Nach dem Komplett-Umbau der Mercedes-Benz A-Klasse muss der etwas größere Bruder mit dem "B" im Typenschild dafür sorgen, dass die ältere Kundschaft sich – zumindest in der Kompaktklasse – nicht ganz von der Marke mit dem Stern verabschiedet. So haben die Mercedes-Designer die neue B-Klasse zwar flacher, stromlinienförmiger und dynamischer gestaltet, und sie ist auch markanter strukturiert durch die seitliche Charakterlinie. Aber noch immer kommt die 4,36 Meter lange und 1,56 Meter hohe B-Klasse eindeutig als Kompaktvan daher, mit weit öffnenden Türen und viel Platz für die Passagiere.

Innen haben die Schwaben ihre Generation B deutlich aufgewertet. Die Materialien wirken hochwertiger als beim Vorgänger, das Design erscheint frischer. Die runden Lüftungsdüsen nehmen schon mal das Design der neuen A-Klasse vorweg. Das Armaturenbrett wirkt aufgeräumt – jeder Mercedes-Kunde wird sich auf Anhieb heimisch fühlen.

Besonders ins Auge sticht das frei stehende zentrale Multifunktionsdisplay, das über der Mittelkonsole thront und wohl nicht ohne Absicht an Apples iPad erinnert. Bedienen lässt es sich über den gut erreichbaren Drehknopf neben dem Gangschalthebel am Mitteltunnel. Neben der Navigation und dem Audiosystem sind hier nahezu alle Parameter fürs Auto einstellbar. Bei eingelegtem Rückwärtsgang erscheint dort das Bild der Rückfahrkamera: groß, deutlich und in Farbe.

Platz gibt es in der komplett neu entwickelten B-Klasse geradezu üppig. Vorne sowieso, hinten mehr als in der C- oder E-Klasse. Wer hier in der zweiten Reihe sitzt, hat keine großen Schwierigkeiten, seine Knie unterzubringen und auch lange Strecken bequem zu überstehen. Auch die Kopffreiheit geht in Ordnung. Ein Ärgernis sind hingegen die billig wirkenden kleinen Tische, die an den Rückenlehnen der Vordersitze angebracht sind. Wer sie hochklappen will, schneidet sich schnell mal an den scharfen Plastikkanten.

Schwammige Lenkung stört

Dank des abgesenkten Bodens sitzt man in der neuen B-Klasse fast neun Zentimeter tiefer als in der alten. Das erleichtert den Einstieg. Der Kofferraum ist ohne Ladekante zugänglich und mit 486 Liter geräumig. Durch das Umklappen der hinteren Sitze lässt er sich auf 1.545 Liter erweitern. Damit übertrifft die B-Klasse zum Beispiel den VW Golf Plus oder den Renault Scénic. Gegen Aufpreis ist die Rückbank um 14 Zentimeter verschiebbar, dann lässt sich auch die Lehne des Beifahrersitzes eben herunterklappen – so findet auch langes Transportgut problemlos Platz. Vorn fehlt es hingegen an Ablagen.

Bei der elektromechanischen Servolenkung hat Mercedes es mit der Bequemlichkeit deutlich übertrieben. Das Einparken gelingt auch mit zwei Fingern. Schnell unterwegs auf der Autobahn, das geht nur mit ständigem Korrigieren. Erst recht bei Seitenwind. Kurz: Die Lenkung im Mercedes B ist deutlich zu leichtgängig und schwammig. Dadurch geht Präzision verloren und erst recht das Gefühl dafür, was auf der Fahrbahn gerade los ist. Immerhin macht solch eine Lenkung das Leben in der Stadt deutlich einfacher.

Der krasse Gegensatz dazu: die manuelle Sechsgangschaltung. Sie lässt sich – völlig unüblich für einen Mercedes, bei dem das Hakeln in der Schaltung seit Jahrzehnten zur Serienausstattung gehört – präzise, knackig und auf kurzen Wegen schalten. Auch die Spreizung der Gänge passt. Dazu kommt, dass sich der von uns getestete B 180 CDI mit seinem Drehmoment von 250 Nm schaltfaul fahren lässt. Das maximale Drehmoment liegt schon bei niedrigen 1.400 Umdrehungen pro Minute an.