Fahrbericht Kia Cee'dKia rückt dem Golf auf die Pelle

Der Kia Cee'd ist ab Juni zu haben und kommt dem großen Konkurrenten VW Golf näher als sein Vorgänger. Die Motorenpalette ist aber nicht ganz zeitgemäß. von Sebastian Viehmann

Der neue Kia Cee'd

Der neue Kia Cee'd  |  © Hersteller

Kia will sich zu den großen Automarken – den "Big Playern" – in Europa gesellen, wie der Produktplanungschef des koreanischen Herstellers, Benny Oeyen, immer wieder hervorhebt. 290.000 Autos hat Kia 2011 in Europa verkauft, 2012 dürften es 350.000 werden. Auf längere Sicht peilt Oeyen die halbe Million an, um unter die zehn meistverkauften Automarken Europas zu kommen.

Das Kompaktmodell Cee'd spielt auf diesem Weg eine entscheidende Rolle. Kia hat den Golf-Rivalen überarbeitet und bietet ihn ab Frühsommer zum Verkauf an. Der 4,31 Meter lange Wagen zeigt sich deutlich schicker und dynamischer als bisher, wobei trotz der stark abfallenden Motorhaube und der hohen Seitenlinie die Übersicht nach draußen nicht verloren geht.

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Vor allem in den höherwertigen Ausstattungslinien wird der Kia im Innenraum richtig edel, die Instrumente bestehen dann komplett aus farbenprächtigen LCD-Anzeigen. Vom Navigationssystem über einen Spurhalteassistenten und das zweiteilige Panorama-Glasdach bis hin zur Einparkautomatik, die beim Rangieren das Lenken übernimmt, hat der Koreaner zahlreiche Extras im Angebot.

Gutes Fahrverhalten, sparsamer Diesel

In Sachen Verarbeitung und Materialien muss sich Kia ohnehin nicht mehr hinter Volkswagen verstecken. Das beweist auch der Innenraum des neuen Cee'd. Ebenfalls zu loben ist das Raumangebot: Auch Passagiere im Fond haben viel Platz für Beine und den Kopf, bequem sitzt man vorn wie hinten. Im Cockpit warten viele große Ablagen. Der Kofferraum ist mit 380 Litern Gepäckvolumen ebenfalls überdurchschnittlich groß.

Beim Fahrverhalten leistet sich der Cee'd kaum Schwächen. Die Servolenkung wirkt manchmal zu synthetisch, und der Wagen federt nach Bodenwellen eine Spur zu stark aus. Ansonsten sind Fahrwerk, Lenkung und Kurvenverhalten aber vorbildlich. Die Gangschaltung ist präzise abgestimmt, im Gegensatz zu den Basisbenzinern eines VW Golf hat der Cee'd immer sechs statt fünf Gänge an Bord.

Die beste Figur macht der Kompakte mit seinen Dieselmotoren. Zur Wahl stehen der 1.4 CRDi mit 90 PS und der 1.6 CRDi mit 128 PS Leistung. Vor allem das etwas größere Triebwerk ist durchzugstark und sparsam. Auf 100 Kilometer benötigt der 1.6 CRDi laut Norm im Schnitt 4,3 Liter Diesel. Mit Start-Stopp-Automatik und anderen Optimierungsmaßnahmen verbraucht er als 1.6 CRDi EcoDynamics durchschnittlich sogar nur 3,7 Liter je 100 Kilometer; das entspricht einem CO2-Ausstoß von 97 Gramm je Kilometer.

Leserkommentare
  1. ... liegen die Koreaner nur noch bei der verkauften Gesamtstückzahl und den Erträgen pro verkauftem Auto deutlich hinter Volkswagen. Aber da ist bei beidem noch deutlich Luft nach oben. Bei der Profitabilität (Ebit) hat man die Augenhöhe mit Volkswagen bereits erreicht, bei der Produktivität (Autos je Mitarbeiter) liegt man bereits vorne.

    Es mag sein, das Volkswagen für einige Jahre zum größten Autohersteller der Welt wird. Aber auf lange Sicht dürften wohl die Koreaner am Ende die Nase vorn haben. Es gibt jedenfalls keinen Grund für die deutschen Autohersteller sich unverwundbar zu fühlen.

  2. >> Deutlich weniger kompliziert ist das Garantieversprechen: Das gilt wie bei Kia üblich für sieben Jahre beziehungsweise 150.000 Kilometer. <<

    Das ist für mich ein wichtiges Argument. Immer wieder lese ich Berichte von Autobesitzern, die, auch hochpreisige, Wagen gekauft haben, die laufend defekt sind und in die Werkstatt müssen.

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    ... mit ihren (bekannt) vielen Pannen nie in der ADAC-Pannenstatistik, weil im "Hochpreis" die diskrete Hilfe des Herstellers zumindest teilweise inbegriffen ist, und diese Wagen zumindest in ihrer Jungphase flugs vor den "Gelben Engeln" unter die Herstellerfittiche genommen werden ...

  3. ... mit ihren (bekannt) vielen Pannen nie in der ADAC-Pannenstatistik, weil im "Hochpreis" die diskrete Hilfe des Herstellers zumindest teilweise inbegriffen ist, und diese Wagen zumindest in ihrer Jungphase flugs vor den "Gelben Engeln" unter die Herstellerfittiche genommen werden ...

    Antwort auf "Argument"
  4. nun, von der Leistungsstärken und vom Verbrauch inkl. den Abgaswerten ist doch alles top!

