Grenzsteintrophy"Irgendwann verlässt jeder Fahrer die Komfortzone"

Für Grenzerfahrungen auf dem Bike muss man nicht in die weite Welt. Auch die Grenzsteintrophy durch Deutschland geht auf Gelenke und Psyche, sagt Initiator Gunnar Fehlau. von Andrea Reidl

Die Grenzsteintrophy führt über Lochplatten des ehemaligen Patrouillenwegs der DDR-Grenzer.

Die Grenzsteintrophy führt über Lochplatten des ehemaligen Patrouillenwegs der DDR-Grenzer.  |  © pd-f.de | Gunnar Fehlau

Extreme Touren fernab von Massenveranstaltungen finden bei Mountainbike- und Rennradfahrern zunehmend Anklang. Am 16. Juni startet zum vierten Mal die Grenzsteintrophy (GST), eine Selbstversorger-Mountainbikefahrt entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze: 1.250 Kilometer lang, 18.000 Höhenmeter rauf, mit Gefällen bis zu 25 Prozent. Wer Abenteuer sucht, ist hier richtig.

Regeln gibt es keine, nur den Kodex: Was man braucht, trägt man an Körper oder Rad. Übernachtungen plant man spontan. Ansonsten folgt man strikt dem Track und der Devise: Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Erfinder der GST ist der Radsportler Gunnar Fehlau.

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ZEIT ONLINE: Herr Fehlau, was war der Auslöser für diese Tour?

Gunnar Fehlau
Gunnar Fehlau

Gunnar Fehlau ist Radsportler und schreibt als Fachjournalist und Buchautor rund um das Themenfeld "Fahrrad". Die Grenzsteintrophy rief er 2009 ins Leben.

Gunnar Fehlau: Mein großer Traum ist die Tour Divide, die Mutter aller Self-Support Races. Sie führt über 4.500 Kilometer ohne Hilfe durch die Wildnis von Kanada nach Mexiko . Als berufstätiger Familienvater fehlen mir allerdings die fünf Wochen Urlaub, die ich dafür bräuchte. Deshalb habe ich mir einfach meine eigene Selbstversorgertour gebastelt.

ZEIT ONLINE: Und ein paar Freunde wollten sofort mitfahren?

Fehlau: Ich fahre seit 20 Jahren Marathons wie Trondheim-Oslo und kenne viele Fahrradverrückte, denen es geht wie mir. Die haben auf den ganzen Rennzirkus mit Schummeln und Kommerz keine Lust mehr. Deshalb ist die Grenzsteintrophy auch kein offizielles Rennen, sondern eher ein Treffen von Freunden. Es gibt die Strecke und eine Startzeit. Wer Lust hat, ist dabei. Wir verzichten bewusst auf irgendwelche Teilnehmer- oder Finisherlisten, weil sonst sofort wieder jemand nachhilft.

ZEIT ONLINE: Wer startet bei der GST?

Fehlau: Die Fahrer sind alles ziemliche Eigenbrötler. Starke Charaktere, denen ein klassischer Marathon zu wenig ist. Die pedalieren gerne ein paar Tage am Stück von morgens bis abends. Letztes Jahr waren es 28, dieses Jahr haben sich rund 50 Teilnehmer gemeldet. Diese Mischung aus Sport und Abenteuerreise ist genau ihr Ding.

ZEIT ONLINE: Eine Abenteuerreise in deutschen Wäldern, ist das nicht etwas übertrieben?

Fehlau: Gut, Deutschland ist nicht Kanada. Und dennoch: Die GST führt über den ehemaligen Patrouillenweg der DDR-Grenzer. Die Strecke ist verwildert und nur über Lochplatten oder überwucherte Naturpfade zu befahren. Obwohl im Frühjahr Helfer Streckenabschnitte abfahren, endet der Track immer wieder urplötzlich vor einem Kornfeld oder im dichten Gestrüpp. Das sind die Momente, in denen die GST richtig beginnt.

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