Japanische EdelmarkeEin Kompaktauto soll Infiniti zum Durchbruch verhelfen

Nissans Nobelmarke Infiniti hat 2011 in Deutschland gerade einmal 1.030 Autos verkauft. Neue Modelle mit Mercedes-Motoren sollen künftig kräftigen Zuwachs erzielen. von Sebastian Viehmann

Eins kann man Infiniti nicht vorwerfen: mangelnden Durchhaltewillen. Als Nissan seine Nobelsparte vor vier Jahren in Europa einführte, verhagelte die Wirtschaftskrise einen glanzvollen Start. Danach warf die Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe den gesamten japanischen Automobilsektor zurück – ausgerechnet, als Infiniti wichtige Modelle wie den M35h Hybrid präsentierte. Nun stellt Infiniti Pläne vor, die ehrgeiziger nicht sein könnten. Und das mitten in der Euro-Krise.

Doch Guillaume Pelletreau lässt sich nicht beirren. "2016 wollen wir global einen Marktanteil von zehn Prozent im Premium-Segment haben", sagt der Europa-Vertriebschef von Infiniti. 500.000 Autos wollen die Japaner dann weltweit verkaufen. Im vergangenen Jahr waren es gerade einmal 145.000.

Anzeige

Die europäischen Märkte sowie der Mittlere Osten sollen 2016 mit rund 100.000 Fahrzeugen zum erhofften Erfolg beitragen. Das entspräche einer Verfünffachung des Absatzes. Wachstum soll außerdem der asiatische Raum bringen: 2014 startet die Infiniti-Produktion in China für den dortigen Markt.

Infiniti plant Kompaktmodell

Um die Ziele zu erreichen, steht auch den deutschen Infiniti-Händlern viel Arbeit bevor. Das Netz muss kräftig ausgebaut werden. Zurzeit gibt es hierzulande lediglich fünf Händler, bis 2016 sollen es mehr als 40 sein. 2011 verkaufte die Marke in Deutschland gerade einmal 1.030 Fahrzeuge, davon 683 Exemplare des FX.

Das bullige SUV hat gerade ein Facelift erhalten, vor allem der neue V6-Diesel mit 238 PS hat den Absatz angekurbelt. Denn vorher gab es ausschließlich durstige Benzinmotoren. Auf Platz zwei der erfolgreichen Infiniti-Modelle in Deutschland steht die Limousine der M-Serie, erst dann folgt das kleinere SUV EX. In anderen Ländern wie den USA gibt es zudem noch größere Modelle wie den Infiniti QX.

Die halbe Million ist freilich allein mit SUV und dicken Limousinen nicht zu erreichen. Ein großer Teil des geplanten Wachstumsschubs soll deshalb auf ein neues Fahrzeug im C-Segment zurückgehen. Damit bezeichnen Autoexperten die Kategorie der Kompaktwagen, zu der etwa der VW Golf, Audi A3 oder BMW 1er zählen. Vor allem den beiden letztgenannten soll der Kompakte von Infiniti Konkurrenz machen. Er soll 2014 auf den Markt kommen. 

Leserkommentare
  1. weiter zu entwickeln finde ich persönlich (bin auch Autofahrer zur Zeit Mini) überflüssiger als einen Kropf.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Mini ist auch eine Art "Nobelauto", nur halt im emotionalen - "kultigen" - Sinne.
    Wir hatten früher einen alten Mini (war zwischendurch mal im Besitz von Leyland), der war wirklich klein! Verbrauch zwischen 6-7 Litern.
    Minis heute sind im Durchschnitt größer und verbrauchen mehr als ein Golf - spielen aber auf jeden Fall in einer "Liga".

    Das sich Infiniti in dieses "nobele" Segment begibt ist klar: Da gibt es noch Menschen, die das Geld haben, sich einen Neuwagen zu leisten.

    Es ist doch auffällig bei allen Autoherstellern: Fast nur noch im "Premium Segment" wird heute noch richtig gut Geld verdient. Audi - Porsche - VW... wessen Fahrzeuge werden wohl am ertragreichsten hergestellt und verkauft?!

