VW-BusBulli-Auffrischung ab Werk

Bulli-Besitzer können ihr Schmuckstück jetzt bei VW in Hannover wieder auf Vordermann bringen lassen. Die Erneuerung geht bei völlig unrestaurierten Bullis aber ins Geld. von Marcel Sommer

Harald Schomburg selbst fährt einen T3 Camper, sein persönlicher Liebling ist aber der T1 mit Doppelkabine in Crèmeweiß. T1? T3? Fans wissen längst: Es geht um Bullis , die längst Kult gewordenen Kleinbusse von VW – und Harald Schomburg ist der Herr der Bullis. "Wir haben zahlreiche verschollene Fahrzeuge gefunden und wieder hergerichtet", sagt Schomburg, Mitglied des Markenvorstands von Volkswagen Nutzfahrzeuge. "100 funktionsfähige Fahrzeuge vom T1 bis zum T4 stehen bereits in unseren Werkshallen."

2007 wurde bei Volkswagen die Abteilung Nutzfahrzeug-Oldtimer ins Leben gerufen. Auf rund 7.000 Quadratmetern stehen in Hannover-Limmer nicht nur die konzerneigenen, gefundenen, aufgekauften und restaurierten Bullis, sondern auch ein Maschinenpark. Der umfasst von der Blechbiegebank über Dreh- und Fräsmaschinen bis hin zur eigenen Lackiererei alles, was betagte Bullis wieder auf Vordermann bringt – seit Kurzem auch für jedermann , also externe Kunden.

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13 Mitarbeiter beschäftigen sich mit einfachen Inspektionen bis hin zu Motorüberholungen und Vollrestaurierungen der in die Jahre gekommenen Fahrzeuge. Dabei kann eine Runderneuerung allerdings auch richtig ins Geld gehen. "Der Stundenlohn beträgt bei uns branchenübliche 80 Euro. Eine Vollrestaurierung kann bis zu einem Jahr dauern", sagt Schomburg. "Gibt der Kunde beispielsweise einen völlig unrestaurierten Bulli hier ab, der komplett neu aufgebaut werden soll, dann kann das um die 100.000 Euro kosten." Lohnen kann sich das aber: Sehr gut aufgefrischte und seltene Bullis, etwa das Sondermodell Samba, bringen bei Auktionen bisweilen mehr als 100.000 Euro.

Demontieren, Schweißen, Lackieren

Fünf Schritte durchläuft der Bulli bei einer Restaurierung. Den Anfang machen ein Fahrzeug-Check und die anschließende Bewertung. Hier wird dann mit dem Kunden festgelegt, in welchem Umfang sich die Werkstatt um seinen VW-Bus kümmern soll. Gleichzeitig werden die Schäden und der Zustand des blechernen Patienten festgehalten. "Zu 98 Prozent ist bei T1 und T2 der Batteriekasten hinten rechts durchgerostet. Beim T2 öfter als beim T1", erläutert ein Mitarbeiter an Station 1. "Beim T1 sind noch häufiger die Wagenheberaufnahmen betroffen."

In der zweiten Station wird der Bulli demontiert. Mitarbeiter zerlegen dabei das Fahrzeug in verschiedene Bauteile wie den Motor, den Antriebsstrang oder das Interieur. Als drittes wird der Motor überarbeitet. Hier kann es schon mal vorkommen, dass ein Triebwerk komplett aus neuen Teilen zusammengebaut wird. Die Werkstatt verwendet stets Originalteile, die entweder vom Partner Volkswagen Classic Parts stammen, aus der ganzen Welt eingeflogen oder sogar einzeln angefertigt werden.

Die vierte Station ist laut Harald Schomburg die wichtigste. Hier werden Karosseriearbeiten vorgenommen: Es wird geschweißt, geschnitten und geschliffen, um Unebenheiten oder schlichten Rost zu beseitigen. Außerdem lackieren Arbeiter die Außenhaut in den gewünschten Originalfarben. Wie bei der Motorüberarbeitung beschränken sich die Arbeiten auf das Wiederherstellen des ursprünglichen Zustands. Das heißt: Weder ein V8-Motor noch spezielle Muster, die nicht zum Originalzustand gehören, sollten auf dem Wunschzettel stehen. Den Abschluss der zertifizierten Restaurierung bildet die Übergabe des Fahrzeugs. Der Eigentümer bekommt nicht nur seinen Bulli wieder, sondern auch eine Mappe, in der jeder Arbeitsschritt fotografisch dokumentiert und detailliert beschrieben ist.

Die Bulli-Werkstatt in Hannover hat sogar einen US-Dokumentarfilm beeinflusst. Der junge Regisseur Damon Ristau wollte dem VW-Bus ein Denkmal setzen – einen Film über den Tod einer Ikone. Der 32-Jährige, der eigentlich wegen Archivmaterials nach Hannover gereist war, sah dort die Bulli-Restaurierung: "Ich verstand plötzlich, dass der Kult weiterleben wird", sagt Ristau, der privat einen Bulli von 1966 fährt. Jetzt hat sein rund einstündiger Film The Bus ein Happy End.

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Leserkommentare
  1. die schönsten busse die je gebaut wurden. einfach (,) zuverlässig.

  2. aber hatte leider vergessen, u.a. die Vorderachse alle 500km zu schmieren, was sie leider zerstörte. Heute fahr ich gern! einen 18 Jahre alten T4 und werde wohl auch irgendwann den T6 fahren ... das Lebensgefühl von "damals" erschließt sich mir mehr über die damalige Musik (z.B. Neil Young, It's a Beautiful Day), aber ich höre eben auch Musik von heute ;-)

  3. ............................................

  4. ....oh ist das lange her:-((
    .
    2. Ölkühler eingebaut, Auffahrschutz fürs Getriebe, 1 Zylinderkopf plus Kleinteile und ein paar Werkzeuge eingepackt, Reserverad vorn drauf.....
    .
    In Theran nette Leute getroffen, bei Kanderhar in einem Bauerndorf mit gefeiert, Zylinderkopf kurz vor Dehli in einer Dorfschmiede gewechselt....
    .
    Keiner hat geschoßen, Fremde waren noch Gäste.....
    .
    Schöne Zeiten in einem schönen Auto:-))
    .
    Träumerische Gruesse
    Sikasuu

    • Meykos
    • 09. April 2012 13:09 Uhr
    5. [...]

    Entfernt. Bitte beachten Sie, dass ihr Profil für die Verlinkung ihres eigenen Blogs vorgesehen ist. Danke, die Redaktion/jp

  5. "Wie bei der Motorüberarbeitung beschränken sich die Arbeiten auf das Wiederherstellen des ursprünglichen Zustands. Das heißt: Weder ein V8-Motor noch spezielle Muster, die nicht zum Originalzustand gehören, sollten auf dem Wunschzettel stehen."

  6. T3 Caravelle-Carat "projekt Zwo" wollte ihn mal verkaufen ,hatte früher mehrere T2, einen habe ich nach Nigeria verkauft,der Nigerianer der ihn wollte lag auf Knien vor mir, um mich weich zu bekommen-heute bereue ich es.
    Den T3 werde ich nicht verkaufen 2,1i mit 90 PS einspritzer
    ein sehr schöner Bus-und diese Modelle werden nicht mehr gebaut.Alle Nachfolger sehen sich irgendwie ähnlich.
    Drehbare Einzelsitze ausziehbarer Tisch-ein idealer kleiner Reisebus.Diese Bulli-Auffrischung ab Werk ist eine Super-Sache.

  7. T1... T2...

    *seufz*

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Restaurierung | Hannover
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