Moderne MobilitätAutohändler drängen ins Carsharing-Geschäft

Autohersteller betreiben inzwischen Carsharing-Firmen – und die Autohändler fühlen sich außen vor gelassen. Sie planen ein eigenes Modell, in Kooperation mit der Bahn.

Normalerweise hat Andreas Leo leichtes Spiel in der Öffentlichkeit. Denn Car2Go, das Unternehmen, für das er spricht, steht für ein modern anmutendes, politisch korrektes Geschäft: das Carsharing, bei dem sich viele Autofahrer einige wenige Pkws teilen und diese nutzen, ohne sie selber zu besitzen.

Bei der jüngsten Bundestagung des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) in Düsseldorf wurde es für Leo jedoch ungemütlich. Leo saß auf dem Podium und zog sich den geballten Zorn der Autohändler zu. Wie sich Daimler denn erdreisten könne, das Trendthema mit dem Angebot Car2Go voranzutreiben und seine Händler außen vor zu lassen, wollten wütende Werkstattbesitzer wissen.

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Die Kritik der versammelten Autohändler im vergangenen Oktober hat jetzt Konsequenzen. Der ZDK prüft den Aufbau eines eigenen Carsharing-Modells, an dem sich seine rund 38.000 Mitgliedsunternehmen beteiligen könnten. Parallel dazu entwickelt nach Informationen der WirtschaftsWoche die Deutsche Bahn zusammen mit Opel-, Ford-, Peugeot- und Citroën-Händlern neue Carsharing-Angebote. Die Händler würden als Verleiher und Betreuer ihrer Fahrzeugflotten fungieren und dazu das Flinkster-System nutzen. Die Bahn, die mit ihrem Carsharing-Angebot Flinkster Marktführer ist, könnte dadurch ihren Vorsprung weiter ausbauen.

Carsharing boomt

Die Carsharing-Angebote der Hersteller wachsen rasant. Der Daimler-Ableger Car2Go etwa hat bereits in neun Städten Europas und Nordamerikas für 70.000 Kunden mehr als 3.000 Mietwagen der Marke Smart in Stellung gebracht. Tausende weitere Autos in mehr als 50 Metropolen sollen in den kommenden Jahren folgen. Für Smart- und Mercedes-Händler wäre das eigentlich ein verlockendes Geschäft. Die zum Minutenpreis vermieteten Kleinwagen müssen verwaltet, geputzt, repariert, betankt und gewartet werden. Doch Daimler hält seine Händler, die sich vor Ort auskennen und dringend auf Servicegeschäft angewiesen sind, bei Car2Go weitgehend außen vor.

Die Stuttgarter sind keine Ausnahme – auch BMW und Volkswagen, seit einigen Monaten ebenfalls mit Carsharing-Angeboten am Markt, zeigen ihren Niederlassungen und Vertragshändlern bislang die kalte Schulter. Das macht die Händler nervös. Denn wenn künftig weniger Autos verkauft, dafür aber mehr vermietet werden, wollen sie mit von der Partie sein.

"Der deutsche Automobilhandel muss aufpassen, dass das insbesondere an urbanen Standorten zukunftsträchtige Carsharing-Geschäft nicht an ihm vorbeiläuft", sagt Konrad Weßner, Geschäftsführer der Nürnberger Marktforschung puls. Gleichwohl müssten sich die Hersteller allerdings auch fragen, ob es klug sei, dieses Zukunftsgeschäft ohne Unterstützung ihrer Händler anzugehen.

Gerade in Ballungsräumen sinkt die Bereitschaft in der Bevölkerung, ein eigenes Fahrzeug zu kaufen, spürbar. Parkplatzknappheit und überfüllte Straßen vermiesen die Freude am Fahren. Hohe Mieten und Parkplatzgebühren bei gleichzeitig stagnierenden Einkommen lassen viele Bürger nach Sparmöglichkeiten Ausschau halten – und immer häufiger den Abschied vom eigenen Auto ins Auge fassen.

Was viele Menschen von Urlaub oder Geschäftsreisen kennen, praktizieren sie jetzt auch privat: Sie mieten sich bei Bedarf ein Auto oder werden Mitglied in einer Carsharing-Organisation, in der sich durchschnittlich 40 Mitglieder ein Fahrzeug teilen. Die Zahl der Carsharer verdoppelte sich in Deutschland seit 2008 auf 300.000. "Am Carsharing kommt man in Zukunft nicht mehr vorbei, auch als Händler muss man sich damit befassen", sagt Stefan Quary, Chef der Automobilhandelsgruppe Dürkop aus Braunschweig.