    Genau deshalb schmiert Opel ab - weil die Leute, die sich früher einen Opel gekauft hätten, heute nicht mal mehr genug für nen Kadett verdienen - von einem Insignia ganz zu schweigen.

  2. Ich wünsche Nissan viel Glück, aber mal ehrlich: in einem derart engen Marktsegment kann Nissan wirklich nichts reissen. Zumal die Fahrzeuge auf den Fotos mehr als nur gewöhnungsbedürftig aussehen. Sicher, jeder Hersteller möchte gerne ins Premium-Segment vorpreschen, denn nur dort sind noch traumhafte Gewinne zu realisieren. Aber wenn man nunmal kein Premiumhersteller ist, dann sollte man sich sowas abschminken.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Zitat
    "Aber wenn man nunmal kein Premiumhersteller ist, dann sollte man sich sowas abschminken"

    Kann Infiniti auch nicht sein.
    Diesen Titel haben ( wie so oft) sich die Audi und VW selbst verliehen ( BMW und Mercedes sind mit dieser Formulierung weit vorsichtiger).
    Genauso wie die selbsternannte " Design-Ikone " Audi TT, die seltsamerweise noch nie einen Design-Preis gewonnen hat.

    Der Infiniti ist, was Qualität,Preiswürdigkeit und vor allem Kundenservice anbelangt mehr als auf Augenhöhe.
    Nur taugt er eben nicht als Persönlichkeitsprothese - Persönlichkeit muß der potentielle Käufer dann schon selbst mitbringen.

    • BLI
    • 29. Mai 2012 21:10 Uhr

    Bin nun seit einigen Wochen stolzer Besitzer eines Infiniti M35h und kann mich nur wundern über Kommentare denen ganz offensichtlich jeder Erfahrungshintergrund fehlt.

    Also mein M ist ein absoluter Hingucker, wer drinnen gesessen ist bzw. mitgefuhr ist nur begeistert. Ich wurde bereits von einem Mercedes Verkäufer,einem Toyota/Lexushändler wie auch von einem Seat/VW Händler äusserst interessiert angesprochen, zwei von ihnen holten sogar ihre Mitarbeiter aus der Werkstatt um ihnen dieses Auto zu zeigen und sie waren durch die Bank beeindruckt.Immerhin wirkliche Profis erkennen und anerkennen ein Premiumfahrzeug.
    Also bei dem Auto stimmt alles, Leistung, Komfort, Verarbeitung, Zubehör etc. Und vor allem auch der Verbrauch, welcher in der Klasse konkurrenzlos ist und der Preis, wenn man ihn ausstattungsbereinigt vergleicht.
    Schade dass nicht mehr Bereitschaft da ist, auch anderen Premiumherstellern wie Mercedes Audi und BMW gegenüber Offenheit zu zeigen, was den Markt wie auch die Konkurrenz beleben würde und sich somit sicher positiv auf uns als Kunden auswirken würde. Und so fahren sie denn alle weiter ihre überteuerten Audis, BMW und Mercedes, von denen es an jeder Strassenecke mehrere Dutzende gibt und fühlen sich dabei so individuell.
    Mir soll's recht sein, ich fahre ein fantastisches Auto, welches in jeder Hinsicht überzeugt und so selten zu sehen ist, dass man immer wieder Gelegenheit hat mit freundlich Interessierten in einen spannenden Fachaustausch zu kommen.

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • vsp
    • 29. Mai 2012 21:52 Uhr

    An den überteuerten Neuwagen-Preisen in Deutschland ist weniger die mangelnde Konkurrenz Schuld als das Dienstwagen-Privileg, das wir nur schwer loswerden, weil die Parteien massiv von den "Spenden"-Zahlungen der großen Automobil-Konzerne abhängen.

    Werter BLI,

    die Freude an Ihrem neuen Fahrzeug ist in Ihrem Kommentar nicht zu übersehen, und sie Sei Ihnen auch von ganzem Herzen gegönnt.

    "absoluter Hingucker"
    "äußerst interessiert angesprochen"
    "Profis [..] beeindruckt"
    "so fahren sie denn alle weiter ihre überteuerten Audis, BMW und Mercedes, von denen es an jeder Strassenecke mehrere Dutzende gibt und fühlen sich dabei so individuell"

    .. zeigen aber wunderbar, wieviel Emotion, Image und vor allem STATUS mit einem PKW einhergehen (können).

