AutoverkehrDas Geschäft mit City-Parkplätzen lässt nach

An der Straße parken oder das Auto im Parkhaus lassen? Kommunen und Privatfirmen teilen sich den Markt, beide spüren aber das veränderte Konsumverhalten. von Simon Frost

Ob Herbert Grönemeyer damals nicht einfach deshalb nicht ins Parkhaus fuhr, weil er nichts bezahlen wollte, ist nicht bekannt. Sein Werk wäre dann um einen Song ärmer. "Ich finde keinen Parkplatz / Ich komm zu spät zu Dir, mein Schatz", dichtete er in seinem Lied Mambo. Das ist knapp 30 Jahre her.

Nach Auffassung von Stadtplanern bekäme er heutzutage sehr wohl einen Parkplatz am Straßenrand. Müsste aber vermutlich dafür bezahlen. In immer mehr Städten und Gemeinden müssen gebührenfreie Parkplätze weichen, an ihre Stelle tritt vielerorts Anwohner- und, wie es im Amtsdeutsch heißt, Mischparken, also kostenpflichtige Parkplätze, für die man Anwohnerparkausweise erwerben kann oder als Kurzzeitparker bezahlt.

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Parkraumbewirtschaftung nennt sich das. Durch preislich unterschiedlich gestaffelte Parkzonen wollen Stadtplaner erreichen, dass Autobesitzer überflüssige Fahrten meiden, über den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel nachdenken und so die Zahl derer reduzieren, die auf der Suche nach einem kostenfreien Parkplatz den fließenden Verkehr behindern. Verkürzt gesagt: Die Bewirtschaftung erfolgt über den Preis. Die Kommunen verdienen daran nicht schlecht. In Berlin gibt es beispielsweise derzeit gut 80.000 solcher Stellplätze auf und neben dem Bordstein. Die klammen Bezirke nehmen damit einen hohen einstelligen Millionenbetrag ein. Etwa die Hälfte davon fressen die Kosten für die Kontrolleure und Wartung der Automaten wieder auf.

Doch warum auf der Straße parken, wenn man ohnehin dafür bezahlen muss? Wer so denkt, ist ein potenzieller Kunde von Werner Schardt. Er ist Parkhausbetreiber und Vorsitzender des Bundesverbands Parken, der die Interessen der Branche vertritt. Die profitiert davon, dass die Gemeinden häufiger Parkgebühren erheben und sich gleichzeitig aus dem Betrieb von Tiefgaragen und Parkhäusern zurückziehen. "Dieser Trend ist schon klar zu beobachten", sagt Schardt.

Wer sein Auto in einer Tiefgarage abstellt, hat gewisse Ansprüche an die Größe der Parkplätze, die Beleuchtung, moderne und leicht bedienbare Kassenautomaten. Die Ausstattung auf diesem Niveau kostet Geld, die Instandhaltung auch. "Es reicht nicht, das Geld abzuholen", sagt Schardt. Manche Kommunen folgen deshalb wohl dem Leitsatz, outsourcen ist billiger als modernisieren. Zudem können Privatunternehmen kosteneffizienter arbeiten, weil sie auf ein Thema spezialisiert sind. So hat die Berliner Firma Contipark eine Sicherheitszentrale eingerichtet, die Anfragen entgegennimmt, egal ob ein Kunde in München oder in Berlin auf den Sprechen-Knopf am Automaten drückt.

Jeden vierten Euro verdient die Branche an Flughäfen

Städtisch oder nicht – Stadtplaner sehen dafür nicht ausschließlich ökonomische Gründe. "Ob eine Kommune Parkhäuser in Eigenregie betreibt oder nicht, ist eine politische Entscheidung", sagt Joachim Krey von der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. "In vielen Städten und Gemeinden herrscht die Auffassung vor, dass Parkhäuser auf nichtkommunalen Flächen eine rein privatwirtschaftliche Angelegenheit sind." Marktbeobachter schätzen, dass gut ein Drittel der mehr als 1,5 Millionen Stellplätze abseits des öffentlichen Straßenraums gewerblich betrieben werden – der überwiegende Teil in den Innenstädten und an Shopping-Centern. Ein wachsendes Geschäftsfeld ist für die Betreiber das Parken an den Flughäfen. Obwohl nur jeder zehnte Stellplatz dort angesiedelt ist, liegt der Anteil am Gesamtumsatz der Branche bei einem Viertel.

