ElektromobilitätKeine Regeln fürs Abschleppen an der Ladesäule

Fahrer von Elektroautos in der Stadt haben ein Problem: Oft sind Ladesäulen von herkömmlichen Autos zugeparkt. Ein durchsetzbares Parkvorrecht fehlt. von 

Schild an einer Ladesäule in Hamburg

Schild an einer Ladesäule in Hamburg  |  © Christoph M. Schwarzer

Wieder zugeparkt. Obwohl das deutlich sichtbare Schild "Ladeplatz E-Mobil" durch den drohenden Hinweis "Widerrechtlich parkende Fahrzeuge werden kostenpflichtig abgeschleppt" ergänzt ist, steht ein konventionelles Auto mit Verbrennungsmotor vor der Ladesäule. Das ist in Hamburg keine ungewöhnliche Ausnahme, sondern ein Regelfall.

Er lässt ein bisher ungelöstes Dilemma des batterieelektrischen Fahrens offenbar werden: Genau dort, wo das Fahren mit Elektroautos bevorzugt propagiert wird, sind die wenigen öffentlichen Ladesäulen wegen Fremdparkern oft nicht nutzbar: in der Stadt. Dabei ist die Reichweite heutiger Elektroautos für urbane Strecken eigentlich ausreichend – wenn nur der Zugang zu einer simplen Steckdose frei wäre.

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Ein Anruf bei der Polizei hilft nicht weiter. Man sei, so heißt es, trotz des Warnschilds nicht zuständig fürs Abschleppen. Die Telefonnummer auf der Ladesäule bringt den betroffenen E-Autofahrer einer Lösung des Problems ebenfalls nicht näher – bitte rufen Sie bei der Polizei an, erhält der Anrufer zur Antwort. Die Vattenfall Innovations GmbH wiederum, Betreiber von 25 der insgesamt 50 öffentlichen Stromtankstellen in Hamburg, verweist auf die unklare Rechtslage: Das aktuelle Straßenverkehrsgesetz sehe keine Privilegierung für Elektrofahrzeuge an den Ladesäulen vor, es gebe "keine gültige rechtliche Grundlage, die Stellplätze für E-Mobile freizuhalten", also Fahrzeuge mit anderer Antriebsart abzuschleppen. Eine bundeseinheitliche Regelung sei erforderlich.

Die Folgen dieses Hin und Her bei der Verantwortung badet der Besitzer des Elektroautos aus, der angesichts des sich leerenden elektrochemischen Speichers schnell Angst bekommt, liegenzubleiben. Dabei erscheint der Ausweg aus dieser Misere auf den ersten Blick ganz einfach. Es müsste nur ein bundesweites Parkvorrecht für Elektroautos an Ladepunkten inklusive durchsetzbarer Abschleppoption eingeführt werden.

"Ladesäulen sind Tankstellen"

Was so simpel klingt, ist bei genauer Betrachtung aber sehr viel schwieriger, denn ein Parkplatz ist öffentlicher Raum. Und der gehört allen und ist besonders in der Stadt knapp. "Ladesäulen sind prinzipiell nichts anderes als Tankstellen", sagt Toni Hofreiter, Bundestagsabgeordneter der Grünen und Vorsitzender des Verkehrsausschusses. Hier liegt also eine kommerzielle Nutzung vor. Ein bevorzugtes Parkrecht unterstützt Hofreiter darum nicht: "Es ist nicht einzusehen, warum Fahrer von Elektroautos zum Beispiel Schwerbehinderten gleichgestellt werden sollten."

Unterdessen stecken selbst provisorische Auswege aus der Problemsituation in den Mühlen der Bürokratie fest. Das Protokoll der Verkehrsministerkonferenz vom April etwa erbittet beim Bundesverkehrsministerium rechtliche Lösungen, die "zumindest für einen befristeten Zeitraum Elektrofahrzeugen das kostenlose oder (...) kostengünstigere Parken ermöglichen". Zum Beispiel an Ladesäulen. Ein Beschluss fehlt aber.