Leserkommentare
  1. ...für Fossilmobile und Ölwechsel verprellt, dazu schlampig arbeitet, braucht sich nicht wundern über rückläufiges Interesse. Mein nächstes Auto ist jedenfalls ein Einfachwagen ohne elektronischen Firlefanz, den mir jede kleine Werkstatt um die Ecke warten kann.

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  2. ... sollen mal schön ruhig bleiben.

    Außer für Reparaturen haben die gefälligst außen vor zu bleiben. Wäre ja noch schöner die auch noch zu subventionieren.

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    • kuppi
    • 15.05.2012 um 10:44 Uhr

    "Denn der Konzern ist mit Flinkster zwar in 140 Städten und an 800 Stationen präsent, doch die konzentrieren sich vornehmlich an Hauptbahnhöfen. Ein Netz aus mehreren Stationen innerhalb einer Stadt gibt es nur in Stuttgart und Köln."

    Aha. Berlin hat aktuell 53 Flinkster Filialen... Ein Netz mit mehreren Stationen in einer Stadt gibt es also nur in Stuttgart und Köln, soso.

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    "Ein Netz aus mehreren Stationen innerhalb einer Stadt gibt es nur in Stuttgart und Köln."
    Auch in München gibt es diverse Stationen. Mir dünkt, dass Flughäfen neben den Bahnhöfen einen zweiten Schwerpunkt darstellen. Kann es sein, dass keiner der beiden Redakteure den beschwerlichen Weg auf die Flinkster-Homepage fand? Ein Klick auf "Stationen" reicht zur Recherche.

    • iushee
    • 15.05.2012 um 12:18 Uhr

    Man muss noch nicht mal in die Metropolen gehen, um ein Netz von Stationen vorzufinden: In Darmstadt (150.000 Einwohner) z.B. gibt es 14 Stationen, in Marburg (80.000 Einwohner) sind es 10.

    "Ein Netz aus mehreren Stationen innerhalb einer Stadt gibt es nur in Stuttgart und Köln."
    Auch in München gibt es diverse Stationen. Mir dünkt, dass Flughäfen neben den Bahnhöfen einen zweiten Schwerpunkt darstellen. Kann es sein, dass keiner der beiden Redakteure den beschwerlichen Weg auf die Flinkster-Homepage fand? Ein Klick auf "Stationen" reicht zur Recherche.

    • iushee
    • 15.05.2012 um 12:18 Uhr

    Man muss noch nicht mal in die Metropolen gehen, um ein Netz von Stationen vorzufinden: In Darmstadt (150.000 Einwohner) z.B. gibt es 14 Stationen, in Marburg (80.000 Einwohner) sind es 10.

  3. Vor ca. sechs Jahren verkaufte ich mein Auto, da nur ca. 4000 km im Jahr fuhr und wurde Mitglied bei eines anerkannten Carsharing-Unternehmens. Die Probleme, rein menschlicher Natur, begannen schon bei der ersten Nutzung:

    1. Verdrecktes Auto mit Bierdosen, leeren Zigarettenschachteln, einer zerrissenen türkischen Zeitung und einem Sex-Heftchen.

    2. Tank fast leer, obwohl gemäß Statuten das Auto nach Abgabe aufzutanken ist.

    3. Obwohl das Auto ab 09:00 von mir gemietet war, brachten diejenigen, die für Punkt 1. und 2. verantwortlichen waren, den Wagen erst um 09:30 zurück. Als ich die "Herrschaften" auf den Zustand des Innenraums ansprach, bekam ich, in gebrochenem Deutsch, eine Salve Beleidigungen an den Kopf geworfen.

    Nach einem Jahr, mit mehrmals gleich gemachter Erfahrung, habe ich den Vertrag gekündigt und mir wieder ein Auto gekauft.

    Solange es immer diese sich ähnelnden Typen gibt, wird Carsharing einen schweren Start haben.

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    ... unter den Geschäftsbedingungen nicht die Möglichkeit gibt solch unzuverlässigen Personen im Erstfall bzw. Wiederholungsfall von dem System auszuschließen, dann schreckt es mich in der Tat auch ab, weitere Überlegungen in Richtung Carsharing anzustellen.

    Schade eigentlich, dass zuviel Schwachköppe das Angebot fortlaufend nutzen und "sabotieren" dürfen.

    Klar, das wünscht man sich nicht.

