Verkehr in PekingWo der Parkplatz mehr kostet als das Auto

In China erfüllen sich Millionen den Traum vom eigenen Auto. Das führt zum Verkehrschaos: Parkplätze gibt es kaum, dafür falsche Parkwächter, die die Autofahrer abzocken. von dpa

Stadtautobahn in Peking (Archiv)

Stadtautobahn in Peking (Archiv)  |  © Ed Jones/AFP/Getty Images

Autofahrer haben es schwer in Peking . Denn nur für jeden zweiten Wagen gibt es einen richtigen Parkplatz. Auf fünf Millionen Fahrzeuge kommen in Chinas Hauptstadt nur 2,48 Millionen Parkplätze, so dass Zeitungen von einer "Park-Krise" schreiben. "Wenn ich überlege, das Auto zu nehmen, denke ich erst darüber nach, ob ich auch einen Parkplatz finden werde", sagt die 32-jährige Angestellte Zhang Li. "Oft lasse ich das Auto zuhause und nehme die U-Bahn." Besonders in den Einkaufszentren werde die Parkplatzsuche zum Alptraum. Schon vor Parkhäusern bilden sich lange Staus und blockieren die ohnehin verstopften Straßen der 20-Millionen-Metropole.

Mit dem wachsenden Wohlstand können sich immer mehr Chinesen den Traum vom eigenen Auto erfüllen – und landen damit meist im Stau. Die Blechlawinen quälen sich langsam durch die Straßen. Noch zu den Olympischen Spielen 2008 gab es in Peking rund drei Millionen Autos. Allein 2010 wurden 700.000 Fahrzeuge neu registriert, so dass die Stadtväter die Notbremse ziehen mussten: 2011 wurde die Zahl der Neuzulassungen auf 240.000 pro Jahr beschränkt. Eine Lotterie verlost seither jeden Monat 20.000 Nummernschilder.

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"Eigentlich bräuchte ich nur fünf bis zehn Minuten für die vier Kilometer zur Arbeit", sagt Zhang Li. Im morgendlichen Berufsverkehr dauere die Fahrt aber bis zu einer knappen Stunde, "wenn es richtig schlimm ist". Ihr Büro hat einen Parkplatz, aber wenn sie abends heimkehrt, muss sie auf der Straße nahe ihrer Wohnung eine Parklücke suchen. "Die Stellplätze in unserer Tiefgarage sind teuer und werden für 200.000 Yuan verkauft." Das sind umgerechnet 25.000 Euro – mehr als ihr Auto kostet. "Bei meinen Eltern kosten sie sogar 300.000 Yuan, obwohl sie noch weiter außerhalb im Vorort leben."

Parkgebühren haben sich verdoppelt

In vielen älteren Pekinger Wohnvierteln gibt es nicht einmal Parkplätze, weil früher nur wenige Familien ein Auto besaßen. Heute müssen die Bewohner in den Höfen parken. Immer wieder gibt es Streit zwischen Anwohnern, die sich gegenseitig die Wege zuparken. Aber selbst wenn es mehr Parkplätze gäbe, würden viele Autofahrer lieber irgendwo auf dem Bürgersteig parken, weil die Parkgebühren so stark gestiegen sind. Die Tarife haben sich in stark frequentierten Stadtteilen auf zehn Yuan (1,24 Euro) pro Stunde verdoppelt. Die folgenden Stunden kosten jeweils 15 Yuan (1,86 Euro).

Ein Ärgernis sind auch falsche Parkwächter: Sie kassieren Gebühren, wo offiziell gratis geparkt werden darf. Der Gewinn ist hoch. "Gefälschte Parkplätze sehen den echten so ähnlich, dass selbst Mitglieder der Stadtverwaltung sie nicht unterscheiden können", schreibt die Beijing Times .