Zugleich machen die Landesverkehrsminister auf ein zweites Problem aufmerksam, das ZEIT ONLINE aus der Praxis bestätigen kann: Neben Autos mit Verbrennungsmotor stehen auf den Ladeparkplätzen vereinzelt Elektroautos, die scheinbar laden, in Wirklichkeit aber über Tage abgestellt werden. Dazu stellt die Verkehrsministerkonferenz "mit großem Bedauern fest, dass drei Jahre nach Veröffentlichung des ersten Förderprogramms (...) noch immer keine (...) Signalisierung des Ladevorgangs an der Ladesäule" festgelegt sei. Nur so könnten Politessen feststellen, ob der Stromtank längst gefüllt ist.

Leserkommentare
  1. hier hat aber jemand einen späten richtigen eindruck! ;)

    natürlich ist bzgl. elektromobilität überhaupt nichts strategisch geplant - von wem denn auch?

    ein miteinander der hersteller wird es kaum geben und in den städten / in der politik gibt es größere probleme als nischentechnik, bei der man nicht wirklich in die zukunft schauen kann.

    vom hersteller bis zum nutzer warten doch alle noch darauf, dass es in den nächsten jahren eine alternative zum langwierigen laden via steckdose gibt.

    eine ladesäulen-infrastruktur könnte schnee von gestern sein, noch bevor eine flächendeckung erreicht ist.

    insofern warten wir einfach noch etwas ab ... warten auf die serienreife brennstoffzelle ... auf wasserstoff-tankstellen ... oder auf einen akku der all unsere energieprobleme lösen kann! ;)

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    Das (Zitat) "warten auf die serienreife brennstoffzelle" ist längst gelaufen. Es gibt kurzfristig Brennstoffzellenfahrzeuge serienmäßig zu kaufen - es fehlen nur die Wasserstofftankstellen, die seit Jahren aus ideologischen Gründen von staatlichen Behörden behindert werden-und zwar mit dem Argument, der deutsche Strommix würde bei der Verwendung für die Wasserstoffherstellung keine Vorteile bei der CO2-Bilanz bringen. Dabei böte der Wasserstoff eine sehr gute zusätzliche Speichermöglichkeit für den mittlerweile zeitweise im Übermaß vorhandenen und sonst nicht verwertbaren Photovoltaik- oder auch Windstrom.
    Eine Anschubfinanzierung für die flächendeckende Wasserstoffinfrastruktur würde nur einen Bruchteil der sinnlos verpulverten Photovoltaiksubventionen erfordern und wäre äußerst effektiv - aber wie gesagt-dem steht wieder einmal eine sinnentleerte und von keinem Sachverstand getrübte Ideologie entgegen.

    Redaktion

    Lieber User Mc-Noise,

    die Regierung hat vor zwei Jahren die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) ins Leben gerufen. Dort könnte/sollte die strategische Planung angesiedelt sein.

    Viele Grüße
    Matthias Breitinger

  2. und ich möchte entschieden widersprechen:

    es wird sich bzgl. elektrofahrzeugen auf den strassen, trotz angebot von den herstellern, nichts ändern:
    so lange keine sinnvolle infrastruktur und zukunftsweisende techik bzgl. ladevorgang/akku vorhanden ist, so lange elektrofahrzeuge viel viel zu teuer sind, so lange es nicht alle typenklassen mit elektroantrieb gibt ... wird sich gar nichts auf den strassen tun.

    elektromobilität ist heute trendiges öko-aushängeschild der hersteller ... eine vorschau auf die möglichkeiten von morgen ... NICHT MEHR ... mit lachhaften 100km reichweite und 8h laden via 20m-verlängerungskabel aus dem wohnzimmerfenster wird das nichts.

    3 Leserempfehlungen
  3. Wer glaubt, die Energie würde effizienter gebraucht, der irrt gewaltig. Natürlich mag ein Elektromotor effizienter sein, aber ein Elektroauto hat aber auch sehr viel mehr Masse. So viel dazu.