    Ich war zuletzt mit einem Köfer 34 PS unterwegs.., danach erscheint Ihnen alles zeitgemäß ;O)

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    ...mit den nicht zeitgemäßen Motoren muß bei Press-Inform-Texten drin stehen, damit nicht etwa ein ausländisches Auto nicht etwas hat, in dem es "schlechter" ist als alle deutschen. Das ist der sogenannte VDA-Disclaimer ... – der Wahrheitsgehalt spielt dabei latürnich keine Geige.

  5. Ich kann jedem Interessenten nur empfehlen, sich ganz liebevoll um sein Auto zu kümmern. Hat es eine Anzeige für den nächsten Inspektionstermin? Oder lesen Sie lieber im Handbuch? Hat es auch eine funktionierende Ölfüllstandsanzeige? Oder lieben Sie es, beim Tanken die Stange heraus zuziehen und zärtlich mit einem Lappen daran auf- und abzustreifen? Und sehen Sie zu, den Inspektionstermin lieber ein bisschen früher zu machen als ein paar KM zu spät, sonst sind die 7 Jahre Garantie futsch!
    Ich habe einen SORENTO sauer gefahren, weil er all das, was ein deutsches billiges Kleinauto mittlerweile hat, nicht hat. Und das hat richtig Kohle gekostet, 7k Euro um genau zu sein, und die Garantie ist auch weg.!
    Hier sollten Tester mal nachhaken, nicht bei den oberflächlichen Features!
    Und noch was, von Werterhalt haben die auch noch nix gehört.
    Nach zwei Jahren mittlerer Fahrleistung sieht die Karre unten drunter teils schon recht bedenklich aus!
    So viel zum Thema KIA! Lieber einen deutschen Zwei Jahres Wagen als so eine Schrottkarre!

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    Kümmern sich nicht um Selbstverständlichkeiten wie Ölstandskontrolle und Inspektionen, und dann ist es eine Sch...karre?
    Haltet den Dieb! Er hat mein Messer im Rücken!

  6. Kümmern sich nicht um Selbstverständlichkeiten wie Ölstandskontrolle und Inspektionen, und dann ist es eine Sch...karre?
    Haltet den Dieb! Er hat mein Messer im Rücken!

    • Ullli
    • 25. April 2012 7:31 Uhr

    http://www.kfz-auskunft.de/kfz/pkw_neuzulassungen_hersteller_2011.html
    VW liegt deutlich auf Platz 1.
    Kia hat Rang 16, d.h. "fernerliefen."
    Ein potentieller deutscher Autokäufer wäre schlecht beraten, wenn er einen exotischen Kia Cee'd kaufen würde, obgleich es den hervorragenden und bewährten Golf gibt. Wir fahren einen Golf plus. Dieser Wagen ist kaum zu toppen.

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    Im Ernst: Wir hatten in 40 Jahren rund 20 Autos, neue, gebrauchte. Damit waren wir mit Jahresfahrleistungen zwischen 20 und 30 Tkm zu 100 Prozent unterwegs, ohne wegen einer Panne liegenzubleiben. In Sachen Verarbeitungsqualität und außerplanmäßige Werkstattbesuche stechen Erzeugnisse aus Wolfsburg und Ingolstadt (ein Golf GTI, ein Jetta GLI, ein Audi 200 5T und ein Passat) insofern unrühmlich hervor, als diese neben einem Rover wegen Qualitätsmängeln mehr als Inspektionswerkstattbesuche erforderten. Qualitativ am besten stehen ein Mitsubishi Galant, ein Mazda 323i, ein Honda Accord und ein Citroën Xsara Picasso in unserer Liste.
    Auch während zehn Jahren Motorjournalismus mit vielen Testwagen unterschiedlichster Provenienz machten oft Piëchmobile nicht die beste Qualitätsfigur.
    Verkaufszahlen, Marktanteile sind nun mal keine Qualitätskriterien. Daß unsere „Schlüsselindustrie“ über Mittel und Wege verfügt, Stückzahlen in den Markt zu drücken, liegt auf der Hand. Zumal sie 60 plus x Prozent ihrer Geschäfte im (steuergeldsubventionierten) Flottengeschäft macht, wo Irrationalität (vulgo: „Immitsch“) ebenso eine tragende Rolle spielt wie massivste Rabatte, von denen „Privatkunden“ nur träumen können (die Masse macht’s …). Lassen Sie sich mal nichts weismachen: In der Verarbeitungsqualität stehen aktuelle Kia oder Hyundai Ihrem Golf plus in keiner Weise nach. Und gegen einen Honda oder gar einen Subaru sieht jeder Volkswagenaudiseatskoda qualitativ überhaupt kein Fünkchen Licht.

  7. wollten schon viele auf die Pelle rücken: Kadett, Astra, Focus, diverse Japaner und Franzosen. Nun also auch die Koreaner.

    VW baut immer schon das Auto, das die Konkurrenz erst als Nachfolgemodell bringt. Man kann das technische Überlegenheit oder Over-Engineering nennen. Hat seine Vor- und Nachteile, im Augenblick fährt VW damit sehr gut, vor 10 J. war es anders.

    Geschmackssache: m.E. trifft der Kia nicht den Geschmack am dt. Markt, wo klare Linien und geometrische Formen vorherrschen. Die fließenden Formen im Cockpit sind für mein Auge sehr beliebig und unruhig.

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  • Schlagworte Golf | Ford | Kia | Volkswagen | Hyundai | Mazda
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