LotusJames Bonds auffällige Flunder

Clever platzierte Lotus einen Esprit vor Filmstudios. Prompt wurde der britische PS-Keil 1977 als Bond-Dienstwagen eingesetzt. Ein Verkaufshit wurde er dennoch nicht.

Lotus Esprit

Lotus Esprit

Für Geheimagenten ist Tarnung alles. Sie bewegen sich unauffällig, fahren langweilige Autos, die im Straßenbild untergehen, oder nehmen den Bus. Nicht so der berühmteste Geheimagent aller Zeiten. James Bond fährt gern in superteuren Luxussportwagen vor dem Spielcasino vor, damit auch der letzte Bösewicht mitbekommt, dass 007 wieder im Lande ist. Das galt schon für den Sunbeam Alpine, den der Agent im ersten Bond-Film Dr. No fährt, der genau vor 50 Jahren gedreht wurde.

Doch kaum ein Bond-Mobil war so auffällig wie der Lotus Esprit von 1977. Bond-Produzent Albert R. Broccoli hatte einen Prototypen des Wagens entdeckt, der vor den Pinewood-Studios in London geparkt war. Und das wohl nicht ganz zufällig: Don McLauchlan, Marketing-Mann bei Lotus, hoffte, dass der Briten-Keil als Leinwandstar entdeckt würde. Die Rechnung ging auf: Ein weiß lackierter Esprit schrieb in Der Spion, der mich liebte Filmgeschichte.

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1972 gab es die erste Konzeptstudie des Esprit auf dem Turiner Autosalon zu bewundern. Das Design stammte von Giorgetto Giugiaro, der damals nach diversen Maserati-Entwürfen mitten in seiner Keil-Phase steckte. So wurde der Esprit eckig wie ein Türkeil und flach wie eine Flunder. Der 1,1 Tonnen schwere Flitzer der britischen Automarke hatte einen Vierzylindermotor mit zwei Litern Hubraum und einer Leistung von 160 PS. Damit schaffte der Esprit immerhin ein Höchsttempo von 214 km/h. Die Kraftübertragung übernahm ein Fünfganggetriebe aus dem Citroën SM.

U-Boot per Knopfdruck

Im Cockpit war der Esprit vor allem eines: eng. "Ein Lotus ohne Kompromisse, für einen Fahrer und einen ausgewählten Begleiter", hieß es denn auch in der Esprit-Broschüre. Bei Roger Moore alias James Bond heißt der "ausgewählte Begleiter" Anya Amasova, russische Geheimagentin, gespielt vom Supermodel Barbara Bach. Der diensthabende Schurke in Der Spion, der mich liebte ist der größenwahnsinnige Reeder Stromberg alias Curd Jürgens. Er will die Welt in einen Atomkrieg stürzen, um danach in den Tiefen des Ozeans eine neue Menschheit anzusiedeln.

Ausstellung von Bond-Autos

Vor 50 Jahren, im Herbst 1962, kam der erste James-Bond-Film 007 jagt Dr. No in die Kinos. Zum Jubiläum zeigt das National Motor Museum im südenglischen Beaulieu, in der Nähe von Southampton, in der Ausstellung Bond in Motion fünfzig Fahrzeuge des berühmten Film-Geheimagenten.

Nach Angaben des Museums ist das die bisher größte Ausstellung von Bond-Autos. Zu sehen sind unter anderen der Klassiker Aston Martin DB5, der Lotus Esprit S1, Goldfingers Rolls-Royce Phantom III von 1937 und der Rolls-Royce aus Im Angesicht des Todes, mit dem James Bond in einem See versenkt wird. Daneben sind auch Motorräder, Schiffe und ein Jetski zu sehen. Die Ausstellung läuft bis Dezember 2012.

Das können Geheimagent Bond und Major Amasova natürlich nicht zulassen. Auf der Flucht vor Strombergs Schergen jagt Bond den Lotus durch die kurvenreichen Küstenstraßen der Costa Smeralda auf Sardinien. Am Steuer saß bei den Dreharbeiten freilich nicht Roger Moore, sondern ein Testfahrer von Lotus. Am Schluss rast der Esprit von einem Pier mitten ins Meer. Für diese Szene wurde ein Stuntwagen mit einer Rakete beschleunigt und an Stahlseilen geführt.