Insgesamt tummeln sich gut 300 vorwiegend kleine und mittelgroße Unternehmen in dem Markt. Drei von ihnen teilen rund ein Drittel des deutschen Geschäfts unter sich auf: Contipark aus Berlin betreibt unter anderem in einem Jointventure mit der Bahn die Parkhäuser an den Bahnhöfen, Apcoa aus Stuttgart übernimmt unter anderem die Bewirtschaftung von 15.000 Parkplätzen am neuen Berliner Willy-Brandt-Flughafen, und die niederländische Q-Park verwaltet zum Beispiel die neue Tiefgarage unter dem Alexanderplatz.

Trotz des Wachstums in manchen Segmenten wie zum Beispiel den Flughäfen stagniert der Umsatz. "Etwa seit der Jahrtausendwende liegt er für die gesamte Branche bei rund 900 Millionen Euro jährlich", sagt Carl Schnell, der von München aus die Bavaria-Garagen betreibt. Nach der deutschen Wiedervereinigung habe es in den neunziger Jahren einen Bauboom gegeben, dessen Folge ein Überangebot an Bezahl-Parkplätzen sei. Hinzu komme ein durch das Internet geändertes Konsumverhalten der Menschen. "Wenn Sie früher einen Fernseher gekauft haben, sind Sie drei-, viermal in die Stadt gefahren: um sich zu informieren, zu vergleichen und schließlich zu kaufen. Heute fahren Sie vielleicht noch hin, um ihn sich selbst abzuholen. Manchmal nicht mehr das." Soll heißen: Obwohl die Zahl der Pkw in Deutschland stetig steigt, fahren die Menschen seltener in die Innenstädte und verweilen dort kürzer.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
    • kinnas
    • 10. April 2012 16:20 Uhr

    "Obwohl die Zahl der Pkw in Deutschland stetig steigt, fahren die Menschen seltener in die Innenstädte und verweilen dort kürzer."

    Eigentlich hätte man damit einen Lobesartikel schreiben können, hier kommt die eigentliche gute Nachricht in einen kleinen Nebensatz ans Ende des Artikels.

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    Vielleicht fahren die Leute ja auch einfach woanders hin?

    Bei uns in der Gegend hat z.B. vor kurzem eine shopping-mall mit knapp 180 Geschäften (Kleider, Bücher, Spielzeug, fast food, Elektronik etc.) aufgemacht. Alles unter einem Dach!
    Parken im Parkhaus nebendran mit überdachtem Übergang ist kostenlos.

    Im direkten Umkreis befinden sich noch ein Möbelladen, ein weiterer Elektro-Anbieter, mehrere Supermärkte, ein xxl-Blumenladen etc. etc. Alle verfügen über kostenlose Parkplätze.

    Das gute Ackerland kostet halt nicht so viel und kann schnell und einfach zu Parkplätzen und Einkaufszentren umfunktioniert werden.

    Welcher Autofahrer muss da noch in die Innenstadt fahren?

    Das perfide daran: Diese ganzen Läden sind (im Gegensatz zu den Läden in der Innenstadt) so weit draussen auf dem "platten Land", dass sie praktisch nur mit dem Auto erreichbar sind.
    So wird mehr Auto gefahren, das Geld in Benzin investiert, um die Kosten für den Parkplatz zu sparen und die Landschaft zersiedelt. Dem bekannten Motto folgend: "Ich bin doch nicht blöd!"

  1. Im Zuge der Gleichbehandlung vergleichbarer Tatbestände müsste entweder der gesamte City-Zielverkehr (also einschliesslich der diversen Zweiradfahrer mit und ohne Hilfsmotor) gebührenpflichtig parkraumbewirtschaftet werden - oder niemand!
    Weshalb muss ich für meinen SUV-Parkplatz bezahlen, ein Radfahrer aber (sofern es kein bewachter Stellplatz oder eine gemietete Unterstellbox ist) nicht?

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    Warum sollte ein Radfahrer für seinen Stellplatz bezahlen, wenn der nicht mal bewacht und überdacht ist?

    Außerdem reduzieren die Radfahrer das Verkehrsaufkommen, somit kommen Sie mit Ihrem SUV besser durch die Stadt. Sie (die Radler) verpesten die Luft nicht, somit müssen Sie kein Fahrverbot fürchten. Sie benötigen weit weniger Platz, somit finden Sie auch mit Ihrem Panzer einen Parkplatz.

