Bodensee KlassikOldtimer auf Dreiländer-Fahrt

Erstmals eröffnete die Bodensee Klassik die Oldtimersaison. Vor allem Oberklasse- und Luxuslimousinen fuhren durchs Allgäu und das Appenzeller Land. von Stefan Grundhoff

Die Silvretta Classic im Sommer ist eine der bekanntesten Oldtimerrallyes in den Alpen . Nur eine gute halbe Stunde von deren Austragungskurs im Montafon entfernt gibt es nun direkt am Bodensee eine Konkurrenzveranstaltung. Die Bodensee Klassik lockte an diesem Wochenende zum ersten Mal Oldtimerfans an – mit Bregenz als Drehscheibe und grandiosen Panoramen. Die erste Ausrichtung war nicht nur wegen der zahlreichen eleganten Automobile, sondern auch wegen des in weiten Teilen sommerlichen Wetters ein Erfolg.

Markus Frey ist zusammen mit seiner Frau aus der Nähe von Augsburg an den Bodensee gekommen. Sein hellgelber Mazda-Abschleppwagen mit Kreiskolbenmotor, Baujahr 1974, ist einer der Hingucker auf der Rallye. "Der Wagen kommt aus den USA", erzählt der Mazda-Händler aus Gersthofen. "Er wurde nur dort angeboten und hat den ganz normalen Wankelmotor des RX-7 mit 115 PS." Frey hat neben dem Mazda-Betrieb zusammen mit seinem Bruder eine vom Vater aufgebaute Sammlung von Mazda- und Wankelfahrzeugen – einzigartig auf der Welt. Ähnlich auffällig, aber weniger einzigartig ist nur ein paar Startnummern weiter hinten der 76er Chevrolet Camaro im Biene-Maja-Look mit Stefan Seibert am Steuer. 165 PS stark blubbert der 5,8 Liter große Achtzylinder satt vor sich hin.

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Die Bodensee Klassik führt die Teilnehmer in drei Tagen durch drei Länder: Auf malerischen Nebenstraßen geht es durch das Dreiländereck Deutschland, Österreich und Schweiz. Ausgangspunkt ist die Seetribüne der Bregenzer Festspiele, die Etappen führen unter anderem nach Friedrichshafen , ins Appenzeller Land zum Säntis und durch Oberschwaben. Im Bregenzer Festspielhaus wird zum Schluss die Rallye-Premiere gefeiert.

Rarität BMW 733i

Bei ihrer ersten Auflage ist die Bodensee Klassik insbesondere ein Treff der Oberklasse- und Luxuslimousinen. Ein 173 PS starker Jaguar XJ 6 4.2 Serie 2 ist ebenso vertreten wie ein Ford Granada 1.700 aus dem Jahr 1976, ein Audi 100 Typ 43 CD 5E oder die sehenswerte S-Klasse der Baureihe W 116. Natürlich darf auf einer Oldtimerrallye auch der berühmte Mercedes-Flügeltürer 300 SL nicht fehlen, ebenso wenig ein Porsche 356. Deutlich seltener bekommt man schon ein Luxuscoupé wie den Alfa Romeo Montreal von Bernhard Koziara aus dem Jahre 1973 oder ein BMW 507 Roadster von 1958 zu sehen, vom dem gerade einmal 250 Fahrzeuge gebaut wurden.

Kein Wagen war auf der Bodensee Klassik aber so einzigartig wie das Exemplar des BMW 733i von 1977. Die schwarze Luxuslimousine mit ihrem Reihensechszylinder diente bei BMW lange Zeit als ein internes Schulungsmobil für Servicearbeiten. So hat der 197 PS starke Oldtimer trotz seiner 35 Jahre kaum mehr als 8.000 Kilometer auf dem Tacho. Der grüne Flockvelours im Innern strahlt ebenso im Bestzustand wie der Rest des Fahrzeugs.

