Opel Ampera im PraxistestDie Wahl zwischen Zapfsäule und Steckdose

Der Opel Ampera ist das erste Auto, das sowohl Benzin als auch Strom tankt. Und nebenbei ist er einfach eine gute Mittelklasse-Limousine. von 

Der Opel Ampera ist ein Plug-In-Hybridauto.

Der Opel Ampera ist ein Plug-In-Hybridauto.  |  © GM Corp.

In italienischen Dörfern soll es noch vorkommen, dass besonders laute Autos wie etwa ein Ferrari mit Applaus bedacht werden: Bitte, lieber Fahrer, gib doch Gas, damit wir das Geräusch der bella macchina besser hören können! Die deutsche Autokultur ist zurückhaltender, aber nicht weniger neugierig oder begeisterungsfähig: Wenn der Opel Ampera an der Ampel steht, lassen etliche Fahrer auf der Nebenspur unauffällig das Fenster herunter gleiten. Offensichtlich erkennen viele Menschen den Ampera. Sie spitzen die Ohren auf der Suche nach dem elektrischen Anfahrsound, und vielleicht wollen sie gerade das hören, was angesichts des Umgebungslärms in der Stadt davon noch übrig bleibt: Nichts.

Der Opel Ampera ist der erste Plug-In-Hybrid, den es tatsächlich zu kaufen gibt. Anders als bisherige Hybridautos kann nicht nur der Energiespeicher für den Verbrennungsmotor, also den Benzintank, an der Zapfsäule aufgefüllt werden. Zusätzlich kann der zweite Energiespeicher, die Batterie für den Elektromotor, an der Steckdose geladen werden. Damit das Sinn macht, ist der Akku im Ampera besonders groß: Wie ein liegendes T teilt er die beiden linken von den beiden rechten Sitzen im Auto und verläuft hinten unter dem Kofferraum quer.

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Die Lithium-Ionen-Batterie mit einer Kapazität von 16 Kilowattstunden ist nach knapp sechs Stunden an der Haushaltssteckdose voll. Im Praxistest von ZEIT ONLINE reichte eine Ladung Strom durchschnittlich für 59 Kilometer. Dieser Wert wurde unter anderem auf einer Strecke von der Hamburger Innenstadt über die Elbbrücken zur Autobahn A1 und dann weiter über die A7 Richtung Süden erreicht. Für Ortskundige: Auf Höhe der Abfahrt Bispingen war Schluss. Im Ampera bedeutet das aber nicht, stromlos liegenzubleiben. Die Elektronik schaltet dann auf den Betrieb mit Verbrennungsmotor um.

Weniger sparsam als ein Prius

Eine noch höhere elektrische Reichweite lässt sich wahrscheinlich nur auf topfebenen Landstraßen herausholen. Die äußeren Bedingungen waren bereits sehr günstig. Auf der gesamten Ausfahrt war die Klimaanlage überflüssig, und die Heizung musste nur selten Leistung bringen. Zugleich wurden alle Geschwindigkeitsbegrenzungen penibel eingehalten und der Tempomat fleißig benutzt – auf der Autobahnfahrt über die A1 und die A7 war er auf 120 Kilometer pro Stunde gestellt.

Der Verbrauch des Opel Ampera führt wegen der intransparenten Berechnungsformel für Plug-In-Hybridautos immer wieder zu Streit. 1,2 Liter Benzin, entsprechend 27 Gramm Kohlendioxid-Ausstoß pro Kilometer, so lautet die Werksangabe nach der Norm ECE R101. Eine Angabe, die dem potenziellen Kunden kaum weiterhilft. Im Ampera-Blog veröffentlichen die Rüsselsheimer darum, welche Laborwerte nach dem Messzyklus NEFZ hinter diesem Endwert stehen. Im Test von ZEIT ONLINE war die elektrische Reichweite 59 Kilometer; laut NEFZ 83 Kilometer. Der Stromverbrauch lag, hochgerechnet auf 100 Kilometer, bei 20,8 Kilowattstunden (NEFZ: 16,9 kWh), der Benzinverbrauch betrug bei entleerter Batterie 6,0 Liter (NEFZ: 5,0 Liter).