Abzocke mit falschen Parkplätzen

Nun soll die Gesetzgebung geändert und ein Parkplan entworfen werden. Oft sind Parkverbote nicht zu erkennen, so dass Autofahrer nicht nur von betrügerischen Parkwächtern abgezockt, sondern auch Hilfspolizisten ausgeliefert sind, die Strafzettel schreiben. "Knöllchen" kosten 200 Yuan (25 Euro) und zwei Punkte in der Verkehrssünderdatei. Und dort darf jeder Autofahrer nur zwölf Punkte im Jahr ansammeln.

Die hohen Grundstückspreise und die rasante Bauentwicklung machten es schwer, genügend Parkplätze zu schaffen, sagt Cui Dongshu, der Vize-Generalsekretär der Personenwagenvereinigung Chinas. "Der Automarkt in Peking entwickelt sich zu schnell."

Für Gu Yuanli, Professor der Jiaotong University, der Hochschule für Verkehrs- und Transportwesen, gibt es nur eine Lösung: "Wir müssen die Menschen ermutigen, stärker öffentliche Verkehrsmittel zu nehmen." Metro- und Busverbindungen müssten ausgebaut werden. Auch sollten Parkplätze an Haltestellen in den Vororten geschaffen werden, wo Autofahrer parken und in die Bahn umsteigen können. Bislang gibt es nur kleine Fortschritte: Bis Ende 2011 stieg die Zahl der Einwohner, die täglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren, zumindest von 39,7 auf 42 Prozent.

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Leserkommentare
  1. Verkehrsmittel zu nehmen"?

    Bei den Bedingungen muss doch niemand mehr ermutigt werden. Da ist man doch völlig seltsam, wenn man das Auto vom Parkplatz fährt, sich in den Dauerstau stellt, um dann keinen oder einen Abzockerparkplatz zu finden?

    Oder gibt es etwas, das lockt, das Auto zu nehmen?

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    immer dann, wenn der öv eine zumutung ist (z.b.: 15-20min mit dem auto/ 1:40h mit der bahn), was ja hauptsächlich im ländlichen bereich gegeben ist.

    sonst allerdings verstehe ich nicht, wie man bei "Eigentlich bräuchte ich nur fünf bis zehn Minuten für die vier Kilometer zur Arbeit" überhaupt das auto nehmen kann... ist doch eines der schönsten sachen in grossstädten: infrastruktur

  2. und leid tun sie mir auch nicht!

    "Eigentlich bräuchte ich nur fünf bis zehn Minuten für die vier Kilometer zur Arbeit", sagt Zhang Li. Im morgendlichen Berufsverkehr dauere die Fahrt aber bis zu einer knappen Stunde, "wenn es richtig schlimm ist".

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    • GDH
    • 22. Mai 2012 12:59 Uhr

    Eine Stunde für 4km erscheint mir auch völlig unplausibel. Entweder Herr Li hat gesundheitliche Probleme, die im Artikel verschwiegen werden, oder er wäre zu Fuß erheblich schneller.

    Oder ist dort vielleicht die Fußweginfrastruktur so schlecht, dass man da auch ständig warten muss?

  3. immer dann, wenn der öv eine zumutung ist (z.b.: 15-20min mit dem auto/ 1:40h mit der bahn), was ja hauptsächlich im ländlichen bereich gegeben ist.

    sonst allerdings verstehe ich nicht, wie man bei "Eigentlich bräuchte ich nur fünf bis zehn Minuten für die vier Kilometer zur Arbeit" überhaupt das auto nehmen kann... ist doch eines der schönsten sachen in grossstädten: infrastruktur

  4. würden Parkplätze häufig so oft wie ein Auto kosten, wenn der Staat nicht Parkplätze verschenken würde.

    Warum eigentlich kann man hier kostenlos auf öffentlichem Grund parken?

    In Amerika ist in vielen Wohngebieten das Parken auf der Straße verboten. Und warum sollte man das erlauben -- wenn dafür die Straßen breiter gebaut werden müssen und das Überqueren der Straße für Fußgänger gefährlicher wird?

    Für ein Quadratmeter Wohnfläche zahlt man in Frankfurt am Main schnell mehr als zehn Euro Miete pro Monat; das wären alleine für acht Quadratmeter Auto €80. Für eine Garage wird gerne €130,- verlangt. Da ist eine niedrige Leasinggebühr fast erschwinglicher -- dabei haben wir hier keine echten Knappheitspreise fürs Parken, im Gegensatz zur Situation in Beijing.