    Nüchtern betrachtet stelle ich jedoch fest, daß der Artikel eine weitere Premium-Marke mit moderner aber eben doch konventioneller Technik ankündigt - also etwas, was selbst langfristig allenfalls für die oberen 10% der Bevölkerung, und vielleicht ein Drittel der ZEIT-Online-Leser (ich unterstelle dem Publikum hier jetzt mal, daß es sich im Mittel aus sozial [Bildung,Einkommen,Wohlstand] überdurchschnittlichem Milieu rekrutiert) von Interesse ist.

    Ein besseres Preis-Leistungsverhältnis als bei Daimler, BMW und VAG zu bieten, ist weder überraschend noch eine Schlagzeile wert. Echten KFZ-Fortschritt durch neue Technologien, die irgendwann im breiten Markt durchschlagen, sehe ich auch nicht. Eine solide Entwicklung, plus dazu vielleicht das von Ihnen so sehr geschätzte "ich-bin-anders-als-ihr"-Image.

    Vor diesem Hintergrund ist die Kritik, mindestens aber fehlende Begeisterung für diesen Artikel, doch allzuverständlich:

    Eine neue Premium-KFZ-Marke.
    Na und?

    • vsp
    • 29. Mai 2012 21:52 Uhr

    An den überteuerten Neuwagen-Preisen in Deutschland ist weniger die mangelnde Konkurrenz Schuld als das Dienstwagen-Privileg, das wir nur schwer loswerden, weil die Parteien massiv von den "Spenden"-Zahlungen der großen Automobil-Konzerne abhängen.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Es sind Nobelautos"
  3. Sie werden sich weiterhin alle Zähne auf dem deutschen Markt ausbeißen!

  4. Solche Kooperationen wären vor Jahren noch undenkbar gewesen. Aber heute machen sie Sinn, da erfolgreiche Dinge, sich auch schneller im Markt etablieren und beide Partner davon profitieren. Hier Damiler-Motoren und woanders Peugeot-Motoren, BMW-Motoren, TOYOTAHybrid-Antriebsstränge u.a.

    Das INFINITI-Design ist ziemlich eigen und gerade daher eine Bereichung für den Markt. Wo andere Mainstream-Richtungen stärker gerade Linien betonen und im Design "strenger" wirken, folgt INFINITI mehr eine fließenden-weichen-Designlinie, welches sozusagen auch in der Natur in Strandnähe zu beobachten wäre. Es ist schön, das im Markt so ein mehr an Designströmungen anzutreffen ist. Auch der BEETLE von VW zählt zu den eher fließenden Designlinien, auch wenn hier ein paar Kanten "reingezimmert" werden mußten.

    Für den Markt ist dieser Facettenreichtum sehr positiv, da Vielfalt auch das Design an sich belebt. Wäre ja langweilig, wenn alle nur gleichaussehende Kastenautos bauen würden.

  5. Mini ist auch eine Art "Nobelauto", nur halt im emotionalen - "kultigen" - Sinne.
    Wir hatten früher einen alten Mini (war zwischendurch mal im Besitz von Leyland), der war wirklich klein! Verbrauch zwischen 6-7 Litern.
    Minis heute sind im Durchschnitt größer und verbrauchen mehr als ein Golf - spielen aber auf jeden Fall in einer "Liga".

    Das sich Infiniti in dieses "nobele" Segment begibt ist klar: Da gibt es noch Menschen, die das Geld haben, sich einen Neuwagen zu leisten.

    Es ist doch auffällig bei allen Autoherstellern: Fast nur noch im "Premium Segment" wird heute noch richtig gut Geld verdient. Audi - Porsche - VW... wessen Fahrzeuge werden wohl am ertragreichsten hergestellt und verkauft?!

    Genau deshalb schmiert Opel ab - weil die Leute, die sich früher einen Opel gekauft hätten, heute nicht mal mehr genug für nen Kadett verdienen - von einem Insignia ganz zu schweigen.

    Antwort auf "diese Nobelautos"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte BMW | Mercedes | Audi | Nissan | Toyota | Elektroantrieb
Service