Der höchste Verbrauch kam auf einer zügigen Autobahnetappe zustande, bei der zwischen 120 km/h und der Höchstgeschwindigkeit von 161 km/h gefahren wurde: 7,5 Liter auf 100 Kilometer. Wahrscheinlich fordert hier das hohe Leergewicht des Ampera von 1.732 Kilogramm seinen Tribut. Zum Vergleich: Das Hybridauto von Toyota , der Prius, wiegt 1.445 Kilogramm; die Plug-In-Version, die von September an erhältlich ist, soll nur 50 Kilogramm mehr wiegen. Diverse von ZEIT ONLINE gefahrene Toyota Prius waren deutlich sparsamer als der Opel Ampera, auch ein getestetes Vorserienmodell des Plug-In-Prius. Mit leerem Akku, aber bei disziplinierter Fahrweise hatte der Verbrauchswert für 100 Kilometer eine Vier vorm Komma. Die Prius waren nur mit rohem Gasfuß über sechs Liter zu treiben.
 

Leserkommentare
    • B.B.
    • 30. April 2012 9:33 Uhr

    Ein toller und sachlicher Artikel zu einem sehr unterschätzten Auto. Wenn ich in der Situation wäre, mir ein Mittel- oder Oberklasse-Auto kaufen zu können, würde ich mich etwas kleiner setzen und den Ampera kaufen. Wenn ich jeden Tag nur 30 Kilometer pendel, brauche ich nämlich gar keinen Sprit mehr und ich würde mich an jeder Tankstelle freuen, dass ich sie nicht anfahren muss.

    4 Leserempfehlungen
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    ... es ist ein guter Bericht.

  1. ... wird leider durch einen ungerechtfertigten Rigorismus überlagert. Warum muß eine Technologie für alle einen Vorteil bieten? Warum darf sie nicht nur für eine Minderheit einen Vorteil bieten, wenn diese in der Lage ist diesen Vorteil für sich zu nutzen.

    Nehmen wir folgenden Fall: Ein Pendler lebt auf dem Land in seinem eigenen Haus. Er arbeitet etwa dreißig Kilometer entfernt in der Stadt. Was spricht dagegen, das dieser Pendler sich einen Opel Ampera (oder vergleichbares Auto anderer Hersteller in der Zukunft) kauft. Auf das Dach seines Hauses kommen modernste Photovoltaikzellen (sind nicht mehr so teuer und produzieren selbst aus Restlicht noch Strom). Mit diesem Strom "tankt" er nach Feierabend sein Auto auf. Am nächsten Tag fährt er damit zur Arbeit und wieder zurück. In der Nacht "tankt" er wieder auf. Energiekosten: Null!

    Sicher, das können nicht alle machen. Auch ist das Auto noch sehr teuer. Aber ich habe keinen Zweifel, das die Preise für diese Autos schon sehr bald kräftig fallen werden (siehe Solarmodule).

    Anstatt ständig zu schimpfen und andere für unser Schicksal verantwortlich zu machen, sollten wir jede angebotene intelligente Lösung prüfen und nicht gleich in die Tonne treten.

    3 Leserempfehlungen
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    • Dr. No
    • 30. April 2012 12:34 Uhr

    "In der Nacht "tankt" er wieder auf"

    Gute Idee, Solarmodule die auch nachts Strom liefern!

    ... keinen Roman schreiben, aber intelligente Leute wissen, was es damit auf sich hat.

    Aber für Sie noch einmal im Klartext:

    Der tagsüber gewonnene elektrische Strom wird in das Stromnetz eingespeist und in der Nacht wieder abgerufen. Unter dem Strich ist es nur eine Frage, der Zwischenspeicherung.

