Fahrbericht Dacia Lodgy : Robuster Raumriese zum kleinen Preis

Dacia erweitert sein Angebot um einen Kompaktvan. Der Lodgy soll Familien mit geringem Einkommen locken. Zum Basispreis von 9.990 Euro wird ihn aber kaum jemand kaufen.
Der Kompaktvan Lodgy des rumänischen Autoherstellers Dacia © press-inform

Ein Kompaktvan für unter 10.000 Euro? Da bleibt manchem Automanager wohl die Luft weg. Zum Vergleich: Der Ford C-Max beginnt bei 18.000 Euro, der Mazda 5 kostet mindestens rund 20.000 Euro, und der VW Touran ist noch etwas teurer. Erst bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Den Dacia Lodgy gibt es zwar schon für 9.990 Euro, aber es macht Sinn, zusätzlich in einige nützliche Extras zu investieren, die anderswo schon serienmäßig verbaut sind.

Inklusive dritter Sitzreihe und einer Klimaanlage, einer Zentralverriegelung und eines Multimediasystems mit Freisprecheinrichtung zahlt der Kunde für den Lodgy 13.000 bis 14.000 Euro. Damit ist der preisliche Abstand zur Konkurrenz nicht mehr ganz so riesig, günstig bleibt der etwas klobig wirkende Dacia-Van dennoch. Mit ihm will die rumänische Renault-Tochter vor allem Kunden anlocken, die bisher zu Gebrauchtwagen gegriffen haben. Etwa junge Familien mit geringerem Einkommen und mehr als einem Kind.

Für diese Klientel ist der Lodgy ideal. Alle drei Sitze der Rückbank haben Isofix-Befestigungspunkte, so dass auf jeder Position Kindersitze befestigt werden können. Dabei ist das Raumangebot so gut, dass sich auch durchschnittlich große Erwachsene nicht beklagen können. Die Bein- und Kopffreiheit erlaubt selbst auf längeren Strecken entspanntes Reisen.

Bessere Schallisolierung

Auch die Vordersitze sind gut gelungen: Sie sind bequem und geben doch ausreichend Seitenhalt. Aufpreis kosten der höhenverstellbare Fahrersitz und eine variable Lenksäule sowie die dritte Sitzreihe. Erfreulich ist, dass Dacia im neuen Lodgy besonderen Wert auf die Schallisolierung gelegt hat. Motor und Fahrgeräusche fallen bei der Fahrt nicht mehr störend auf. Für Fahrer und Beifahrer sind die Front- und Seitenairbags serienmäßig.

In dieser Fahrzeugklasse überbieten sich die Hersteller gern mit einer großen Anzahl von praktischen Ablagefächern. Der Lodgy hat davon elf mit einem addierten Volumen von 30 Litern. Reicht das nicht, gibt es im Zubehörhandel noch ein Gepäcknetz. Und wird mal besonders viel Platz benötigt, lassen sich die Rücksitze bequem umlegen. Der Kofferraum wächst so auf 2.617 Liter. Damit übertrifft der Lodgy andere Kompaktvans teils bei weitem. Mit allen sieben Plätzen fasst er immerhin noch 207 Liter.

Zum Marktstart kann der Kunde zwischen dem bekannten Benzinmotor 1.6 MPI 85 mit 61 kW (83 PS) und den beiden modernen Common-Rail-Dieseln dCi 90 mit 66 kW (90 PS) und dCi 110 mit 79 kW (107 PS) wählen. Der Benziner verbraucht gemäß Normzyklus auf 100 Kilometer im Schnitt 7,1 Liter. Die beiden Diesel begnügen sich mit 4,2 beziehungsweise 4,4 Litern pro 100 Kilometer.

Ab Herbst bietet Dacia zudem einen weiteren Benziner an, den TCe 115 mit 85 kW (115 PS). Er ist dann der stärkste Motor für den Lodgy und treibt den Van auf bis zu 179 Kilometer pro Stunde. Der durchschnittliche Verbrauch soll bei 5,8 Litern je 100 Kilometer liegen. Der knapp 1.300 Kilogramm schwere Van ist schon mit den schwächeren Diesel- und Benzinvarianten ausreichend motorisiert. Mehr Fahrspaß bringen aber die beiden stärkeren Motorisierungen. Das Sechsgang-Getriebe ist auf Benzinsparen ausgelegt und verlangt häufiges Schalten. Erstmals bei Dacia ist neben dem ABS auch das ESP serienmäßig.

Kommentare

46 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Dacia - ein Autohersteller mit klaren und transparenten Preisen

Unabhängig davon, dass ich von Dacia begeistert bin, weil es praktisch der einzige Hersteller ist, der einem günstige Basismodelle ohne Schnickschnack anbietet, möchte ich auch einmal die Preispolitik loben.

Mich hat schon immer am deutschen Neuwagenmarkt genervt, dass Autos in den seltensten Fällen über den Preis beworben werden und dieser im besten Fall als sogenannter "Listenpreis" im Kleingedruckten unter irgendwelchen Printanzeigen steht. Zudem entsprechen diese Listenpreise in den seltensten Fällen den tatsächlichen Verkaufspreisen, da praktisch allen Autokäufern klar ist, dass man beim Händler noch handeln kann und muss. Wer dies nicht gut kann oder will, ist automatisch der Trottel, weil er diese bereits im Listenpreis enthaltenen "Verhandlungsmargen" dann unnötigerweise mitbezahlt und so schnell mal 1000,-Euro mehr ausgibt als der nächste Kunde.