Im kristallklaren Wasser dann die Überraschung: Statt für Königin und Vaterland im Mittelmeer unterzugehen, verwandelt Bond den Esprit mit ein paar Knopfdrücken in ein U-Boot. Außer vier schwenkbaren Propellern hat der U-Lotus eine komplette Verteidigungsanlage inklusive Raketen und Torpedos an Bord. Gedreht wurden die Unterwasserszenen auf den Bahamas. Die Filmcrew nutzte dafür sowohl Modelle als auch ein Fahrzeug mit Spezialeffekten in Originalgröße, das von einem Taucher im Innern gesteuert wurde.

Kein Verkaufsschlager

Natürlich vernascht James Bond Anya Amasova, nachdem alle Gefahren gemeistert sind. Im Lotus hat das allerdings so seine Tücken: Der hohe Getriebekanal steht wie die Berliner Mauer zwischen dem britisch-russischen Agentenpärchen, und das Cockpit des Esprit ist ohnehin so knapp geschnitten, dass jeder Liebesakt wohl eher zu blauen Flecken führt. Auch sonst ist der erste Esprit ein knochenhartes Auto. Lenkung und Bremsen wollen, dass man kräftig zupackt.

Trotz des Kinofilms wurde der Lotus nie ein Verkaufserfolg. Bei der ersten Serie wurde die etwas schwache Motorisierung bemängelt, in der zweiten Esprit-Serie in den frühen 1980er Jahren bekam das Triebwerk mit der Turboaufladung mehr Tatendrang. Es leistete nun 210 PS und brachte den Wagen auf bis zu 240 km/h. Doch mehr Leistung und mehr Komfort durch die wulstigen Ledersitze in der Optik eines Michelin-Männchens forderten ihren Tribut: Das Leergewicht stieg auf knapp 1.400 Kilogramm. Mitte der neunziger Jahre wurde aus dem Reihenvierzylinder mit Turboaufladung und zuletzt rund 300 PS ein Achtzylinder mit doppelter Turboaufladung und über 350 PS.

Böse Zungen behaupten, dass der Esprit ohne James Bonds Agenten-PR nicht so lange überlebt hätte. 1981 fuhr 007 In tödlicher Mission gleich zweimal Lotus. Es war natürlich die damals brandneue Turbo-Version mit 210 PS. Auch wenn es für eine Fahrt durch Eis und Schnee wahrscheinlich Dutzende besser geeignete Autos gegeben hätte, pilotiert Bond einen kupferfarbenen Esprit Turbo samt Skiträgern zum Wintersport-Ort Cortina d'Ampezzo. Der zweite Esprit hat nur einen kurzen Auftritt zu Beginn des Films. Ein Schurke will den Agenten-Keil aufbrechen, unterschätzt aber trotz des Warnaufklebers an der Scheibe die Diebstahlsicherung: Der Wagen sprengt sich mitsamt dem Bösewicht in die Luft.

 
Leserkommentare
  1. mehr hatte er (leider) nicht zu bieten. Oder anders gesagt: Gott, hüte mich vor Sturm und Wind - und Autos die aus England sind. ;-)
    Vor einigen Jahren hatte ich mal das zweifelhafte Vergnügen so ein Gefährt zu restaurieren. Potential war in der Tat da, sah geil aus, aber wie bereits beschrieben, anfangs zu wenig Leistung um wirklich als Sportwagen wahrgenommen zu werden. An inneren Werten gab es leider nichts als eigentlich simple Technik und Elektrik (da war so einiges bei Citroen zusammengekauft) die im Zusammenspiel dann regelmäßig das nicht tat was sie tun sollte: funktionieren
    "Innovationen" wie Front- und Heckklappe aus Kunststoff, waren so dilletantisch gefertigt daß die Variante aus Stahlblech wohl weniger Gewicht auf die Waage gebracht hätte. Dazu kommt noch die verheerende Versorgung oder Verfügbarkeit an Erzatzteilen... alles in allem: Restaurationsresistent.
    Danke für den Artikel, beim Lesen merke ich wie sehr die Erinnerung an dieses Auto schmerzt ;-)