    Was die Ladesäulen angeht: Klassischer Schildbürgerstreich. Nun leiden wir unter der Tatsache, dass naturwissenschaftlicher und mathematischer Unterricht immer mehr gekürzt wurde, dabei lernt man gerade in den Naturwissenschaften und in der Mathematik Sachen, die generell nützlich sind: Argumentieren, Beweisen und Widerlegen, ohne emotionial zu werden, ohne jemanden zu beleidigen, ohne Argumente nach ihren Autoren zu bewerten. Wären dazu mehr Leute in der Lage, auch Politiker, dann hätten wir kein EEG, keine Energiewende, keinen Atomausstieg, kein Gentechnikverbot, die FDP hätte die absolute Mehrheit und der erste Mai in Berlin wäre ein Familienfest.

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    "Argumentieren, Beweisen und Widerlegen, ohne emotionial zu werden, ohne jemanden zu beleidigen, ohne Argumente nach ihren Autoren zu bewerten. Wären dazu mehr Leute in der Lage, dann [...] die FDP hätte die absolute Mehrheit.

    Sorry, selten so gelacht! Das lässt sich schon rein mathematisch widerlegen.

    Also: Aufgabe einer Klientel-Partei ist es, ihrer Klientel Privilegien zuzuschachern. Wenn sie die absolute Mehrheit hätte, müsste sie ja weniger Leuten nehmen, was sie mehr Leuten zuschachert. Geht rein mathematisch nicht.

    OT, aber nur als kleiner Exkurs ins wissenschaftliche Denken.

    Wer glaubt, die Energie würde effizienter gebraucht, der irrt gewaltig. Natürlich mag ein Elektromotor effizienter sein, aber ein Elektroauto hat aber auch sehr viel mehr Masse. So viel dazu.
    Sicher können Sie doch genau erklären, was sie damit sagen wollen.
    Wieviel mehr Masse hat denn ein E-Auto Ihres Glaubens nach, und wie wirkt sich diese auf den Verbrauch aus?

    Nun leiden wir unter der Tatsache, dass naturwissenschaftlicher und mathematischer Unterricht immer mehr gekürzt wurde
    Es ist traurig dass bei Ihnen offenbar der Physikunterricht komplett ausgefallen ist, aber Sie könnten sich nach nachträglich weiterbilden.
    Dann hätten Sie vielleicht schon mal etwas von Rekuperation gehört oder gelesen.

    die FDP hätte die absolute Mehrheit
    Warum wandern Sie nicht nach China aus?
    Dort hätten Sie genau das System, was es hier gäbe wenn die FDP durchregieren könnte.

    • Peip
    • 18. Mai 2012 9:13 Uhr

    diese Erfahrung musste mancher bei Behindertenparkplätzen wohl auch schon machen.

    Grundproblem ist aber doch, dass man pro E-Auto zwei (!) mehr oder minder reservierte Parkplätze plus Ladestation braucht: am Wohnwort und am Arbeitplatz.

    Im Moment zahlt das der Steuerzahler, aber das kann es ja wohl nicht sein: 2 städtische Plätze plus Elektroinstallation kosten minimal 60.000 Euro

    Eine Leserempfehlung
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    Grundproblem ist aber doch, dass man pro E-Auto zwei (!) mehr oder minder reservierte Parkplätze plus Ladestation braucht: am Wohnwort und am Arbeitplatz.
    Wie kommen Sie denn auf dieses absurde "Problem"?

    Von denen, die heute schon elektrisch fahren, hat so gut wie niemand eine solche Luxusausstattung.
    Selbst wenn, dann reicht als "Ladestation" eine simple Schukosteckdose da das Auto über Nacht oder am Arbeitsplatz idR mehrere Stunden steht.

    2 städtische Plätze plus Elektroinstallation kosten minimal 60.000 Euro
    Irgendwelche Belege für diese Zahl, oder haben Sie sich die selbst ausgedacht?

  4. Von welcher "Markteinführung" spricht der Autor? Elektroautos mit ihren langen Ladezeiten sind nicht marktreif. Den öffentlichen Raum mit lauter ladenden Prototypen zuzustellen kann nicht funktionieren.

    Überhaupt das ewige Klischee vom "Cityflitzer": Als Stadtbewohner brauche ich ein Auto, wenn ich was transportieren will, oder mit der Familie in die Berge fahre. Dafür taugt aber kein Elektro-Smart. Zum Einkaufen im Supermarkt ist das Fahrrad unschlagbar.