    Wenn ich mir das Ganze so betrachte, sollte ich als Radfahrer noch Geld von Ihnen dafür bekommen, dass ich Ihnen mit Ihrem SUV einen stressärmeren Ausflug in die City ermögliche. Und falls dieser Einwand gleich kommt: Ich halte mich als Radfahrer an die Verkehrsregeln.

    ...wenn Sie mit Ihrem chelsea-tractor in die Innenstadt fahren, 15 Euro pro Ein-und Ausfahrt, mit denen würde man dann Regenpelerinen für Radfahrer bezuschussen.

    Es ist jetzt schon über 20 Jahre her. Da hat eine Politesse einem Motorradfahrer in der Innenstadt von Konstanz ein Ticket verpasst, weil er auf einem nicht ausgewiesenem Parkplatz parkte. Es kam wie es kommen musste der Motorradfahrer musste das Ticket bezahlen. Doch der Motorradfahrer gab nicht auf und hat an beliebten Stellen wo sich viele Motorradfahrer treffen Flyer ausgelegt "Der Text: Motorradfahrer treffen sich Samstag in Konstanz in der Innenstadt um 8:00 Uhr jeder Fahrer steht auf einen Autoparkplatz und löst ein Parkschein."
    Es kamen an dem Samstag viele hunderte Motorradfahrer. Die Parkplätze der Innenstadt waren alle besetzt und die Autos hatten keinen Platz mehr zum Parken. Illegal ist das übrigens nicht.
    Und nun eine Antwort zum SUV-Parkplatz. Wenn alle Fahrradfahrer einen Autoparkplatz bezahlen und je mit einem Fahrrad dort Parken....
    Da gönnen wir dem Fahrradfahrer doch lieber den kostenlosen Parkplatz.

    • RGFG
    • 10. April 2012 20:11 Uhr

    Wenn man die Antworten so berichtet, haben Sie jetzt ein paar Leute auf Ideen gebracht.

    Und es würde mich tatsächlich interessieren, wie Sie sich mit Ihrem SUV so verhalten würden, wenn alle Parkplätze von Fahr- oder Motorrädern belegt wären, an denen brav das Zettelchen für die Parkgebühr hängt...

  2. Warum sollte ein Radfahrer für seinen Stellplatz bezahlen, wenn der nicht mal bewacht und überdacht ist?

    Außerdem reduzieren die Radfahrer das Verkehrsaufkommen, somit kommen Sie mit Ihrem SUV besser durch die Stadt. Sie (die Radler) verpesten die Luft nicht, somit müssen Sie kein Fahrverbot fürchten. Sie benötigen weit weniger Platz, somit finden Sie auch mit Ihrem Panzer einen Parkplatz.

    Wenn ich mir das Ganze so betrachte, sollte ich als Radfahrer noch Geld von Ihnen dafür bekommen, dass ich Ihnen mit Ihrem SUV einen stressärmeren Ausflug in die City ermögliche. Und falls dieser Einwand gleich kommt: Ich halte mich als Radfahrer an die Verkehrsregeln.

    • IzZo
    • 10. April 2012 16:36 Uhr

    "Die Bewirtschaftung erfolgt über den Preis. Die Kommunen verdienen daran nicht schlecht."

    Die Bewirtschaftung ist in einigen Städten (z.B. Wiesbaden)zur absoluten Abzocke verkommen! Wer an einem Samstag zum Einkauf die Innenstadt besucht und sein Auto im Parkhaus abstellt, muss mit Kosten zwischen 2€-3€ pro Stunde rechnen.

    Ebenfalls in Wiesbaden betragen die Kosten für die max. Nutzungsdauer eines Parkplatzes (max. 5 Stunden) 6€. Ein Strafzettel wegen des Parkens ohne Parkschein dagegen kostet 5€.

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    2-3 Euro für eine Stunde? Das ist ja niedlich. Besuchen Sie uns mal in Hamburg und lassen Sie am besten gleich das Auto stehen. Das sind Preise, da lächeln wir nur müde.

    Ich habe kein Mitleid mit jammernden Autofahrern (bin übrigens selber Autofahrer), die über hohe Benzinkosten und/oder Parkgebühren stöhnen. Angebot und Nachfrage gelten natürlich auch hier und genauso wenig wie es einen Rechtsanspruch auf billiges Benzin gibt, gibt es bei knappen Raumangebot in der Innenstadt ein Recht auf billiges Parken. Das Raumangebot in der Stadt ist knapp und würde Parken innerstädtisch günstig sein, wäre der Kolaps nah. Eigentlich ist er schon da, aber irgendwie haben es die Autofahrer immer noch nicht begriffen, dass, würde man Benzin billig und Parken billig machen, der totale Stau Realität wäre. So bewegen wir uns immer knapp davor, was eigentlich auch schon zu viel ist.

