175 Jahre Adam OpelAutoproduktion war für die Opels nur eine Episode
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Schillernde Familienmitglieder

Zum Zeitpunkt des Verkaufs ist der älteste der Gründer-Söhne, Carl von Opel, schon tot – das Adelsprädikat haben er und die Brüder Wilhelm und Heinrich vom hessischen Großherzog erhalten. Seine vier Kinder profitieren vom Verkauf an GM. Einer von ihnen ist der 1912 geborene Opel-Zoo-Gründer Georg von Opel, die wohl schillerndste Gestalt unter den vielen interessanten Mitgliedern der Familie Opel.

Alle Opels sind Sportler. Sie fahren Rad, rudern, reiten, fahren Autorennen und brechen Geschwindigkeitsrekorde in Raketenflugzeugen. Georg ist besonders vielseitig: als Schütze, Radfahrer, Reiter, Auto- und Motorradfahrer, Skiläufer, Boxer, Tennisspieler, Flieger und Unterwasserfischer. Auch wenn er als Autorennfahrer mehrere Weltrekorde bricht und als Skifahrer die erste Sicherheitsbindung miterfindet, ist er doch in erster Linie als Ruderer in Erinnerung, bringt es zum siebenfachen deutschen Meister. Später wird Georg von Opel Sportfunktionär, im Deutschen Ruderverband, im Deutschen Schützenbund, im Nationalen und Internationalen Olympischen Komitee. 

Die bunten Opels: Irmgard

Georg von Opel heiratet 1938 in erster Ehe seine Cousine Irmgard von Opel, eine Tochter Heinrich von Opels. Es ist nicht nur die Hochzeit zweier Enkel und Erben des Firmengründers, sondern auch zweier erfolgreicher Sportler – Irmgard ist Spring- und Militaryreiterin und fährt Motorrad. Die Ehe wird 1957 geschieden. Irmgard von Opels Hof- und Weingüter in der Pfalz betreiben heute die Enkelinnen Aline, Ivonne und Jeanette.

Carlo

Der erste Sohn von Georg und Irmgard von Opel heißt eigentlich Karl Wilhelm Heinrich Fritz Adam von Opel, kurz Carlo. Er wird Geschäftsführer der 1962 auf dem Familiengut Petersau in der Pfalz errichteten ersten deutschen Kartoffelchips-Firma, die nach den Initialen von Carlo, seinem jüngeren Bruder Heinz und Mutter Irmgard von Opel Chio getauft wird. 1978 verkauft er Chio an die Firma funny frisch, sie gehört heute zum Intersnack-Konzern. Carlo von Opel führt die Stiftung Spazierengehen seines Vaters weiter.

Fritz

Der Sohn von Wilhelm von Opel (nicht zu verwechseln mit seinem Onkel Friedrich Franz, genannt Fritz, aber ohne "von") trägt bis heute den Spitznamen "Raketen-Fritz": Er entwickelt mit Max Valier und Friedrich Wilhelm Sander die "Opel-Sander-Rakwagen", Fahrzeuge mit Raketenantrieb, mit denen er Geschwindigkeitsrekorde bricht. Er finanziert auch den ersten bemannten Raketenflug am 11. Juni 1928 und unternimmt 1929 auf dem Frankfurter Flugplatz Rebstock selbst ein solches Experiment.

Rikky

Frederick von Opel, genannt Rikky, entspringt 1947 der zweiten Ehe Fritz von Opels. Auch der Urenkel Adam Opels wird Rennfahrer und ist der bis heute einzige Formel-1-Teilnehmer unter der Flagge Liechtensteins. Er beginnt seine Karriere unter dem Pseudonym Antonio Bronco, um ohne Opel-Bonus zu starten und andererseits der Familie nicht zu schaden, falls es schief gehen sollte. Es geht schief: Rikky von Opel erreicht bei vier von zehn Formel-1-Starts das Ziel, weiter nach vorn als bis auf Platz neun kommt er nie.

Gunter Sachs

Gunter Sachs ist ein Sohn von Elinor von Opel, Tochter Wilhelms und Enkelin Adams, und ihres Mannes Willy Sachs, Inhaber des Sachs-Konzerns (unter anderem Fichtel & Sachs). Der Bob-Sportler verkauft in den 1970er Jahren seine Sachs-Anteile. Eine Affäre mit der persischen Ex-Kaiserin Soraya und drei Jahre Ehe mit Brigitte Bardot machen ihn als Playboy zum Liebling des Boulevards. Er ist aber auch als Kunsthändler, -sammler und Künstler erfolgreich und spendet Geld für medizinische Forschung. Sachs erschießt sich 2011, laut Abschiedsbrief aus Angst vor einer Alzheimer-Erkrankung.

Nebenbei schreibt Georg von Opel mehrere Bücher über seine Reisen, mit Titeln wie 5.000 Kilometer Afrika oder In allen fünf Erdteilen. Für seinen Zoo finanziert er Expeditionen; bei einer davon wird der ausgestorben geglaubte Mesopotamische Damhirsch in Persien wieder entdeckt und vor dem Aussterben bewahrt. Von Opel hängt Jagdtrophäen an die Villen-Wände, sammelt exotische Kunst und gotische Plastik. Und Gründer der Stiftung Spazierengehen ist der Auto-Erbe auch.