    • GDH
    • 22. Mai 2012 12:59 Uhr

    Eine Stunde für 4km erscheint mir auch völlig unplausibel. Entweder Herr Li hat gesundheitliche Probleme, die im Artikel verschwiegen werden, oder er wäre zu Fuß erheblich schneller.

    Oder ist dort vielleicht die Fußweginfrastruktur so schlecht, dass man da auch ständig warten muss?

  5. Da brauche ich nicht nach Beijing gehen: Die Verkehrslawinen in München sind ähnlich grotesk. Hier haben wir einen wahrlich guten ÖPNV, und doch stellen sich viele Leute mit dem Auto in den Stau. Wozu eigentlich?

    Über die Psychologie dahinter könnte die ZEIT ruhig mehr bringen. Geht es ums Präsentieren des Statussymbols Auto (wozu im Stau viel Zeit ist)? Um das Geschützt-sein im eigenen Schneckenhaus? Der Homo Oeconomicus jedenfalls säße längst auf dem Fahrrad oder in der U-Bahn.

    Auch die verkehrspolitischen Debatten sind von dieser Un-Logik geprägt: Ob neue Straßenbahn-Strecken, Fahrradwege oder Fußgängerzonen: Stets gibt es Gegner, die das Abendland untergehen sehen, wenn ihr Stau-Erlebnis reduziert werden soll. Vielleicht weil dann die Standard-Ausrede am Arbeitsplatz "Ich stand im Stau" nicht mehr ziehen würde?

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    Hab vor drei Jahren hier in Berlin ein Auto besessen. Nach nem Jahr habe ich es wieder verkauft. In einer Großstadt (wohne in der Innenstadt) lohnt sich ein Auto nie und nimmer. Hier an der Frankfurter Allee ist jeden Tag ein riesen Stau. Die Autos stehen Stoßstange an Stoßstange. Mit der Bahn braucht man ca. 7 Minuten die Frankenfurter entlang zu fahren. Mit dem Auto locker über 20. (wohlgemerkt zum Berufsverkehr). Will abends Ausgehen der gleiche Mist. Man ist zwar dann mit dem Auto schneller als mit der Bahn unterwegs, man sucht sich aber dann bei der Heimkehr dumm und dämlich nach nen Parkplatz.

    Ich hätte dafür auch gern mal ne psychologische Analyse.

  6. Hab vor drei Jahren hier in Berlin ein Auto besessen. Nach nem Jahr habe ich es wieder verkauft. In einer Großstadt (wohne in der Innenstadt) lohnt sich ein Auto nie und nimmer. Hier an der Frankfurter Allee ist jeden Tag ein riesen Stau. Die Autos stehen Stoßstange an Stoßstange. Mit der Bahn braucht man ca. 7 Minuten die Frankenfurter entlang zu fahren. Mit dem Auto locker über 20. (wohlgemerkt zum Berufsverkehr). Will abends Ausgehen der gleiche Mist. Man ist zwar dann mit dem Auto schneller als mit der Bahn unterwegs, man sucht sich aber dann bei der Heimkehr dumm und dämlich nach nen Parkplatz.

    Ich hätte dafür auch gern mal ne psychologische Analyse.