    Dies ist mir nach einem Jahr bei Flinkster noch nicht passiert, ich hatte immer ein sauberes und aufgetanktes Auto vorgefunden.

    Solche Erfahrungen habe ich noch nie gemacht. Ich habe seit Anfang der 90er Jahre kein Auto und bin mobil über Carsharing, ÖPNV, Autovermietung etc. Es funkioniert prima. Ich habe noch nie ein eigenes Auto vermisst. Das kostet nur Geld und Zeit.

    ... unter den Geschäftsbedingungen nicht die Möglichkeit gibt solch unzuverlässigen Personen im Erstfall bzw. Wiederholungsfall von dem System auszuschließen, dann schreckt es mich in der Tat auch ab, weitere Überlegungen in Richtung Carsharing anzustellen.

    Schade eigentlich, dass zuviel Schwachköppe das Angebot fortlaufend nutzen und "sabotieren" dürfen.

    Klar, das wünscht man sich nicht.

    Dies ist mir nach einem Jahr bei Flinkster noch nicht passiert, ich hatte immer ein sauberes und aufgetanktes Auto vorgefunden.

    Solche Erfahrungen habe ich noch nie gemacht. Ich habe seit Anfang der 90er Jahre kein Auto und bin mobil über Carsharing, ÖPNV, Autovermietung etc. Es funkioniert prima. Ich habe noch nie ein eigenes Auto vermisst. Das kostet nur Geld und Zeit.

  4. ... unter den Geschäftsbedingungen nicht die Möglichkeit gibt solch unzuverlässigen Personen im Erstfall bzw. Wiederholungsfall von dem System auszuschließen, dann schreckt es mich in der Tat auch ab, weitere Überlegungen in Richtung Carsharing anzustellen.

    Schade eigentlich, dass zuviel Schwachköppe das Angebot fortlaufend nutzen und "sabotieren" dürfen.

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  5. "Ein Netz aus mehreren Stationen innerhalb einer Stadt gibt es nur in Stuttgart und Köln."
    Auch in München gibt es diverse Stationen. Mir dünkt, dass Flughäfen neben den Bahnhöfen einen zweiten Schwerpunkt darstellen. Kann es sein, dass keiner der beiden Redakteure den beschwerlichen Weg auf die Flinkster-Homepage fand? Ein Klick auf "Stationen" reicht zur Recherche.

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    • iushee
    • 15.05.2012 um 12:18 Uhr

    Man muss noch nicht mal in die Metropolen gehen, um ein Netz von Stationen vorzufinden: In Darmstadt (150.000 Einwohner) z.B. gibt es 14 Stationen, in Marburg (80.000 Einwohner) sind es 10.

  6. Eine detailliertere Recherche und der Blick auf das Stationsnetz auf der Seite von DB Carsharing bzw. das Netz seiner Kooperationspartner zeigt, dass die DB tatsächlich nur in Köln und Stuttgart ein EIGENES Stationsnetz abseits der Bahnhöfe betreibt. In Darmstadt heißt der Anbieter (und damit auch der Eigentümer der angebotenen Fahrzeuge) book'n'drive, in Marbuch einfach mobil und bspw. in den angesprochenen Städten Jena, Leipzig oder Dresden teilAuto.

    Ein Blick auf die Seiten des Bundesverbandes Carsharing und dort auf die Jahresberichte zeigt auch, dass die DB Rent GmbH als Betreiber der Angebots Flinkster ganz und gar nicht 55% des Marktanteils hat. Vielmehr ist der Buchungsverbund, zu dem neben der DB Rent auch Anbieter wie book'n'drive, stattauto oder teilAuto gehören, entsprechend groß. Die DB Rent selbst ist zwar nach Carsharing-Teilnehmern größter Anbieter, was aber auch damit zusammenhängt, dass viele Bahnangestellte dienstlich Kunden sind. Von der Fahrzeuganzahl selbst sind die Cambio oder stadtmobil-Gruppe größer.

    Daher vermute ich, dass DB Carsharing (oder auch Flinkster wie es jetzt heißt) keine Flotte von 2500 Fahrzeugen hat, sondern dass die Autoren hier einfach die Anzahl des Verbundes übernommen hat. Das klingt gut, ist aber meines Erachtens falsch und ein Schlag ins Gesicht all der anderen Anbieter.

    Ich hätte mir von der Zeit Online eine bessere Recherche gewünscht, wenn Sie einen solchen Artikel übernehmen.

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