Auch wirtschaftlich ist der Opel-Erbe erfolgreich, er sitzt bei Continental im Aufsichtsrat und ist Gründungspräsident des Verbandes der deutschen Opel-Händler. Seine eigene Kette von Autohäusern mit Schwerpunkt Rhein-Main-Gebiet ist lange der zweitgrößte Opel-Händler Deutschlands. Inzwischen sind nach mehreren Insolvenzen und Besitzerwechseln nur zwei Häuser übrig. Georg hat damit nichts mehr zu tun: Er stirbt 1971 schon mit 59 Jahren – nach einem Herzinfarkt am Steuer seines Wagens.

Georg von Opel ist das auffälligste Beispiel für einen unbändigen Tatendrang, der in der Familie Opel erblich zu sein scheint. Die gleichnamige Autofirma könnte einen ordentlichen Schuss davon gebrauchen. Doch sie ist zu einem unbedeutenden Anhängsel eines Konzerns geworden, der ganz andere Sorgen hat. Zu einer glanzlosen, uninspirierten Firma unter vielen. Was machen eigentlich die Ur- und die Ururenkel von Adam Opel so?

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Leserkommentare
  1. Opel ist auf Gedeih und Verderb von den GM-Versagern abhängig darf aber schön weiter die Zukunftstechnologie liefern zu der man bei GM selbst nicht in der Lage ist. Der Gründer-Elan ist doch bei Opel längst Geschichte. Jeder der noch bei Opel arbeit ist eh gut beraten, wenn er Opel schnellstmöglich verlässt bevor die nächste Krise kommt. Opel wird der Erfolg den andere Autobauer im Ausland feiern ja von GM vorenthalten und die Produktion in Deutschland wird früher oder später abgesägt werden. Wer identifiziert sich da schon noch gerne mit einem solchen Verliererverein.

  2. "Georg ist besonders vielseitig: als Schütze <sic!>, Radfahrer, Reiter, Auto- und Motorradfahrer, Skiläufer, Boxer, Tennisspieler, Flieger und Unterwasserfischer."

    Linkspolitischkorrekt verbrämend heißt das jetzt immer "Waffennarr". Also ein Narr bzw. Idiot, der pathologisch nach Waffen strebt. Wurde das vom Redakteur nicht zensiert?

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    wurde wohlweislich das Wort "Schütze" verwendet.

  3. wurde wohlweislich das Wort "Schütze" verwendet.

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    Na für wen das unzensiert geschrieben wurde und warum, ist ja nicht die Frage. Vielmehr fällt Zensur und gleichgeschaltete Verbrämung umsomehr auf, wenn sie vereinzelt durchbrochen oder nicht beachtet worden ist.

    Leute, die eine andere Auffassung haben, als Narren, also Idioten und Verrückte und Wahnsinnige, zu verbrämen, hat ja schon im Stalinismus konjunktur gehabt. Wer dessen Wahrheit nicht begreifen wollte/ konnte musste verrückt sein. Und so landete wer Stalin und seinen Kommunismus nicht toll fand entweder im Gulag oder wurde in der Irrenanstalt sediert.

    Das waren dann die pathologischen Freiheitsnarren.

  4. Na für wen das unzensiert geschrieben wurde und warum, ist ja nicht die Frage. Vielmehr fällt Zensur und gleichgeschaltete Verbrämung umsomehr auf, wenn sie vereinzelt durchbrochen oder nicht beachtet worden ist.

    Leute, die eine andere Auffassung haben, als Narren, also Idioten und Verrückte und Wahnsinnige, zu verbrämen, hat ja schon im Stalinismus konjunktur gehabt. Wer dessen Wahrheit nicht begreifen wollte/ konnte musste verrückt sein. Und so landete wer Stalin und seinen Kommunismus nicht toll fand entweder im Gulag oder wurde in der Irrenanstalt sediert.

    Das waren dann die pathologischen Freiheitsnarren.

  5. OPEL hat es geschafft zu seiner Zeit ein bedeutsames Fahrrad- und Automobilherstellungsunternehmen zu werden und dann noch in kritischen Zeiten es sehr gewinnbringend zu verkaufen. Das ist eine große Leistung.

    Es exitierten in dieser Zeit viele interessante unternehmerische Persönlichkeiten, die zunächst einmal loslegten, um etwas zu schaffen. Die in neue moderne Wissensgebiete eindrangen, schon modular dachten und neue Möglichkeiten entdeckten. Wenn dann noch der Geschäftssinn nicht zu kurz kam, konnte schon eine Menge bewegt werden.
    Eine weitere Persönlichkeit, die heute nahezu unbekannt ist, stellte Lucien Rosengart dar.

    Leider ... entwickeln sich aber immer seltener "neue Industrien" in Deutschland. Immer nur reden ... schafft nichts Neues. Auch Veröffentlichen ist keine Kür und überbewertet. Lieber weniger veröffentlichen und stattdessen Unternehmen gründen und loslegen, wäre besser. Aber dieser Weg ist risikobehafteter. Dieser Weg ist steiniger.

  6. hat man dem Grunder der Adam Opel AG ein Auto gewidmet, obwohl er nichts mit Autos zu tun haben wollte. Vielleicht ist es deshalb nur ein so kleines geworden: http://www.facebook.com/Opel

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