    • Hickey
    • 10. April 2012 17:40 Uhr

    Hier bei uns zahlt man für den max. 6 Stunden Tarif etwa 20-30 Euro je nach Lage.

    Muss ehrlicherweise gestehen, das das richtig ist...wer ein Auto hat braucht einen Platz wo es Parken kann und dieser Platz wurde bisher von der Gemeinschaft bezahlt.

    SUV Fahren sollten doppelt soviel für Anwohnerausweise zahlen, da ihre Autos doppelt soviel Platz benötigen.

    Das Argument, Fahrradfaher sollten etwas zahlen kann nur einem SUV-Fahrer entspringen...auf den Platz ihres SUV kann man locker 20 Fahrräder parken.

    • GDH
    • 10. April 2012 18:55 Uhr

    "Ein Strafzettel wegen des Parkens ohne Parkschein dagegen kostet 5€."

    Das habe ich auch nie verstehen können. Allein der Verwaltungsaufwand muss doch schon fast so teuer sein. Ich kenne die Kontrolldichte bei Ihnen nicht aber wenn man so rechnet, dass der Strafzettel der Kommune im Mittel zumindest die entgangenen Einnahmen und dazu noch den Extraaufwand bezahlen soll, kommt man sicherlich zu ganz anderen Bußgeldern.

    • IzZo
    • 11. April 2012 10:11 Uhr

    kommt es an. Ihre Argumente mögen aus Umweltgesichtspunkten richtig sein. Aus einem sozialen Blickwinkel, stell ich mir allerdings die Frage, wie z.B. ein/e Frisör/in oder auch Angestellte im Einzelhandel, die in der Innenstadt für einen Stundenlohn deutlich unter 10€ arbeiten gehen, einen Stellplatz für ihren Klein- bzw. Kleinstwagen finanzieren sollen? Diese Menschen sind zum Großteil auf ein Auto angewiesen, da sie den Wohnraum in der Innenstadt schon lange nicht mehr zahlen können und deshlab außerhalb wohnen. Das Argument diese Menschen sollen dann eben öffentl. Verkehrsmittel nutzen, lasse ich so nicht gelten, da die Fahrpläne aus kostengründen immer weiter zusammengestrichen werden und von einem zeitgemäßem Fahrplan nicht die Rede sein kann. Glauben Sie nicht? Schauen Sie mal auf einen Fahrplan, da werden Sie feststellen, dass zu den Feierabendzeiten dieser Leute kaum noch ein öffentl. Verkehrsmittel nach Außerhalb unterwegs ist. Die Kosten für den öffentl. Nahverkehr haben sich in den letzten 10 Jahren übrigens fast verdoppelt.

    • Guido3
    • 10. April 2012 16:39 Uhr

    Das der Gesamtumsatz der Branche seit 10 Jahren stagniert, wundert mich etwas. Bezogen auf das Innenstadtgeschäft ist das plausibel. Aber das Fluggastaufkommen ist in den letzten 10 Jahren an Flughäfen wie München oder Hamburg um 50 Prozent oder mehr gestiegen und die Parkgebühren haben sich in dem Zeitraum etwa verdoppelt.

  3. ...wenn Sie mit Ihrem chelsea-tractor in die Innenstadt fahren, 15 Euro pro Ein-und Ausfahrt, mit denen würde man dann Regenpelerinen für Radfahrer bezuschussen.

    Eine Leserempfehlung
  4. ...üben wir in Stuttgart: Der halbe Talkessel ist eine Baustelle, Glasbetonriegel säumen die Hauptachsen mit den bekannten Kettenbuden der internationalen Qualitätsgastronomie, dazu das exquisite Angebot bengalischer Damen-und Herrenoberbekleidung, garniert mit den Preziosen nanogetakteter Mobiltelekommunikationsendgeräten: Da nimmt der fossilmobile Stadtnomade Reißaus, fährt den schwäbischen Stern lieber im Ober-oder Untergäu aus, und schlotzt dort seinen Kerner, Trollinger - mit oder ohne Lemberger.

  5. ...da die Bürger gebeten werden, nur noch Kfz- Steuer und Versicherung abzudrücken, sich alle drei Jahre Neuwagen zu kaufen (Arbeitsplätze) und ansonsten das Fahrzeug stehen zu lassen - wir haben ja den preiswerten Nahverkehr ;)

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