    Bitte gehen Sie sachlicher auf andere Kommentare ein. Danke, die Redaktion/se

    • Soo
    • 03. Mai 2012 21:50 Uhr

    So sehe ich das auch. Nicht jedes Produkt am Markt muss unbedingt wie für mich maßgeschneidert sein. Und wenn das der Fall ist, dann mache ich mir nicht extra noch die Mühe um es überall schlecht zu reden. Leider gibt es sehr viele unreife Leute im Internet, die sich dann sofort denken "ich kann mir den Ampera nicht leisten bzw. ein E-Auto macht in meiner Situation wenig Sinn -----> der reinste Schrott". Und das ist etwas, was ich nicht verstehen kann. Ist es zu viel verlangt mal über den eigenen Horizont hinauszuschauen?

    • Hagane
    • 30. April 2012 9:43 Uhr

    Nach dem lesen des Artikels blieb vor allen eine Aussage hängen:

    1,7 tonnen an Fahrzeug um i.d.r eine Nutzlast von 80kg zu befördern.

    Sorry, aber das kann nicht die Zukunft sein, es sei denn wir entdecken die kostenlose Energie. Solange fahre ich mit einem einfachen, benzinbetriebenen Kleinwagen umweltfreundlicher, vor allen wenn man noch Herstellung und Ntsorhung des Akkus rechnet.

    Und mehr als ein Kleinwagen muss es meistens auch nicht sein, niemand braucht ernsthaft eine grosse Limosine, grose Autos sind Luxus, keine Notwendigkeit.

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    Bei ihrem Kleinwagen ist das Verhältnis aber auch nicht unbedingt günstig. Immer noch über eine Tonne Stahl, um 80 kg Mensch zu transportieren.

  2. "1,7 tonnen an Fahrzeug um i.d.r eine Nutzlast von 80kg zu befördern."

    Selbst beim modernen ICE 3 sind es beim Zuggewicht von 405 t auch nur 404 Fahrgäste, so schlecht ist das für Individualverkehr dann gar nicht.

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  3. Bei ihrem Kleinwagen ist das Verhältnis aber auch nicht unbedingt günstig. Immer noch über eine Tonne Stahl, um 80 kg Mensch zu transportieren.

    Antwort auf "Die Zukunft?"
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    • Hagane
    • 30. April 2012 11:06 Uhr

    In meinem Falle "nur" 890 kg.

    Aber ich nutze bei guten Wetter das Fahrrad um zur Arbeit zu kommen (22km einfach), kostet mich ca 40min mehr Zeit, aber dafuer hat man sein Sportpensum erfuellt und Benzingeld gespart.

    Wobei ich im Winter den Luxus Auto auch sehr zu schätzen weiss, aber in meinen Augen geht die Entwicklung in die falsche Richtung und das Gewicht ist einer der Faktoren, die dies zeigen. Immer mehr Ausstattung, immer mehr Leistung, der Verbrauch geht seit etlichen Jahren kaum nach unten, da nun halt 500kg mehr im Schnitt bewegt werden als noch vor 20 Jahren und Klimaanlage/Sitzheizung/usw. befeuert werden muessen.

    Dieses typische "Energiesparen ja gerne, aber nicht bei meiner Bequemlichkeit." DA wird sich sicherlich noch einiges aendern in den naechsten Jahren.

  4. zum Toyota Prius greifen. Der hat über zehn Jahre Erfahrung von Toyota eingebaut und brennt daher nicht. Außerdem kostet er nur die Hälfte vom Ampera.

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    Wann hat je ein Ampera unmittelbar nach einem Unfall gebrannt? Warum sollte umkehrt das nach einem Unfall auf den heißen Auspuffkrümmer eines Prius spritzende Benzin diesen nicht in Flammen aufgehen lassen? Ihre Aussage "Der Ampera brennt und der Prius nicht" ist falsch und daher wertlos.