Zumindest bei den Basismodellen von Dacia ist dies nicht der Fall. Wenn der Basis-MCV-Kombi im Fernsehen mit 7990,- (+Überführung) beworben wird, wird der Händler den Wagen Ihnen und allen anderen auch für genau den Preis verkaufen. Dieser ganze Verhandlungs-Spielkram und das Taktieren, welche man von anderen Händlern kennt, fallen weg, so dass der Autokauf äußerst entspannt verläuft und man ihn ohne unnötige Diskussionen in 15 Minuten abwickeln kann.

Ein bisschen schade finde ich es nur, dass Dacia nun von der ursprünglichen Rundung auf 500er und 1000er Beträge abweicht und diese kindischen 990er Beträge eingeführt hat.

@riciru...kein Kollege...einfach nur ein Kunde

Hmmm...ich muss Sie enttäuschen und überraschen. Enttäuschen, weil ich beruflich weder mit Dacia noch sonst einem Autokonzern etwas zu tun habe. Und überraschen, weil meine Frau und ich tatsächlich sowohl den Sandero als auch den MCV in der absoluten Basisversion gekauft haben und seit mehreren Jahren zufrieden fahren. Zugegeben, ein Radio haben wir nachträglich noch für 300,- einbauen lassen, das war's dann aber auch. Und ja, Zentralverriegelung, höhenverstellbare Sitze, Lenkradverstellung und Klimaanlage sind für uns zwar nützlicher aber trotzdem verzichtbarer Schnickschnack. Und Sie werden es mir sicherlich nicht glauben, aber selbst die nicht vorhandene Servolenkung ist für uns überhaupt kein Thema und ich würde die Autos genauso wieder kaufen, wenn sie in hoffentlich ferner Zukunft mal den Geist aufgeben. Ich gönne jedem seinen "Schnickschnack" und wenn man sein Geld für etwas zusätzlichen Luxus ausgeben möchte, ist das völig in Ordnung. Ich möchte aber nicht dazu gezwungen werden. Da kommt mir Dacia mit seinen schnörkellosen und meinetwegen auch langweiligen und häßlichen Basismodellen eben sehr entgegen.

Amen!

Wir auch:
Dacia Logan MCV in der absoluten Basisversion, nur mit Radio extra. Die Notwendigkeit einer Servolenkung wird absolut übertrieben, Klimaanlage erhöht nochmal den Verbrauch und sowieso: Juhuu, mehr Geld für anderes! Und das Auto gehörte uns schon komplett, als wir es das erste Mal fuhren!
Es gibt nur eine einzige Sache, die mir an unserem Auto fehlt:
Dass man die Beifahrertür mit runtergedrücktem Knopf schließen kann.
Aller anderer Schnickschnack kann mir gestohlen bleiben.

Vielen Dank für Ihren Hinweis...

...daß ein Dacia auch ohne Servolenkung von Mann und Frau gefahren werden kann, die Händler wiegen ja ganz bedeutungsschwer ihren Kopf, wenn man sie danach fragt. Mein nächster ist jedenfalls ein Dacia, vielleicht der neue Citadine, wenn er bald kommt für 5000,- Euro, oder der Basis-Sandero. Für das gesparte Geld habe ich jede Menge anderer Verwendungen.

Streitthema Servolenkung, ein kleiner Technikkommentar

Ob das Fahrzeug eine Lenkhilfe benötigt, ist von einigen Faktoren abhängig. Dazu gehören das Gewicht allgemein, das Gewicht, das auf der Lenkachse liegt im besonderen, Fahrwerkskonstruktion und -einstellung, Reifenaufstandsfläche und verwendete Lenkmechanik (inklusive Übersetzung von Lenkbewegung zu Radeinschlag).

Beispiel:
Die Räder eines zweitonnenschweren Fahrzeugs, mit großem Motorgewicht auf der Lenkachse, geringem positiven oder gar negativem Radsturz (höhere Seitenführungskraft, erfordert mehr Lenkkraft) und mit Breitreifen, einzuschlagen, ist selbst für einen kräftigen Mann im Stand und bei Schrittgeschwindigkeit, ohne Lenkhilfe, heute sehr anstrengend.

Leichte Fahrzeuge, mit relativ schmalen Rädern können ohne Lenkhilfe auskommen, auch für Frauen ;)

Frühere elektrische Lenkhilfen wirkten ständig und nahmen dem Fahrer auch bei hohen Geschwindigkeiten das "Gefühl für die Straße" mangels Lenkwiderstand. Deswegen erfolgte die Entwicklung progressiver Systeme, deren Unterstützung mit zunehmender Geschwindigkeit abnimmt, um eben dem Fahrer wieder besseren direkten Kontakt zur Straße zu vermitteln.

Die Entwicklung geht hin zu "intelligenten drive by wire" Systemen, die Lenkbefehle nur noch elektronisch übermitteln.
Hierbei kann die Bordelektronik stärker manipulativ eingreifen, wenn die Steuerung durch Sensorfeedback und GPS meint es besser zu können, als der Fahrer ;)
Hier gibt es für den Fahrer kaum mehr Lenkkräfte.

MfG
AoM

Gutverdiener

ich habe mir einen Dacia gekauft (9.150 Euro Abholpreis), obwohl ich Gutverdiener bin. Irgendwann kommt die Entscheidung, mehr Geld ins Eigenheim oder ins Auto zu stecken. Bei mir hat das Eigenheim den Vorzug erhalten. Auch wenn der Preisvorteil "nur" mehr 4.000 Euro beträgt, das ist viel Geld (für viele Menschen ist dies mehr als der Betrag, den sie sich in einem Jahr sparen können).