Ein Blick auf die Statistik scheint zu genügen: Autos sind übermäßig teuer worden. Ein in Deutschland verkaufter Neuwagen kostete im vergangenen Jahr im Durchschnitt laut Listenpreis 25.893 Euro. Seit 1980 stieg der Preis fabrikneuer Autos um jährlich 3,9 Prozent, wie das Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen ermittelt hat. Die Verbraucherpreise insgesamt hätten sich im gleichen Zeitraum aber nur um 2,2 Prozent pro Jahr erhöht. Daran verdient neben den Autoherstellern der Staat. Bei einem Mehrwertsteuersatz von 13 Prozent wurden 1980 nur 939 Euro an den Fiskus abgeführt, heute sind es bei 19 Prozent durchschnittlich 4.143 Euro – also 4,3 Mal so viel, wie das CAR vorrechnet.

Trotzdem war früher nicht alles günstiger. Natürlich fällt es leicht, heute sehr viel Geld für einen Neuwagen auszugeben. Ein modischer Audi Q3 in Geländeoptik kostet in der Basisversion mit Frontantrieb 29.900 Euro. Wer es mit Fahrten in die Berge oder mit einem Anhänger ernst meint, greift lieber zum Vierradantrieb und zu einem TDI-Diesel, damit die Kraftstoffkosten nicht entgleisen. Preis ohne Extras: 36.800 Euro. Ist das Fahrzeug mit diversen nützlichen und einigen zweifelhaften Ausstattungsextras versehen, erreicht der Preis leicht die 50.000-Euro-Schwelle und bestätigt die Nostalgiker: Für rund 100.000 D-Mark gab es einst den Zwölfzylinder im BMW 750i Typ E32.

Allerdings werden Autos wie der beispielhafte Audi Q3 in der Realität selten gekauft, sondern meistens als Firmenwagen geleast und dabei wird faktisch nie der Listenpreis bezahlt. Unabhängig davon lassen sich Neuwagenpreise früher und heute auch anders vergleichen. Bei genauer Betrachtung existieren Autos, die nicht nur sicherer und komfortabler, sondern sogar günstiger geworden sind. Zum Beispiel der Volkswagen Golf, der Topseller überhaupt.

Ein viertüriger Golf GL aus der beliebten Sonderserie Europe kostete mit dem 55 kW (75 PS) starken Benzinmotor im Jahr 1994 30.475 D-Mark. Die Serienausstattung war für damalige Verhältnisse üppig. 185er-Breitreifen waren ebenso inbegriffen wie zwei hintere Kopfstützen, ein Radio mit Kassettenteil und zwei Lautsprechern, elektrische Fensterheber und – Klimaanlagen waren noch exotisch – ein Glasschiebedach. Neu am Golf III war, dass zwei Airbags (für 400 D-Mark) sowie das Antiblockiersystem ABS (für 1.910 D-Mark) bestellbar waren. Endpreis inklusive etwas Fahrsicherheit: 32.785 D-Mark oder 16.763 Euro. Legt man nun die vom CAR genannte durchschnittliche Inflation von 2,2 Prozent per anno zu Grunde, erhöht sich der Preis im Lauf von 18 Jahren auf 24.801 Euro.

Der Golf heißt heute Polo

In den Preislisten von Volkswagen steht heute ein Auto, das in seiner Größe praktisch identisch ist mit dem Golf III: der Polo. Nimmt man den 1,2-Liter-Benzinmotor (51 kW/70 PS) plus Spritspartechnik BlueMotion, wählt das viertürige Sondermodell Match mit serienmäßiger Klimaanlage sowie Wunschfarbe, alle erhältlichen Airbags, Technikpaket und Navigationssystem, dann verlangt VW dafür genau 17.900 Euro. Wer nicht darauf besteht, mit dem Golf mitwachsen zu wollen, sondern einfach nur ein gutes Auto im gleichen Format haben will, bezahlt bei Berücksichtigung der Inflation weniger, als der Golf III GL heute kosten würde. Zudem ist der Listenpreis für Privatkäufer heute leichter verhandelbar als 1994.

Hinzu kommt: Seit 1994 hat sich die Kaufkraft der Deutschen weiter entwickelt. Damals standen laut Statistischem Bundesamt je Haushalt 1.366 Euro netto im Monat zur Verfügung. Rechnet man wieder mit der Inflationsrate von 2,2 Prozent, müsste das Haushaltsnetto 2011 auf 1.977 Euro gestiegen sein. Und tatsächlich weisen die Statistiker mit 1.947 Euro annähernd diese Summe aus. Nach der Statistik sind die Deutschen also ungefähr gleich wohlhabend, bekommen aber für weniger Geld bessere Autos. Dies zeigt sich, wenn man die verfügbaren Nettohaushaltseinkommen zu den Fahrzeugpreisen in Bezug setzt: Für den oben erwähnten Golf GL Europe mit Sicherheitsextras (16.763 Euro) mussten 1994 etwas mehr als zwölf Monatssummen aufgewendet werden; für den Polo 1.2 BlueMotion reichten 2011 gut neun Nettomonatseinkommen.