    2 Leserempfehlungen
  2. 2. Echt?

    Zitat
    "anfangs zu wenig Leistung um wirklich als Sportwagen wahrgenommen zu werden"

    Nun, auch der Porsche 911 wurde seinerzeit (1976) mit 165 PS ausgeliefert und war zweifellos ein waschechter Sportwagen

    " Dazu kommt noch die verheerende Versorgung oder Verfügbarkeit an Erzatzteilen"

    Ein Tip wäre, informieren Sie sich über Gleichteile! Ein "Lotus"-Teil, das rar und teuer ist, exisitiert vielleicht gleichzeitig als "Toyota"-Teil im Überfluß.Ging mir bei einem Aufhängungsteil so.Am Besten die einschlägigen Clubs kontaktieren.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    werden Sie für so ein Fahrzeig nicht finden. Die Chance besteht für Autos deren verkaufte Stückzahlen höher sind als die des Esprit. Dafür müssen Sie schon alle Autobörsen jenseits des Ärmelkanals abklappern.
    Wenn Ihnen die "Elastizität" was sagt, dann können Sie sich auch den Unterschied zwischen Porsche (alles ist auf einander abgestimmt und läuft auch so) und einem Lotus Esprit (bunt zusammen gewürfelte Teilekiste, da war nichts homogen) vorstellen. Da reden wir nicht von Äpfeln und Birnen, sondern von saftigen Äpfeln und Erdnüssen...
    Wie gesagt die Zeit in der ich mit klassischen Fahrzeugen zu tun hatte ist schon ne gute Weile her, aber der Esprit ist mir als übelstes in Erinnerung geblieben.
    Übrigends auch TVR und andere britische Kleinhersteller.

    werden Sie für so ein Fahrzeig nicht finden. Die Chance besteht für Autos deren verkaufte Stückzahlen höher sind als die des Esprit. Dafür müssen Sie schon alle Autobörsen jenseits des Ärmelkanals abklappern.
    Wenn Ihnen die "Elastizität" was sagt, dann können Sie sich auch den Unterschied zwischen Porsche (alles ist auf einander abgestimmt und läuft auch so) und einem Lotus Esprit (bunt zusammen gewürfelte Teilekiste, da war nichts homogen) vorstellen. Da reden wir nicht von Äpfeln und Birnen, sondern von saftigen Äpfeln und Erdnüssen...
    Wie gesagt die Zeit in der ich mit klassischen Fahrzeugen zu tun hatte ist schon ne gute Weile her, aber der Esprit ist mir als übelstes in Erinnerung geblieben.
    Übrigends auch TVR und andere britische Kleinhersteller.

  3. werden Sie für so ein Fahrzeig nicht finden. Die Chance besteht für Autos deren verkaufte Stückzahlen höher sind als die des Esprit. Dafür müssen Sie schon alle Autobörsen jenseits des Ärmelkanals abklappern.
    Wenn Ihnen die "Elastizität" was sagt, dann können Sie sich auch den Unterschied zwischen Porsche (alles ist auf einander abgestimmt und läuft auch so) und einem Lotus Esprit (bunt zusammen gewürfelte Teilekiste, da war nichts homogen) vorstellen. Da reden wir nicht von Äpfeln und Birnen, sondern von saftigen Äpfeln und Erdnüssen...
    Wie gesagt die Zeit in der ich mit klassischen Fahrzeugen zu tun hatte ist schon ne gute Weile her, aber der Esprit ist mir als übelstes in Erinnerung geblieben.
    Übrigends auch TVR und andere britische Kleinhersteller.

    Antwort auf "Echt?"
  4. Mag sein dass der Esprit kein Lehrbeispiel an Qualität ist und womöglich auch nie Bestzeiten auf Rennstrecken aufgestelle hat.
    Ich jedenfalls empfand ihn schon immer als eine Bereicherung der Sportwagenszene und freue mich schon den lange erwarteten Nachfolger dann bald mal live zu sehen :)

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