Bei dem überwiegend schönen Wetter kamen die Cabriofahrer auf der Bodensee-Rallye besonders auf ihre Kosten. Die Kleinarmee von offenen Porsche-911-Exemplaren sah sich einer ganzen Reihe von Konkurrenten gegenüber: Triumph TR6, BMW 1.600 Cabriolet, Opel Rekord C Cabriolet, MG MGB oder den Mercedes-SL-Versionen der verschiedenen Dekaden. Noch schöner offen fahren konnte man nur im Maserati 3.500 GT Vignale Spyder. Der offene Norditaliener mit 225 PS war in seinem Baujahr 1961 ein nahezu unbezahlbarer Traumwagen. Da kommen selbst offene Jaguar-E-Type oder Austin Healey 3.000er nicht mit.

Ebenfalls spektakulär und nahezu einzigartig: der Opel Moonlight Roadster von 1933 mit seinem 1,8 Liter großen Vierzylinder. "Ein tolles Auto, gerade in dieser Zweifarblackierung", schwärmt sein Fahrer Hanns-Werner Wirth. "Etwas mehr Leistung könnte er in den Bergen jedoch schon haben. Da sind 33 PS nicht viel." Doch wie wenig die Motorleistung bei einer derartigen Rallye ausmacht, war am Ende zu sehen. Wirth gewann die Erstauflage deutlich, obwohl es für einen Beifahrerwechsel sogar noch Strafpunkte gab.

Auf Platz zwei landete das Duo Andreas und Babette Teichmann in einem Jaguar E-Type 4.2 Serie 1 aus dem Jahre 1965. Auf dem dritten Platz konnte sich mit dem 1969er Datsun 240 Z ein Sportwagenexot mit der Fahrerbesatzung Axel Ernst und Johannes Bitte-Suermann platzieren. Von der ebenfalls ausgefahrenen Elektrowertung war bei der Boden Klassik nicht viel zu sehen. Andere Start- und Zielpunkte sowie eine kürzere und weitgehend andere Streckenführung als die Oldtimer ließen die Elektrofahrzeuge rund um den Bodensee im Abseits stehen.

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Leserkommentare
  1. oder weil sie nichts anderes zu tun haben und sonst keiner ihr hobby bewundern könnte? diese generation stirbt auch mal aus.

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    • bugme
    • 07. Mai 2012 19:34 Uhr

    Vermutlich weniger schädlich als die meisten Urlaubsgewohnheiten der Foristen.

    • bugme
    • 07. Mai 2012 19:34 Uhr

    Vermutlich weniger schädlich als die meisten Urlaubsgewohnheiten der Foristen.

  2. ... besteht in den meisten Fällen zu 2% aus Moral, zu 48% aus Hemmungen und zu 50% aus Neid.
    (F. Nietzsche)

    Danke für den schönen Artikel.

  3. Auch die heutigen Autos werden einmal mit Rührung bestaunt werden, auch wenn das heute noch nicht vorstellbar ist. Sie werden Midlifechrysler an ihre Jugendzeit erinnern. Das ist ein schönes Gefühl.
    Ja, die Autos mit den H-Kennzeichen haben keine Katalysatoren, keine Airbags und kein ABS. Sie stoßen mehr Kohlenwasserstoffe, NOx und SOx aus, aber nur pro Kilometer, daher letztlich viel weniger als moderne Fahrzeuge, denn sie stehen die meiste Zeit und rollen nur an Schönwettertagen mal zu einer Oldtimerrallye. Das reicht nicht für moralische Verdammung. Und: sollte ein altes Auto mehr fahren als das, dann kann man immer noch auf den gesamten ökologischen Fußabdruck verweisen: ein Auto, das nicht hersgeellt werden musste, weil ein altes noch läuft, ist schon mal eine große Ressourcenersparnis.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte BMW | Ford | Klassik | Bodensee | Alfa Romeo | Jaguar
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