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  7. Peking ist für Autofahrer eine einzige Katastrophe. Der öffentliche Nahverkehr aber auch. Man kann wählen, ob man mit dem überfüllten Bus im Stau steht oder mit der U-Bahn fahren, wobei nicht sicher ist, dass man in die Züge auch wirklich hineinpasst. Das U-Bahn-Netz wird seit einiger Zeit ausgebaut, ist aber im Verhältnis zur Stadtgröße immer noch viel zu klein.
    Um die Sache schwieriger zu machen, ist Peking auf das Zentrum ausgerichtet. Die Arbeitsplätze oder die guten Schulen befinden sich dort.
    Hier in den Kommentaren wird gefragt, warum denn Frau Zhang nicht zu Fuß geht. Also im Winter ist es extrem kalt und im Sommer extrem heiß. Ich würde auch nicht die 4 km zu Fuß gehen wollen. Lebensgefährlich ist es auch.
    Im Artikel wird erwähnt, dass man 2 Punkte fürs falsche Parken bekäme. Das kann schon möglich sein, ist doch aber eher unüblich.
    Die Lotterie für die Nummernschildvergabe ist auch lustig.
    Da die Quote so niedrig ist, weiß man nicht, ob man im Zweifel wirklich eins bekommt. Also meldet sich jeder an, der sich überlegt, sich vielleicht ein Auto zu kaufen. Das schmälert die Erfolgsaussichten natürlich weiter.
    Peking ist ein ungeliebter Moloch und die Administration versagt kläglich. Das es besser geht kann man im größeren Shanghai erleben.
    Interessant ist, dass dieses Versagen auch in den chinesischen Medien dargestellt wird. Von dort stammen wohl auch die Informationen für den Artikel.

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    • bugme
    • 23. Mai 2012 11:31 Uhr

    Seit der Olympiade ist das U-Bahn-Netz recht gut ausgebaut. Es hat gegenüber europäischen U-Bahn-Netzen auch den Vorteil, dass es deutlich weniger Haltestellen gibt, vielleicht im Schnitt eine Haltestelle alle 1km. Dadurch kommt man mit der Beijinger Metro deutlich schneller voran, als z.B. mit der Metro in Paris (alle 300m).

    Die Züge sind breit, und haben eher wenige Sitzplätze, so dass genug Platz für Fahrgäste ist; beides ebenfalls im Gegensatz zu den älteren Zügen z.B. der Pariser Metro.

    Was am zu-Fuss-gehen in Beijing lebensgefährlich sein soll, erschließt sich mir auch nicht.

    Ich vermute einfach einen Mangel an Park-and-Ride-Parkplätzen als Ursache für das Verkehrschaos.

    (Nein, ich bin kein Beijing-Fan. Es ist eine der hässlichsten Städte, die ich je erblickt habe.)

    • LaoLu
    • 25. Mai 2012 14:20 Uhr

    etwas sehen kann, Klaus Dieter.

    Ich habe letztes Jahr nach längerer Abwesenheit mal wieder eine Woche in Peking verbracht und war begeistert von der Entwicklung im Busverkehr.
    Einfachster Tarif - bei Einstieg 1Y (0,4Y für Kartenbesitzer)
    Einfachstes Dauerkartensystem - Geldkarte, überall aufladbar, wird einmal pro Fahrgast am Lesegerät vorbeigewedelt.

    Was jetzt noch fehlt, sind Busspuren an allen kritischen Kreuzungen, dann sähen die Autobenutzer noch blöder aus.

    Wer eine Stunde "Fahrzeit" für 4 km akzeptiert, ist eigentlich reif für den Bus...

    Auf die Frage, was den Chinesen dazu bringt, viel Geld für ein eigentlich sinnloses Auto zu investieren, gibt es eine ganz einfache Antwort: mit einem möglichst teuren Auto zeige ich meine Stellung in der Gesellschaft.

    Klingt bescheuert, ist aber so.

    Wie zuhause in Deutschland.

    • LaoLu
    • 25. Mai 2012 14:47 Uhr

    ausgebaut, wollte ich auch noch was sagen:

    Ich habe die U-Bahn dieses Mal nicht benutzt, verfolge aber den Ausbau seit Jahren mit Interesse, weil ich eine leistungsfähige U-Bahn für eine Megacity als unverzichtbar ansehe.
    Und, das tut mir leid, Klaus Dieter, von "wird seit einiger Zeit ausgebaut" würde ich in Anbetracht des vorgelegten Ausbautempos nun wirklich nicht reden wollen.

    Tip: Auch zur Pekinger U-Bahn weiß Wikipedia was zu sagen...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Peking | Verkehr | Auto | Autofahrer | Euro | Fahrzeug
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