Ein Mitarbeiter von Vattenfall betankt ein Brennstoffzellenauto mit Wasserstoff. © Thomas Peter/Reuters

Es zischt, wenn der gasförmige Wasserstoff in den Drucktank des Autos gepresst wird. Der Schlauch zwischen Säule und Zapfhahn spannt sich und erinnert an den in mancher Dusche: mit Metallspiralen umwickelt, nur dicker. Versteckt an der Seite zeigt ein Manometer den steigenden Druck an. 200 bar, 400 bar – mit bis zu 700 bar werden die Gasflaschen im Unterboden der Mercedes B-Klasse F-Cell befüllt. In weniger als drei Minuten steht die Tanknadel wieder am Anschlag. Jetzt kann die Zapfpistole, die optisch der von Benzin oder Diesel sehr ähnlich ist, zurück gehängt werden. Fertig.

Was so leicht funktioniert wie mit jedem anderen Kraftstoff, weckt trotzdem mulmige Gefühle: Das Bewusstsein des hohen Drucks, die unbekannte Geräuschkulisse sowie die potenzielle Explosivität lassen die Frage hochkommen, wie sicher das Tanken von Wasserstoff (chemisches Kürzel: H) ist. "Es ist weder sicherer noch gefährlicher als mit anderen Treibstoffen", antwortet Daniel Hustadt vom Betreiber Vattenfall .

Der Wirtschaftsingenieur ist der Projektleiter der Wasserstoff-Tankstelle in der Hamburger Hafencity . Seit dem 17. Februar wird hier der Alltag erprobt. Und zu Beginn hatte selbst Hustadt Respekt: "Wer tankt, sollte sich unabhängig vom Kraftstoff darüber im Klaren sein, dass er mit großen Energiemengen hantiert."

Explosion sehr unwahrscheinlich

Wie viel Energie zum Beispiel in Benzin steckt, ist von Straßenschlachten bekannt: Die Menge in einer Bierflasche reicht aus, um gewaltige Flammen zu entfachen. Molotow-Cocktail heißt das im Volksmund. Und bei Wasserstoff denken manche an das Atomkraftwerk im japanischen Fukushima . Als dort die Reaktorgebäude in die Luft flogen, war die Ursache explodierender Wasserstoff, der sich als Folge der sich immer stärker aufheizenden Brennstäbe im Inneren angesammelt hatte. Solche Bilder und die Erinnerung an die Knallgasreaktion aus dem Chemieunterricht wecken die Sorge: Kann das an der Zapfsäule der Zukunft passieren?

Es ist äußerst unwahrscheinlich. Denn für eine Detonation muss die Wasserstoffkonzentration in der Luft auf mindestens vier Prozent ansteigen. Das ist an der Zapfsäule aber fast unmöglich, weil Wasserstoff als kleinstes aller Elemente extrem flüchtig ist. Er steigt nach oben und verteilt sich, bevor eine kritische Konzentration erreicht werden kann. Dazu wäre ein geschlossener Raum notwendig – eine Tankstelle aber ist offen.

Bei einem Leck im System schließen sich zudem Sicherheitsventile, die einen Druckabfall erkennen. Und falls Wasserstoff in der Bundesrepublik irgendwann selbstverständlich geworden ist und die Wartungsroutine schleifen sollte, ist eine Deflagration, also ein schneller Abbrand, wahrscheinlicher als eine Detonation. Austretendes Wasserstoffgas könnte sich, zum Beispiel durch eine weggeworfene Zigarette, entzünden und verbrennen. Wie bei einem Campingkocher.