    Das Ladesäulen-Problem wird sich mit Ende des Elektroauto-Hypes von alleine lösen.

    3 Leserempfehlungen
  5. Denn das Laden dauert zu lange und angeblich soll es gar-nicht genug Material für Akkus geben, um alle mit E-Autos auszustatten.
    Außerdem sind sie genauso umweltschädlich wie normale Autos, da der Strom aus Kohlekraftwerken kommt.

    Ich habe meine Hoffnungen bei Brennstoffzellen Autos. Siemens hat ja schon angekündigt, ihre Wind- und Solarenergie in Wasserstoff-Form zu speichern, da Akkus zu teuer und ineffizient sind.

    Würden alle ihr Strom so speichern, hätten wir Unmengen an Wasserstoff für H²-Autos. Welche übrigens nicht 8h Ladezeit benötigen und eine sehr viel höhere Reichweite besitzen.

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    Denn das Laden dauert zu lange
    Wie lange dauert die Schnellladung eines i-MiEV an einer CHaDEMO-Ladestation mit 43kW?

    angeblich soll es gar-nicht genug Material für Akkus geben, um alle mit E-Autos auszustatten.
    Angeblich soll die Erde eine Scheibe sein, oder sogar eine Scheiblette. Das hab ich im Internet gelesen also muß es einfach stimmen.

    Ich habe meine Hoffnungen bei Brennstoffzellen Autos. Siemens hat ja schon angekündigt, ihre Wind- und Solarenergie in Wasserstoff-Form zu speichern, da Akkus zu teuer und ineffizient sind.
    Das ist ziemlicher Schwachsinn.
    Die H2-Elektrolyse, Komprimierung/Verflüssigung und anschließende Verstromung in GeldverBrennstoffzellen ist um sehr viel ineffizienter als die chemische Speicherung von elektrischer Energie in Akkus.
    http://www.itas.fzk.de/ta...

  6. "Argumentieren, Beweisen und Widerlegen, ohne emotionial zu werden, ohne jemanden zu beleidigen, ohne Argumente nach ihren Autoren zu bewerten. Wären dazu mehr Leute in der Lage, dann [...] die FDP hätte die absolute Mehrheit.

    Sorry, selten so gelacht! Das lässt sich schon rein mathematisch widerlegen.

    Also: Aufgabe einer Klientel-Partei ist es, ihrer Klientel Privilegien zuzuschachern. Wenn sie die absolute Mehrheit hätte, müsste sie ja weniger Leuten nehmen, was sie mehr Leuten zuschachert. Geht rein mathematisch nicht.

    OT, aber nur als kleiner Exkurs ins wissenschaftliche Denken.

    3 Leserempfehlungen
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    "Aufgabe einer Klientel-Partei ist es, ihrer Klientel Privilegien zuzuschachern. Wenn sie die absolute Mehrheit hätte, müsste sie ja weniger Leuten nehmen, was sie mehr Leuten zuschachert. Geht rein mathematisch nicht."
    ----------------
    Vielleicht sollten Sie sich erst mal mit Politik beschäftigen. Die Sichtweise, Politik ist nur ein Umverteilungszentrum ist aber schon von sehr weit links.

  7. Freier Autor

    Lieber User Mc-Noise,

    danke für Ihren Kommentar!

    Sie fragen, wer denn überhaupt eine strategische Planung vornehmen könnte. Im internationalen Vergleich gibt es dafür durchaus Vorbilder, zum Beispiel die New Energy and Industrial Technology Development Organization (NEDO) in Japan oder das California Air Resources Board in den USA.

    In Deutschland wird seit einiger Zeit ein Energieministerium diskutiert - wobei, das ist leider offensichtlich, es für ein weiteres Ministerium schwer sein dürfte, die Konflikte aus Bundesfinanzministerium, Bundesumweltministerium, Bundeswirtschaftsministerium und dem Bundesverkehrsministerium zu überwinden.

    Beste Grüße,

    Christoph Schwarzer

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