  5. Wann hat je ein Ampera unmittelbar nach einem Unfall gebrannt? Warum sollte umkehrt das nach einem Unfall auf den heißen Auspuffkrümmer eines Prius spritzende Benzin diesen nicht in Flammen aufgehen lassen? Ihre Aussage "Der Ampera brennt und der Prius nicht" ist falsch und daher wertlos.

    Antwort auf "Ich würde eher"
    • Hagane
    • 30. April 2012 11:06 Uhr

    In meinem Falle "nur" 890 kg.

    Aber ich nutze bei guten Wetter das Fahrrad um zur Arbeit zu kommen (22km einfach), kostet mich ca 40min mehr Zeit, aber dafuer hat man sein Sportpensum erfuellt und Benzingeld gespart.

    Wobei ich im Winter den Luxus Auto auch sehr zu schätzen weiss, aber in meinen Augen geht die Entwicklung in die falsche Richtung und das Gewicht ist einer der Faktoren, die dies zeigen. Immer mehr Ausstattung, immer mehr Leistung, der Verbrauch geht seit etlichen Jahren kaum nach unten, da nun halt 500kg mehr im Schnitt bewegt werden als noch vor 20 Jahren und Klimaanlage/Sitzheizung/usw. befeuert werden muessen.

    Dieses typische "Energiesparen ja gerne, aber nicht bei meiner Bequemlichkeit." DA wird sich sicherlich noch einiges aendern in den naechsten Jahren.

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    • RGFG
    • 30. April 2012 15:30 Uhr

    den Autos in der 900kg Klasse mit heiler Haut entronnen zu sein. Die wünsche ich mir nicht zurück - außer vielleicht in Karbon mit dem Sicherheitsniveau von heute.

    • FZ
    • 02. Mai 2012 18:30 Uhr

    680 kg, einen Liter Hubraum, 29 kW und brauchte ca. 8 l Benzin. Damit bewege ich heute beinahe zwei Kleinwagen. Was fehlte (so im Wesentlichen)?

    - Das Fahrzeug hatte NULL Airbags (verkaufen Sie das heute mal...)
    - Seitenaufprallschutz kannte man, als es gebaut wurde (1979), bestenfalls aus der Mercedes S-Klasse (schon damals ein ziemliches Trumm)
    - Dem Gestühl gebe ich bei einem mittelschweren Heckaufprall keine Überlebenschancen
    - Kopfstützen hinten? Wieso? die Bank geht doch fast bis zur halben Rückenhöhe...
    - Hinten immerhin drei BECKENgurte (von Hand auf Länge einstellbar!)
    - Gurtstraffer? Gurtkraftbegrenzer? Hielt man '79 wahrscheinlich noch für was zu essen
    - Windschutzscheibe: Hartglas. Spart Gewicht für die zweite Glasschicht, liegt aber bei Unfall gerne mal in Fetzen im Fahrzeug rum
    - Bereifung: 13 Zoll, 135er Laufflächen, unter den Winzlingsfelgen noch kleinere Bremsscheiben (vorn, hinten sogar Trommeln) - macht auch bei geringem Gewicht einen schööön langen Bremsweg...

    Bitte immer eins mit beachten, wenn's mal wieder gegen die Tonnage geht: das meiste Gewicht bringt die zusätzliche Sicherheit mit sich (dazu gehören auch langstreckentaugliche Sitze). Die Klima hat heut im Extremfall 30 kg und einen halben Liter Mehrverbrauch bei Betrieb. Leistung wiegt nicht sonderlich, ein heutiger Alumotor kann mit einem ollen Graugussblock mal locker mit.

    Und das mit der Sicherheit - sorry, ich persönlich möcht's nicht missen, nur Glück gehabt habe ich schon oft genug...

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  • Schlagworte Wahl | Opel | Toyota | Volkswagen | Akku | Auto
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