitsplatz schlichtweg unvereinbar, auch wenn das ein gesellschaftliches Problem sein mag. Abgesehen davon, wer Verantwortung trägt, schleppt auch meist etliche Kilo Unterlagen mit sich rum. Und die lassen sich auf dem Rad nicht so ohne weiteres sicher und trocken verstauen.

    ... ist grundsätzlich eine Frage des Trainings. Außerdem spare ich mir ca. 1,5 Tankfüllungen im Monat und Beitrag für den 'Spinning'-Kurs im Fitness-Club ;-)

  2. Hat viele positive Auswirkung auf viele Bereiche.
    Um mehr Menschen aufs Rad zu bringen wäre es aber auch notwendig, dass sich Staedte und Gemeinden daran beteiligen und in den Ausbau der Radwege investieren, da gibt's noch jede Menge Nachholbedarf. Ansonsten kann man die Initiatve nur unterstützen.

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  3. Der Deutsche fährt mit dem Rad zur Arbeit, damit er weniger Krank ist (zum Nutzen des Arbeitgebers). Klar, warum auch sonst...

    Der Deutsche fährt mit dem Rad, zum Nutzen der ganzen Welt, weil er damit das Klima rettet...

    Muss noch schnell die Welt retten...

    Ich fahre mit dem Rad zur Arbeit, oder in die Nachbargemeinde, oder ins Fitnessstudio weil's Spaß macht, weil's praktisch ist und weil ich zum Teil schneller mit dem Rad bin, als mit dem Auto (verstopfte Straßen, Parkplatzsuche).

    Und das ich bei den Spritpreisen seltener Tanken muss, macht mir auch Spaß.

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    • hareck
    • 05. April 2012 10:31 Uhr

    Ich fahre seit Jahren mit dem Rad zur Arbeit und habe noch nie eine Dusche gebrancht.

    Man kann in einer Geschwindigkeit fahren, bei der man nicht schwitzt.
    Vielleicht abgesehen vom Hochsommer...aber da schwitzt man auch in Bus und Bahn.

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    Antwort auf "Überschrift."
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    mit einer Geschwindigkeit fahren, bei der man nicht schwitzt. Das hat nur 2 Probleme.

    1. man darf keine Anstiege fahren, sondern muss sie schieben
    2. macht langsam Fahren v.a. Männern keinen Spaß - kein Spaß - kein Genuss - kein Sinn

    zweiteres gilt speziell dann, wenn derjenige anfängt, das Ganze auch als Sport zu betrachten, oder wenn der- von mir aus auch die-jenige auch sonst häufig sportlich aktiv ist. Für mich - ich fahre auch recht oft Rad - ist das ein großer Teil des Erlebnisses. Deshalb fahr ich auch ungern mit meiner Frau. Zur Bewegung auf 2 Rädern gehört Schweiß sonst einfach dazu, deshalb finde ich Duschen angebracht.

    Falls Sie noch nen Grund suchen: v.a. bei 10+ km Arbeitsweg hat die Geschwindigkeit erheblichen Einfluss auf den Zeitbedarf. Trödeln (15 km/h) vs Rennrad (30 km/h) minus Duschen (Erfrischung, ohnehin bei vielen täglich) bringt halt doch nen kleinen Gewinn.

    Ach ja, ein Wort zur Wirtschaftlichkeit noch ....
    ja, Fahrradfahren kostet kein Benzin, Verschleiß ist aber trotzdem da, und der Radfahrersprit heißt Banane, Brötchen, Fruchtsaft etc pp. Bei 10 km Weg können Sie für 10 Eur ETWA eine Woche lang Auto fahren. Den Mehrbedarf am Essen schätze ich nicht wesentlich darunter ein, man ist aber gesünder und fühlt sich fitter.

    monatlich Auto (Sprit, Wertverlust, Versicherung, Reperaturen UM 150 +/- 50 Eur, man benutzt es aber auch sonst; Neuwagen kostet mehr)
    monatlich Rad (Essen, "Wertverlust", "Versicherung", Reperaturen, Diebstahl UM 75 +/- 25 Eur)

    Kommt drauf an, wie weit das ist. Bei mir sind es 30 km einfach. Wenn ich da so langsam fahre, dass ich nicht schwitze, auch nicht unter dem Helm und mit durchgestylter Frisur ankomme, dauert das deutlich zu lange.

  4. ...ich bin einer von 4 Millionen.
    Fahre (fast) täglich 11km mit dem (nicht elektro)Rad zum Bahnhof. Im Zug gibt es allerdings keine Möglichkeit zum Duschen und Umziehen.
    Ist aber auch nicht nötig. Ich kann so schnell fahren, dass ich gerade nicht ins schwitzen komme. Dies verdanke ich aber nicht meiner enormen Fittness :-), sondern der Topogafie der Strecke. In hügeligeren Gegenden mag dies ein Problem sein.
    Bei mir jedoch glücklicherweise nicht.

    Gruß
    S_R

  5. und begrüße den Ausbau entsprechender Infrastruktur (unabhängige Radwege, überdachte Radabstellplätze, Duschmöglichkeit beim Arbeitgeber), damit weniger potientielle Radpendler von dieser günstigen und teils gesunden Alternative abgehalten werden.
    Jedoch ist zu berücksichtigen, dass nicht für jeden (vor allem im Alter, Krankheit, Behinderung, Erkältung, Wohnort wegen Familie) das Radfahren eine Alternative darstellt und es im Winter wirklich saugefährlich sein kann.

  6. Ich kenne viele, fahre selbst auch oft mit dem Rad zur Arbeit und ich habe noch nie jemanden erlebt, der eine Dusche benötigte oder gebraucht hätte.

    Die Menschen, die ich kenne, fahren Rad, weil es sich gut anfühlt. Niemand ist ein Retter der Umwelt oder des Klimas. Menschen fahren mit dem Rad, weil es billiger ist, weil man andere Menschen trifft auf dem Weg, weil man oft sogar schneller ist, als mit dem Auto und man nicht wie Dosensardinen in den Öffentlichen hängt...

    Dass man nebenbei seltener Infekte bekommt, stimmt natürlich, kann aber kein Grund sein.

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  7. ...wer also neu auf´s Rad steigt, kann hohe Preise gewinnen - das ist insofern schon mal positiv.
    Was aber ist mit denjenigen, die schon seit Jahren nicht anders als mit dem Rad zur Arbeit fahren, wie ich z. B. im elften Jahr - winters und sommers?
    Das ist, als hätte man jahrelang eine gute ZEITung abonniert und muss immer wieder mehr oder weniger neidvoll auf die Werbegeschenke gucken, mit denen neue Leser geworben werden :-) während die eigene Treue nicht gesehen wird.

    Ich fände es schön, wenn die Straßenverkehrsämter mal einen Preis aussetzen würden: Für ALLE Radfahrer beiseitigen sie mindestens einmal jährlich eine der vielen Radlerschikanen in der Stadt, passen z. B. eine Ampel nur für den Radverkehr an oder beseitigen eine andere Falle, die uns Radfahrer ständig verärgern, ohne jede Not.
    Gern würde ich ihnen für meine (Radfahrer)Stadt Bremen beratend zur Seite stehen, sehr gern...

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    vielleicht kann man sich in eine Gruppe einschleichen oder man sagt, dass man aufs Rad umsteigt, da soweit ich das erlebte, keiner kontrolliert, ob man die letzten Jahre fuhr.

    Und mit Glück, klappt es dann auch mit den Gewinnen...

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